USA 2019. Regie: Tim Miller. Darsteller: Linda Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta u.a.

Story: Die junge Mexikanerin Dani Ramos staunt nicht schlecht, als auf einmal ein gestaltwandelnder Terminator ihre gesamte Familie auslöschen will und ihr eine kybernetisch modifizierte Kriegerin aus der Zukunft gegen die Tötungsmaschine beisteht. Vervollständigt wird das kleine Team bald durch die grantige Sarah Connor und „Carl“, ein in die Jahre gekommenes Altmodell einer Maschinenzukunft, die längst verhindert wurde. Aber wie hält man einen unaufhaltbaren Killer auf?

Kritik: TERMINATOR ist so eine Franchise, die ähnlich wie ROBOCOP und HIGHLANDER nie ihr Potenzial ausschöpfen konnte. Nach zwei bahnbrechenden Krachern ging der Saga um die Killermaschine aus der Zukunft mit ihrem Schöpfer James Cameron auch der Saft verlustig. Teil 3 war eine schwache Fortführung der Storyline, Teil 4 stellte dann alles auf den Kopf und Teil 5 – musste ich erst nachlesen, um festzustellen, dass ich ihn gar nicht gesehen habe. Und nun also Teil 6, auch wenn man trendy auf die Nummerierung wieder mal verzichtet.

Kurios finde ich, dass jede Fortsetzung im Vorfeld für sich beansprucht, die TERMINATOR-Mythologie zwar zu erweitern, aber auch wieder „back to the roots“ zu gehen und die Stärken der Geschichte stärker zu betonen. Dabei haben die letzten drei Filme völlig den Weg verloren und vor allem eins bewiesen: Schwarzenegger mag als T-800 das „key visual“ der Reihe sein, aber er ist nicht der Maßstab des Erfolges.

Nachdem aber die letzten beiden Versuche, die Franchise mit neuen Darstellern am Leben zu erhalten, relativ missglückt sind, besinnt man sich diesmal auf die Legenden der Saga: den T-800 und Sarah Connor. Es wurde kolportiert, DARK FATE würde inhaltlich direkt an TERMINATOR 2 anschließen und die restlichen Filme ignorieren. Angesichts der mittlerweile total vergurkten Timeline sicher die einzig vernünftige Idee.

Nur leider ist DARK FATE nicht der neue TERMINATOR 3 geworden. Er ist der THE FORCE AWAKENS seiner Franchise, ein sehr solider Film, der aber nur einen Remix der ersten Teile darstellt, statt die Story wirklich voran zu treiben. Und für einen Remix hatte STAR WARS einfach erheblich mehr Material – weshalb TERMINATOR DARK FATE auch sehr, sehr dünn wirkt.

Im Grunde genommen ist DARK FATE sogar nur ein Remix des zweiten Films: Sarah Connor muss die Person, die in der Zukunft den Kampf gegen die Maschinen anführen wird, gegen einen gestaltwandelnden Terminator verteidigen und greift dafür widerwillig auf die Hilfe eines geläuterten T-800 zurück. Einziger Rückgriff auf den ersten Film ist die Beibehaltung einer Kyle Reese-Figur in Form von Grace.

Es hilft nicht, dass Gabriel Luna als Tötungsmaschine Rev-9 keinem Vergleich mit Robert Patrick standhält und ich Natalia Reyes als Dani jetzt auch nicht sooo überzeugend finde. Wieso eigentlich dieser Latino-Dreh? Terminador, Terminatoro, Terminacho statt Terminator?

Das alles ginge ja noch, wenn DARK FATE mehr wäre als eine solide SF/Action-Materialschlacht. Aber er erreicht trotz straffer Regie und viel Action an keiner Stelle die Brillanz seines Vorbilds, die Dynamik, den emotionalen Druck. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass man eben nicht zum zweiten Mal erstmals einen gestaltwandelnden Terminator sehen kann – oder zum zweiten Mal erstmals einen „guten“ T-800. Der Überraschungseffekt ist bei diesem neuen Durchlauf einfach nicht mehr vorhanden. Dabei ist es völlig wurst, ob der T-1000 nun Rev-9 genannt wird und Skynet diesmal als Legion firmiert.

