Videodrom ist mehr als Kult. Videodrom ist Legende. Nicht der Film – der Laden.

Movie Mekka.

Ich muss Anfang der 90er erstmals dagewesen sein, als die Berliner Videothek für Minderheitengeschmäcker noch in der Zossener Strasse zu finden war. Was war das für ein Paradies! Mexikanisches Wrestling! Kubanisches Arthouse! Japanischer Splatter! Kanadische Kunst! Deutscher Underground! Französische Nouvelle Vague! Tausend Sachen, die man nicht mal sehen wollte, selbst wenn die Verleiher einen dafür bezahlt hätten – und immer wieder Juwelen, die man fest an die Brust gedrückt für 24 Stunden mit nach Hause nehmen (und natürlich kopieren) wollte.

Irgendwann gab es auch mal einen Ablegershop in der Oranienstraße:

Videodrom und die aus dem Umkreis stammende Zeitschrift Splatting Image – das waren meine Kino-Schulen, meine cineastischen Zitzen, an denen ich begierig Wissen saugte. Es gab kein Internet, keine Blogs, keine IMDB, keine Dutzende semi-professioneller Hochglanzmagazine. Film war noch 100 Prozent analog, kam auf Kassetten, die man zurückspulen musste.

Wer zu Videodrom ging, wusste Bescheid. Hatte Ahnung. Die Kundschaft war der Weizen, der Rest war Spreu. Videodrom trennte die Checker von den Wannabes.

Die Zeiten ändern sich.

Das letzte Mal war ich vor 15 Jahren dort. Ausgeliehen habe ich nichts mehr. Schließlich konnte man mittlerweile DVD’s aus aller Welt von Amazon und Ebay kaufen, der Videothekar als Importeur und Kurator hatte seine Lebensberechtigung eingebüsst. Dafür gönnte ich mir ein Schmankerl – eine antiquarische Ausgabe von „Obsession: The Films of Jess Franco“. Immerhin kannte ich zwei (mittlerweile drei) der vier Autoren:

Ein paar Monate später kaufte ich auch fast den gesamten Bestand an Splatting Image-Ausgaben, die mir früher immer zu teuer gewesen waren. Eine Zeitschrift wie guter Wein – auch wenn irgendwer ab und an mal ins Glas gespuckt hat.

Ich habe mich in den letzten 15 Jahren durchaus mal gefragt, ob es das Videodrom überhaupt noch gibt. Tatsächlich bin ich mit meinem Bruder vor einem Monat durch die Friesenstraße gefahren. Und da war der Laden auch. Ich bin nicht reingegangen. Ich konnte mir nichts vorstellen, was Videodrom hat, das ich brauche.

Gestern ging ein Facebook-Posting rum – nehmt euch zwei Minuten dafür:

Videodrom

Liebe Leute, wir müssen uns leider in einer überaus wichtigen und dringlichen Angelegenheit an Euch wenden.

Dem Videodrom steht das Wasser bis zum Hals, denn unsere Verleihzahlen sind in den letzten Monaten massiv eingebrochen. Demgegenüber stehen die ständig wachsenen Fixkosten für Miete (Erhöhung um 50% bei der letzten Verlängerung), Versicherungen, Filmeinkauf usw., die wir nur mit Müh und Not und eigenen Rücklagen stemmen konnten. Doch jetzt sind all unsere Reserven komplett aufgebraucht und unser Schuldenberg bei den Banken wächst und lässt sich ohne Hilfe von Euch nicht abbauen. Wir haben zur Zeit über 20.000 Euro Schulden, die monatlich mehr werden.

Wir haben Videodrom immer als „Labour Of Love“ verstanden, weil wir Filme und die damit zusammenhängende Kultur, genauso wie die vielen Menschen, die wir durch unsere Arbeit kennen- und schätzengelernt haben, von ganzem Herzen lieben. Spaß und Leidenschaft standen immer im Vordergrund, reich werden wollten wir damit nie, doch wir hatten gehofft, dass uns unsere Arbeit wenigstens die Existenz sichert. Zudem sehen wir es auch als unsere Verantwortung an, den großen Filmschatz, den wir über Jahrzehnte angesammelt haben, auch in Zukunft zur Verfügung stellen zu können. Schon jetzt gehen soviele Filme für die Allgemeinheit verloren, die man bei uns noch bekommt.
Eine Welt ohne Videodrom ist für uns – und hoffentlich auch für Euch – unvorstellbar.

