Jonathan

USA 2018. Regie: Bill Oliver. Darsteller: Ansel Elgort, Patricia Clarkson, Suki Waterhouse, Matt Bomer u.a.

Offizielle Synopsis: Zwei Brüder teilen denselben Körper, nicht aber den Geist. Am Tag ist Jonathan routineliebend, fast asketisch, der Job sein Lebensmittelpunkt. Nachts übernimmt der andere John. Der ist ganz anders, lebt nach Leidenschaft, verstößt gegen Regeln. Jeden Morgen wartet auf Jonathan eine Videobotschaft, und immer öfter ein ausgebranntes Gefühl. Als er hinter die Wahrheit von Johns Nächten kommt, entsteht ein Kräftezerren, das einen der Brüder das Leben kosten könnte.

Kritik: Puuuuhhhh, durchatmen. Der erste Film des zweiten Tages macht die Defizite des ersten Tages halbwegs wett. „Jonathan“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Vampirfilm-Frühwerk von Geißendörfer) ist die Sorte Film, für die man gerne auf das FFF geht: konzeptionell spannend, gut gemacht und jenseits von Festivals wahrscheinlich niemals im Kino.

Viel sagen kann man über den Film eigentlich nicht. Er etabliert früh seinen zentralen Konflikt (Jonathan und Jonathan in einem Körper) und meditiert dann über die Folgen. Sind es Brüder? Zwei Seiten einer Medaille – aufgeteilt in gut und böse gar? Lieben sich die beiden jungen Männer? Welche Verantwortung tragen beide für den Körper, den sie teilen? Welche Zugeständnisse müssen sie machen?

Dass der Tages-Jonathan die Eskapaden das Nacht-Jonathan nicht ewig hinnehmen kann, ist ebenso klar wie die Tatsache, dass der Nacht-Jonathan schlicht die Arschkarte gezogen hat und kaum ein normales Leben zustande bringt. Kompliziert wird das Konstrukt durch das Wissen, dass es sogar mal einen dritten Jonathan gab, der aber „entfernt“ wurde. War das Mord? Wäre eine weitere Entfernung die Rettung eines Jonathans – oder die Ermordung eines anderen?

Das wird ruhig, aber nicht langweilig erzählt. Auch wenn das Tempo nie nennenswert anzieht, steigert sich das Drama unaufhaltbar mit der zunehmenden Ausweglosigkeit der Situation. Als Nacht-Jonathan beginnt, Bruchstücke der Zeit von Tag-Jonathan zu übernehmen, zerbricht auch die Narrative auf clevere Weise, da wir den Nacht-Jonathan selber nie in Aktion sehen. Die Handlung bekommt Lücken wie das Gedächtnis Tag-Jonathans…

Das klingt nun alles sehr theoretisch und ist es auch. Es ist den Schauspielern zu verdanken, dass wir dennoch eine Beziehung zu den Figuren aufbauen, dass wir für beide Jonathans Empathie empfinden. Sie sind weder gut noch böse, nur gefangen in einer wahrlich nicht gottgewollten Situation. Zwei Menschen sollten sich nicht einen Körper teilen müssen.

Fazit: Konzeptfilm über die logistischen und moralischen Probleme einer sehr spezifischen Schizophrenie. Sicher nicht für jeden, aber ich fand’s hypnotisch. 8 von 10.

Monstrum

Südkorea 2018. Regie: Huh Jong-Ho. Darsteller: Kim Myung-Min, Kim In-Kwon, Lee Hyeri, Choi Woo-Sik, Lee Kyoung-Young, Park Hee-Soon, Park Sung-Woong

Offizielle Synopsis: Einst ließ König Jung Jong sämtliche Bewohner eines kleinen Bergdorfs massakrieren: Die Pest, die hier wütete, durfte sich nicht im gesamten Land ausbreiten. Jahre später droht wieder Unheil aus jenen Bergen: Ein blutrünstiges Untier soll dort umgehen und lediglich zerfetzte Leiber seiner Opfer zurücklassen. Nur wahrhaft gesehen hat es bis dato niemand. Jung Jong ist sich sicher: Hinter diesem Monstrum steckt eine Intrige, um sein Volk gegen ihn aufzubringen und seinen Thron zu rauben! Um Gewissheit zu erlangen, holt er seinen treuen Eliteoffizier Sung Han aus dem Exil und schickt ihn in die Provinz. An dessen Seite: die junge Myung, die als einzige das Pest-Massaker überlebte, sowie 100 Soldaten. Frischfleisch für die Bestie!