Wirklich schockiert hat mich, wie wenig TERMINATOR DARK FATE technisch reißt – er kann mit Camerons zweitem Film weder in der Flüssigkeit der Inszenierung noch bei einigen der Effekte mithalten. Fast 30 Jahre – als hätte sich die Industrie NULL weiter entwickelt. Wenn man sich dagegen mal den Sprung vom ersten zum zweiten TERMINATOR vor Augen führt – und zwischen den beiden lagen nur 8 Jahre!

So ist das größte Defizit von TERMINATOR DARK FATE nicht die Inszenierung, der Aufwand oder der Einsatz der Darsteller. Das größte Defizit ist, dass er versucht, einen der besten und bis heute praktisch null gealterten SF-Klassiker einfach noch mal zu erzählen, ohne einen Grund zu finden, warum irgendjemand des sehen wollen sollte. Während die Filme 3-5 nach JUDGEMENT DAY falsch abgebogen sind, ist DARK FATE als Alternative einfach stehen geblieben. So geht’s auch nicht.

Leben kann ich hingegen damit, dass man – ganz dem Zeitgeist geschuldet – nun ein deutlich frauenlastigeres Team zusammen gestellt hat. Give ‚em hell, ladies!

Ich trau’s mich ja kaum zu sagen, aber die zu früh gekippte TV-Serie TERMINATOR: THE SARAH CONNOR CHRONICLES ist in meinen Augen immer noch die bis heute beste Fortführung der Franchise nach Teil 2 – auch so eine Parallele zu HIGHLANDER…

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass immer noch die Formel fehlt, die der Franchise neues Leben einhauchen könnte. Vielleicht waren die ersten beiden Filme wirklich „lighning in a bottle“ und man hätte es damit gut sein lassen sollen. Aber ich bin trotz der Schwächen von DARK FATE überzeugt, dass man es wieder und wieder versuchen wird. Die Franchise ist anscheinend selbst ein Terminator – unstoppable, unkillable.

Fazit: Ein in fast jeder Beziehung solider Remix des zweiten TERMINATOR-Films, der aber zu wenig versucht, wo sich die letzten Sequels an zu viel verschluckt hatten. Nicht schlecht, aber letztlich komplett unnötig.



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Wie bei Highlander sehe ich das Problem eher darin, dass die Geschichte mit dem ersten Film bereits fertig erzählt ist. Terminator 2 war insofern schon eine positive Überraschung, aber Franchisematerial war der Stoff in meinen Augen nie.

Moepinat0r
Moepinat0r

imho völlig richtig. Ich mache mir sicher keine freunde mit dieser Meinung, aber ich bin der ansicht, dass selbst der von vielen geliebte zweite Teil unnötig war und weder thematisch noch story technisch sinn machte. Der erste terminator war perfekt in sich geschlossen und alle fortsetzungen, die eine Änderung des Schicksals herbeizuführen versuchen, verraten dessen idee und bringen die zeitline durcheinander.
Im übrigen sehe ich starke Parallelen zu der alien franchise, die man nach dem ersten auch in ruhe hätte lassen sollen. Liegt wahrscheinlich an james cameron, der den zweiten teil dort auch mit höherem budget und mehr action massenverträglicher gemacht hatte.

Jake
Jake

Endlich mal einer, der den Film nicht völlig verreißt. Gehe mit Deiner Kritik d’accord. Solider Film, meiner Meinung nach besser als Teil 3-5. Aber eben auch nix für die Geschichtsbücher.

Wirklich schockiert hat mich, wie wenig TERMINATOR DARK FATE technisch reißt – er kann mit Camerons zweitem Film weder in der Flüssigkeit der Inszenierung noch bei einigen der Effekte mithalten. Fast 30 Jahre – als hätte sich die Industrie NULL weiter entwickelt. Wenn man sich dagegen mal den Sprung vom ersten zum zweiten TERMINATOR vor Augen führt – und zwischen den beiden lagen nur 8 Jahre!

