Fantasy Film Fest 2011: Innkeepers
Themen: Fantasy Filmf. 11, Neues |USA 2011 / DCP / 102 MIN / ENGLISCHE OV
REGIE Ti West
DARSTELLER Sara Paxton / Pat Healy / Kelly McGillis / George Riddle / John Speredakos
Story (offizielle Synopsis): Claire und Luke haben ein eintöniges Wochenende vor sich. Die Mittzwanziger sind die letzten noch übrig gebliebenen Angestellten der einst so glorreichen Herberge „Yankee Pedlar Inn“, irgendwo im trüben Neuengland. Das als Spukhaus berüchtigte Hotel soll in der folgenden Woche abgerissen werden. Somit haben sie nur noch wenige Stunden an der Rezeption abzuleisten – eine trotzdem scheinbar endlose Zeit, die sich Claire und Luke mit Papierkram, absurden Diskussionen über paranormale Phänomene und den Wünschen der zwei letzten Hotelgäste vertreiben. Als sie beschließen, der Vergangenheit des Hauses auf den Grund zu gehen, setzen sie rätselhafte Geschehnisse in Gang …
Kritik: Wer nicht hören will, muss fühlen. Ich hatte ja schon seinerzeit bei "House of the Devil" gelernt, dass Ti West der König der verfilmten Langeweile ist. Seine Kunst besteht darin, eine Protagonistin eine Stunde lang durch Gänge schleichen zu lassen, ohne das was passiert. Darin ist er ein Könner. Wenn mal "10 Liter Farbe trocknen" verfilmt wird – West is da man!
Und exakt DAS setzt er uns in "The Innkeepers", so einer Art "Slacker-Shining", wieder vor. Die Heldin Claire schleicht durch das verlassene Hotel, zieht Schnuten, erschreckt sich immer wieder mal, irgendwie ist alles ominös, ohne dass in den ersten 90 von erheblich zu langen 102 Minuten IRGENDWAS passieren würde, was die Bezeichnung Plot verdient. Oder wenigstens Geschehen. Die (Standard-)Geister geben sich erst im (frech abgekürzten) Finale die Ehre, haben weder Antrieb noch Eigenschaften – und das Ende ist geradezu lächerlich schlecht durchdacht. Vorsicht SPOILER: Wenn Claire selber ein Geist wird, muss sie wohl bald auf einem Parkplatz spuken, da uns ja erklärt wurde, dass das Hotel demnächst abgerissen wird…
Zumindest erlaubt das etwas höhere Budget Ti West diesmal eine Steigerung der technischen Leistungen: Das "Pedler’s Inn" ist schön fotografiert, die Ausleuchtung ist exquisit und die Musik gefällt, auch wenn sie (wie schon bei HOTD) immer wieder gewaltsam eine Spannung suggeriert, die von den Ereignissen auf der Leinwand nicht gestützt wird.
Letztlich gibt es allerdings nur zwei Gründe, warum "Innkeepers" nicht so ein vollendeter Schnarcher wie HOTD ist. Das ist einmal Sara Paxton, die als "tomboy" toll Schnuten ziehen und die Kulleraugen aufreißen kann. An sie dürften viele Geeks ihr Herz verlieren, der burschikose Charme erinnert an Keira Knightley in "Bend it like Beckham". Außerdem ist West diesmal so schlau, seiner Protagonistin noch weitere Charaktere an die Seite zu stellen, mit denen sie sich unterhalten kann. Das sorgt für etwas Abwechslung in der "Habe ich da nicht eben was gehört?"-Monotonie.
Ich kann es nicht fassen, muss es der Vollständigkeit aber vermelden: Wie schon bei HOTD gab es VIELE Zuschauer im Kino, denen der Film tatsächlich gefallen hat. Ich bin von Idioten umzingelt, wie es scheint.
Fazit: Ein 100minütiger "cock tease", der sich als "Haunted House"-Film ausgibt, aber nur Lektionen in gepflegter Langeweile erteilt. Nasepopeln ist spannender.
