20 Jahre hatte uns der Bärtige versprochen, er würde uns eine Live Action-Serie im Star Wars-Universum schenken. Obwohl seine bisherigen Versuche in dieser Richtung zwischen mau und peinlich schwankten, scharrte das Fandom brav mit den Füßen, ließ sich mit immer neuen „so ein Mega-Projekt braucht halt Zeit“-Ausreden hinhalten – und schaute in die Röhre, als Disney mit dem Kauf von Lucasfilm erstmal alle dergestalten Pläne auf Eis legte. Es wird die Zeit kommen, da werden wir herausfinden, ob die Showrunner der Lucas-Ära WIRKLICH schon Dutzende von fertigen Skripts vorliegen hatten oder sich nur sehr gut auf Bullshitting verstanden.

Ebenso wie bei der finalen Film-Trilogie konnte man Disney noch nie ein Phlegma vorwerfen, was die Monetarisierung hauseigener Franchises angeht – und so war klar, dass das „House of Mouse“ den Worten Taten folgen lassen würde. Mit der Macht der weltgrößten Entertainment-Maschine machte man sich an die Produktion einer der ambitioniertesten Science Fiction/Fantasy-Serien aller Zeiten. Natürlich nicht nur aus Gründen des Fanservice, sondern um damit ein Zugpferd für den Start des Streaming-Dienstes Disney+ anbieten zu können. Ähnlich hatte es ja schon DC mit der letztendlich enttäuschenden Serie TITANS gemacht und Apple+ mit SEE und FOR ALL MANKIND.

Mag sein, dass alle diese Mega-Produktionen sich als der falsche Weg herausstellen, dass sich in ein paar Jahren zeigt, dass sich die Streaming-Giganten gegenseitig kannibalisieren und die enormen Kosten nicht einspielbar sind – aber bis dahin ist der Zuschauer ausnahmsweise mal der Gewinner. Mehr fettes Entertainment war nie.

THE MANDALORIAN has arrived.

Worum geht’s? Der Mandalorian (Pedro Pascal) ist ein Kopfgeldjäger, der – wie Judge Dredd – niemals seinen Helm abnimmt und sich für keinen Auftrag zu schade ist. In der ersten Episode bekommt er von Greef Carga (Carl Weathers) den Auftrag, einen ganz besonderen Flüchtling für einen zwielichtigen Klienten (Werner Herzog) zu finden. Mit Hilfe des eigenwilligen Kuill (Nick Nolte) und eines Bounty-Droiden gelingt das sogar – allerdings sind die Verluste bei Mensch und Maschine hoch….

Machen wir uns nichts vor, das ist keine komplexe Weltraumoper im Stil von THE EXPANSE oder BABYLON 5. Das war STAR WARS ja auch nie. STAR WARS ist Fantasy, ein pubertäres Märchen von Helden und Schurken, in dem Schwerter gekreuzt und Prinzessinnen gerettet werden. Und so ist auch THE MANDALORIAN nicht WIRKLICH Science Fiction – es ist ein Western im futuristischen Gewand. Das wird schon im Prolog der ersten Episode sehr deutlich:

Ob die Taverne ein Saloon ist, das Alien ein schurkischer Viehbaron, der Blaster ein Revolver – die Unterschiede liegen letztlich nur im betriebenen Aufwand.

Und das ist auch gut so. Denn THE MANDALORIAN ist nach vielen komplexen SF-Sagen ein erfrischend geradeaus erzähltes Abenteuer mit Monstern und Raumschlachten, fremden Welten und einem Helden, der erst schießt und dann redet – wenn er denn überhaupt redet („I can bring you in warm – or cold“).

STAR WARS in Reinkultur. Jede Szene, jeder Charakter, jedes Kostüm – STAR WARS. Und im Gegensatz zu den früheren TV-Filmen der Franchise gänzlich ohne Abstriche bei den Schauwerten. THE MANDALORIAN spielt auf dem Niveau der Kinofilme. Man hat nie das Gefühl, einen nur um der Finanzierbarkeit beschränkten Ausschnitt des Universums zu sehen – das hier malt mit fettem Pinsel auf der ganz großen Leinwand. Die ersten zwei Folgen im Kino statt im Wohnzimmer – niemand hätte sich beschwert.