Kritik: Hier erhoffte ich mir den ersten aufwändigen „echten“ Genrebeitrag des Festivals jenseits von Funsplatter. Die Südkoreaner haben in Sachen Spezialeffekte in den letzten Jahren massiv aufgeholt und der Mix aus Historiendrama und Fantasy-Spektakel hat durchaus seinen Reiz.

Leider will „Monstrum“ unbedingt mehr sein als „nur“ ein üppiger Monsterfilm und verschwendet eine große Menge der Laufzeit an höfische Intrigenspiele, die lange offen lassen, ob das Monster überhaupt existiert oder nur von den Gegnern des Königs erfunden wurde, um die Bevölkerung zu knechten. Das Monstrum, so wird suggeriert, ist eine Chiffre, eine beliebige fiktionale Konstruktion zum Erhalt der Diktatur – und somit sind die Menschen hinter dem Monstrum das Monstrum.

Ich verstehe durchaus den Reiz der Idee, die klassische Vorstellung des Monsters zu einem politischen Werkzeug zu machen. Aber wer wegen der Fantasy zum Festival kommt, dem mag das zu wenig Fleisch sein. Darum ist es umso erfreulicher, dass die Macher der ganzen Spekulation nach der Hälfte der Laufzeit den Stecker ziehen und deutlich wird, dass es das Monstrum tatsächlich gibt (auch wenn es wieder – über Ecken – ein Produkt und damit die Schuld der Politik ist). Ab dann gibt „Monstrum“ deutlich mehr Gas und das Publikum bekommt „bang for the buck“ in Form von Schlachten und CGI-Spektakel auf hohem Niveau.

Was den Film über die beiden sehr disparaten Hälften zusammen hält, sind die sympathischen Figuren, denen wir gerne folgen, weil sie über die Monsterjagd hinaus eine Vergangenheit haben, Beziehungen und Schwächen. Das Interplay zwischen den Charakteren gehört neben dem beeindruckend realisierten, stellenweise tragischen Monster zu den Pfunden, mit denen „Monstrum“ erfolgreich wuchern kann.

Mit etwas mehr Fokus auf die Frage, WELCHE Geschichte man eigentlich erzählen möchte, wäre zwar mehr drin gewesen – aber das hier ist schon recht viel.

Fazit: Braucht etwas lang, um die politische Ebene zu verlassen und in das Monster-Schaulaufen zu wechseln, aber dann geht’s rund. 7 von 10 Punkten.

The Favorite

Irland/GB 2018. Regie: Yorgos Lanthimos. Darsteller: Olivia Colman, Rachel Weisz, Emma Stone, Nicholas Hoult, Joe Alwyn, Mark Gatiss u.a.

Offizielle Synopsis: Während sich England im Krieg befindet und ihr Volk große Not leidet, beschäftigt sich die ewig kränkelnde, griesgrämige Queen Anne vor allem mit ihren geliebten Kaninchen und am Hof sind Entenrennen und der Genuss von Ananas super angesagt. Vorwiegend überlässt Anne die öden Staatsgeschäfte ihrer besten Freundin Lady Sarah, außer sie haben sich mal wieder gezofft und sie will ihr eins auswischen. Da tritt Abigail auf den Plan, eine entfernte Verwandte von Sarah, doch aufgrund unglücklicher Umstände mittellos und zur Dienstmagd degradiert. Geschickt schafft sie es, sich an den sadistischen Schikanen von Sarah vorbei zu manövrieren, und sich in die Gunst der Königin einzuspinnen. Ein Kampf der Titaninnen beginnt, denn diese zwei machtbesessenen Furien intrigieren auf Augenhöhe und lassen sich das Zepter nicht so einfach aus der Hand nehmen. Schon gar nicht von der Queen!

