Ich kann mich noch gut erinnern: Die LvA und ich, wir waren gerade frisch verliebt und sie gewöhnte sich langsam an den Gedanken, nun einen Klugscheißer in Sachen Unterhaltungselektronik im Haus zu haben. Und darum konsultierte sie mich auch, als es um die Frage ging, was sie mit ihrem Macbook machen solle, das mehr als fünf Jahre auf dem Buckel hatte und deutliche Schwächen zeigte. Ich beriet sie kompetent und ausführlich mit dem Ziel, das Macbook durch Säuberungsarbeiten auf Software-Seite und kleinere Hardware-Updates für ein paar weitere Jahre fit zu machen.

Sie bedankte sich artig für die Hilfe – und kaufte ein Macbook Air.

Ich hab’s verstanden: Das Teil galt damals als ausnehmend sexy, besonders Frauen fanden den schmalen Formfaktor und das geringe Gewicht attraktiv. Und nicht zu vergessen: das Macbook Air ist sinnlich wie ein Zeigefinger.

Modell 2010, 128 GB SSD, 4 GB RAM, OS Snow Leopard, Zweikern-Prozessor, 1.8 Mhz.

Mit dem hat die LvA dann immerhin sechs Jahre lang gearbeitet, das Macbook Air hat uns auf Reisen begleitet und durch verschiedene Wohnungen. Dank des Alu-Unibodys hat es dabei wenig gelitten, Reparaturen waren in der ganzen Zeit nicht nötig.

Vor zweieinhalb Jahren entdeckte meine Liebste in einem Apple-Shop auf Malta (!) das schicke neue Macbook und entschied ad hoc – das sollte der Nachfolger sein. Gesagt, gekauft (in Deutschland). Das Macbook Air wurde von mir grundgereinigt: neues Betriebssystem aufgespielt, sämtliche Software auf den neusten Stand und die notwendigste Bandbreite gebracht, alle privaten Daten gelöscht. Am Ende sah das Gerät außen wie innen nagelneu aus und wurde in der Verwandtschaft weiter gereicht. Ich nahm Abschied und wünschte dem Macbook noch ein paar produktive Jahre.

Vorgestern hatte ich es wieder auf meinem Schreibtisch.

Auch die Verwandtschaft hat sich ein neues Gerät angeschafft, mochte das Macbook Air aber angesichts seiner Funktionstüchtigkeit nicht in den Elektro-Container auf dem Wertstoffhof schmeißen. Also retour zum digitalen Schraubermeister.

Man warnte mich vor, dass mit dem Gerät „irgendwas nicht stimme“, dass es sich irgendwie in ein paar Tagen selbst deaktivieren wolle (was auch immer das heißt). Und damit kommen wir zu der eigentlichen Geschichte, die ich erzählen wollte.

Wir überlegten, das Macbook Air zu verkaufen, denn wir haben genug Firmen-, Privat- und Ersatz-Notebooks hier herum liegen, inklusive meines ersten Macbooks in weißem Plastik. Irgendwann macht es keinen Sinn mehr, „zur Sicherheit“ noch ein weiteres Gerät in petto zu haben. Zumal ich gehört habe, dass Macbooks einen hohen Wiederverkaufswert haben.

Aber dafür muss das Notebook nicht nur sauber sein, sondern rein. Ich traf die Entscheidung, das Gerät nach knapp zwei Jahren noch einmal mit dem digitalen Feudel feucht durchzuwischen. Auch deshalb, weil von den 128 Gigabyte SSD nur überraschend knappe 50 Gigabyte frei waren. Das roch nach Speicherleichen.

Auf Werkzustand zurücksetzen wollte ich es aus Gründen nicht, die hier zu weit führen würden. Es sollte aber wahrlich kein Problem sein, ein Macbook auch in Handarbeit von den Spuren des Vorbesitzers zu bereinigen – oder?!

Das von der Verwandtschaft geschilderte Problem stellte sich als Banalität heraus – die LvA hatte neulich ihre AppleID zur Sicherheit mit einem neuen Passwort versehen und das ebenfalls daran gekoppelte Macbook Air mäkelte, es könnte keine Cloud-Funktionen ausführen, bis dort ebenfalls die neuen Daten eingegeben seien – doppelt albern, weil keinerlei Cloud-Funktionen aktiviert und/oder gewollt waren. Es war eine Sache von zwei Minuten, die Warnhinweise ins Nirwana zu schicken.

