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Feb 2024

Fantasy Filmfest White Nights 2024 München (3): ALIENOID – RETURN TO THE FUTURE

Themen: FF White Nights 2024, Film, TV & Presse |

Südkorea 2024. Regie: Choi Dong-hoon. Darsteller: Ryu Jun-yeol, Kim Woo-bin, Kim Tae-ri u.a.

Offizielle Synopsis: Verfolgt von einer Gruppe entflohener Aliens sucht Ean nach dem göttlichen Schwert, das ein Zeitreiseportal öffnen könnte, mit dem die in der Vergangenheit gestrandete Kriegerin gemeinsam mit Cyborg Thunder zurück ins Jahr 2022 reisen will. Zeitgleich beginnt der Kopfgeldjäger Muruk, der Ean schon aus manch einer Zwangslage befreien musste, zu ahnen, dass eine fremde Präsenz in seinen Körper eingedrungen ist. Als es der Gruppe endlich gelingt, in die Gegenwart überzuwechseln, finden sie dort brachiale Verwüstung vor: Die Freisetzung der Substanz Haava durch den Alienanführer Controller forderte bereits Tausende von Leben. Ean, Thunder und Muruk bleibt nicht viel Zeit, die Außerirdischen zur Strecke zu bringen und die Menschheit zu retten.

Kritik: Der geneigte Leser sei gehalten, sich meine Kritik zum ersten Teil von 2022 nochmal durchzulesen. Dort schrieb ich u.a.:

ALIENOID wirkt, als hätte man eine aufwändige Serie mit fünf Staffeln und einem Miniserien-Spinoff zu einem 50bändigen Manga produziert, von der wir den Zusammenschnitt der zweiten Staffel mit einer Rahmenhandlung aus der Miniserie zu sehen bekommen. It. Makes. No. Fucking. Sense.

Es ist natürlich nicht leicht, nach zwei Jahren da wieder anzuschließen – ich kann mich kaum noch erinnern, worum es in Teil 1 ging. Erfreulicherweise gönnt man uns zum Start einen “primer”, der den Vorgänger verständlicher zusammenfasst, als ich ihn im Gedächtnis hatte. Danke dafür.

10 Minuten später war ich auch schon wieder raus.

ALIENOID 2 jongliert einfach zu viele Charaktere, erklärt zu wenig die Hintergründe, und schert sich zu wenig um Zusammenhänge, um den Zuschauer mitzunehmen. Kampfszenen reihen sich an Kampfszenen, protzige CGI gab es wohl im Sommerschlussverkauf (fragt eure Eltern), der Zuschauer wird mit riesigen Locations und einer brachialen Inszenierung bei der Stange gehalten – aber nichts davon hat einen Unterbau, einen roten Faden, eine nachvollziehbare Aufteilung der Guten und der Bösen. Willkürlich wird nach einer Weile ein Teil des Vorgängers nochmal durchgekaut, und das Ende ist vergleichsweise zahm, weil es nur wenig Katharsis erlaubt.

ALIENOID 2 ist der erste, aber nicht der letzte Film dieses Festivals, der bei allem gelackten Daherkommen am “world building” scheitert. Es gelingt ihm nicht, das von ihm kreierte Universum auch für den Zuschauer nachvollziehbar zu machen. In gewisser Weise fürchte ich, dass das kein singuläres Problem ist, sondern die Schwächen moderner Autoren widerspiegelt, bei aller Begeisterung für das kindliche Spektakel die “basics” des Storytellings zu beachten. Entweder das – oder ich bin einfach “zu alt für diesen Scheiß”-

Fazit: In Teil 2 verliert ALIENOID endgültig den Faden und wird zu einer wirren Ansammlung an Charakteren und Plot-Bruchstücken, die am Ende keinen homogenen Film mehr ergeben können. Nur die technische Eleganz und der betriebene Aufwand heben ihn auf 6 von 10 Punkten.

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2 Kommentare
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Thies
Thies
12. Februar, 2024 20:11

Mein Einstieg ins FFF-Wochenende wurde von mir ebenfalls mit gemischten Gefühlen erwartet. Vor zwei Jahren hatte ich beim Vorgänger mit schwerer Müdigkeit zu kämpfen. Ich konnte mich nur grob daran erinnern amüsiert aber ob der vielen Erzählfäden auch ein wenig verwirrt gewesen zu sein. Und der aus dem Nichts kommende Cliffhanger hatte mich sogar verärgert.

Umso positiver wurde ich überrascht, dass die Fortsetzung nicht nur nahtlos weiter ging, sondern im Tempo nochmal zulegen konnte. Ich fühlte mich an das “Anything goes” der Filme von Tsui Hark erinnert. Ohne Aliens, Roboter und Zeitsprünge wäre dies eine würdige Fortsetzung von “Meister des Schwertes”. Für mich waren dies zwei unbeschwerte Stunden die wie im Flug vergingen. Am Ende waren zwar alle Fragen geklärt, aber die Möglichkeit für einen dritten Teil steht offen. Von mir aus gerne.

Will Tippin
Will Tippin
13. Februar, 2024 23:30

Normalerweise lasse ich mich überraschen und informiere mich gar nicht vorher, was überhaupt läuft. Hab ich ausnahmsweise doch gemacht und gesehen, dass das eine Fortsetzung ist. Und dann Teil 1 am Abend vorher schnell nachgeholt. Ich glaube so ganz unvorbereitet hätte der nicht so viel Spaß gemacht.