DEATH NOTE (Japan 2006, 126 min, japanische OmeU)

REGIE: Shusuke Kaneko
DARSTELLER: Tatsuya Fujiwara, Ken’ichi Matsuyama, Asaka Seto, Yu Kashii, Shigeki Hosokawa, Erika Toda
DREHBUCH: Tetsuya Oishi, Tsugumi Oba und Takeshi Obata (Mangavorlage)
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Death Note PosterStory:
Der brillante Student Light findet ein Notizbuch mit der Aufschrift „Death Note“. Jede Person, die er dort einträgt, stirbt. Anfänglich noch von der Idee getrieben, die Welt von bösen Kriminellen zu befreien, beginnt er schon bald damit, jeden aus dem Weg zu räumen, der ihm irgendwie hinderlich erscheint. Die Polizei versucht mit einer Sondereinheit, der seltsamen Mordserie auf die Schliche zu kommen – Leiter ist ausgerechnet Lights Vater. Nach einer Weile schaltet sich der geniale „L“ ein, den es reizt, den intellektuellen Kampf gegen Light aufzunehmen…

Kritik:
Vielleicht bin ich einfach nicht der Richtige, um japanische Mangaverfilmungen zu besprechen. Ich will das gar nicht ausschließen. Weder lese ich die telefonbuchdicken Comics, noch erfreue ich mich an absurden Mädchen-Trickserien mit 500 Folgen. J-Horror hat mich angesichts der üblichen Storylosigkeit nie fasziniert, und Superhelden-Teams in schwulen Outfits können mir gestohlen bleiben.

Sei’s drum.

„Death Note“ ist die erste Live Action-Verfilmung eines extrem erfolgreichen Mangas, von dem es auch schon eine Zeichentrickserie gibt. Das Thema ist für japanische Verhältnisse nicht unüblich: Allmachtsphantasien und deren moralische Konsequenz. Und natürlich die (intellektuelle, nicht räumliche) Isolation vom Rest der Gesellschaft. Da passt perfekt, dass Protagonist Light in einer Szene Nietzsches „Jenseits von gut und böse“ (auf deutsch!) liest.

Und ich geb’s ja zu: Das klingt auf dem Papier (pun intended) ganz interessant – was wäre, wenn man einfach den Namen einer Person aufschreiben müsste, der man den Tod wünscht?

Aber für meinen Geschmack ist „Death Note“ eine ziemlich fade Angelegenheit. Die Ausrichtung des Films auf Teenager zeigt sich in der extremen Spannungsarmut, den bunten freundlichen Farben (es gibt kaum Nachtszenen), sowie einem Mangel an echter Atmosphäre und nennenswerter Gewalt (die meisten Opfer sterben an Herzinfarkt, und ein Selbstmord per Kopfschuss bleibt komplett blutfrei). „Death Note“ hat den langweiligen Look eines TV-Films, und ist vollgepackt mit product placement. Das geht sogar soweit, dass das eigentliche Totenbuch so lächerlich unecht wirkt, dass es wohl am ehesten dazu dient, eine perfekte Kopie des Merchandisings zum Film zu sein.

Schade eigentlich, denn angesichts des durchaus gewichtigen Themas hätte man aus „Death Note“ eine interessante Meditation über das Recht auf Selbstjustiz und die Todesstrafe machen können. Das scheitert aber vor allem daran, dass das Drehbuch zwar recht clever das Katz & Maus-Spiel von Light und „L“ verfolgt, bei den moralischen Implikationen aber böse stolpert – wir erfahren nie, ob Light wirklich ein moralisches Dilemma verspürt, und warum er relativ relaxed vom „Rächer der Unschuldigen“ zum blutrünstigen Mörder umschaltet. Ein in meinen Augen wesentlich vielversprechenderer Ansatz wäre es gewesen, die moralische Korruption von Light als graduellen Verfall zu zeigen, als unvermeidbaren Abstieg, der mit übermenschlicher Macht verbunden ist.

Auch ansonsten ist das Skript nicht ganz so schlau, wie es sein möchte: An keiner Stelle wird die Frage geklärt, was denn passieren würde, wenn die Polizei Light wirklich fasst. Es gibt wohl kaum einen Paragraphen im japanischen Strafgesetzbuch, der es einem jungen Mann verbietet, Namen in ein Notizbuch zu kritzeln. Und Light könnte jederzeit mit den Morden aufhören (er ist ja kein Psychopath, der morden MUSS) – was er aber unsinnigerweise nicht tut.

