USA 2017. Regie: Jameson Brooks. Darsteller: Dave Davis, Glenn Morshower, Logan Huffman, Eddie Hassell, Lorelei Linklater, Henry Knotts

Offizielle Synopsis: Brian ist leidenschaftlicher Anarchist. Auf der Kluft des selbstbewussten Musikers prangt die unmissverständliche Botschaft „Destroy Everything“. Wer sich ihm in den Weg stellt, braucht Eier. Nur Brians Freundin Rome kennt den Rowdy von seiner verletzlichen Seite. Als sich eines Tages eine elitäre Clique aus High-School-Athleten von Brians Attitüde ans Bein gepinkelt fühlt, eskaliert die Gewalt und fordert Menschenleben.

Kritik: Das ist wieder mal eine Synopsis, die so falsch ist, dass nicht mal das Gegenteil richtig wäre. Brian ist – und man entschuldige das klare Wort – eine totale Pussy. Ein echt netter Kerl, romantisch, nett zu Mama & Papa, immer bemüht, die Miete rechtzeitig beim jüdischen Vermieter in den Briefkasten zu werfen. Er ist verknallt in Rome, mit der er sich ein Hündchen aus dem Tierheim holt und auf eine Karriere als Konzertveranstalter der texanischen Punkszene hofft. Seine Punkfreunde: politisch interessiert, wahnsinnig kreativ – aber leider immer von den bösen Jocks und den gemeinen Cops gehasselt.

Die Welt der Punks in „Bomb City“, sie ist unter der rauen Oberfläche in etwa so authentisch wie Pippi Langstrumpf. Hier hat jemand massiv versucht, die Subkultur der 90er in die Opferpose zu schieben, um die zugrundeliegende wahre Story (den Tod eines Punks) zugleich dramatischer und tragischer zu machen. Es ist nur total albern – Punk ist kein Karneval, der Lifestyle keine Kostümierung.

Die Gegenseite: Das Establishment, primär repräsentiert von den hohlbirnigen, aggressiven Football-Spielern und den gewaltgeilen Cops, die es „den kleinen Scheißern“ mal so richtig zeigen wollen. Klischees wie im Comic, die Täter so unglaubwürdig wie die Opfer. Ich habe nichts dagegen, wenn Filmemacher Partei ergreifen, aber laut „Bomb City“ sind die Punks nur ein Haufen kunterbunter Pfadfinder mit zu lauter Musik.

Eingerahmt ist der Plot vom Schnarch-Klischee der erklärenden Gerichtsverhandlung – bei der ein erzkonservativer Anwalt allen Ernstes die Definition von „punk“ im Lexikon nachschlagen muss. Der Film spielt 1997. Das wäre vielleicht 1977 noch glaubwürdig gewesen.

Nun mag es sein, dass ich mit meiner Einschätzung komplett daneben liege. Schließlich basiert der Film auf einer wahren Begebenheit und das mag alles genau so gewesen sein. Aber ich glaub’s nicht. In groben Zügen hält sich der Streifen wohl an die Fakten, aber die Darstellung der beteiligten Gruppen ist derart hysterisch schwarzweiß, dass es der Glaubwürdigkeit der ganzen Narrative schadet.

Fazit: True Crime-Drama über den Tod eines Punks im Texas der 90er, das so herzerwärmend auf der Seite der Punks steht, dass keinerlei interne Konflikte oder moralische Fragen den Lauf der Dinge spannend gestalten können. 3 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Das gezeigte Ereignis mag relevant sein, dieser Film ist es nicht. Eine besonders langweilige Milieustudie.“



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mmOliverPascal Recent comment authors
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Pascal
Pascal

Und warum lief der überhaupt auf den FFF?

mm

Korrekte Frage. Keine Antwort.

Oliver
Oliver

Nicht der erzkonservative Staatsanwalt sondern der Anwalt.Der Film macht den Fehler uns am Ende damit überraschen zu wollen das Brian das Opfer und nicht der Täter ist. Das Programmheft spoilert das leider.

mm

Korrekt. Ist korrigiert.