Aber mannomann, ich weiß schon, warum ich verschachtelte Betriebssysteme mit eigenen Biosphären hasse. Zuerst einmal machte ich zwei OS-Updates, bis das Macbook Air auf dem Stand OSX Sierra war – aktueller geht nicht mehr, ist auch in Ordnung. Dann entrümpelte ich alle Software, die ein etwaiger Neubesitzer nicht brauchen würde. Zusätzlich zum OSX-Standard verblieben Libre Office, der VLC Player, Coconut Battery, Firefox und Skype. Wer mehr will, soll es sich selbst installieren.

Dann kappte ich die Google Drive-Verbindung, die ich zwischen den Familien-Mitgliedern aufgebaut hatte, und kopierte alles, was sich noch in dem Ordner befand, auf einen externen USB-Stick. Geht niemanden außer uns was an, das Zeug.

Netzspuren: Ich installierte die neuste Version von Firefox, entfernte das existierende Benutzerkonto, und löschte alle gespeicherten Passwörter – die teilweise sechs Jahre alt waren und noch aus „meiner“ Zeit stammten. Erschreckend, dass ich die bei der letzten Säuberung nicht entdeckt hatte. Damit lässt sich unangemessen Unfug anstellen.

Dann ging ich die Festplatte durch – die seit ein paar Jahren existierende Finder-Option „alle Dateien“ ist eine gute Methode, um so ziemlich alles zu lokalisieren, was sich in den Untiefen der Ordnerstruktur versteckt. Und das war nicht wenig. Ich fand Fotos und Texte aus dem Jahr 2011, die mir ebenfalls bisher entgangen waren. Alles wurde in Zip-Pakete komprimiert, ausgelagert und dann gelöscht. Eine Heidenarbeit.

Aber Dateien und Software sind nur zwei Aspekte dieser Sisyphusarbeit. Apple zieht sich ja auch alle möglichen Sachen in eigene Bibliotheken. Also wurden sämtliche Bestände aus iTunes, iMovie und Fotos gelöscht. Wieder ein paar Gigabyte frei.

Als Politur habe ich dann noch mal Clean my Mac drüber laufen lassen und doch noch ein paar Delikatessen installiert – was ebenfalls nicht ohne Probleme ablief: einer der Gründe, warum wir mindestens EIN Macbook ohne macOS Catalina haben wollen, sind die vielen Casual Games, die die LvA und ich so gerne spielen. Die laufen als 32bit-Anwendungen nämlich nicht unter Catalina. Aber das alte Macbook Air sollte prima für Sachen wie Bookworm Deluxe und Hidden Object Games geeignet sein.

Bookworm deluxe

Leider verweigerte das schon installierte Bookworm Deluxe nach dem Betriebssystem-Update jede Zusammenarbeit – obwohl das Programm unter Sierra stressfrei laufen sollte. Ich wollte schon Frust schieben, zumal der Vertrieb Big Fish Games das Spiel längst ohne Updates aus dem Programm genommen hat. Keine Arme, keine Kekse? Glück gehabt – ein Archiv für Abandonware hatte eine Version vorrätig, die sich doch noch erfolgreich installieren ließ. Highscore, wir kommen!

Am Ende habe ich mehr als 30 Gigabyte aus einem System geholt, die es eigentlich nicht hätte geben dürfen, die ich nach meiner ersten Reinigung 2017 eigentlich als erledigt betrachtet hatte. Der Mac ist erstaunlich gut darin, seine Datenbestände doppelt und dreifach zu verstecken. Aber nicht mit mir – zumindest nicht dieses Mal.

Davon abgesehen ist die Hardware des Macbook Air in einem beneidenswerten Zustand – bis auf die üblichen Brüche des Gummis am Netzteilkabel und leichte Schrammen an einigen Tasten sieht das Gerät in der Tat noch wie neu aus. Die noch nach altem Prinzip aufgebaute Tastatur tippt sich wie Butter, man möchte sofort mit den Arbeiten an einem Roman beginnen. Selbst die Batterie ist nach fast zehn Jahren (!) halbwegs fit: 56 Prozent Ladekapazität schafft sie noch, bei einem Macbook Air entspricht das mehreren Stunden Laufzeit. Coconut Battery meldet „status: good“.

Hinzu kommt, dass das alte Macbook Air Anschlüsse hat, von denen die neueren Modelle nur noch träumen können: SD Card-Reader und USB-A!

So ist mein Urteil zwiespältig: In meinen Augen müsste es eine einfachere Methode geben, ein System besenrein zu machen – und dabei die User-Dateien automatisiert auszulagern. Dieses Versteckspiel mit den Daten ist so unnötig wie stressig und in Sachen Cybersecurity kaum wünschenswert. Dass Apple zudem nicht mal eine Software-Lösung bereit stellt, um 32bit-Anwendungen wenigstens in einer Sandbox laufen zu lassen, nehme ich dem Computer-Riesen übel. Sollte doch nicht schwer sein.

