11
Dez 2023

The Bionic Kommode

Themen: Neues |

We can rebuild it – we have the technology!

Ich hatte es ja neulich bereits angekündigt – meine alte Kommode, die seit einer Umgestaltung wie neu mein Arbeitszimmer ziert, musste mal wieder eine meiner spinnerten Ideen über sich ergehen lassen.

Gekauft habe ich die Kommode zur Jahrtausendwende bei mam limited, einem Möbelhaus, das lange nicht mehr existiert. Über zwei Meter lang, Massivholz, Porzellangriffe, schwere große Schubladen. Reduziert, aber immer noch teuer, wenn ich mich recht erinnere. 15 Jahre lang der Mittelpunkt meiner Geekbude:

Die Kommode gehörte auch zu den wenigen Möbeln, die in den ersten Hausstand mit der LvA übernommen wurde. Sie “schluckt” einfach viel und die große Ablagefläche beherbergt gerne Telefone, Schachteln, Post und Krimskrams.

Aber natürlich hat die Kommode über die Jahre gelitten: Sachen wurden verschüttet, aus Kratzern wurden Splitter, die Griffe lockerten sich gefährlich. Der Transport bei fünf Umzügen hat ihr auch nicht gut getan.

Die LvA schlug eine Entsorgung des Trumms vor – aber da es meine Kommode ist und sie mittlerweile wieder im Arbeitszimmer stand, legte ich mein Veto ein. So ein massives Möbel ist ideal, um eine Restauration wenigstens zu versuchen.

Die fette Arbeit überließ ich einem Profi, der die Griffe entfernte, den gesamten Korpus nach meinen Wünschen malerte und dann neue, modernere Griffe anbrachte. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden:

Leider kam mit dem Lack noch mehr hinzu, was im Alltag leiden konnte – und der Lack litt. Kein Wunder, standen doch mehrere schwere Gerätschaften auf der Kommode, darunter eine brutale Papier-Schneidemaschine. Nach zwei Jahren war mir klar – da muss nochmal was gemacht werden.

Ich kaufte mir Pinsel und Farbe und malerte die Deckplatte in taubenblau um:

Sah toll aus, aber diverse Leser mahnten an, dass ich die Platte vorher hätte abschleifen sollen. In der Tat zeigte sich schnell, dass die neue Lackschicht kaum Halt fand und sich wie Gummi abrubbeln ließ. Nach ein paar Monaten kam immer mehr von der originalen Farbe wieder durch. Auch nicht schön.

Ich war versucht, die Platte nun doch mal richtig abzuschleifen und neu zu lackieren, zumal ich ausreichend Farbe von der letzten Aktion übrig hatte. Aber das roch nach Arbeit, nach Staub, nach Zeitaufwand, nach Risiko – ich bin kein Handwerker. Und wieder einen dafür bezahlen wollte ich auch nicht.

Über den Versuch, meinen alten Sessel mit aufbügelbaren Flicken zu retten, kam ich auf die Idee, es auch bei der Kommode mit einem selbstklebenden Bezug zu versuchen. Nicht einfach eine Folie, das war mir zu glatt und zu anfällig und zu billig – ich schoss mich auf Textil ein. So fand ich es interessant, die Platte mit “Jeans”-Stoff oder Leinengewebe zu beziehen. Das schien mir von der Haptik her attraktiv, weich und warm – man denkt ja auch an die Katzen.

Tatsächlich entschied ich mich am Ende für ein Kunstleder in grau:

Dank der Haftschicht war ich guter Dinge, den neuen Bezug verlustfrei und ohne Werkzeug anbringen zu können. 28 Euro war zudem ein sehr fairer Preis für 3 Meter mal 60 Zentimeter – für den Rest von 90 mal 60 Zentimeter wird sich ein Verwendungszweck finden.

Die Möbelfolie kam (gerollt), sah gut aus, und wurde für den Einsatz vorbereitet, während sie sich auf Raumtemperatur akklimatisierte. Die LvA ging mir wie immer patent zur Hand und nach zehn Minuten klebte alles dort, wo es kleben sollte.

Ich hatte mir im Vorfeld Sorgen gemacht, die Folie könne zu stark Blasen werfen oder auf dem etwas rustikalen Untergrund der mehrfach lackierten Kommode nicht glatt liegen, aber das stellte sich als unbegründet heraus. Mit einem Teppichmesser konnte ich die überstehenden Kanten abschneiden und die Ecken abrunden. Soll ja auch was fürs Auge sein.

Mit dem Ergebnis bin ich zufriedener, als ich gedacht hatte:

Das passt farblich gut zusammen und fasst sich auch sehr angenehm an. Wie Kunstleder eben. Ist auch gut abwaschbar, verkratzt nicht und hindert Geräte wie Gegenstände daran, leichtfertig zu rutschen.

Man kann durchaus in die Details gehen:

Das Beste daran: Sollte ich mich an der grauen Farbe satt sehen oder das Material doch mal beschädigt werden, kann ich es einfach abziehen und durch eine neue Auflage (vielleicht in anderer Farbe?) ersetzen.

Nach zwei Wochen lautet mein Urteil demnach: ich bin verblüfft. Das war so erheblich einfacher als ein neuer Anstrich und hat so viele sekundäre Vorteile, dass ich mich ärgere, nicht schon früher auf die Idee gekommen zu sein – und das nicht nur für die Kommode. Mit dem Kunstleder (oder anderen Textilarten) hätte ich schon früher so manches Möbelstück aufpeppen können. Hätte mir Arbeit, Zeit und manches Mal den zu frühen Trip zum Sperrmüll erspart.

Das war’s auch schon.



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