16
Jul 2023

Unseen Adventures: Science Fiction und Fantasy, von KI neu gedacht

Themen: Film, TV & Presse, Künstliche Intelligenz, Neues |

Wenn ich gerade wirklich gar nichts anderes zu tun habe, vertreibe ich mir die Zeit auf zwei verschiedene Arten: Ich schaue YouTube-Videos oder ich experimentiere mit MidJourney. MidJourney gibt mir das Gefühl, kommerzielle Artwork erschaffen zu können – etwas, das absolut nicht zu meinen Kompetenzen gehört.

Nun ist es eine Sache, die Vorgaben (prompts) immer weiter zu verfeinern, um die KI zu immer genaueren Ergebnissen zu zwingen. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die KI ein “Eigenleben” hat und gerade in den Auslassungen viele spannende Möglichkeiten stecken. So gab ich vor ein paar Tagen einfach mal “Star Trek” ein. Was würde die KI aus dem Titel der Franchise machen, wenn ich keine Figuren, kein Setting, keinen Stil und keinen Kontext bestimme?

Das Ergebnis hat mich positiv überrascht:

Diese sehr dynamischen Artwork-Vorschläge könnten problemlos als Cover von Spinoff-Romanen aus den 60ern und 70ern dienen – “Star Trek: The Captain Spartan Chronicles”. Hätte ich vermutlich sogar gekauft.

Nun ist es für die KI nicht schwer, Star Trek frei zu interpretieren, denn der Datenpool dürfte Millionen Bilder umfassen, aus denen der Geist in der Maschine “Neues” erschaffen kann. Das ist – in jedem Sinne – keine Kunst.

Also entschied ich mich, mal eine ganze Reihe von bekannten und weniger bekannten Genre-Franchises mit minimalen Vorgaben in die Arena zu schicken. Ich konzentriere mich auf die gelungenen Ergebnisse und stelle die krassen Fails ans Ende des Beitrags.

Bei Babylon 5 ist MidJourney schon erheblich unsicherer, wie die Franchise denn nun exakt aussieht. Das hat aber auch einen Vorteil – diese Artwork konnte locker das Promo-Foto einer preiswert gedrehten Spinoff-Serie sein:

Keine Probleme bei Star Wars, auch wenn die zufällige (?) Fokussierung auf eine weibliche Protagonistin irritiert – mich beeindruckt Authentizität der Atmosphäre. Das ist “vintage Star Wars”. Als Artwork für ein neues Solo-Abenteuer (Young Leia?) würde vermutlich sogar Disney das durchwinken:

Indiana Jones stellt ein ganz eigenes Problem dar – die Figur ist gesetzt. Harrison Ford, die Jacke, der Hut. Da kann auch MidJourney nicht viel variieren:

Anders Pulp-Figuren, die immer wieder neu interpretiert wurden. Ich bin begeistert vom glorreichen Pomp dieser Flash Gordon-Version:

Seinen Kollegen Buck Roger hingegen hat die KI im Stil einer kitschig-kindischen Science Fiction-Serie der frühen 60er à la LOST IN SPACE interpretiert:

Aus deutschen Landen: Ich war vergleichsweise überrascht, wie passgenau MidJourney den Stil des Perry Rhodan-Coverkünstlers Johnny Bruck trifft:

“Die Welt der 100 Monde – als Bully auf P’rak ein Komplott der Thunacks entdeckt, muss er den Physio-Deflektor aktivieren!”

Etwas widerspenstiger gestaltete sich Doctor Who – MidJourney ist SEHR davon überzeugt, dass es mit Peter Capaldi nur einen echten Doctor gibt. Um überhaupt ein interessantes Ergebnis zu erhalten, musste ich dem Serientitel noch den Zusatz “60s” gönnen. Das ist dann allerdings schön trippy:

Conan fällt der KI relativ leicht, weil es Hunderte von Covern und Artworks gibt, die den Barbaren relativ einheitlich präsentieren. Man muss dann nur immer einen Vorschlag finden, bei dem die Hände und die Waffen halbwegs hinkommen:

Die Schädel-Knieschoner sind ja wohl ein Knaller!

Auch der Terminator gehört zu den leichteren Übungen, allerdings ist hier von künstlicher Kreativität eher wenig zu erkennen:

RoboCop? Don’t mind if I do:

Will man sich als Designer für den nächsten Predator-Film inspirieren lassen, ist MidJourney ein guter erster Ideengeber:

Machen wir uns nichts vor: Hollywood kann zu viel Geld sparen, um die Idee abzulehnen, sich erstmal von der KI ein paar Entwürfe zeichnen zu lassen:

Wenn man Predator, RoboCop und Terminator nebeneinander stellt, dann fällt wieder mal auf, dass MidJourney eben nicht nur die Figuren kreiert, sondern auch analysiert, wie deren Umfeld, deren Farben, deren Look & Feel aussieht.

