Fantasy Filmfest 2026 (13): ANYMART
Regie: Yusuke Iwasaki
Darsteller: Shota Sometani, Erika Karata, Masahiko Nishimura, Kuruma, Tatsuya Nagashima
Offizielle Synopsis: „Herzlich willkommen“ und „Beehren Sie uns wieder“ heißt es im Akkord. Mit den nervigen Kund:innen, dem ätzenden Boss und der tödlichen Monotonie weckt der Supermarkt, in dem Sakai seine Stunden runterschrubbt, durchaus Assoziationen an Dantes Hölle. Als plötzlich immer mehr seltsame Dinge geschehen und die Belegschaft durch äußerst blutige Todesfälle dezimiert wird, ist der junge Verkäufer entschlossen, dem Grauen ein Ende zu bereiten, und setzt sich zur Wehr.
Kritik: Weil sich manche Dinge nie ändern: streicht den letzten Satz der Inhaltsangabe, denn er impliziert eine Wandlung bzw. einen Einsatz des Protagonisten, die der Film nicht bieten mag. Auch Regisseur Iwasaki konnte in der Grußbotschaft nicht glaubhaft versichern, ANYMART sein ein Horrorfilm. Es ist ein Komödie, wenn auch in der zweiten Hälfte eine zutiefst schwarze.
Im Grunde genommen ist das hier CLERKS: TOKYO DRIFT, eine dem japanischen Markt angepasst Version von Kevin Smiths Klassiker. Wir erleben den lethargischen Sakai, dessen Vater der Besitzer der Franchise-Filiale ist und der viel Kollegen kommen und gehen sieht, weil sie gegen die kleinsten Verhaltensregeln verstoßen. In Japan ist jede Form von Individualität am Arbeitsplatz unerwünscht. Auch Ladendiebe werden geduldet, weil der Rummel ihrer Verhaftung als störend empfunden wird. Der Laden muss perfekt sein, der Ablauf muss perfekt sein, das Personal muss perfekt sein.
Es ist faszinierend, wie die verschiedenen Angestellten mit dem Druck umgehen, wie sich unterordnen, zerbrechen, oder irgendwann in die innere Emigration gehen. Das System schafft jeden – und als Sakai merkt, wie sehr es seinen Vater innerlich zerrüttet hat, versucht er das erste und das letzte Mal den Ausbruch…
Ja, das ist streckenweise sehr komisch, lebt von gut beobachteten Ritualen, und nimmt uns auch klar für die "kleinen Angestellten", deren Welt an das dröge Großbüro von THE OFFICE erinnert. Aber ANYMART ist auch bewusst langsam erzählt, gönnt sich lange Blicke auf schweigende Charaktere, was dann schnell in Monotonie ausartet – gewollt? Es ist kein Film, der wirklich in Fahrt kommt, und die zwei, drei Schocks in der zweiten Hälfte schrecken den Zuschauer zwar auf, sie geben dem Film aber keine neue Richtung und kein neues Tempo.
So bleibt eine bitterböse Slacker-Komödie, die den hässlichen Eiter unter der perfekten japanischen Fassade zeigt, wo das freundliche Lächeln oft existenzielle Angst vor Jobverlust und sozialer Ausgrenzung versteckt. Kann man mal gucken, ist aber vom versprochenen Highlight weit entfernt
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BILD DES TAGES
Endlich mal wieder was Ordentliches bei meinem favorisierten Inder spachteln, der bis 1 Uhr nachts das Kichererbsen/Kartoffel-Curry warm hält:

Ichiban. Kaisen. Als motivierter Jungmanager fand ich dieses japanische Modell vor 35 Jahren mal richtig geil. Heute muss ich leider nur noch kotzen. The times, they are a changing. Einer der wenigen Filme die ich sehen wollte. Und erneut bin ich dankbar dafür das Du den nicht "abgefeiert" hast. — PS : Es gibt nichts schöneres als sich zum Frühstück was scharfes vom Inder reinziehen zu können.
Ich möchte hier mal eine ehrliche Warnung aussprechen: Dieser Film ist technisch gesehen eine pechrabenschwarze Komödie, aber verfilmt eben auch wie hochfunktionale Depression aussieht.
Die Menschen werden hier zerrieben, jeder Moment des Glücks stirbt, das Licht am Ende des Tunnels ist der Zug und es gibt keine Hoffnung und alle wissen es und ziehen sich einfach nur in den nächsten Tag.
Das ist alles so trostlos, zieht sich durch jede Interaktion und jedes Gespräch, im besten Fall wird man durch kurze Momente des Lichts nur genug vom Unglück anderer abgelenkt, um es gerade nicht wahrzunehmen.
Obwohl, auch bei direkter Konfrontation mit deren Leid ignoriert man es einfach.
Fast niemand hat hier noch irgendetwas an Gefühl zu geben.
Positiv ist zu vermerken, dass eigentlich alle Schauspieler einen super Job machen und die Bestandsaufnahme messerscharf durchgeführt wird, wenn auch vielleicht einige Monologe etwas zu direkt in ihrer Botschaft sind.
Das hier war definitiv der Film, der einen nach dem vergnüglichen LA VERTIGE richtig runtergezogen hat. Als bitterböse Abrechnung mit der japanischen Arbeiterkultur (wobei viele Aspekte davon mittlerweile auch woanders zu finden sind) ist er gut gemacht und hat schon seinen Platz auf dem FFF.