RyukSodele, und bis hierher habe ich Ryuk noch gar nicht erwähnt – den Totengott, dem das Totenbuch eigentlich gehört. Als CGI-Kreatur ungefähr auf Egoshooter-Niveau, ist Ryuk vermutlich die größte vertane Chance des Films. Er frisst die ganze Zeit Äpfel, macht halbgare Sprüche, und trägt nichts, aber wirklich gar nichts, zur Handlung bei. Er ist ein Gimmick, visuell zwischen dem Batman-Gegner „Creeper“ und Eddie, dem Maskottchen von Iron Maiden, angesiedelt.

Und als Tüpfelchen auf dem i hat „Death Note“ kein Ende – nur den Einstieg in den zweiten Teil (den ich auch noch besprechen werde). Das ist schon ziemlich frech.

Zusammenfassend: Visuell witzlos, nicht konsequent durchdacht, zu lang, und teilweise albern. Aber wißt ihr was? Die IMDB gibt einen Durchschnittswert von über 7 Punkten an, und es gibt haufenweise begeisterte Kritiken zum Film. Vielleicht verstehe ich davon tatsächlich nichts. Wer einen Hang zum japanischen Kino hat, sollte daher meine Wertung mit extremer Vorsicht genießen (oder gleich ganz ignorieren).

Dringlichkeit: Man sollte sich den Film sowieso nur als Japan-Allesfresser anschauen, da reicht die DVD allemal

Positiv:
Cleveres Konzept, kein Standard J-Horror

Negativ:
Schwacher Look, keine Suspense, zu lang

3belas1.jpgHört nicht auf mich:
“An exciting and suspenseful film that complements fans of the manga, and should appeal to the casual crowd as well. The only thing missing from the film is the sequel to it. And judging from this film, the Death Note film series is in good hands.” – Cinema Repose



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Mario

„J-Horror hat mich mangels Storylosigkeit nie fasziniert.“ Du lebst eindeutig schon viel zu lange in Bayern 😉

Tornhill

Eine Bekannte von mir ist Fan der Animeserie und empfahl sie gerade mir wärmstens…und das Konzept klingt ja wirklich grandios!
Allerdings dachte ich mir da schon, dass es wohl besser für eine Mini-Serie, bzw. einen Film geeignet wäre, weswegen mich die Realverfilmung GENERELL natürlich freute.

Aber scheinbar hat dan das übliche japanische Problem zugeschlagen… Wider besseren Wissens mag ich „Devilman“ ja trotz des gleichen Problems, aber der hat immerhin den Vorteil, dass unser Held im Originalton fast wie „Debilmann“ klingt, was mich unangebracht endlos erheitert.

Tornhill

Schräg! Dann sollte ich ihm doch noch eine Chance geben…wenn wirklich JEDER dabei an mich denkt!

Vielleicht habe ich einen Freund in Japan, von dem ich nichts weiß?

wrong way to hell

als horror viel zu schwach fällt die mystik ja geradezu flach
ebenso psychologisch und philosophisch eher seichtes gewässer.

doch als thriller hat zumindest die anime serie
durchaus seinen reiz. doch kommt es auch hier nicht um die ein oder andere klitzekleine mangelerscheinung herum.

bleibt doch nur pop. mit interessantem konzept
und spannedem spiel(wie gesagt dies betrifft wohl eher die serie)

Melissa
Melissa

Weißt du vielleicht wo man den Film von Death Note im Internet kaufen kann?

Melissa
Melissa

Das mit dem englischen Untertiteln ist mir wurscht, die sprache ist ja auch nur in Japanisch o.ä.
Bei Amazon habe ich geguckt und ich komme da nicht ran! Kannst du mir vielleicht helfen? Da steht ja auch Dollar, bekommt man die trotzdem, auch wenn man mit euro bezahlt?
Vielen Dank

Melissa
Melissa

Únd gibt es auch noch andere Seiten wo man so etwas kaufen könnte?

Melissa
Melissa

ich danke dir, falls ich noch fragen haben sollte, könnte ich dich dann anschreiben?

liebe grüße

Dittmeyer
Dittmeyer

Wem das Konzept im Ansatz zusagt sollte sich vlcht bei der Möglichkeit die ersten Folgen der Ursprungs-Animeserie anschauen. Diese ist meiner Meinung nach viel besser umgesetzt in Bezug auf Atmosphäre und Mystic.

cx
cx

Ich hab die Anime-Serie auch gesehen und war restlos begeistert. Die Frage von einem potentiellen moralischem Dilemma Light’s wird im Anime auch beantwortet: Nein, er hat kein moralisches Problem. Er sieht sich selbst als gottgleicher Richter an, welcher eine neue Welt erschafft.