Kritik: Ich war SO nahe dran, den auszulassen. Ein Kostümdrama, das als einer der heißen Oscar-Favoriten gilt, ist einfach nicht das, was ich beim FFF sehen will. Das war dem Veranstalter auch klar, denn vorab stellte er sich und dem Publikum die Frage, warum „The Favorite“ sogar den Primetime-Slot bestreiten dürfe. Seine Antwort: „Der ist total böse und das Ende auch ein super Downer“. Nun ja, in meinen Augen ist das KEINE ausreichende Qualifikation und mit solchen vagen Zuweisungen kann man jeden Film als festivaltauglich rechtfertigen.

Die Antwort ist in meinen Augen erheblich einfacher: Yorgos Lanthimos‘ „The Lobster“ lief sehr erfolgreich bei den Nights 2016 und die Veranstalter haben seit jeher die Angewohnheit, einen einmal etablierten Regisseur weiter zu featuren, auch wenn die Filme nicht mehr strikt in die Genre-Vorgaben passen.

Um es kurz zu machen: „The Favorite“ hat in der Tat nix auf dem FFF zu suchen – aber ich bin heilfroh, dass er dort gezeigt wurde, denn in einem schwachen Programm war er dann doch das Highlight. Hier arbeiten sich drei Schauspielerinnen an ihren Rollen ab, bis es blutet. Emma Stone, Rachel Weisz und vor allem Olivia Colman bringen Höchstleistungen in einem Intrigenspiel, das ständig die Richtung wechselt und bei dem es am Ende nur Verlierer gibt.

Dabei sind die Einblicke in das höfische Leben ausnahmsweise mal nicht romantisch verklärt, sondern in all ihrer dekadenten Hässlichkeit ausgeleuchtet. Ausschließlich mit natürlichem Licht gedreht, regieren tagsüber krasse Kontraste und nachts desorientierende Schwarzflächen mit kerzenlichternden Inseln. Bei allem Prunk ist es eine kalte, kratzige Welt, die außer Macht und Protz keinen Wert besitzt und vom Leben „normaler“ Menschen so weit entfernt ist wie der Mond.

Es gibt auch keine Moral – Abigail ist keinen Deut weniger korrupt als Sarah und das Wohl der Königin ist nur Mittel zum Zweck. Oben zu schwimmen bedeutet permanente Paranoia, Vorsicht und Rücksichtslosigkeit. Damit ist „The Favorite“ einer der wenigen Filme, dem es gelingt, die Eiseskälte hinter der Maske der Monarchie zu zeigen.

Wenn man Genrefan ist, kann man „The Favorite“ auslassen. Als Fan von großem Kino sollte man den allerdings unbedingt auf dem Zettel haben.

Fazit: Auf dem FFF völlig fehlplatziert, davon abgesehen aber ein sensationell gespieltes und harsch inszenierte Kostümdrama-Intrigenspiel. 9 von 10 Punkten.

Lords of Chaos

GB/Schweden 2018. Regie: Jonas Åkerlund. Darsteller: Rory Culkin, Emory Cohen, Jack Kilmer, Sky Ferreira, Wilson Gonzalez Ochsenknecht

Offizielle Synopsis:  Es ist eines der dunkelsten Kapitel der Musikgeschichte: Anfang der 1990er verloren sich die Mitglieder der norwegischen Black Metal Band Mayhem in ihrer gesellschaftsverachtenden Ideologie. Mit ihrer Musik prägen sie den satanischen Zweig des Heavy Metals bis heute. Suizide, Kirchenverbrennungen bis hin zu grausamen Mordtaten: Die Anhänger von Mayhem schreckten vor nichts zurück und versetzten damit nicht nur ihr Land in Aufruhr.

Dem charismatischen Teenager Øystein Aarseth alias Euronymus geht es um die Erschaffung der bösesten und somit wahrhaftigsten Musik. Mit den Menschenblut verspritzenden Auftritten seiner Band gewinnt er einen harten Kern höriger Fans. Auf das Konto dieses so getauften Inner Circles geht bald eine Serie der verstörendsten Verbrechen, die Norwegen je erschüttert hat.