Und was ist mit der weiblichen Zielgruppe, höre ich euch (nicht) rufen? Kein Problem: Sollte sich Netflix je zu einer Neuauflage von BUFFY THE VAMPIRE SLAYER durchringen, könnte die neue Hauptdarstellerin durchaus so aussehen:

Bei AKTE X kommen wir von Duchovny und Anderson nicht los:

Und das Remake von STARSKY & HUTCH für Amazon Prime? Lackleder, Baby!

Nun ist es eine Sache, die bekannten Elemente einer Franchise neu zu interpretieren – mix & match kann jeder. Aber seit geraumer Zeit ist es angesagt, Franchises zu kombinieren. Da trifft Batman auf die Teenage Mutant Ninja Turtles und die X-Men besuchen die Enterprise.

Und MidJourney fällt auf die Schnauze.

Weil die KI sich die Welt vom Terminator vorstellen kann und die Welt von Conan – aber nicht, wie eine Kombination der beiden aussähe. Es gibt keine Vorlage, an der man das trainieren könnte. Und als Ergebnis versucht MidJourney meistens, eine Franchise der anderen unterzuordnen – wie hier, wenn der Cyborg auf den Barbaren trifft:

Der Dunkle Ritter muss sich ebenfalls der Kleiderordnung Hyborias unterordnen:

Manche Motive sind gerade noch kompatibel und vage genug, um nicht negativ aufzufallen – RoboCop vs. Terminator passt:

Bei Spock vs. Terminator sieht das Ergebnis aber schon wieder wie ein Roman aus den 60ern aus, in dem der Vulkanier gegen eine asimov’sche Menschmaschine antritt – ich habe dieses Beispiel gewählt, weil der Beschnitt verschleiert, dass MidJourney keine Ahnung von vulkanischen Spitzohren hat:

Als gänzlich unmöglich erwies es sich, ohne größeren Aufwand ein Aufeinandertreffen von King Kong und Godzilla zu illustrieren – dabei sollte das doch wahrlich kein Problem sein. MidJourney fusioniert die zwei Monster hartnäckig zu einer Kreatur:

God Kong? Kongzilla? Was ja generell keine schlechte Idee wäre…

Man sieht: sobald sich MidJourney nicht aus seinem Datenpool bequem bedienen kann, lässt die Potenz der “künstlichen Kreativität” schon deutlich nach. Die Ergebnisse entfernen sich hilflos immer weiter von dem Geforderten.

Dennoch kann ich nicht bestreiten, dass diese Alternativwelt-Varianten meine Phantasie anregen, weil sie eben nicht das zeigen, was wir kennen – sondern neue Versionen, Abzweigungen, Spielarten, die das jeweilige Universum erweitern. Wie hätte ein DOCTOR WHO mit Peter Capaldi in den 60ern ausgesehen? Was mögen die Abenteuer von Starfleet-Captain Spartan gewesen sein? Welche Rolle spielt die obskure Crew des Babylon 5-Ablegers? So viele Fragen – aber keine Antworten…

Nun ist es natürlich eine Art Taschenspieler-Trick, dass ich euch immer wieder nur die gelungenen Ergebnisse von MidJourney präsentiere. Es ist die halbe Wahrheit. Zwar muss ich nicht – wie der SPIEGEL – über 100 Versuche starten, um das gewünschte Ergebnis zu bekommen, aber auch nur deshalb, weil ich kein spezifisches Ergebnis brauche. Ich nehme, was die KI vorschlägt.

Dennoch gibt es immer wieder mal Aussetzer, wenn die KI ein prompt komplett fehlinterpretiert – oder stur fehlinterpretieren will. Manchmal ist die Ursache nachvollziehbar: “Conan” allein reicht nicht, denn damit könnte auch der Talkshow-Moderator Conan O’Brien gemeint sein oder die Manga-Reihe DETECTIVE CONAN. Also hilft es, den Zusatz “der Barbar” nicht zu vergessen.

Aber selbst wenn man Vorsicht walten lässt, trägt es MidJourney mitunter aus der Kurve – der Versuch, ein Crossover “Robin Hood vs. Predator” zu illustrieren, schlug spektakulär fehl:

What the actual hell?!

Nicht weniger der Totalausfall ist “Zorro vs. Terminator” – als Plakat für einen Italo-Western lasse ich das durchgehen, ansonsten gilt “Thema verfehlt”:

Predator ist eben nicht nur eines der bekanntesten Filmmonster der Hollywood-Geschichte, sondern eben auch schlicht ein “Raubtier”. Deshalb überhob sich die KI beim Versuch, Spock gegen den Predator antreten zu lassen:

Aus dem Predator wird ein Saurier, die Spitzohren fehlen – und vermutlich wegen des vulkanischen Grußes unterschätzt MidJourney die Zahl der nötigen Finger.

Je spezifischer man wird, je kleiner der Datenpool, desto mehr kommt die KI in Schlingern – “Star Trek, mirror universe setting” produziert das hier:

Schick, aber halt gar nicht das, was man bei Star Trek mit dem “mirror universe” meint. Hilft es, die Anfrage mit “Star Trek CREW, mirror universe” zu präzisieren?