Wie viele andere kleine Geschäfte in Berlin sehen wir den Wandel in der Stadt und die zunehmende Verdrängung von alteingesessenen Einzelkämpfern durch gesichtslose Großkonzerne und Ketten. Wir haben lange versucht, mit eigener Kraft und Energie dem entgegenzuwirken, doch im Angesicht der jetzigen katastrophalen finanziellen Lage und der Aussicht auf noch weniger Umsatz im Sommer, sehen wir uns gezwungen, Euch um Unterstützung und Hilfe zu bitten.

Wie könnt Ihr helfen?

– Kommt vorbei und leiht viele Filme.

– Unterstützt uns durch Spenden auf unser Paypal Konto verleih@videodrom.com oder auf unser Bankkonto (die Details mailen wir Euch gerne zu – bitte am besten hier über Facebook eine Nachricht hinterlassen)

– Fördert uns und unsere Arbeit mit einer Clubmitgliedschaft (die kostet 25 Euro im Monat – für mehr Info dazu
http://www.videodrom.com/verleih/?rm=faq_deutsch#CLUB ). Das hilft uns nachhaltig! Wir geben Euch gerne auch telefonisch mehr Informationen dazu (Tel. 030-692 88 04)

– Fördert uns durch eine monatliche Patenschaft (Dauerauftrag: Jeder kleine Beitrag hilft!)

– Kauft Euch 10er Karten für Euch selbst oder verschenkt sie.

– Erzählt Euren filminteressierten Freunden und Freundinnen von uns.

– Verbreitet unseren Hilferuf in den Sozialen Netzwerken, Print- und sonstigen Medien.

– Wenn Ihr Ideen für Kooperationen oder andere Sponsoring-Maßnahmen habt, meldet Euch bei uns.

Dieser Auftruf ist für uns ein letzter Strohhalm, doch wir wollen uns nicht kampflos geschlagen geben, sondern wir sind uns ganz sicher, daß wir genauso wie in der Vergangenheit auf Eure Hilfe und tolle Unterstützung zählen können.
Wir danken Euch im Voraus für Eure Hilfe!

So, support your local VIDEODROM !!!

Ja, da möchte man helfen, möchte anschreien gegen die kalte digitale Welt, die den warmen analogen Kult killt. Man möchte zur Geldbörse greifen (Paypal? Pfui!) und spenden, bis es blutet.

Videodrom darf nicht sterben!

Darf Videodrom nicht sterben?

Nostalgie ist ein sehr starkes Gefühl, besonders gepaart mit Melancholie. Früher war alles besser, früher war ich jung, früher wussten die Leute noch, was sie tun. Es braucht manchmal einen Ruck, sich aus dieser Illusion zu reißen – denn es IST eine Illusion. Meinen Abgesang darauf habe ich vor drei Jahren geschrieben.

Wenn ich mal durchatme, das Gehirn auf „Vernunft“ schalte und mich frage, WARUM Videodrom gerettet werden muss – dann fallen mir keine Argumente ein. Schlimmer noch: Ich bin überrascht, dass Videodrom so lange durchgehalten hat.

Ein Angebot braucht eine Nachfrage. Videodrom ist überhaupt nur entstanden, weil es eine Nachfrage gab. Es gab eine Zielgruppe, einen Bedarf, freies Kapital – so funktionieren große Ketten und kleine Einzelhändler. Wenn aber ein anderes Angebot aufkommt, das den Kunden nicht nur mehr Auswahl, sondern auch mehr Bequemlichkeit bietet, dann verschiebt sich die Nachfrage dorthin. Das ist immer schon so gewesen. Wenn ich mir anschaue, wie bequem und übersichtlich ich meine Reisen bei Booking oder Expedia buchen kann (oder auf den Webseiten der Hotels und Airlines direkt) – warum sollte ich dann den Reisebüros nachweinen? Was sollte mich die schließende Filiale meiner Bank kümmern, wenn ich seit 2003 meine Finanztransaktionen ausschließlich online erledige?

