Fantasy Filmfest 2026 (14): SPECIES
Regie: Marion Le Corroller
Darsteller: Mara Taquin, Karin Viard, Kim Higelin, Sami Outalbali u.a.
Offizielle Synopsis: Die junge Arztpraktikantin Margot trifft bei ihrem ersten Job in einem Krankenhaus nicht nur auf Patient:innen, die eine eigenartige Mutation durchlaufen, sondern entdeckt diese Veränderungen auch an sich selbst. Die Klinik, deren Gänge neben dem gewohnten antiseptischen Blau auffallend viele tiefe Rottöne bereithält, wird zur Bewährungsprobe zwischen Leistungsdruck und den unerträglichen Schmerzen ihrer Transformation.
Kritik: Auch hier gestehe ich freimütig, dass ich mit einer Portion Skepsis ins Kino gegangen bin. Der moderne französische Horrorfilm, gut und gerne von Frauen inszeniert, verfängt bei mir nicht immer, möchte zu oft Kunst, zu oft relevant, zu oft feministisch sein. Die Videobotschaft von Marion Le Corroller verstärkte meine Bedenken: die Frau hat "issues". Und den eigenen Film als "bloody, edgy, and very feminine" zu beschreiben, empfinde ich als etwas selbstbesoffen.
Aber ich gehöre auch zu der Sorte Kritiker, die sich überzeugen lässt, wenn das Produkt überzeugen kann. Und wahrlich: SPECIES ist ein Kracher vor dem Herrn, ein gnadenloser Bodyhorror über die schmerzhafte Wandlung hin zum "neuen Fleisch" für eine neue Gesellschaft, die mehr von uns verlangt, als unsere "alten" Körper geben können. Die Zukunft wird in Blut und Schmerz geboren…
Das ist für einen Erstling nicht nur erstaunlich straff und selbstsicher inszeniert, sondern auch mit einem klaren Stilwillen, einer erkennbaren kraftvollen Stimme. Das Krankenhaus ist keine "realistische" Location, sondern eine Mischung aus Bondage-Club und Vorhölle, in der schreiende Menschen von vorbei hastenden Ärzten abgefertigt werden und Effizienz nicht in der Gesundung, sondern in Visiten pro Minute gerechnet wird. In diesem Dampfkessel entsteht eine neue Welt.
Ich habe lange keinen Film mehr gesehen, dessen blutige Effekte so analog und schmerzhaft sind. Viele Leute im Saal haben sich weggedreht, wo Marion Le Corroller genussvoll hinschaut. Keine CGI – hier reißt Latexfleisch in Fetzen, hier blubbern die Pusteln unter Zugabe von Säure. Nicht für schwache Nerven.
Das hat Kraft, das hat Mut, das hat Vision – und es wäre sicher eine 10 draus geworden, wenn Le Corroller ihren Film nicht in eine Rahmenstory gepackt hätte, die ihm einen unnötigen und albernen Kontext geben soll. Ich würde Geld drauf wetten, dass das SO nicht geplant war und erst nachträglich reingedengelt wurde. Hier wird gerade die Faszination des Unerklärten zugunsten einer schwachbrüstigen Zeitgeistkritik verspielt.
Davon ab: ein "must see" auf diesem Festival.
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BILD DES TAGES
Heute auf Facebook entdeckt – eine bedenkenswürdige Perspektive:

Danke für diese Review, denn exakt das hatte ich erwartet. Vor 30 Jahren wäre ich sabbernd und geifernd reingerannt. Heute kicken mich solche Filme einfach nicht mehr. Ich mag dünnhäutig geworden sein, aber schön das so ein shit noch auf dem FFF läuft und ganz ohne Botschaft auskommt.
Okay, der ist für mich als großer Cronenberg-Fan gleich mal auf meiner "Must-see"-Liste gelandet. Danke.
Allerdings hat mir schon das Poster-Artwork erfolgreich den Film verkauft. Like it.
Zünftiger Body-Horror mit einem Schuss Gesellschafts-Kritik (YMMV – ich fand die Idee ganz witzig). Für mich bisher definitiv ein Highlight dieses Jahr!