Es mag aber sein, dass ich naheliegende Lösungen schlicht nicht kenne.

Davon abgesehen ist das Macbook Air aber schon ein ziemlicher Knaller – aktuell ist es nicht nur in einem hervorragenden Zustand, es läuft auch absolut flüssig und ohne jede Beeinträchtigung. Und das, ohne jemals repariert oder auf Hardware-Seite aufgerüstet worden zu sein. Sieht man mal von den mechanischen Schwächen des Netzteils ab, das dennoch problemlos funktioniert, ist das Macbook Air ein Wunder der modernen Laptop-Technik. Kein anderes Gerät hat bei mir jemals so lange durchgehalten – und es ist aktuell kein Ende in Sicht. Es läuft und läuft und läuft…

Unter diesem Aspekt hat sich der hohe Kaufpreis tatsächlich gelohnt. Und ich mag es nun eigentlich nicht mehr verkaufen.



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Thomas
Thomas

Erinnert mich etwas an mein MBA: Ist von Mitte 2012, damals schon von mir privat gekauft.
Seit dem Update auf SSD durchgeführt, dieses Jahr neuer Akku von AliExpress eingebaut.
Das aktuellste macOS läuft darauf, alles flüssig und kaum Defekte.
Ist mein einziges Notebook, macht und hat alles (inkl. aktuelles MS Office – das auch flüssig läuft) was ich brauche.

Ist auch mein einziges Computer/Smartphone/Tablet Dings das so lange bei mir läuft und ich keinen Bedarf für Ersatz verspüre.

Und damit bei mir wie bei dir: Auf die Laufzeit gerechnet der mit Abstand günstigste Computer überhaupt.

PS: Erster Kommentar bei über Zehn Jahre Wortvogel lesen

milan8888

Kann ich nachvollziehen. Ich hab noch iMacs im Betrieb die noch älter sind. Der älteste läuft allerdings über nen USB-Stick da die originale Festplatte inzwischen den Geist aufgegeben hat.

stefan
stefan

Was letzte Preis?

Auf jedenfall eine sehr umweltfreundliche Nutzung. Ich versuche immer sämtliche Hardware weiter zu verkaufen. Auch wenn ich sie nicht mehr nutze, hat vll jemand anders Spaß daran. Aber fast 10 Jahre ist schon gut. Da sieht man Mal, wie gut die Hardware eigentlich ist.

Jake
Jake

Das Teil galt damals als ausnehmend sexy, besonders Frauen fanden den schmalen Formfaktor und das geringe Gewicht attraktiv.

Verständlich. Wenn schon der Partner nicht mit den besagten Attributen punkten kann, dann doch wenigstens das technische Equipment! 😉

martzell

Dabei war das MacBook Air bereits neu sehr schwachbrüstig. Am längsten halten die 15 Zoll MacBooks, nicht weil der Bildschirm größer ist, sondern weil die Rechenleistung ein vielfaches der scheinbar identischen 13 Zoll Pro Modelle beträgt. Mein MacBook Pro 15″ 2010, mit SSD und 1 Terabyte Fusion Drive aufgerüstet, brachte letztes Jahr noch richtig gut Geld, trotz kaputter Trackpadtaste.

Mein einfacher Weg war ein Time Machine Backup anzulegen und dann den Mac komplett neu zu installieren mit Initialisierung der Festplatte. Das Time Machine Backup ist transparent im Dateisystem der externen Festplatte sichtbar und nicht benötigte Sachen, wie das Betriebssystem, kann man daraus löschen.

Alternativ neuen Benutzer anlegen. Der Sicherheit wegen unbedingt Festplatten verschlüsseln, was der Mac standardmäßig auch macht. Ansonsten kann man Geräte nicht ruhigen Gewissens weiterverkaufen, da auch gelöschte Daten problemlos wiederherstellbar sind.

Händisch einen Benutzeraccount aufzuräumen damit der nächste Besitzer mit dem gleichen Benutzeraccount weiterarbeiten kann, ist grundsätzlich nicht zu empfehlen.

Apple Menü » Über diesen Mac » Festplatten » Verwalten zeigt schön übersichtlich alle Daten an.

Ich weiß nicht ob du mit Versteckspiel der Benutzerdaten das gleiche meinst wie ich: Lesezeichen, Spielstände, Notizzettel und weitere Daten sind blöd unter Benutzer » Library » Application Support versteckt. Bei Apple Notizen und Apple Erinnerungen weiß ich gar nicht wo. Ist aber auch nicht mehr so relevant, da viele Daten mittlerweile in der iCloud sicher verwahrt werden (Achtung: für vieles hat Apple auch den Schlüssel, für die Sachen die man unter iCloud.com anschauen kann, muss Apple leider noch den Schlüssel haben; https://support.apple.com/sk-sk/HT202303).