Subjekt quo vadis
Subjekt quo vadis

Death Note ist im Original ein ethischer Epos und kein Entertainment-Film und genau das sieht meiner Überzeugung nach 5/6 der Kritiker, sowie die eigentliche Kritik falsch. Ihr seid an oberfläche ´entertain me´-Scheiße gewöhnt, so will es mir scheinen, denn der ethisch-philosophische Hintergrund lässt ganz steif Bezüge auf nicht zuletzt unsere Geschichte, sowie die Gegenwart ziehen. Wers nicht glaubt besorge sich mal die Originalausgabe der Bush-Doktrin, gibts auch auf Deutsch.

Kritik an DIESE Kritik:
Gäbe es einen hypokratischen Eid für intelligente Kunst und Kunstkritiken wäre dieser intellektuelle Dreck HIER niemals entstanden, die Frage wer mit dieser Oberflächlichkeit Geld macht will ich mir aber beim besten Willen nicht mehr stellen.

Laura
Laura

Also erst einmal gab es erst den Film und dann den Manga und Anime.
Der Anime ist in der Tat so wieso besser, aber gegen den Film kann man auch nichts schlechtes sagen.

Abgeshen davon gibt es viele sehenswürdige J-Horrorfilme die nicht öde sind, man muss sich da nur richtig auskennen. Aber wie du ja schon selber sagtest, du hast keine Ahnung davon, also lass es lieber sein.

Der „Death Note“ Fan in mir sagt: “ Du gehörst definitiv in das Death Note rein geschrieben für deinen saudämlichen Text, ganz ehrlich.

Laura
Laura

Und im Anime/Manga werden alle Fragen beantwortet die du hier als unbeantwortet hinstellst.

Schade das du so ein Typ bist der wahrscheinlich wircklich nur auf Entertainment- Kram hängengeblieben ist, ich wünsche dir du hättest das alles aus anderen Augen gesehen, dann hättest du mit aller Sicherheit auch mehr Spaß an soetwas.

Cho Hee
Cho Hee

Ich muss bei der Kritik zustimmen – denn mir hat die Realverfilmung von Death Note auch nicht so gefallen.
Ich bin jetzt nicht wirklich ein Manga- und Animefan, aber ich habe Death Note gelesen und die Serie gesehen und beides hat mir total gefallen. Alles kommt sehr gut rüber und wird klasse dargestellt. Besonders der Hauptcharakter Yagami Light. Im Film wirkt Light wie ein „Waschlappen“, wo ist seine Genialität geblieben? Solche Sachen etc. fehlen im Film komplett.
Den Film habe ich mir übrigens nur angesehen, da ich allgemein von Death Note begeistert bin und neugierig war, wie es umgesetzt wurde. Und ich wurde halt enttäuscht.
Ich finde es sehr schade, wenn man nur die Filme schaut, aber nicht den Manga/Anime kennt. Umgekehrt ists kein Problem – auf die Filme kann man ruhig verzichten!
D. h. allen, die gerne mal Comics oder Mangas lesen (oder damit beginnen wollen) kann ich die 12-teilige Death Note-Reihe ans Herz legen.
Der 37-Anime ist auch sehr gut gemacht (aber nur das japanische Original, da im Englischen oder Deutschen einfach die Atmosphäre absolut NICHT rüberkommt – es gibt es für Nichtjapaner auch deutsch untertitelt) und eine tolle Ergänzung zum Manga, besonders durch die Stimmen usw., allerdings wurde einiges, was im Manga passiert (besonders in den späteren Kapiteln) komplett rausgeschnitten.
Im Großen und Ganzen bleibt zu sagen, dass die Filme höchstens als Ergänzung bzw. Alternative zum Manga/Anime gesehen werden sollten. Falls man mag, sollte man den Manga lesen und den Anime schauen, man verpasst sonst etwas. ^^
LG,
Cho Hee

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[…] 28 Weeks later ♥ An American Crime ♥ Black Sheep ♦ Black Water ♣ Dead Silence ♣ Death Note ♦ Edmond ♥ End of the Line ♥ Ex-Drummer ♥ Fido ♦ Film Noir ♦ Free Jimmy […]

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[…] zu fremd, die Plots zu willkürlich. So konnte ich 2007 schon mit der Realverfilmung von „Death Note“ nicht viel anfangen. Und – das sei vorab gesagt – mit „Parasyte“ […]