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Feb 2021

Kino/Streaming Kritik: MONSTER HUNTER

Themen: Neues |

USA/D/CHINA 2020. Regie: Paul W.S. Anderson. Darsteller: Milla Jovovich, Ron Perlman, Tony Jaa, Jannik Schümann u.a.

Synopsis (offiziell): Artemis ist die Anführerin einer kleinen Militärpatrouille, die sich in einer Wüste auf der Suche nach einer verschollenen Einheit befindet, deren letzte Meldung abrupt abgerissen ist. Ein mysteriöser Sandsturm erfasst die Fahrzeuge der Einheit und schleudert sie offensichtlich in eine fremde Welt, in der sie von riesigen, echsenartigen Monstern angegriffen werden. Dort treffen sie auf einen einheimischen Jäger, der Artemis mächtige Schwertwaffen zeigt und sie in der Anwendung ausbildet. Damit versuchen die Soldaten das Eindringen der verschiedenen Monster in die eigene Welt, wo diese bereits die Menschen angreifen, zu verhindern.

Kritik: Ich bin mir unsicher, wie ich das Oeuvre von Paul W.S. Anderson einordnen soll – der hat mit SHOPPING und MORTAL KOMBAT ganz gut angefangen (an EVENT HORIZON scheiden sich die Geister – ich mag ihn nicht), aber seit mehr als 20 Jahren dreht er die immer gleiche Sorte international produzierten, jugendtauglichen, CGI-verpesteten Action-Dreck, der mit viel Remmidemmi davon ablenken will, dass die Figuren nicht entwickelt und die Welten nicht definiert sind. Es ist vielleicht bezeichnend, dass Anderson da erfolgreich ist, wo Boll scheiterte – er hat die RESIDENT EVIL-Verfilmungen zu einer Milliarden-Cashcow gemacht. Und mit der MONSTER HUNTER-Franchise versucht er nun, sich das Auskommen für die nächsten 15 Jahre zu sichern. Dann ist er 70 und kann in Rente gehen.

Was ich daran nicht einordnen kann? Ganz einfach. Man könnte schlussfolgern, dass ein Regisseur, der nach vier Resident Evil-Filmen (als Regisseur – sechs als Produzent) immer noch nicht gelernt hat, wie man einen Charakter entwickelt oder eine Story baut, einfach ein hoffnungsloser Stümper ist. Andererseits gibt ihm – anders als Boll – der Erfolg recht. Vielleicht lernt Anderson deshalb nicht dazu, weil er genau das, was er macht, für richtig hält. Weil es funktioniert. Vielleicht ist er der Dieter Bohlen des Genre-Kinos: die immer gleichen, durchschaubaren, müden Methoden – aber solange sich ein Publikum findet…

Unter diesen Gesichtspunkten muss man auch MONSTER HUNTER beurteilen – ist der versehentlich oder absichtlich so schlecht? Oder ist er gar nicht schlecht, sondern nur für jemanden wie mich unerträglich, der Dramaturgie und Figuren nicht nach den Maßstäben von Videospielen wahrnimmt, für den eine Story nicht aus einer Abfolge von beliebigen Leveln mit Endboss besteht? Ist das hier der richtige Film und ich bin nur der falsche Reviewer?

Denn wahrlich, inhaltlich ist hier Schmalhans mal wieder Küchenmeister – ein paar Soldaten geraten in einem Sturm in einen Dimensionsstrudel und werden in einer fremden Welt von Monstern aufgerieben. Level 1. Die einzige Überlebende trifft einen einheimischen Kämpfer, freundet sich mit ihm an und erledigt schließlich ein fettes Monster. Level 2. Bei einer Oase treffen die beiden auf eine Gruppe Freibeuter (?!), die Hilfe bei der Bekämpfung eines weiteren Monsters brauchen. Level 3. Nach diesem Bossfight gibt es einen Epilog, der die Heldin auf die Erde zurückbringt – aber oh Schreck! Kaufen Sie die Fortsetzung…

Wir erfahren NICHTS über Artemis, NICHTS über Hunter, NICHTS über die Freibeuter, die ob der chinesischen Ko-Finanzierung aus diversen chinesischen Statisten bestehen, denen man nicht mal eine Zeile Dialog gönnt – vielleicht ist ihr Part in der chinesischen Fassung größer. Was das für eine Welt ist, in der Artemis gelandet ist? Unwichtig, sie hat nicht mal einen Namen. Woher die Monster kommen? Unwichtig. Was das mit dem Turm soll? Unwichtig.