Dass die Fotos der Apple Mac Fotos App im Dateisystem nicht übersichtlich zugänglich sind ist sehr schade. iPhoto 6 konnte das besser. Und danach nutzte ich ein Skript das die iPhoto Fotos in eine Ordnerstruktur nach iPhoto-Ereignissen mittels hard links brachte.

Ohne Not 32-Bit-Anwendungen auszuschließen finde ich auch blöd, auf dem iPhone wurde man nicht mal gewarnt dass die 80 Euro teure Navigon App nach der Aktualisierung, zu der man täglich gedrängt wird, nicht mehr läuft.

Ältere Mac OS X Versionen bekommt man mit Parallels, vielleicht auch mit VMware oder Virtual Box, virtualisiert zum Laufen.

Sven
Sven

„Ohne Not 32-Bit-Anwendungen auszuschließen finde ich auch blöd, auf dem iPhone wurde man nicht mal gewarnt dass die 80 Euro teure Navigon App nach der Aktualisierung, zu der man täglich gedrängt wird, nicht mehr läuft.“

Hmm, welche Aktualisierung meinst Du? Ich habe iOS 13.2.2 auf meinem iPhone und Navigon läuft problemlos – außer Du möchtest es über CarPlay nutzen. Das funktioniert leider nicht mehr, da Navigon seitens Garmin nicht mehr aktualisiert wird.

martzell

Die alte Navigon App die vom Hersteller nicht mehr gepflegt wird, weil sie ihre neue verkaufen wollen; bzw. hier ist vor allem Apple anzukreiden dass immer noch kein kostenpflichtiger Upgradepfad für Softwarehersteller verfügbar ist. Seit iOS 11 laufen keine 32-Bit Apps mehr. Ich denke Apple hat dazugelernt und zeigt deswegen Warnungen beim Öffnen von Apps an die in der nächsten OS-Version nicht mehr unterstützt werden.

Fabian Neidhardt

Mein MacBook ist das erste Aluminium Unibody von 2008, aufgerüstet auf 8 GB Ram und SSD, alle halbe Jahr aufgeschraubt und von Staub befreit läuft der Rechner mit seinem zweiten Akku, mittlerweile als mittelfristiger Ersatz bei einem Freund.

Torsten, ich liebe es, dass du so viel Energie in diese Sache steckst, Dinge weiter am Leben zu halten.
Lächeln, Fabian

Mencken
Mencken

Bei uns war das MacBook Air das letzte Applegerät, nachdem mein Powerbook zuvor auch nach gerade mal zwei Jahren den Geist aufgegeben hatte. Das Air hat dann nicht mal die zwei Jahre geschafft, nach knapp 18 Monaten war dank defekter Tastatur und spontanen Selbstabschaltungen schon Schluss.
Entweder habe ich da seinerzeit 2x hintereinander richtig Pech gehabt oder Ihr hattet richtig Glück.
Am langlebigsten ist bei mir bisher immer HP gewesen, die Spitzenmodelle halten ewig und aktuell nutze ich sogar immer noch meine Workstation von 2002, obwohl das Ende da langsam leider auch absehbar ist.

Lars
Lars

Zwei Sachen, die mir aufgefallen sind:
– Respekt, wenn nach soviel Jahren immer noch 50 GB frei sind. Bei mir hat freier Speicher immer die Angewohnheit, sich sehr schnell zu verabschieden (mehrere VMs und eine Vollinstallation von Visual Studio machen das aber auch sehr einfach)
– Apple ist bekannt dafür, Legacy-Schnittstellen ohne Kompromisse abzuschalten (siehe die Abschaffung des Diskettenlaufwerks, als das noch ein Standard war; Flash; etc.). Microsoft wird ja vieles vorgeworfen – aber die Kompatibilität wird immer extrem hoch gehalten. Ein Windows 1.0 Programm lässt sich in der Regel heute noch unter der 32 Bit Version von Windows 10 ausführen und die 64 Bit Version von Windows 10 kann immer noch (fast) alle 32 Bit Applikationen ausführen (und wo das nicht der Fall ist, handelt es sich meistens um sehr betriebssystemnahe Anwendungen wie Virenscanner oder um Softwaremüll, der die Microsoft Empfehlungen komplett ignoriert – und der populäre Softwaremüll läuft dann dank betriebsystemseitigen Vorkehrungen meistens doch, so dass man es gar nicht merkt).