Kritik: Die Morde in der norwegischen Black Metal-Szene hatte ich seinerzeit über Artikel im SPIEGEL verfolgt. Respekt: Die nordischen Headbanger sind offensichtlich echt mit Leidenschaft dabei, da muss auch schon mal jemand über die Klinge springen. Doof, aber unterhaltsam doof, solange sie mir damit von der Pelle bleiben.

„Lords of Chaos“ versucht, die damaligen Ereignisse in eine halbwegs stimmige Narrative zu packen – und das gelingt ihm überraschend gut. Im Gegensatz zu Filmen wie „Bomb City“ macht er nämlich nicht den Fehler, sich mit seinen Protagonisten zu solidarisieren und sie als „eigentlich gute Jungs“ reinzuwaschen. Euronymus und seine Konsorten haben mächtig einen an der Waffel und wähnen sich als Speerspitze eines neuen Satanismus, den sie sich von Mama und Papa finanzieren lassen. Ihre präpotente Brüllerei von neuer Weltordnung ist oft genug nur Poserei, zieht aber auch ein paar Jungs an, die das ungesund ernst nehmen. Die enge Partnerschaft der Metalheads ist oft genug das letzte Refugium einer verwirrten, vereinsamten Clique.

Euronymus ist dabei der perfekte Protagonist – intelligent genug, um andere mit seinem Geschwätz von der neuen Zeit mitzureißen, aber auch intelligent genug, um zwischen PR-Gefasel und tatsächlichen Möglichkeiten zu unterscheiden. Es ist abzusehen, dass er früher oder später aus der Szene aussteigen wird. Und richtig: er schafft sich eine Freundin an, lässt sich die Haare schneiden und legt sogar (Frevel!) daheim eine Platte von Tangerine Dream auf. Er ist ein Spießer, seine Rebellion nur eine Phase – und genau das wird letztlich sein Todesurteil sein.

Kristian ist das Gegenteil von Euronymus – er ist ein Psychopath, der die Ideologie des Black Metal für bare Münze nimmt und sich selbst außerhalb jeder Moral sieht. Bewundert er Euronymus anfangs noch, macht er diesem doch bald den Platz an der Spitze der Szene streitig und entwickelt einen Hass auf alle, die in seinen Augen nur reden, aber nie zur Tat schreiten. Zur Tat schreiten, das kann Kristian nämlich gut.

„Lords of Chaos“ gelingen viele großartige Momente, in denen er seine verbissenen Protagonisten als Vollidioten entlarvt, deren nordisch-satanisches Weltbild nur solange stimmig ist, solange es niemand hinterfragt. Als Kristian gönnerhaft ein Interview gibt, wirft ihn jede selbstverständliche Frage des Journalisten völlig aus der Bahn. Und der Mord an einem Homosexuellen ist ganz offensichtlich eben nicht ein Signal an „die Schwuchteln“, sondern eine krankhafte Verarbeitung der eigenen Neigung.

Dass all das nicht gut ausgehen wird, ist klar – nicht nur, weil wir ja das Ende der „wahren Geschichte“ kennen. Aber es ist schon erstaunlich, was für eine klare, nachvollziehbare und eigentlich nie hinfabulierte Story der Film aus den verschiedenen Elementen konstruiert. Entweder waren die Ereignisse von vorne herein filmreif – oder den Autoren ist es gelungen, die Realität in eine passende Form zu gießen. Persönlich fand ich es großartig, nach vielen verharmlosenden Komödien wie „Heavy Trip“ mal einen Metalhead-Film zu sehen, der hinter die Kulissen schaut.

Ach ja: Wilson Gonzalez Ochsenknecht war als „Stargast“ in München vor Ort. Das war eine eher peinliche Nummer, weil er im Filme nur eine kleine und vergessenswerte Nebenrolle spielt, in der er zudem noch den Deppen vom Dienst gibt. Doppelt schade, weil der Mann vom Look her die absolut beste Metal-Fresse des ganzen Films hat.

Fazit: Potentes True Crime-Drama mit viel schwarzem Humor, das eben nicht den üblichen Fehler macht, seine Figuren zu wohlwollend zu zeichnen. 8 von 10 Punkten.

