28
Feb 2021

TV Kritik: SUPERMAN & LOIS (Spoiler!)

Themen: Film, TV & Presse |

Story: Nach dem Tod von Martha Kent kehren Lois, Clark und ihre beiden Söhne Jonathan und Jordan nach Smallville zurück. Hier scheint einiges im Argen zu liegen und auch weil zu befürchten steht, dass die Jungs irgendwann eigene Kräfte entwickeln, entschließt sich die Familie, die alte Kent-Farm zu übernehmen. Zeitgleich taucht ein neuer Gegner auf, der verdächtig viel über Supermans Herkunft weiß – und seine Schwächen…

Kritik: Ich wollte die Kritik eigentlich mit der These beginnen, dass das Arrowverse vor einem Umbruch steht, weil die Alt-Serien ARROW, SUPERGIRL und BLACK LIGHTNING ausgelaufen sind oder bald auslaufen, weil der ARROW-Spinoff GREEN ARROW AND THE CANARIES vom Network keinen Pickup bekam, etc. pp. Aber das stimmt genau genommen nicht: das Arrowverse war IMMER in flux, immer ein Großprojekt mit ständig wechselndem Kern. So wurde CONSTANTINE schnell eingestellt, aber die Hauptfigur in die LEGENDS OF TOMORROW integriert – eine Serie, die selber mehr Reboots durchmachte, als man für möglich gehalten hätte. Während GOTHAM über die gesamte Laufzeit nicht offiziell zum Arrowverse gehörte, nahm man SUPERGIRL und BLACK LIGHTNING nach einer Weile in den Kanon auf. LUCIFER ist zwar nicht offiziell ein Teil dieser Welt, aber der letzte Crossover erkannte wenigstens die Existenz der Serie an. Und BATWOMAN wackelt ja auch heftig.

So ist SUPERMAN & LOIS eigentlich nur eine logische Fortentwicklung des ständig wachsenden Arrowverse – zumal wir diesen Superman in Form von Tyler Hoechlin ja schon mehrfach bei SUPERGIRL sehen konnten.

Nun darf man durchaus die Frage stellen, ob es nach vier Superman/Superboy-Serien (George Reeves, John Haymes/Gerard Christopher, Dean Cain, Tom Welling) eine weitere Fortschreibung der Saga um den "Mann aus Stahl" braucht. Haben wir zu dem Thema nicht schon alles gesehen, was es zu sehen gab – zumal wir aktuell ja auch noch den Kino-Superman in Form von Henry Cavill erleben dürfen? Steht das S nicht längst für Sättigung statt für Hoffnung?

Ich glaube, das alles ist den Machern durchaus bewußt – und deshalb ist diese Superman-Serie keine männliche Version des Supergirl-Konzepts mit seinen urbanen Beziehungskisten, dem militärisch-industriellen Komplex und den Superbösewichten der Woche, sondern eine deutlich softer angelegte Familienserie, in der sich ein gereifter Superman immer wieder fragen muss, was ihm wirklich wichtig ist – seine Ehe, seine Söhne, oder am Ende doch das Schicksal der ganzen Welt?

Genau genommen könnte man das prima als direkte Fortsetzung von LOIS & CLARK betrachten, denn die Serie mit Dean Cain und Teri Hatcher endete ja mit der Heirat und der Geburt des ersten Kindes. Alles, was SUPERMAN & LOIS als Ausgangspunkt definiert, ließe sich mit wenigen Änderungen daran anschließen.

Gerade wenn man die Piloten von LOIS & CLARK, SMALLVILLE und SUPERMAN & LOIS vergleicht, wird deutlich, wie sehr sich die Tricktechnik mit jeder Generation verändert. Wirkt LOIS & CLARK mit den etwas albernen Kostümen, der kruden Wirework und den sehr begrenzten Digitaleffekten heute schon massiv veraltet, geht SMALLVILLE gerade noch als okay durch. SUPERMAN & LOIS spielt wieder in einer ganz anderen Liga – ausgehend vom Arrowverse-Standard wird noch mal draufgelegt und bei der ikonographischen Darstellung von Supermans Kräften orientiert man sich mehr als einmal an Snyder:

Es ist auch hübsch, dass immer wieder Zeit für Anspielungen ist – so greift Superman im Prolog des Pilotfilms bei einem Autounfall ein…

… der sehr offensichtlich den ersten Comic-Auftritt der Figur referenziert:

Mehr noch: Die frühe Variante seines Kostüms ist an Alex Ross' legendäres Comic "Kingdom Come" angelehnt und wurde auch von Brandon Routh im Crossover CRISIS ON INFINITE EARTHS getragen.