Hier Figur, da Waffe, dort Monster – FIGHT!!!

Sich Monster Hunter anzuschauen ist ungefähr so ermüdend, wie einem anderen Spieler 103 Minuten lang an der Playstation beim zugehörigen Spiel über die Schulter zu blicken:

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Hinzu kommt, dass MONSTER HUNTER bei allem Gebrülle und Geballer letztlich ein zahnloser Drache ist – das völlige Fehlen von Blut vor und hinter der Kamera sorgt für einen jugendfreien Gewaltgenuss mit garantierter 16er-Freigabe.

Positiv bleibt allenfalls zu vermerken, dass Milla Jovovich mit 45 immer noch verdammt gut aussieht – man wünscht ihr einen besseren Film mit einer besseren Figur, denn sie hätte absolut das Zeug, eine Genre-Franchise stolzer zu tragen, als das hier der Fall ist. Und die Musik von Paul Haslinger (Ex-Tangerine Dream) hat einen tollen Synthwave-Touch.

Darüber hinaus bleibt MONSTER HUNTER ein sehr kleiner Film, der mit beträchtlichem Aufwand wie ein Kinofilm aussehen soll, aber gerade mal die Substanz für einen mäßig verlangweilten Streaming-Abend mitbringt.

Fazit: Wirrer und lärmender B-Trash, der mangelnde Charakterentwicklung und Worldbuilding durch redundante Monsterschlachten und anderen Budenzauber zu kaschieren versucht. Wer allen Ernstes die RESIDENT EVIL-Reihe mochte, findet hier den perfekten Nachfolger.

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Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
23. Februar, 2021 11:23

Es dürfte doch wesentlich spannender sein, jemandem beim "Monster Hunter" spielen zuzusehen, als diesen Käse zu gucken ;D Zumal der Film anscheinend mit der Vorlage auch nur den Namen und die Prämisse "große Viecher" gemein hat – aber da schließt sich ja der Kreis zu "Resident Evil" XD

Thies
Thies
23. Februar, 2021 20:49

Es gab wohl durchaus Fans der "Resident Evil"-Filme, siehe z.B. hier:
https://funkhundd.wordpress.com/2012/07/24/resident-evil-afterlife-paul-w-s-anderson-deutschlandfrankreichusa-2010/

Ich fand den ersten Teil damals – beinahe 20 unglaubliche Jahre her – nur mittelmäßig und hab die weiteren Filme nicht weiter verfolgt, aber irgendetwas müssen sie wohl richtig gemacht haben. Es wird wohl nicht jeder so auf die Meta-Schiene gehen wie der obige Rezensent, aber wer nicht mehr als apokalyptische Zombie-Action wollte, bekam offenbar was er erwartete.

Der Trailer zu "Monster Hunter" war einer der letzten den ich vor dem zweiten Lockdown im Kino sah und wirkte eigentlich recht ansprechend, aber das ist ja auch kein Wunder, wenn man nur die Action-Höhepunkte aneinanderreiht. Es war wohl naiv mehr zu erwarten.

dermax
dermax
25. Februar, 2021 13:06
Reply to  Thies

Mittelmässig triffts bei den Resident Evil-Filmen ganz gut, Nummer 2 war totaler Mist, aber dann hat man sich mit Locations, Monstern und Schauwerten ganz gut berappelt. Nichts für das ich je eine Kinokarte gelöst hätte, aber daheim gut wegzugucken.

Jake
Jake
14. Mai, 2021 09:42

Fazit: Wirrer und lärmender B-Trash, der mangelnde Charakterentwicklung und Worldbuilding durch redundante Monsterschlachten und anderen Budenzauber zu kaschieren versucht.

Falls noch nicht geschehen: Guck Dir mal den seit ein paar Wochen auf Netflix verfügbaren LOVE AND MONSTERS an. Der funktioniert auf allen Ebenen besser als MONSTER HUNTER. Gerade in Bezug auf die Charakterentwicklung. Ist halt kein Krach/Bumm-Film, aber mit dem deutlich niedrigeren Budget (30.000.000 $ vs. 60.000.000 $) haben die ordentlich was auf die Beine gestellt.