The Field Guide to Evil

Neuseeland 2018. Regie: Ashim Ahluwalia, Can Evrenol, Severin Fiala, Veronika Franz, Katrin Gebbe, Calvin Reeder, Agnieszka Smoczynska, Peter Strickland, Yannis Veslemes. Darsteller: Birgit Minichmayr, Claude Duhamel, Jilon VanOver, Sarah Navratil, Niharika Singh, Thomas Schubert, Kannon Hicks, Fatma Mohamed, Károly Hajduk, Lili Epply, Paul Ford, Andrzej Konopka, László Konter, Péter Jankovics, Naz Sayiner, Sureyya Kucuk, Luzia Oppermann, Marlene Hauser

Offizielle Synopsis: Acht Geschichten, eine höchst bemerkenswerte internationale Auswahl, produziert in Neuseeland von Ant Timpson, der uns schon so wunderbare Genrehits wie DEATHGASM und TURBO KID beschert hat: Diese Sammlung von Erzählungen hebt sich mit Anspruch und Eigenwilligkeit von den üblichen Omnibus-Filmen ab. Das beginnt schon beim inhaltlichen Credo, jahrhundertealten Mythen und volkstümlichen Überlieferungen nachzuspüren und somit die Urängste der Menschheit auf die Leinwand zu bannen.

Kritik: Es war von vorne herein klar, dass „Field Guide to Evil“ ein „mixed bag“ sein würde. Das sind Anthologie-Filme ja eigentlich immer, besonders wenn sie von Regisseuren aus verschiedenen Kulturkreisen stammen. Aber angesichts des durchaus beträchtlichen Unterhaltungswertes von „ABC’s of Death“, dessen Macher hier wieder am Werk sind, hatte ich mir deutlich mehr erwartet.

Das grundlegende Problem ist die Vorgabe, irgendeine Folklore zu verfilme, irgendeine Mär von Dämonen, die ein Volk oder einen Landstrich seit Jahrhunderten heimsuchen. Trolle, die nach Kindern gieren, Teufel, die Sünder suchen, Hexen, die falsche Versprechen machen. Kurz: alles, was wir schon in „Grimms Märchen“ gelesen haben.

Und so ist die Ausbeute auch sehr uneinheitlich: der österreichische Einstieg ist trotz reichlich Waschweib-Nackedeierei tranig und unbefriedigend, der türkische Beitrag nicht weniger vage (in beiden werden Ziegen ermordet). Auch die folgenden Episoden mühen sich vergeblich, eine kompakte Narrative in eine kurze Laufzeit zu packen. Die amerikanische Story ist zwar wenigstens nachvollziehbar erzählt, aber in ihrem Kern eher albern. Erst die Griechen und die Ungarn schaffen es, zumindest visuell einen Fuß in die Tür zu bekommen, ohne dabei wirklich begeistern zu können.

Es erschließt sich mir nicht, wer hier die Zielgruppe sein soll – für Horrorfans ist das alles zu dünn, als Folklore zu frei ausgelegt, und als Kunst zu eierlos. Vielleicht hat in der Planung einfach nur jemand vergessen zu sagen „Jungs, ich glaube, das ist doch keine so gute Idee, wie wir gestern noch dachten“.

Ein frustrierender Abschluss eines sowieso schon mäßigen Festivals.

Fazit: Ein unebener Mix größtenteils fader Folklore-Adaptionen weitgehend auf Studentenfilm-Niveau, den auch einige visuelle Highlights nicht rausreißen. Viele Zuschauer haben das Kino verlassen. 3 von 10 Punkten.



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Karlheinz Erklärbär
Karlheinz Erklärbär

Danke, deine Kritiken haben mir richtig Spaß und Lust auf The Favourite, Monstrum und Lords of Chaos gemacht.

heino
heino

Hm, dann sind ja wenigstens noch 3 gute Filme dabei. Wobei ich „Lords of chaos“ leider nicht sehen werde.