Schön zu lesen, dass es noch jemanden gibt, der Ti West nicht für einen Regiegott und sein überschaubares Ouevre nicht für das geschnitten Brot der filmischen Neuzeit hält; auf Ofdb/GF wird man für solche Ansichten ja mehr oder weniger gekreuzigt. HotD habe ich auch nur durch krampfhaftes Selbst-Kneifen schlaffrei überstanden, bei CF2 hätte ich fast gekotzt.
P.S. Hat eigentlich jemand hier schon mal Danke gesagt für die zeitnahen und doch noch (im Rahmen des Möglichen) ausführlichen FFF-Kritiken ? Wenn nicht, hiermit geschehen.
@ Teleprompter: I aim to please. Danke.
Auch ich möchte ganz und gar nicht undankbar klingen (wirklich!), aber war da nichtmal was mit angekündigten Videoreviews? 🙂 Die Probleme des ersten Tages müssten sich doch nach jetzt 3 Tagen erledigt haben, oder? 🙂
@ Trantor: In der Tat – schön wär’s gewesen. Leider ist es zeitlich nicht mal theoretisch möglich. Texten, filmen, schneiden, konvertieren und uploaden – sechs Kritiken pro Tag, irgendwann um vier Uhr nachts?
2010 hatte ich 18 Filme, die ich nicht mal alle gesehen habe. Das ging. Bei mehr als 40 ist Schicht im Schacht. Ich bereite jeden morgen die Reviews des Tages vor (Bilder, Synopsis, Trailer, etc.) und während die anderen gemütlich was futtern gehen oder quatschen, verbringe ich die wenige Zeit zwischen den Filmen damit, hektisch Reviews in das Notebook zu hacken, welches ich zu diesem Zweck den ganzen Tag mit mir rumschleppen muss.
It is what it is.
"It is what it is"
And it is awesome!
Als ich eben meinen Kommentar abgeschickt hatte und nochmal auf Reload der Seite klickte, poppte direkt der nächste neue Review auf… in dem Moment war mir dann auch klar, dass bei dieser Masse an Filmen ein hollywoodeskes Bewerten kaum zu machen ist.
Weiter so, lese die Reviews extrem gerne!
"… verbringe ich die wenige Zeit zwischen den Filmen damit, hektisch Reviews in das Notebook zu hacken, welches ich zu diesem Zweck den ganzen Tag mit mir rumschleppen muss."
Ist Dir vielleicht ein schwacher Trost, aber hiermit sei Dir mein ausdrücklicher Dank dafür sicher. Deine Seite ist "lebendig" wie nie zuvor. 🙂 Neverending Reviews ftw!
Aber das Poster sieht ganz nett aus.
"Ich kann es nicht fassen, muss es der Vollständigkeit aber vermelden: Wie schon bei HOTD gab es VIELE Zuschauer im Kino, denen der Film tatsächlich gefallen hat. Ich bin von Idioten umzingelt, wie es scheint."
Na moment, letztens hatten wir doch in einem anderen Thread irgenetwas mit Dogmatikern und so. Alle die den Film mochten= Idioten?
A ghost story for the minimum wage…
He.. kommt ja irgendwie hin nicht wahr 😉
@ reptile: Das sind die Auswirkungen der fehlenden Peroy-Präsenz. Wenn keiner aus dem Staff mehr da ist, der den Geisterfahrer mimt, muss der Chef selber ran …
*duck*
😀
Der Doc und ich schmollen als offizieller "House of the Devil"-Fanclub gerade ein wenig…
@Marko
Ja, das habe ich mir auch gedacht, dann aber doch nicht getraut zu schreiben….:-)
@Reini: ich schmolle ein ganz klein wenig mit, wenn’s Recht ist….
Aber Inkeepers habe ich auch nicht auf dem Zettel.
"Der Doc und ich schmollen als offizieller “House of the Devil”-Fanclub gerade ein wenig…"
Dito.
Aber hey, alte Leute können sich schlecht konzentrieren und auf einen Film einlassen, wenn Prostata, Hämorrhoiden und die Blase drücken, also sehen wir dem Vogel das mal nach… :p
Gut, dass ich mich für "Super" entschieden habe, de rläuft hier nämlcih zeitgleich. Und schade eigentlich, "Clerks" in einem Haunted House klang schon irgendwie interessant.
