USA 2017. Regie: Tyler MacIntyre. Darsteller: Alexandra Shipp, Brianna Hildebrand, Josh Hutcherson, Nicky Whelan, Craig Robinson, Kevin Durand

Offizielle Synopsis: Wenn man die äußerst brutale Mordserie, die Rosedale gerade erschüttert, mal außer Acht lässt, passiert in dem verschlafenen Kleinstädtchen nicht wirklich viel. Grund genug für die trendigen Highschool-Girls Sadie und McKayla, der Langeweile mit einer eigenen makabren Onlineshow entgegenzuwirken. Die widmet sich – natürlich! – dem Thema Serienkiller. Doch warum auf irgendwelche Massaker warten, wenn man selbst eins inszenieren kann um die Anzahl der Likes zu steigern? Gesagt, getan! Irgendwo zwischen Schulalltag und Hausaufgaben werden die beiden Mädels selbst zum mörderischen Duo, das für die Follower-Quote jegliche Hemmungen fallen lässt und sich mit euphorischem Überschwang und jugendlicher Nonchalance durch die Bevölkerung von Rosedale schlachtet. Highschool hat selten so viel Spaß gemacht!

Kritik: Ich gestehe, dass ich zynische Highschool-Splatterfilme mag. Nach den Maßstäben, die ich üblicherweise an den Realismus des Genrekinos stelle, dürfte das nicht so sein – aber irgendwas setzt bei mir aus, wenn Köpfe aus Schulspinden rollen und Cheerleader kopfüber in der Turnhalle ausbluten. Das ist eine ganz eigene Realität, die mit unserer nichts zu tun hat und nichts zu tun haben muss.

Natürlich kann man solche Filme gut machen und schlecht. Gut wie in „Heathers“ und schlecht wie in „All cheerleaders die“. Irgendwo dazwischen, aber eindeutig mehr in Richtung „Heathers“ tendierend, findet sich „Tragedy Girls“, in dem zwei hippe Social Media-Junkies eine Mordserie in ihrer Heimatstadt nutzen, um auf Twitter, Instagram & Co. zu „trenden“.

Dabei macht sich „Tragedy Girls“ nicht viel Mühe, Sadie und McKayla glaubwürdig zu motivieren oder ihre Social Media-Geilheit zu thematisieren – irgendwo sind die beiden im Kopf mal falsch abgebogen und jetzt bringen sie halt eiskalt Leute für Likes um.

Das mag jetzt weder thematisch noch cineastisch die dicken Bretter bohren, aber manchmal reicht es, eine schräge Idee mit angemessenem Tempo und engagierten Darstellern voran zu treiben, um über die 90 Minuten-Marke zu kommen. „Tragedy Girls“ ist in der Beziehung wieder mal ein perfektes Midnight Movie, in dem Humor und Splatter gleichberechtigt nebeneinander stehen, ohne sich zu behindern. In der Beziehung erinnert der Film an „Night of the Living Deb“ und „Dance of the Dead“.

Nicht wenig Anteil am Erfolg haben die Darsteller, die in Sprache und Aussehen so präzise arbeiten, dass wir die Figuren augenblicklich wahrnehmen und im Auge behalten. Von der Lehrerin zum Dorfcop, vom Serienkiller bis zum Feuerwehrmann – alle mit knalligen Farben gemalt und diese Kirmes eines Horrorfilms bevölkernd.

In den Hauptrollen glänzen Alexandra Shipp und vor allem Brianna Hildebrand, die nach ihrem grandiosen Auftritt als Negasonic Teenage Warheard in „Deadpool“ auch hier wieder auffällig souverän agiert. Abgesehen von der Tatsache, dass sie mit ihrem „pixie cut“ meinem Kumpel Dirk das Herz brechen wird, sehe ich eine größere Karriere in der Zukunft dieser jungen Schauspielerin.

Fazit: Eine Horrorkomödie mit sanfter Kritik am Social Media-Wahn, die sehr kenntnisreich mit den Klischees des Genres spielt und am Ende vielleicht keine neuen Maßstäbe setzt, das Publikum aber ausnehmend gut unterhält. 8 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Zu überzogen, wenig überzeugende Charaktere, aber immerhin Eyecandy.“

Next up: Sicilian Ghost Story



avatar
2 Comment threads
1 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
3 Comment authors
WortvogelThiesheino Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
heino
heino

Der hat mächtig Spaß gemacht, gerade weil er so überzogen war. Und Alexandra Shipp war mindestens genauso gut wie Brianna Hildebrand, finde ich.

Thies
Thies

Der wartet leider weiterhin auf einen deutschen DVD-Start obwohl beide Hauptdarstellerinnen mittlerweile in Superhelden-Filmreihen aktiv sind. Sehr schade, denn das war einer meiner Favoriten von 2017.

Wortvogel

Die waren beide schon vorher in Superheldenfilmen zu sehen.