Es ist bekannt, dass ich mich auf Facebook gerne in der launigen Gruppe „Die scheißeste Musik wo gibt“ herumtreibe, weil man da prima über den schlimmsten Ohrenkrebs der letzten 60 Jahre diskutieren kann. Und so mancher muss dann gestehen: oha, die Single habe ich noch (neben anderen Leichen) im Keller.

In letzter Zeit haben sich besonders die deutschen Coverversionen internationaler Pophits als Subgenre der „scheißesten Musik“ heraus kristallisiert. Es erschließt sich mir nicht, warum man in den 70er und 80er Jahren dachte, die größten Charterfolge von minder talentiertem Nachwuchs einsingen lassen zu müssen.

Aber dieser Sumpf ist tiefer und breiter, als man glaubt.

Es gibt Klassiker, die jeder kennt – so verhackstückeln Cindy & Bert durchaus gekonnt den Black Sabbath-Hit „Paranoid“ („eine Platte, die sich sehr gut zum Tanzen eignet“):

Auch schön – die Vorläufer-Gruppe der verachtenswerten Scorpions vergeht sich an „Fox on the run“ von Sweet mit erwartbar schauerlichem Ergebnis:

In der letzten Zeit sind ein paar neue, fast unbekannte musikalische Fehltritte aufgetaucht, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

So war Gabi Decker (heute: „Schirmherrin der Berliner Schwulenberatung“) als Audio-Auftragskillerin für Ralph Siegel unterwegs und meuchelte den Flashdance-Hit von Michael Sembello mit einem Helene Fischer-Text, dessen Titel durchaus die Gefühle des Publikums treffen dürfte:

Über die Originalversion von „David’s Song“ aus der Frühphase der Kelly Family kann man geteilter Meinung sein. Sentimentale Hausfrauen jenseits der besten Jahre finden den gut, Leute mit Partykeller und Busenklingel in angesoffenem Zustand auch. Aber es ist schon eine außerordentliche Leistung, dieses Kitschgedudel im Niveau nochmal deutlich runter zu prügeln:

Nun war Roland Kaiser nie verdächtig, anspruchsvollen oder wenigstens über das Genre hinaus erträglichen Schlager zu singen (anders als z.B. Howard Carpendale, wie ich ja bereits ausführte). Aber Chris Rea hat es genauso wenig verdient wie wir, seine schöne Slow-Nummer „Fool if you think it’s over“ als „Wind auf der Haut und Lisa“ anhören zu müssen:

Einem Wiener Tonkünstler ohne Scham verdanken wir eine deutsche Fassung von Foreigners „I want to know what love is“. Ihr habt gedacht, den Song könne man nicht mit noch mehr Jammerlappen-Pathos aufbrezeln? Falsch gedacht:

Manchmal ist die Fallhöhe sehr groß – Alan Parsons „Don’t answer me“ ist Teil des „80s songbook“, noch dazu mit einem großartigen Video gesegnet. Jürgen & Denise schert das nicht – Jürgen & Denise kennen keine Gnade:

Auch die eigenständig erfolgreiche Juliane Werding hat mehrfach im Cover-Pool gebadet. So ist ihr größter Erfolg „Am Tag als Conny Kramer starb“ eine Eindeutschung von „The night they drove old dixie down“. Später ging sie mit Mike Oldfields Haussängerin Maggie Reilly auf Tour und spielte deren „Moonlight Shadow“ als „Nacht voll Schatten“ durchaus okay ein. Aber diese Version von „Nights in White Satin“ kann ich ihr nur schwer verzeihen:

„It’s my party“ ist wahrlich oft gecovered worden – aber nie so. Es gibt zu wenige Songs, die „Männer“ auf „Penner“ reimen. Ich gestehe außerdem, dass ich mich zuerst gefragt habe, warum die Männer „Alm und reich“ sind:

Es gibt auch „positive“ Beispiele – das Original „It feels like I’m in love“ leidet daran, dass Sängerin Kelly Marie eine unsäglich schrille Stimme hat. Das kann man von Beate Zöller (ja, so wollten Stars mal heißen!) nicht behaupten:

Nein, es ist NICHT okay, „I got you babe“ zu einem Karnevals-Schunkelkracher zu verunstalten – das ist nicht lustig:

Karel Gott hat als „goldene Stimme von Prag“ und Stammgast in deutschen Schlagersendungen nicht nur den Titelsong von „Biene Maja“ gesungen, sondern auch „Paint it Black“ von den (ächz!) Rolling Stones:

Jetzt strauchel ich etwas – Lisa Bauer heißt ja mittlerweile Lisa Fitz, hat nach Kleinauftritten u.a. im „Schulmädchen-Report“ solide Karriere als Kabarettistin und Schauspielerin gemacht und sich den Ruf in den letzten Jahren als rechtstendierende Verschwörungstheoretikerin versaut. Ihre frühe deutsche Version von „Son of a Preacherman“ schwankt je nach Laune zwischen bayrischer Urviechigkeit und geschmacklichem Totalausfall:

Und weil wir hier gerade so schön zusammen sitzen – zum Abschluss noch eine Gruppenvergewaltigung eines Rock’n’Roll-Standards. Ich bin sicher, meine Eltern haben dazu in den 70ern anerkennend mit den Füßen gewippt und gesagt „hätte man nicht gedacht, dass die auch so toll abrocken können“:

Es gibt noch viele, viele weitere Beispiele – aber das muss für heute reichen. Euretwegen.



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sergejMartin DänikenStefanDietmarfrater mosses von lobdenberg Recent comment authors
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Flossensauger
Flossensauger

„The Hunters“ waren nicht die Vorläufergruppe der Scorpions, sondern ihr „Deckname“ um in Deutschland überhaupt irgendwo wargenommen zu werden. Die „scorps“, wie sie im Osten liebevoll genannt werden waren in Japan und USA schon Millionenseller, wo sie in Deutschland noch in Jugenzentren Schlager covern mussten. Erfolgreich (in D!) wurden sie erst 1984 mit dem Titel „Still fuckin‘ you“, verabscheuenswert erst mit dem Song, weswegen die Mauer eingerissen werden musste: „Wind of Chains“ 1989.

sven
sven

„Rot und Schwarz“ finde ich wirklich gelungen. Eine eigene Interpretation, kein stumpfes Nachsingen und diese Dramatik! Toll.

Dietmar

verachtenswerten Scorpions

Bitte!? Da bin ich Lokalpatriot! *schmoll*

Dietmar

Lisa Fitz, … rechtstendierende Verschwörungstheoretikerin

Echt? Wow. Ist an mir vorbeigegangen. Tröstlich, dass ich sie nie mochte oder lustig fand.

sergej
Dietmar

Boah! Ich habe nur wenige Sekunden in „Ich sehe was“ reingehört und da hat mich diese Arroganz schon derartig angewidert, dass es keinen Antisemitismus oder Verschwörungsquatsch braucht, um das ekelhaft zu finden.

Danke für die Links!

Dietmar

Mireille und Peter?! Jetzt fall´ ich in Ohnmacht…

sergej
sergej

Gehen auch Ballermann- oder Après-Ski-Hits oder sind die schon per se scheiße?
Mickie Krause – Ich Bin Solo
https://www.youtube.com/watch?v=cELBYVKKvCA
So richtig viel Text wurde vom original nicht übernommen.