Davon ab müht man sich allerdings, nicht zu viele Querverbindungen zu bauen, die das Storytelling einschränken und den Fokus von Tyler Hoechlins Superman nehmen. Es gibt keine Gastauftritte der anderen Arrowverse-Helden und selbst in den Dialogen werden Supergirl oder die bisherigen Bösewichte nicht erwähnt.

Das ist nun alles "drumherum", kommen wir also endlich zum Inhalt. Wie isser denn so, der neue Superman? Kurz gesagt: sehr solide. Besser, als das etwas fade Konzept befürchten ließ. Man merkt die Professionalität der Macher, die aus ihren Erfahrungen mit dem Arrowverse gelernt haben, wie man einen knackigen Pilotfilm baut.

Natürlich scheren mich die Irrungen und Wirrungen der pubertierenden Kent-Söhne nicht wirklich – das ist der Teil, weswegen ich mit SMALLVILLE nie wirklich warm geworden bin. Ich bin wegen der Helden in bunten Kostümen hier, die sich durch Hochhäuser prügeln und Kometen auf Kollisionskurs mit bloßer Hand abfangen. Klar sind Comics AUCH Beziehungsgeschichten, aber dieser ganze Soap-Kram ist nicht meins.

Ich würde auch zugestehen, dass gerade dieser Aspekt im Pilotfilm, von dem man ja ein wenig Wumms erwartet, zu viel Raum einnimmt. Zu viel Gefühl, nicht genug Gehaue. Wenn die Kent-Familie mal wieder deprimiert am Küchentisch über die Probleme der Agrarwirtschaft von Kansas diskutiert, möchte man rufen "get to dah choppa!!".

Aber zu meiner eigenen Überraschung nervt das weniger, als ich erwartet hatte. Tatsächlich glaubt man sofort die Vertrautheit in der Ehe von Lois und Clark, man nimmt ihnen die notwendige Reife ab, zwei Teenager erziehen zu können. Hoechlin und Tulloch (auch wenn ich mit Letzterer vermutlich nie vollständig warm werde) passen exzellent zusammen.

Es lässt sich auch nicht mehr bestreiten: Hoechlin ist ein Casting-Coup wie seinerzeit Melissa Benoist. Er gibt den sensiblen, rücksichtsvollen Clark Kent ebenso perfekt wie den übermächtigen Superman. Er legt eine Ernsthaftigkeit in die Figur, die ihr mehr Gewicht verleiht als alle muskelbepackten Posen von Henry Cavill. Dieser Superman kann vielleicht keine Planeten verschieben, aber er schert uns als Mensch – etwas, das mir bei den Snyder-Filmen immer abging.

Und so mag man konstatieren, dass dieser Pilotfilm einer Superman-Serie ein bisschen im der Sparte "super" schwächelt, aber insgesamt ein solides Fundament für eine etwas ernstere Erweiterung des Arrowverse darstellt, die sich steigern kann und sollte. Das, was wir an klassischer Superhelden-Action zu sehen bekommen, ist packend genug inszeniert, dass wir mehr davon sehen wollen.

Trotzdem darf man die Frage stellen, ob es eine kluge Idee ist, das Superman-Universum zurück nach Smallville zu verlegen. Lois und Clark sind das ultimative "urban couple", Superman ist ein Held für die Metropole (Metropolis, gelle?), und ich kann mir den "Mann aus Stahl" schlecht als Pendler in Sachen Weltrettung vorstellen. Und ob das wirtschaftlich gebeutelte Smallville ausreichend Konfliktpotenzial nicht nur für Clark, sondern auch für Superman bereitstellen kann, werden die Macher erst noch beweisen müssen.