Wo wir gerade dabei sind:“Lords of chaos“ basiert auf einem Sachbuch (deinem Review nach dir vielleicht nicht bekannt), die geschilderten Vorkomnisse sind tatsächlich so passiert. Wobei dein Text so klingt, als hätten die Drehbuchschreiber sich für eine sehr eindeutige Auslegung entschieden, die vom Buch (das übrigens nicht besonders gut ist) nicht völlig gedeckt wird. Gerade Kristian ist ein sehr widersprüchlicher Mensch, der andauernd seine Geschichte und Aussagen ändert, was seine Schilderung der Ereignisse nicht sehr glaubhaft macht. Aber aus Sicht der Filmemacher ist es natürlich vernünftig, sich für eine Sichtweise zu entscheiden und dabei zu bleiben

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Uff, die White Nights scheinen ja dieses Jahr leider extrem mau zu sein – danke auf jeden Fall für die Reviews! „The Favourite“ startet ja bereits in ein paar Wochen regulär, da werd ich mir den dann abseits des Festival-Trubels geben.

Thies
Thies

Mein Gesamteindruck vom Wochenende in Hamburg: einerseits eine willkommene Ablenkung vom Schietwetter und insgesamt sehr abwechslungsreich und ausgewogen. Andererseits im Einzelfall immer wieder frustrierend, denn wirklich umgehauen oder überrascht hat mich keiner der Filme. Mit Ausnahme von „Blood Fest“ war kein richtiger Stinker dabei, aber ausser „The Favourite“ auch keiner den ich uneingeschränkt empfehlen könnte.

Der Tag 2 in München war nahezu identisch mit Tag 1 in Hamburg mit Ausnahme von „The Field Guide to Evil“, der in Hamburg den zweiten Tag startete. Als Ausklang kann ich mir vorstellen, dass der Film da einfach zu lang und weilig wirkt. Für mich hat er als Wundertüte funktioniert: mal konnte mich ein Beitrag fesseln, mal hatte er mich schon nach kurzer Zeit verloren. Wirklich herausragend war keiner der Filme und ein stimmiges Gesamtbild ergaben sie auch nicht, aber unterm Strich wären bei mir immer noch 5 von 10 Punkten drin.

„Jonathan“ war auch in Hamburg der Einstieg und ich kann den Anmerkungen des Wortvogels nichts wesentliches hinzufügen. Ein Highlight auf das ich mich ausserhalb des Festivals wahrscheinlich nie eingelassen hätte, aber es erfordert einen aufmerksamen und geduldigen Zuschauer. 8 von 10 Punkten

Zu „The Favourite“ kann ich auch nicht viel mehr schreiben. Der Film hat mit Sicherheit jeden Oscar verdient, den er den anderen Favoriten abringen kann. Und ich kann natürlich verstehen wie stolz die Veranstalter sind, das sie wie letztes Jahr mit „The shape of water“ einen echten Contender fürs Festival gewinnen konnten, aber der Film hat noch nicht mal um drei Ecken gedacht irgendeinen Genre-Bezug. Mit dem Verweis auf den Regisseur hätte man dann früher auch „Music of the heart“ von Wes Craven oder „Aus Liebe zum Spiel“ von Sam Raimi ins Programm nehmen können. 9 von 10 Punkten

„Lords of Chaos“ war offenbar der Zuschauermagnet des Wochenendes. Im Foyer stand jemand mit einem „Suche Karten“-Schild wie vor einem Rock-Konzert. Und einer der Zuschauer wähnte sich offenbar in einem solchen und gröhlte im ersten Drittel ungehemmt herum. Später wurde er dann gottseidank leiser, denn ein Partyfilm ist „Lords of chaos“ mit Sicherheit nicht. Ich kann mit Metal nicht viel anfangen und kannte auch die Band „Mayhem“ nicht. Insofern war ich überraschend schnell drin in der Geschichte und konnte auch eine gewisse Sympathie für die Figuren aufbauen. Im Grunde wirkte der Protagonist wie ein Geistesverwandter von Holden Caulfield. Mit dem Unterschied, dass er die anderen als „Poser“ und nicht als „Phonies“ betitelte. Für mich verlor der FIlm mit dem ausgedehnten Mord an dem Homosexuellen im Park etwas die Ballance. Nicht das ich dem Film vorwerfe, dass er die Tat unangenehm brutal schildert, aber es wird über sie dafür dann doch etwas zu schnell hinweg gegangen. Im Netz habe ich keine Hinweise darauf gefunden wer das Opfer war und ob der Täter jemals gefasst wurde – der Film macht dazu leider keine Angaben. Unterm Strich ein faszinierender Einblick in eine mir fremde Subkultur und trotz Videoclip-Regisseur Jonas Akerlund hat man nie das Gefühl sich in einem solchen zu befinden. 7 von 10 Punkten.