Sutherland Brothers Band -Sailing
https://www.youtube.com/watch?v=poDjuRlaNAg
oder
https://www.youtube.com/watch?v=FOt3oQ_k008

Karlheinz Erklärbär
Karlheinz Erklärbär

Was hältst Du davon:
https://www.youtube.com/watch?v=w95_7wPochQ
Nach mehreren Produktionen mit Jack White (Eine Herde wilder Pferde ist nicht halb so wild wie Du) wollte sie ‚was Anspruchsvolles machen.

heino
heino

Da ist mir doch gerade noch der hier wieder eingefallen:

https://www.youtube.com/watch?v=gSUwG22lYjw

Karlheinz Erklärbär
Karlheinz Erklärbär

Das tut richtig, richtig weh. Allein, wie er am Anfang den Ton nicht trifft.

sergej
sergej

Lena Valaitis & Costa Cordalis – Wenn der Regen auf uns fällt
Deutsche Version von Jermaine Jackson & Pia Zadora – When the rain begins to fall
https://www.youtube.com/watch?v=_SYLpVkTDI4

Conny & Jean – Felicita
https://www.youtube.com/watch?v=nLXhjymT8Zw

PabloD
PabloD

Costa Cordalis: Ein Outfit wie gemacht für die Dortmunder Südtribüne 😀

Jean: Dürfte das Vorbild für den jungen Hubertus Albers gewesen sein…

sergej
sergej

Tony Marshall & Roberto Blanco – Resi bring Bier
https://www.youtube.com/watch?v=LOtcxy7yisc
Crazy for you – David Hasselhoff

Tim
Tim

Mein Favorit in der Kategorie:
https://www.youtube.com/watch?v=GOUrH-2lCfg

dyson

Den „Hund von Baskerville“ finde ich gar nicht so verkehrt, mit Abstrichen auch den Gott-Karel. Beim „Fuchs“ kam mir leider so richtig der Kaffee hoch – das ist ja wohl grausam hoch zehn – und das nicht nur, weil ich das Original seit Kindheitstagen mag…

Kuhbaert
Kuhbaert

Die meistens Songs musste ich noch vor beenden der ersten Strophe stoppen, aber die Karrell Gott version von Paint it Black hat was.

frater mosses von lobdenberg
frater mosses von lobdenberg

Der kann ja auch singen. Kennst Du seine tschechische Version von „Moon River“?

Dietmar

Allerdings. Eine echte Größe.

hilti
hilti

Karel Gott hat übrigens auch „Forever young“ gecovert: Für immer Jung

Wir hatten das Thema um, seltsame Coverversione mal ab da https://www.allesausseraas.de/montag-06-08-2018/#comment-284243 in den Kommentaren. Sucht da mal nach
Heidi Stroh – Keinen Helden, keinen Hero oder CVJM

Lülü
Lülü

Da gibt es noch die (meines Erachtens klasse) Version mit Bushido

https://www.youtube.com/watch?v=Fs4sLbBLUoo

Stefan

Was mir hier definitiv noch fehlt (Vorsicht, Ohrwurmgefahr!): Pump ab das Bier!
https://www.youtube.com/watch?v=lzDb31hvQfI

Martin Däniken
Martin Däniken

Also ich würde,wenn ich mit diesen Liedgut in Gänze traktiert würde, zugeben ,
JFK erschossen zuhaben! Mindestens!!!
Ich bin Baujahr 66…
„Paint it black“ als Polka, geilomat.

sergej
sergej

Karel Gotts „Rot und Schwarz“ taucht in Folge 1 der neuen Sat1-Serie „Whiskey Cavalier“ als Hintergrundmusik auf, bei einer Autofahrt von Moskau nach Nürnberg.
Ich frage mich, wie es da hin gekommen ist. Scherz bei der Synchronisation?

https://www.sat1.de/tv/whiskey-cavalier/video/11-staffel-1-episode-1-agent-mit-liebeskummer-ganze-folge
ca. 25:30
.
Und wie wurde „No Milk Today“ von Herman’s Hermits ins Deutsche übersetzt?
Richtig, mit „Brötchen und Milch“
https://www.youtube.com/watch?v=HoR8wjLFHCo