Aber hier und jetzt, nach dem Pilotfilm, bin ich zufrieden. Es steht Superman drauf, es ist Superman drin. Und man muss sich endlich nicht mehr für den Mann aus Stahl schämen, wie es bei den Zack Snyder-Filmen der Fall war/ist.

Fazit: Eine sympathische und gut inszenierte Fortschreibung der Superman-Saga, bei der sich zeigen wird, ob sie die Balance zwischen Comic-Heldentum und Familiendrama für alle Zielgruppen befriedigend findet.

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P.S.: Den einstigen arroganten Kollegen von Clark Kent zum hyperkapitalistischen Vorzeige-Ausbeuter umzudeuten, wirkt angesichts der Tatsache, dass sich Morgan Edge einst als Jude outete, etwas problematisch. Aber ich denke, wir können davon ausgehen, dass dieser Teil im neuen Superman-Universums nicht mehr Kanon sein wird. In Deutschland wurde das Outing sowieso in eine andere Richtung gedreht:



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DJ Doena
DJ Doena
28. Februar, 2021 16:20

Von der Optik hätte ich eher gedacht, dass das erste Kostüm an die ganz alten Fleischer-Zeichentricks aus den 40ern erinnern soll: https://www.youtube.com/watch?v=PkLUOIQxvN8#t=1m55s

DJ Doena
DJ Doena
28. Februar, 2021 16:24
Reply to  DJ Doena

Für mich ist Morgan Edge immer noch Rutger Hauer, alter Jugendfreund und Gangsterkollege von Lionel Luthor.

Dietmar
1. März, 2021 21:10

"LUCIFER ist zwar nicht offiziell ein Teil dieser Welt, aber der letzte Crossover erkannte wenigstens die Existenz der Serie an." LUCIFER habe ich bisher geguckt: Das Crossover fand in einer anderen Serie statt? Oder habe ich das nur nicht erkannt, weil in LUCIFER Charaktere auftauchten, die ins Arrowverse gehören, das ich nicht kenne?

Last edited 1 Monat zuvor by Dietmar
DJ Doena
DJ Doena
1. März, 2021 23:23
Reply to  Dietmar

In Crisis on Infinite Earths, the Figuren des Arrowverse kehren bei allen möglichen DC-Serien für ein kurzes Cameo ein und so tauchen sie auch auf Earth-666 auf und bei Lucifer. Von der Zeitlinie her spielt dass dann irgendwo nach seiner Ankunft in LA, aber bevor er Decker kennenlernt.

https://www.youtube.com/watch?v=LGkYaL9oUtQ

Dietmar
2. März, 2021 05:45
Reply to  DJ Doena

Super, danke!

Dietmar
2. März, 2021 10:03
Reply to  Torsten Dewi

Den Artikel habe ich noch nicht gelesen.

Matts
Matts
2. März, 2021 15:16

Hm, der Bösewicht im Anzug sieht sehr vetraut aus. Superman VS DOOM-Guy??

jimmy1138
jimmy1138
3. März, 2021 09:15

Das große Manko an den DCEU Filmen war in meinen Augen, daß es keinen Film gegeben hat, wo Superman schlichtwegs Superman ist. In "Man of Steel" wird er Superman (und bricht noch dazu die Regel schlechthin), in BvS teilt er sich den Film mit Batman und kratzt obendrein ab. Und in Josstice League ist er den halben Film unter der Erde.
Was die Zukunft des Cavill Superman betrifft bin ich mir nicht sicher. Beim angkündigten Superman Projekt von JJ Abrams laufen die Spekulationen (hauptsächlich aufgrund der Wahl des Autors) in die Richtung, daß es der Calvin Ellis-Superman mit Michael B Jordan in der Hauptrolle werden wird.
Normal müßte man meinen, daß man bei Warner/DC (bzw AT&T) das Publikum nicht mit verschiedenen Versionen der Charaktere verwirren möchte, aber der sich dort abzeichnenede Multiversewildwuchs zeugt ja von Planlosigkeit bzw unterschiedlichen Interessen von Warner und Besitzer AT&T, die v.a. HBO Max pushen wollen.