The-Quiet-Horror-Stephanie-Joalland-Movie-PosterGB, Irland 2014. Regie: Stéphanie Joalland. Darsteller: Dakota Blue Richards, Karl Davies, Brigitte Millar, Jack McMullen, Liam O’Brien u.a.

Offizielle Synopsis: Aliens haben den Planeten Erde überfallen, töten erbarmungslos dessen Bewohner und vernichten sämtliche natürlichen Ressourcen. Der noch verbliebene Teil der Menschheit hungert und mutiert zu eiskalten, immer gefährlicher werdenden Plünderern. Verzweifelt kämpft die 19-jährge Sarah in dieser apokalyptischen Zeit gegen eine Gruppe von Banditen, um den Hof ihrer Familie und die Solaranlage, die die gewalttätigen Aliens zurückhält, zu beschützen.

Kritik: „The Quiet Hour“ ist bei diversen Non-Genre-Festivals recht erfolgreich gelaufen, was für einen SF-Film ungewöhnlich genug ist und vorab die Vermutung nahe legt, dass hier primär die „conditio humana“ im Mittelpunkt steht und nicht pew pew pew mit dem Laserblaster. Da kann die Hauptdarstellerin hundert Mal eine Schrotflinte schultern und im Hintergrund ein Raumschiff drängeln – nochmal verstärkt bei den Artworks zur Scheibenauswertung:

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Davon sollte man sich nicht täuschen lassen. „The quiet hour“ ist ein ultra-preiswert gedrehtes Drama von drei Menschen in einem Landhaus, die in dunkler Zeit Hoffnung und Nähe suchen. Ob die externe Gefahr eine globale Epidemie ist oder der Einmarsch der Nazis in Polen – es macht letztlich keinen Unterschied. Selbst als Western ist „The quiet hour“ schon oft erzählt worden.

Ich habe lange keinen Film mehr gesehen, dem der eigene SF-Aufhänger so egal oder gar peinlich zu sein scheint, dass er ihn völlig in den Hintergrund drängt. Wir sehen von den Aliens nie mehr als statische, entfernte Shots der Raumschiffe am Himmel. Es gibt mittlerweile APPS, mit denen man solche CGI in selbst gedrehte Handy-Videos einfügen kann:

Sieht auch nicht schlechter aus als bei Asylum.

Die Verfügbarkeit von aufwändiger CGI war also – anders als bei „Reconnoiter“ und „Kill Command“ – keinesfalls raison d’etre von „The quiet hour“. Die Erschaffung einer plausiblen Dystopie auch nicht. Was die Aliens wollen? Wie genau sie vorgehen? Warum die Erde keiner Widerstand leisten konnte? All das ist unwichtig, weil Regisseurin und Autorin Joalland sich nur für den winzigen Ausschnitt im Landhaus interessiert – zu dem kein Alien gehört.

Kurioserweise schafft „The quiet hour“ aber genau damit den turnaround – er mag keine Fans von Baller-Action hinter dem Ofen hervor locken, überzeugt aber mit funktionierenden, plausiblen Charakteren und einer durchgängigen Spannung. Wir verstehen die Bedürfnisse der Beteiligten, ihre Ängste und Hoffnungen, ihre Angst voreinander und ihre Abhängigkeit voneinander. Die Geschwister, der Fremde, die Feinde – diesen Elementen gewinnt der Film zwar keine wirklich neuen Aspekte ab, doch er versteht es, zumindest in den Details immer wieder zu überraschen, die Erwartungen an die Klischees zu unterlaufen.

qhEin Schlüssel zum Film ist dabei die erstaunlich starke Darstellung von Dakota Blue Richards als Sarah.

Ist „The quiet hour“ ein Geheimtipp, Kult „in the making“ gar? Nein. Dafür begnügt er sich zu sehr mit einem bescheidenen erzählerischen Konstrukt, das er nur begrenzt variiert und das keine besonderen Leistungen verlangt und keine besondere Leistung darstellt. Aber in einer Zeit, in der große Anspruchsfilme auf die Fresse fallen und oft genug selbst kleine Dramen ihre gesteckten Ziele nicht erreichen, freue ich mich auch über das ansonsten kritisch zu sehende Urteil „erfolgreich im Rahmen seiner Möglichkeiten“.

Fazit: Ein Belagerungs-Kammerspiel mit extrem vagem SF-Hintergrund, das zwar eine Bäume ausreißt, aber mit einem sehr guten Cast solide spannend unterhält. Eher für die Freunde von „Survivalist“ als für die Fans von „Edge of Tomorrow„.



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