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Okt 2021

Fantasy Filmfest 2021 Tag 5, Film 1: NIGHT DRIVE

Themen: Fantasy Filmf. 21, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2019. Regie: Brad Baruh, Meghan Leon. Darsteller: AJ Bowen, Sophie Dalah, Scott Poythress

Offizielle Synopsis: Sein Porsche ist alles, was Russell geblieben ist, nachdem der erfolgreiche App-Entwickler seine Firma verloren hat. Inzwischen verdient er seinen Lebensunterhalt damit, illustre Fahrgäste quer durch Los Angeles zu kutschieren. Sein letzter Passagier für den Abend ist Charlotte. Die nette Begegnung mit der jungen Frau driftet schnell in absurdes Chaos: Eigentlich wollte Charlotte nur ein paar Sachen bei ihrem Ex abholen, dabei geht aber einiges schief und die anschließende Flucht in die Nacht wirft das unfreiwillige Pärchen in einen scheinbar endlosen Wirbelsturm aus Verfolgungsjagden, Polizeikontrollen, Kollateralschäden und gezielten Kopfschüssen. Und über allem steht die Frage: Was zum Teufel versteckt Charlotte eigentlich in ihrem Gepäck?

Kritik: A.J. Bowen ist mittlerweile eine Kultfigur der Indie-Szene – ein unscheinbar wirkender, aber sehr präsenter Hauptdarsteller, der sich seine Meriten fast ausschließlich in Genreproduktionen wie THE SIGNAL, THE GUEST und A HORRIBLE WAY TO DIE verdient. Eine Art Horror-Tom Hanks. Das macht ihn natürlich auch auf dem Fantasy Filmfest zu einem oft und gerne gesehenen Gast. NIGHT DRIVE passt mal wieder wie die Faust aufs Auge in sein Oeuvre: eine Low Budget-Digitalproduktion, die aus wenig viel macht, die farbenfroh die Atmosphäre des nächtlichen LA einfängt (nicht unähnlich RIDE vor drei Jahren) und sich auf den Einsatz ihrer beiden Hauptdarsteller voll verlassen kann.

Die obige Aussage greift allerdings schon vor, denn die erste halbe, dreiviertel Stunde geht NIGHT DRIVE eher gemächlich an, gaukelt ein Scheitern an den Maßstäben des Thrilller-Kinos vor: Russell wirkt Charlotte nie wirklich ausgeliefert, Charlotte wirkt nie wirklich psychopathisch oder wie ein unüberwindbares Hindernis. Er ist eher so stoisch, sie eher so charmant unberechenbar. Die Situationen, in die sich beide bringen, sind hausgemacht und dramatisch, eskalieren aber nicht in den Maße, in dem man es sich wünschen würde – da sind wir ebenfalls noch sehr nahe an RIDE.

Aber mit dem McGuffin des kleinen Koffers (Erinnerungen an REPO MAN und PULP FICTION) wendet sich das Blatt, bisher Unverständliches wird verstanden, neue Möglichkeiten führen den Film zu einem Ende, das eben nicht die Vorgaben des modernen Thrillers bedienen will oder muss. Das erinnert mich auch an SPRING, der ebenfalls über den Großteil der Laufzeit eine Geschichte erzählt, die im dritten Akt eine überraschende Wendung in ein anderes Genre nimmt.

Nun kann man diskutieren, ob der plötzliche Linksabbieger wirklich funktioniert. Für mich kam er etwas spät und hat mich final zwar milder gestimmt, aber das gesamte Erlebnis damit nicht rehabilitiert. NIGHT DRIVE hätte sich etwas mehr Mühe geben können, von Anfang mehr Hinweise zu säen, mehr Spuren zu legen. Andererseits: dann wäre die Wende vermutlich auch nicht so überraschend effektiv gewesen.

Letztlich bleibt ein "kleiner" Genrefilm der sehr sympathischen Sorte, der vermutlich als "Midnight Movie" etwas besser funktioniert und der mir allemal lieber ist als generisches Gerumpel mit Pseudo-Botschaft wie BLOOD CONSCIENCE (kommt heute Abend).

Fazit: Ein anfänglich verführerisch banaler "Thriller", der etwas zu lange braucht, um in den eigentlichen Plot einzusteigen, dann aber rückwirkend viele seiner vermeintlichen Schwächen als clevere Taschenspielertricks enthüllt. Von 4 auf 8, da gebe ich kombiniert mal wohlwollend 7 von10 Punkten.

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P.S.: Titel und Poster haben ja einen Synthwave-Touch – ich wünschte, es würde mal jemand zu diesen Animationen und diesem Sound einen Film machen:

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