Inhaltlich handelt es sich um einen weiteren Spinoff im Stil von SOLO und ROGUE ONE. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich daran gewöhnt, neue Figuren jenseits von Luke, Leia und Han kennen zu lernen. Das STAR WAR-Universum wurde schon vom ersten Film 1977 so all-umfassend gedeutet, dass es förmlich nach Ablegern und Side Quests verlangt. THE MANDALORIAN ist dabei wie eine Romanreihe von Abenteuer-Taschenbüchern im Western-Stil, die primär pubertierende Jungs ansprechen soll. Immer wieder wird geballert, Planet-Hopping ist an der Tagesordnung und wer die Franchise in- und auswendig kennt, kann sich über viele Referenzen freuen, die aber niemals billig oder beifallheischend wirken.

Neben der großen Kulisse und den schmissigen Storys punktet die Serie zudem mit einem exzellenten Gefühl für prägnantes Casting: Carl Weathers, Gina Carano, Werner Herzog – nicht nur Schauspieler, vor allem auch Typen. Die bleiben hängen.

STAR WARS. In jeder Sekunde STAR WARS. So cremig und gut gerührt – man möchte drin baden. Die ganz große Nerd-Nostalgie in ganz frischem Gewand. STAR WARS.

Es ist vielleicht das größte Lob, das ich aussprechen kann: Im Sperrfeuer teurer Mini-Serien, die um meine Aufmerksamkeit buhlen, ist THE MANDALORIAN seit langer Zeit die erste, deren zweite Folge ich kaum abwarten konnte.

I have spoken.

P.S.: Wem nach dem ganzen modernen CGI-Gewitter mal wieder nach „classic STAR WARS“ ist, der sollte sich diese schöne Doku über Dreharbeiten von DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK anschauen, die ganz ohne den üblichen PR-Sprech auskommt:



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Martin DänikenmmJanAndreasHowie Munson Recent comment authors
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Markus

Es ist Star Wars, richtig? Mir scheint, dass du das zwischen den Zeilen andeutest. (Vor-freu-de!)

dopey
dopey

Kennst du schon die „Filmumentaries“ von Jamie Benning? In Zusammenschnitten aus Deleted Scenes, Making-Ofs und Audiokommentaren, die der Chronologie der Filme folgen, wird die OT detailliert analysiert, sodass auch Nerds noch was Neues entdecken. Sie sind komplett online zu sehen: http://filmumentaries.com/fullvideos/

DJ Doena
DJ Doena

Grad geguckt und ich fand es eher zäh. Die dreiviertel Stunde plätscherte so mühsam vor sich hin und die Folge macht jetzt nicht wirklich Lust, das nächste Mal wieder einzuschalten. Colt Seavers hat das besser hinbekommen.

Howie Munson
Howie Munson

Ich fand schon den trailer zäh…. Es fehlten eindeutig springede Sierra Grandes. *duck*

Dietmar

Soll das heißen, dass ich jetzt einen Streaming-Kanal (heißt das eigentlich so?) buchen muss? Hm.

Hm. Hm. Hm.

Sieht schon klasse aus.

THE MANDALORIAN ist dabei wie eine Romanreihe von Abenteuer-Taschenbüchern im Western-Stil, die primär pubertierende Jungs ansprechen soll.

Tatsächlich: Die meinen mich! Persönlich!

Andreas
Andreas

Handlung egal….. es gibt ein Baby-Yoda!!!!!

Jan
Jan

Spoiler
Spoiler!

Martin Däniken
Martin Däniken

Solange nicht eine Art Jarjarbinks auftaucht…
Aber Baby und hartgesottener Kerl gehen immer ,
siehe John Wayne „Spuren im Sand“ oder „Shoot èm up“mit Clive Owen.
Wenns in die Richtung marschiert…

Martin Däniken
Martin Däniken

Grad die zweite folge gesehen…
Also es wird (noch) kein dramaturgisches Neuland geschaffen!
Aber es wird gut gelaunt von allen Action-Fantasy-Tropes sich bedient und der “ Macht sei Dank“
nich so arg philosophische Tiefe angedeutet..hoffe das bleibt so!!!!
Den Mandalorian würde ich bisher als Mix von John MClane und dem „Blonden“ beschreiben und der unverrückbare Helm als Reminessenz an“ Indy“…