Wir waren letzte Woche in einem Terminator-Triple: T1, T2 (in 3D) und der aktuelle Streifen. Es ist, wie Du schreibst – der Sprung von T1 zu T2 war gigantisch. Und nun hat T2 bald 30 Jahre auf dem Buckel und wischt mit allen seinen Nachfolgern locker den Boden auf. Der Film ist ein zeitloses Meisterwerk und keinen Tag gealtert.

Exverlobter
Exverlobter

Die Reihe taugt meines Erachtens doch zum längeren Franchise. Dummerweise versuchten, die letzten beiden Teile Genisys und Dark Fate beide T1 und vor allem T2 zu kopieren, was ja eigentlich schon Terminator 3 versuchte (die Kopie der Kopie der Kopie sozusagen) Nein, Teil 4-6 (die wir ja bekommen hatten) hätten komplett in dem apokalyptischen Zukunftsszenario spielen sollen.
Daran mangelt es heutzutage ja eigentlich nicht, aber man bekommt sowas ja immer in Form von Zombies vorgesetzt. Mit Robotern aber nicht. Mit Teil 4 (Salvation) ging alles in die richtige RIchtung, auch wenn der Film nicht perfekt war, aber man hätte die Fehler von Salvation dann im SalvationSequel ausmerzen können.( Regisseur austauschen, Christian Bale behalten, stattdessen bekamen wir dann Jason Clarke als John Connor in Genisys) Leider wurde die Idee fallen gelassen, und nach einem offenen Ende von Salvation bekamen war dann den unterirdischen Genisys. Verschenkte Möglichkeit.

Aber in gewisser Weise haben wir es nun auch durchgestanden. Ich glaube jeder wird nun endgültig realisieren, dass nach Dark Fate, als dem dritten Recycle-Film, mit dem alten Zeitreise-Konzept nix mehr rauszuholen ist. Also kapiert es endlich, Judgement Day is inevitable, und zeigt uns nun mal diesen verdammten Krieg, und macht dort weiter wo ihr bei „Salvation“ aufgehört habt. Nur in weit verbesserter Form natürlich.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner

Die alte Cameron-Magie scheint nicht mehr zu wirken. Konnte man bei dem sehr gelungenen, aber an den Kassen eher gescheiterten „Battle Angel Alita“ noch sagen, dass das nicht als Cameron-Werk wahrgenommen wurde, ist er hier voll verantwortlich.

Meine Erwartungen waren sehr gering, aber spätestens nach dieser Kritik schaue ich ihn wohl irgendwann im TV. Meine Befürchtungen, dass aus Avatar 2 bis 5 nichts gutes werden wird, sind zumindest nicht geringer geworden…

Dietmar

Dass „Battle Angel Alita“ scheiterte, wusste ich nicht. Der Film hat mir sehr gefallen. Die Glaubwürdigkeit von Christoph Waltz, seine Leinwandpräsenz sind einfach toll und Alita ist ein interessanter und einnehmender Charakter.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner

Zumindest hat er im Kino so gerade sein Geld eingespielt, während Captain Marvel gleichzeitig die Milliarde geknackt hat. Ich hoffe trotzdem, dass Cameron und Rodriguez noch die geplanten weiteren zwei Teile umsetzen, es wäre wirklich schade drum, die Hauptbesetzung war brilliant.

Dietmar

Ja, wäre schade. Ich würde gerne wissen, wie sich die Geschichte weiter entwickelt.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner

Dank HumbleBundle habe ich die Vorlage sogar komplett günstig bekommen können, der erste Film remixt ungefähr das erste Drittel der ersten Reihe, die zweite Reihe ist ungefähr doppelt so umfangreich, das Mars-Prequel hat mich aber nicht mehr angesprochen. Material ist also genug da, wobei das Ende der zweiten Reihe leider eher mau ausgefallen ist.