Danke auch von mir für die viele Arbeit. Die Video-Reviews waren zwar eine tolle Sache, aber angesichts der Länge auch sehr zeitraubend. Lesen geht schneller:-)
Interessant. Allerdings ist -zumindest für mich- Albert Pyun der König der verfilmten Langeweile…
@Reini, Filmi
Gibt ja wenigstens noch ein paar nicht ADS-Geschädigte 😀 ("Innkeepers" kucke ich allerdings auch nicht, aber die DVD merke ich mir vor.)
Spukhausfilme sind eh meine Sache nicht so wirklich, da werde ich nach diesem Film (trotz anscheinend ganz netter Frisur der Hauptdarstellerin) wohl nicht wirklich ausschau halten.
Zur Videoproblematik: Vielleicht am Ende wieder so ein kleines Gruppengespräch mit anderen "qualifizierten" Leuten, die du auf dem Festival so triffst? Ich habe es ja dieses Jahr ja leider doch nicht geschafft, so dass ihr auf meinen eindrucksvollen Ärmel am Bildrand diesmal wohl verzichten müsst.
"Ich kann es nicht fassen, muss es der Vollständigkeit aber vermelden: Wie schon bei HOTD gab es VIELE Zuschauer im Kino, denen der Film tatsächlich gefallen hat. Ich bin von Idioten umzingelt, wie es scheint."
Radio: "Auf der Autobahn nach XYZ kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen."
Torsten: "Einer? Ich sehe mindestens ein Dutzend."
Tja, Torsten, normalerweise mache ich das mit Peroy, aber dieses Mal hast du dir den Spruch verdient.
Schick gefilmter, zugegebenermaßen nicht sonderlich rasanter, dafür aber streckenweise sehr lustiger, durchgehend sympathischer und gegen Ende wirklich im altmodischen Sinne gruseliger kleiner Film. 8/10
@ Marcus: Ja, bei Ti West scheiden sich die Geister. Genau deshalb habe ich das auch geschrieben. Ändert aber nichts an meiner Meinung.
@Torsten:
Wie üblich stört mich nicht deine Meinung, sondern wie du sie rüberbringst.
Den Geisterfahrerspruch verdankst du nicht deiner Bewertung des Films, sondern dem peroyesken "Ich bin von Idioten umzingelt".
Sicher, der Hausherr darf hier reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist (weil er das tut, sind wir ja hier), aber ein freundschaftlicher Hinweis, dass ihm soviel Engstirnigkeit gar nicht steht, ist doch wohl erlaubt.
@ Marcus: Gerade beim launigen FFF sollte klar sein, dass der "Hausherr" gerne mal zu überspitzten Formulierungen greift, gelle? Ich bin ja auch nicht WIRKLICH nach "End of Animal" zum Hunde treten in den Park gegangen (ich kann allerdings nicht garantieren, dass Simon nicht hinterher ein paar Penner angezündet hat).
Ich finde es ausnehmend "fair and balanced" von mir, dass ich extra vermerke, wenn ich im Kino mit meiner Meinung anscheinend nicht die Mehrheit vertreten habe.
"Ich bin ja auch nicht WIRKLICH nach “End of Animal” zum Hunde treten in den Park gegangen."
Wieso nicht? Nach dem Doppelschlag "Kill List" und "Rabies" hätte ich das gemacht, aber ich wollte halt "Norwegian Ninja" nicht verpassen. 😀
"Gerade beim launigen FFF sollte klar sein, dass der “Hausherr” gerne mal zu überspitzten Formulierungen greift, gelle?"
Schon klar, aber wenn man anstelle eines Films dessen Publikum attackiert, kommt das halt peroyesk rüber – und das steht dir halt nicht so gut.
Ach, ein bisschen badmovies-Foren-Umgangston steht dem Wortvogel gelegentlich ganz gut. 8)
@Marko: nee, ein Blog verträgt nur soundsoviele hirnlose und unter die Gürtellinie gehende Kommentare. Und die hat MV für die nächsten drei Jahre aufgebraucht. Ist so. 😉
Hab "Innkeepers" nun doch gesehen (kommt davon, wenn man keine Ahnung mehr hat, für was man sich nun tatsächlich Karten gekauft hat) und fand ihn toll und den besten Film des Festivals. Der Vogel ist halt doof.