„Monstrum“ lief am ersten Tag als Abschluss und hatte bei mir schon nach kurzer Zeit ein kräftiges Déjà vu ausgelöst. Vor zwei Monaten gab es ein vom FFF organisiertes Screening von „Rampant“. Dessen Handlung im Groben: Ein König hört von einer Seuche in der Provinz und lässt sie mit Gewalt ausrotten. Die dadurch erzeugte Unruhe der Bevölkerung kommt einem seiner MInister sehr gelegen, denn er hofft durch sie den Griff auf den Thron zu erlangen. Aber die Gefahr ist nicht gebannt und nimmt solche Ausmaße an, dass sie auch den Palast zu überrennen droht. Und der Einzige der sich ihr stellt muss gleich an zwei Fronten kämpfen. Das ist in etwa das gleiche Plot-Gerüst von „Monstrum“ nur das es in „Rampant“ von einem Virus infizierte Zombies waren, die das Königreich bedrohten. Sogar der Palast in dem der Meute eine Falle gelegt wurde sah haargenau so aus wie derselbe in „Monstrum“: Nun ist es für einen Film kein Verbrechen ein Fliessbandprodukt zu sein, aber zwei derart ähnelnde so kurz hintereinander zu sehen zerstört dann doch ein wenig die Illusion. Daher von mir bei allem Unterhaltungswert nicht mehr als 5 von 10 Punkten

Jake
Jake

„Lords of Chaos“ kommt auf meine Watchlist, den muss ich unbedingt sehen. Wie immer ein sakrisches Merci für Deine Reviews, Torsten! Deine FFF-Masterliste ist echt Gold wert.

heino
heino

„Jonathan“ hätte ich gerne gemocht, aber der war mir dann doch zu langatmig und generell zu unspannend umgesetzt.

„Monstrum“ war tatsächlich diesmal der Vertreter, der die Ehre der Veranstaltung als FANTASY Filmfest retten konnte. Letztlich ist es nur die koreanische Version von „Pakt der Wölfe“, aber er weiß zu unterhalten und die Figuren sind hoch sympathisch.

„The Favourite“ hätte auch beinah ausgelassen, weil ich „The killing of a sacred deer“ furchtbar prätentiös und öde fand. Gut, dass ich es nicht getan habe, denn der hat das Wochenende für mich gerettet. In einem Meer der Langeweile war das der rettende Felsen. Großartige Darsteller und bissige Dialoge sorgen für großen Spaß, nur etwas kürzer hätte der Film sein können.

Auch diesmal hat sich wieder bestätigt, dass die Macher sich immer mehr vom Geschmack des Publikums entfernen. Von 8 gesehenen Filmen hatten nur 3 überhaupt peripher was im Programm zu suchen, der Rest war dort völlig verkehrt. Das stört mich inzwischen enorm.

S-Man
S-Man

Ich fand „Monstrum“ sehr amüsant und kurzweilig. Auch wenn ich das Monster selbst ziemlich… hässlich (im Sinn von übertrieben gruselig und damit „unglaubwürdig“) modelliert. Aber tolle Charaktere.

„The Favorite“ war so komplett fehl am Platze, dass ich ihn aus Prinzip nicht mochte, glaube ich. Wenn man nur 3 Filme auf dem FFF schaut, und dann schon der 2. ein Historien-Intrigen-Bla ohne Blut ist, dann ist man doch eher verärgert. Schade. Ich denke, in einem anderen Kontext hätte der mir sicherlich gefallen können, jetzt hat der erstmal ein Stigma.

Finale mit „Destroyer“. Hmm, sehr vorhersehbar und zu langatmig. Vor allem nach „The Favorite“. War gar nix für mich.

Fazit: Leider eine schwache Ausbeute an Genre in meiner kleinen Stichprobe.

heino
heino

Schreibe dazu einen Kommentar…So war das ganze Programm. Von 10 Filmen konnte man eigentlich nur 4 als Genre ansehen, der Rest war Drama.