Mitte Dezember reisen wir endlich mal wieder nach London. Schließlich waren wie seit unendlichen anderthalb Jahren nicht mehr in der britischen Metropole.

Erstmals fliegen wir direkt von Baden-Baden nach Stanstead. Die Vorteile sind mannigfaltig: alberne Ticketpreise zwischen 9 und 24 Euro pro Strecke, gerade mal zehn Minuten Anfahrt, keine Parkgebühren, keine Wartezeiten, extrem komfortable Abflugzeiten (10.00 Uhr hin, 16.00 Uhr zurück).

Leider hat London die gleiche Angewohnheit wie New York, bei der Anreise gesparte Kosten vor Ort doppelt und dreifach drauf zu packen. So kostet der Stanstead Express zur Liverpool Station so viel wie der Flug selbst und das Hotel… London halt. Wir werden dieses Jahr erstmals im Motel One Tower Hill übernachten. Nicht, weil es nennenswert billiger wäre, sondern weil man – wie in Deutschland – hier unverbindlich buchen kann, was in London ein absolutes Novum ist. Genau genommen könnte man sich mehrere Termine reservieren und dann einfach verfallen lassen. Ideal, wenn man früh buchen will, ohne festgelegt zu sein. So hatte ich diesen Termin (ohne mich um Flug oder Theaterkarten zu kümmern) schon Anfang Oktober belegt.

Das ist übrigens ebenfalls ein massiver Kostenfaktor in London: Theaterkarten. Und damit kommen wir auch endlich zum eigentlichen Thema dieses Beitrags.

Vor ein paar Jahren hatte ich bereits geschrieben, dass die Londoner Musical-Szene im Filmrausch ist – diverse Blockbuster der letzten 40 Jahre wurden für die Bühne umgestrickt, was nicht immer gesund war. Dieser Trend hat sich etwas gelegt, die Hollywood-Adaptionen sind nicht mehr so zahlreich.

Stattdessen: Horror! Die britischen Bühnen haben als Zielgruppe den Gruselfan entdeckt, locken ihn von Conventions und aus Comic Shops in die altehrwürdigen Theater. Vom Ambiente her passt das ja sehr gut.

Hier mal eine kleine Übersicht, was aktuell in London gespielt wird.

Hammer Films ist eine Legende, hat uns Christopher Lee als Blutsauger geschenkt und die erstmals nackte Nastassja Kinski. Hier jagte Dracula die Mini-Mädchen und der Fluch des Siniestro ließ Oliver Reed die Brusthaare wuchern. Seit ein paar Jahren gibt es das Studio in neuer Struktur wieder und aktuell hat man aus den Themen und Klischees von Hammer eine neue und doch ganz klassische Gruselmär gezimmert:

Das amerikanische Äquivalent von Hammer in den USA ist Universal – jenes Studio, das in den 30er und 40er Jahren den Horrorfilm definierte und dessen Figuren bis heute das Genre prägen. Anfang der 70er nutzte Mel Brooks die Vertrautheit mit den Universal-Klischees für seine gelungene Parodie „Young Frankenstein“. Und genau die ist nun auch in London live zu erleben:

Sind wir damit schon beim Thema „Musicals zu amerikanischen Kultfilmen“? Prima. Dann verweise ich an dieser Stelle gleich mal auf die launige Adaption von Tromas Klassiker „Toxic Avengers“ (in Deutschland auf Video seinerzeit „Atomic Hero“ benamst). Den Kritiken nach sehr launig, aber wir verpassen die letzte Vorstellung leider um ein paar Wochen. Ein andermal, an einem anderen Ort vielleicht:

„Der Exorzist“ erlebt momentan ja so etwas wie eine Renaissance. Von einem Remake wird seit Jahren gesprochen und die gleichnamige TV-Serie hat eine zweite Staffel genehmigt bekommen. In London kann man die Adaption des Romans (mit klaren visuellen Anleihen an Friedkins Film) auf der Bühne sehen:

Über „Bat out of Hell“ habe ich auch schon geschrieben, die Umsetzung von Jim Steinmans größten Rocksongs in Form eines trashigen SF-Musicals finde ich außerordentlich gelungen. Im Sommer war die Show in London, 2018 kommt sie wieder – und wer auf Bombast steht, ist hier genau richtig:

Auch dystopisch, auch als Liebesgeschichte erzählt, aber mit klarerem künstlerischen Anspruch kommt das zweiteilige Stück „The Divide“ daher, von dem ich leider nur einen Trailer finden konnte, der kaum Rückschlüsse zulässt:

Comedy und Drama hatten wir damit schon – fehlt noch die Parodie. Es war zu erwarten, dass irgendjemand früher oder später auf die Idee kommt, „Game of Thrones“ auf die Schippe zu nehmen. Und siehe da:

Ach ja, „Game of Thrones“ – irgendwelche Natalie Dormer-Fans hier? Sicher doch. Die Blondine mit dem festgetackerten spöttischen Mundwinkel gibt sich derzeit in Sacher-Masochs erotischem Drama „Die Venus im Pelz“ die Ehre:

Wem das nicht reicht, der kann immer noch Dauerläufer wie „The Woman in Black“ und „Jekyll and Hyde“ anschauen. Für Freunde des skandinavischen Krimis empfiehlt sich das hochkarätig besetzte Entführungsdrama „Frozen“.

Was die LvA und ich uns anschauen werden? Keine Ahnung. Wir haben uns entschlossen, die Karten diesmal erst vor Ort und spontan zu kaufen. Mit einer Ausnahme – das hier ist der Grund, warum wir überhaupt nach London fliegen:

 



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