Nein. Wobei mir der Gedanke gefällt, dass DISCOVERY komplett in einem sehr missratenen Spiegeluniversum spielt…

Ich fand es launig, mal zwei Franchises mit dem gleichen Darsteller gegeneinander antreten zu lassen – aber “Rocky vs. Rambo” kann nicht überzeugen:

Fast schon in einer eigenen Liga spielt dieser Versuch, King Kong gegen Godzilla kämpfen zu lassen – was soll das darstellen?!

Manche Fehlversuche sind auch der simplen Tatsache geschuldet, dass MidJourney immer noch damit hadert, Hände realistisch darzustellen – und Waffen erst recht. So ist dieses Plakatmotiv für BLADE RUNNER passend und atmosphärisch dicht, aber die Pistole und die unnatürliche Handhaltung kann ich nicht durchwinken:

Das macht diesen schwächeren Entwurf “per default” zum Gewinner:

Ein Jedi-Ritter trifft auf einen Terminator – wer würde das nicht gerne sehen? MidJourney kann das durchaus potent präsentieren, wenn da nicht das Laserschwert in Form eines Taktstocks wäre:

Es wird ja immer gerne versichert, die KI sei halt noch nicht so weit und diese “Kinderkrankheiten” werde man zeitnah ausmerzen. Das mag stimmen, ist aber als Rechtfertigung gar nicht nötig. Fast jeder Grafiker hat eigene Defizite, müht sich auch nach Jahren noch erfolglos an bestimmten Details ab. Coverkünstler Lonati malte Köpfe notorisch zu groß und deformiert, Comiczeichner Rob Liefeld versagte bei Füßen, und Jack Kirbys Männer-Kinnladen sahen immer nach Ziegelsteinen aus. Vielleicht erwarten wir von der KI eine Perfektion, die nie Maßstab war oder sein sollte.

Natürlich würden mich wie immer eure Meinungen zum Thema interessieren. Nehmt ihr sichtbare Fortschritte bei der KI wahr? Sind wir mittlerweile bei einer Qualität angelangt, die zumindest für Romancover und Videospiel-Artwork mehr als ausreichend ist? Wollt ihr mehr sehen oder soll der Geist zurück in die Flasche?

Zum Schluss spendiert euch MidJourney ein Minz-Schoko-Eis, ebenfalls generiert ohne weitere Vorgaben. Da müssen sich diverse Food-Fotografen warm anziehen:



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Andreas
Andreas
16. Juli, 2023 15:07

Ich bin beeindruck was KI inzwischen hinbekommt und auch die “Fehlschläge” beeindrucken mich. Am besten hat mir das PR Artwork gefallen.
Ich würde, sollte ich nochmals etwas von einem Grafiker benötigen wahrscheinlich zuerst an die KI wenden.

Einsamer Schütze
Einsamer Schütze
16. Juli, 2023 15:55

Dieser Peter Capaldi sieht mir doch eher nach Matt Smith aus.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
28. Juli, 2023 10:39
Reply to  Torsten Dewi

Sieht mir immer noch nach Matt Smith bzw dem Love Child von Capaldi und Smith aus.

Olaf
Olaf
16. Juli, 2023 16:47

Hast du Perry Rhodan gepromptet, Johnny Bruck oder beides? (Das Bild erinnert mich eher an Brucks heutige Nachfolger)

Robert
Robert
17. Juli, 2023 08:31
Reply to  Olaf

ich hätte das eher als Kelsner-Stil gesehen. Aber insgesamt sehenswerte Bilder.

sergej
sergej
16. Juli, 2023 23:48

Das ist nicht wünsch dir was, aber es wäre ein Leserservice:
Was bekommt man für Bilder, wenn man “Wortwogel” eingibt?
Harrison Ford spielt Indiana Jones und Han Solo. Wie würde Indy in Star Wars aussehen?

Sergej
Sergej
17. Juli, 2023 23:22
Reply to  Torsten Dewi

Danke 🐦

Lothar
Lothar
17. Juli, 2023 10:46

Das Bild für “Zorro vs. Terminator” lässt einen sofort an “Red Dead Redemption” denken:

https://www.google.de/search?q=red+dead+redemption&tbm=isch&source=iu&ictx=1&vet=1

Kenne die Spiele inhaltlich nicht. Eventuell kommen dort ein Zorro und ein Terminator vor.

Last edited 8 Monate zuvor by Lothar
Vader Ryderwood
Vader Ryderwood
19. Juli, 2023 15:55
Reply to  Lothar

„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“

Nico
Nico
19. Juli, 2023 17:33

Hat er bei Robin Hood v Predator möglicherweise den Begriff “predator” für das gewöhnliche Raubtier gehalten? Oder fließt da der Disney-Zeichentrick mit rein

Marcus
22. Juli, 2023 15:56

Und wenn man “Löwin in Wald bei Berlin” eingibt, bekommt man wahrscheinlich ein Bild von einem Wildschwein.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
28. Juli, 2023 11:08

Für Predator vielleicht den offiziellen Yautja benutzen. Vermutlich würde der Bildgenerator auch bessere Ergebnisse bei Xenomorph anstatt Alien ergeben.

Vielleicht funktioniert ja das.