19
Jun 2021

Fantasy Filmfest Nights XL 2021 (7): JAKOB’S WIFE

Themen: FF Nights XL 2021, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2021. Regie: Travis Stevens. Darsteller: Barbara Crampton, Larry Fessenden, Bonnie Aarons, Sarah Lind, C.M. Punk

Offizielle Synopsis: Während Provinzpfarrer Jakob von der Kanzel über die Wertschätzung der Ehe und die Liebe zu seiner Frau predigt, kriegt seine Gattin Anne davon zu Hause wenig ab. Erst ihre Begegnung mit einem Vampir-Master, der sich in der alten Mühle eingenistet hat und von da aus sein Unwesen treibt, bringt frisches Blut in die triste Beziehung. Gebissen, aber nicht getötet, verspürt die fromme Anne plötzlich eine unbändige Lebenslust und Stärke. Die Möbel werden ab jetzt einarmig durchs Haus gewuppt, das Kochen gehört der Vergangenheit an. Nur die gelegentlichen Blutrauschanfälle sind schwer mit Annes christlicher Moral zu vereinen. Jakob erkennt seine Frau kaum wieder. Aber wie heißt es so treffend? In guten wie in schlechten Zeiten!

Kritik: Wir dürfen mal wieder unterstellen, dass der Autor der Inhaltsangabe den Film nicht wirklich gesehen hat. Weder geht es um einen Vampir-Meister, noch ist die Zentrale des Bösen eine "Mühle". Man kann halt nicht alles mit einem Langenscheidt in der Hand übersetzen.

Sei es, wie es sei – Barbara Crampton arbeitet nach ein paar Jahren der Distanzierung vom Genre in den 90ern hart daran, die neue Senior-Scream-Queen zu werden und sucht sich dafür auch/primär in schrabbeligen B-Movies Rollen, die ihr den totalen Fokus gönnen, in denen sie sich hemmungslos ausleben kann. Ich bin sicher, sie hält Performances wie in JAKOB’S WIFE für große Schauspielerei – ich halte es für höchst unterhaltsamen Camp, der manchmal wie die Parodie intensiven "method actings" wirkt.

Schon klar: wir alle LIEBEN Barbara Crampton. Die hat sich im RE-ANIMATOR nackig gemacht und unsere Pubertät in Lack & Leder in FROM BEYOND beschleunigt. Die war im PLAYBOY und in ROBOTJOX 2. Aber sie ist nicht Jamie Lee Curtis. Ihre darstellerisches Talent ist beschränkt, was besonders dann auffällt, wenn sie es mit aller Wucht nach außen zu kehren versucht.

Und so ist JAKOB’S WIFE 50:50 lustig, weil er lustig sein will – und lustig, weil Crampton alle Regler auf 11 dreht und Drama konsequent mit Melodrama verwechselt.

Ich kann aber durchaus verstehen, warum Crampton die Rolle haben wollte: hier ist sie absoluter Mittelpunkt, hier hat sie eine schrille Szene nach der anderen – und wer sich über so etwas freut, darf die agile 62jährige (!) auch nochmal nackig in einer rüden Sexszene sehen. JAKOB’S WIFE ist ein Film, mit dem Crampton auffällt. Es ist unmöglich, ihn zu besprechen, ohne sie zu preisen.

Inhaltlich handelt es sich um ein schnödes B-Movie, wie es in den 80er und 90er Jahren populär war (siehe auch Crampton in BEYOND THE GATES oder Crampton in REBORN) und üppig auf dem Fantasy Filmfest lief, bevor es auf Scheibe verklappt wurde. Eine simple Mär von der braven Hausfrau, deren neuer Blutdurst mit dem Hunger nach Leben gleichzusetzen ist. Vampirismus als Katalysator einer Ehekrise. Darum ist es kein Wunder, dass die Überwindung der zwischenmenschlichen Konflikte mehr Raum bekommt als die Vernichtung der Blutsauger.  Horror ist das Genre, aber Emanzipation ist das Thema.

Fazit: Ein launiges Monster-B-Filmchen im Stil der 80er, das alternden Nerds das Herz aufgehen lässt, aber ein modernes Publikum vermutlich kalt lässt. Funktioniert nur sehr bedingt – wie auch schon die Vorbilder. Barbaras Boobies. 6 von 10 Punkten.

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