Japan 2017. Regie: Katsuyuki Motohiro. Darsteller: Takeru Satoh, Go Ayano, Tetsuji Tamayama, Yu Shirota, Yudai Chiba u.a.

Offizielle Synopsis: Wer nicht sterben kann, hat auch kein leichteres Los. Kei wird vom Bus plattgewalzt und steht sofort wieder auf. Er gehört zu den Ajins, die als höchste Evolutionsstufe der Menschheit gelten. Der Tod ist für die Superspezies ein Reset, der sie mit voller Akkuladung zurück ins Leben katapultiert. Da Ajins selten sind, wird Kei sofort eingesperrt und mit Experimenten gefoltert. Als Ajin kann er zwar nicht ausgelöscht werden, aber schmerzhaft ist das Sterben auch für ihn. Selbst als ihn eine untergetauchte Gruppe seinesgleichen befreien will und sofort beginnt, das Laborteam niederzumetzeln, fühlt er Mitleid und weigert sich Menschen Schmerzen zuzufügen. Unter der Spezies entfesselt sich ein erbitterter Kampf der Superkräfte, bei dem sie ihre digitalen Alter Egos in Form von hünenhaften Kampfmaschinen aufeinander loslassen.

Kritik: Lest euch vielleicht erstmal meine Kritiken zu „Death Note“ und „Parasyte“ durch – ihr werdet sehen, dass ich mit Manga-Verfilmungen dieses Stils nicht viel anfangen kann. Das bedeutet natürlich auch, dass ihr an „Ajin“ erheblich mehr Vergnügen habt, wenn ihr mit ganzem Herzen Otaku seid.

Zu „Parasyte“ hatte ich damals geschrieben:

„… knabbert auch schwer an dem, was er erzählerisch abgebissen hat. Statt eine Kernstory mit Anfang, Mitte und Ende zu erzählen, verwickelt er sich ins Episodische, wechselt ständig den Fokus, interessiert sich mehr für seine einzelnen Sequenzen als für seinen roten Faden. Trotz extrem hohen Tempos und viel Action setzt nach der Hälfte doch ein wenig Ermüdung beim Zuschauer ein.“

Das kann man auch bei „Ajin“ genau so stehen lassen. Der Film hat eine faszinierende Grundidee, die viele spannende Fragen aufwirft: Welchen Wert hat Leben, wenn man nicht sterben kann? Bedingt Unsterblichkeit eine höhere oder eine mindere Moral gegenüber den Sterblichen? Woher kommen die Ajin-„Ghosts“, die zugleich so eine Art Jedi Force und geisterhafte Entitäten mit eigenem Willen sind? Wie viele Ajin gibt es auf der Welt, warum sind es fast ausschließlich Männer? Wie „wird“ man Ajin? Warum gibt es erst jetzt Ajin (wenn es früher welche gegeben hätte, wären sie ja alle noch da)?

Aber damit will sich der Film nicht aufhalten. Sowohl die Existenz als auch die Eigenschaften der Ajin werden fahrig und unvollständig erzählt, stattdessen müssen sofort die Gegenpole etabliert werden: Nagai ist der „gute“ Ajin, Sato der „böse“ Ajin. Die Menschen drumherum sind Kanonenfutter.

Der Rest ist Action.

Für einen Film, dessen Thema die Unsterblichkeit ist, die eventuelle Ablösung des aktuellen Homo Sapiens, ist „Ajin“ erheblich zu sehr mit Munitionsver(sch)wendung und Glasbruch beschäftigt. Er bedient permanent die Mechanismen von Terrorismus- und SWAT-Actionfilmen, wo sich Einsatzkommandos in kühl glänzenden Gebäuden das Inventar um die Ohren hauen. Zugegeben, das macht er sehr gut, denn man hat viel Geld in eine flüssige Choreographie und spektakuläre Fights gesteckt – aber das hat alles nix mit nix zu tun. Es ist ein Film, der an seiner Story vorbei erzählt.

Hinzu kommt, dass die Actionszenen nur mangelhaft Spannung generieren können, weil wir nicht fürchten müssten, dass unser Held stirbt – er KANN ja nicht sterben. Und wenn sein Ghost zum Kampf antritt, sind wir endgültig in einem Playstation-Spiel gefangen, in dem sich partikel-animierte CGI-Figuren balgen. Who cares?!

Und so geht’s 109 Minuten lang um alles und doch um nix, Moral und Motivation der Figuren ist mit „schwammig“ noch freundlich umschrieben und am Ende bleibt ein erstes Kapitel der Ajin-Saga mit dicker Hose, aber dünner Oberfläche.

Vielleicht sollte man sowas einfach lassen – aus einer Franchise, die auf mehreren hundert Seiten Comic, 26 TV-Trickepisoden und einem dreiteiligen Kino-Anime basiert, lässt sich nicht brauchbar ein einzelner Kinofilm kondensieren. Es wird zu viel in zu kurzer Zeit verlangt – dazu noch die notwertigen Schauwerte und beiläufige Exposition, um auch Neueinsteiger bei der Stange zu halten. Ähnliche Probleme haben wir ja schon bei so unterschiedlichen Epen wie „Airbender: The Last Avatar“ und „Dark Tower“ erlebt.

Fazit: Mit faszinierender Mythologie und rasanter Action ausgestattete Manga-Verfilmung, die zu viele Storyfragmente aneinander reiht und dabei mehr auf Schießereien als auf die Figuren setzt. 6 von 10 Punkten, einer davon für die beträchtlichen Schauwerte beim Kinobesuch.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Verschenkt das ganze Potential des Settings und bringt stattdessen ödeste Kampfszenen: entweder Unbesiegbare, die Hanchmen im Dutzend niedermachen, oder CGI die mit CGI prügelt.“



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Wortvogelfrater mosses von lobdenbergKarsten Recent comment authors
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Karsten

Ich hab noch nicht alle Kritiken durch, aber schon mal jetzt ein dickes Danke! Es war mal wieder ein Fest, deinen Eindrücken vom FFF zu folgen. Freu mich schon aufs nächste Jahr 😀

frater mosses von lobdenberg

Unqualifizierte Randbemerkung: Hab beim ersten Drübergucken „Dewi-human“ gelesen.