Harry
Harry

Der Film war eben leider nichts neues bzw. auch nicht das was die Fans erwartet haben.
Im Grunde nichts neues.
Arnold, Linda und Mackenzie Davis waren echt toll.
Ich denke aber viele möchten lieber eine Story die in den Future Kriegen spielt.
Salavation zählt nicht da war kein Krieg zu sehen bzw. nur eine Handvoll Terminator.
Jetzt denken viele wir wissen doch schon was Da passiert, wirklich?
Wir wissen nur was Kyle Reese erzählt hat aber war der Krieg wirklich beendet?
Könnte ja auch eine Falle von Skynet gewesen sein etc,etc,,ach da gäbe es viele Möglichkeiten.
Noch was zu Cameron wenn man zurück blickt sind (fast) alle seine mit produzierten Filme
mehr oder weniger an den Kinokassen gescheitert.
Wo ich auch etwas gerätselt habe ist wie können die Effekte teilweise gegen T2 so abstinken?
Das Budget war wirklich 185 Millionen Dollar?

Moepinat0r
Moepinat0r

Wahrscheinlich sind 150 millionen davon direkt in arnies säckel gewandert. 😉

takeshi
takeshi

Wahrscheinlich macht es am meisten Sinn, die Reihenfolge T1 > T2 > The Sarah Connor Chronicles > T Dark Fate einzuhalten und T 3 – 5 zu droppen.
Abgesehen von dem unlösbaren Cliffhanger der letzten Chronicles-Folge stellt sich diese Reihenfolge wohl am konsistentesten dar.

Ein ähnliches Problem gab es ja bis vor ein paar Jahren mit Star Wars.
Da habe ich mich seinerzeit an die Machete-Order gehalten:

https://www.nomachetejuggling.com/2011/11/11/the-star-wars-saga-suggested-viewing-order/

https://www.denofgeek.com/movies/star-wars/18992/would-george-lucas-approve-of-the-star-wars-machete-order

Auch für diejenigen, die mit den dort gezogenen (wohlbegründeten) Schlüssen nicht einverstanden sind, eine interessante Lektüre, die ich vor 6 – 8 Jahren vielen Diskutanten zum Lesen empfohlen habe.

Marsel
Marsel

Die Entwicklung der (digitalen) Spezialeffekte finde ich auch mehr als ernüchternd, fast schon besorgniserregend. Einerseits werden die Filme nicht wirklich billiger, sondern eher (viel) teurer, andereseits sehen sogar Museumsstücke aus dem letzten Jahrhundert wie etwa Jurrassic Park oder Starship Troopers (oder eben T2) immer noch GRANDIOS aus neben dem neuen Zeugs.

jimmy1138
jimmy1138

Ich glaube, es ist eher der Umstand, wie S/FX eingesetzt werden. Bei Filmen wie T2 oder Jurassic Park hat man in meinen Augen das, was man glaubhaft umsetzen konnte, mit CGI gemacht, den Rest mit herkömmlichen Effekten wie Animatronics.

Jake
Jake

Ist so. Die technische Entwicklung schreitet ja voran und bildet sich nicht zurück. Entscheidend ist, was man aus den sich bietenden Möglichkeiten macht und dass die FX Artists auch genug Zeit haben, um ihre Arbeit anständig zu erledigen. Zeitdruck scheint da oft ein Problem zu sein.

Gutes Video zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=inbjhcMu46g

Ab 8:35 kommt auch „Jurassic Park“ zur Sprache.

Matts
Matts

Ich kann mich dem allgemeinen Tenor anschließen: Es ist das beste, was die Reihe seit T2 hergegeben hat – was sicher auch nicht das größte Lob ist.
Ich bin nicht sauer, dass ich Zeit und Geld dafür locker gemacht habe. Der Film hat mich angemessen unterhalten, aber irgendwie fehlt auch das Herz, dass T2 neben der großartigen Action unbestreitbar hatte.
Mittlerweile scheint es sich ja so auszugehen, dass Dark Fate ein kapitaler Flop geworden ist. Also ist es wohl fraglich, ob wir auf absehbare Zeit noch was von dem Franchise sehen…