Der Erhalt von Geschäftsmodellen passiert nicht im luftleeren Raum außerhalb des Angebot/Nachfrage-Prinzips. Und wenn Videodrom schmerzhaft feststellt, dass es kaum noch nach Nachfrage nach ihrem Angebot gibt, dann müssen sie das Angebot anpassen – oder ad acta legen. Dinge haben ihre Zeit. Die Zeit von Videodrom und Splatting Image war sogar großartig. Und es gehört zur Natur des Menschen, nicht loslassen zu wollen.

Aber wozu? Das ist auch eine Frage an euch. Egal, wie viele gute und wichtige Stunden wir vor den Regalen mit den obskuren Filmen verbracht haben – was trägt der aktuell existierende Laden noch zu unseren Erinnerungen bei? Was ist sein Mehrwert, sein Angebot? Statt den Betreibern letztes Geld zuzuwerfen wie einem Bettler, sollte man sie vielleicht in den Arm nehmen und sagen: „Was wir hatten, das bleibt“. Sie dann auf ein Bier einladen und die Eingangstür ein letztes Mal abschließen.

Man kann den Abschied so

oder so sehen:

Aber das ändert in meinen Augen nichts – es gibt in Sachen Videodrom kein Endgame, es gibt keine Strategie, nochmal zu altem Glanz zurückzufinden. Es gibt nur noch die Kosten der Verwaltung des Untergangs. Videodrom – so verstehe ich es – liegt im Koma und wird nicht wieder erwachen. Es traut sich nur niemand, den Stecker zu ziehen.

Für mich wird Videodrom erhalten bleiben. In den Erinnerungen an die vielen Besuche, in den Erinnerungen an die dort ausgeliehenen Filme, in den Splatting Image-Ausgaben in meinem Bücherregal. Diese Erinnerungen werden nicht besser oder schlechter, wenn Videodrom selbst zumacht. Sie bleiben. Mir reicht das.

Bin ich nun unangemessen nostalgisch – oder eiskalt gemein?

UPDATE

Jörg Buttgereit meldet sich zu Wort, fordert Staatsknete für das Videodrom und sieht die Spezialitätenvideothek auf Augenhöhe mit der Staatsbibliothek. Das ist natürlich Unfug, aber so kommt man in den Deutschlandfunk – Eier hat er, das muss man ihm lassen.

Die Aussage „Die meisten Filme, an die man schwer rankommt, die gibt es auch nicht online“ ist natürlich Kappes, weil ich für jeden „lost movie“, den Videodrom im Regal hat, online drei weitere zeigen kann, die dort nicht stehen.

Aber es geht bei dieser Diskussion ja auch nicht um Wahrheit, sondern um nostalgische Verklärung der rebellischen Jugend.

Wenn Buttgereit das ernst meint, hätte ich einen Gegenvorschlag: Der Staat übernimmt die Schulden von Videodrom, dafür geht der gesamte Bestand an die Stiftung Deutsche Kinemathek. Dort bliebe der Kultur erhalten, was der Markt nicht mehr erhalten wollte.



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Pogopuschel

Hach, das Videodrom. Katalogmäßig habe ich in den 90ern eher bei Incredibly Strange Video bestellt, bei Berlin-Besuchen war der Videodrom-Shop aber Pflichtprogramm. Als ich dann in Berlin gewohnt habe, war die Videothek für mich verkehrstechnisch leider nur umständlich zu erreichen (20 Minuten hin, 20 zurück). Der Videoworld direkt vor meiner Haustür (inzwischen schon seit vier Jahren zu) war da die bequemere Lösung.

Für einen meiner Berliner Freunde würde es mir leidtun, wenn sie zumachen, da er dort immer noch leidenschaftlicher Stammkunde ist. Ich finde es eigentlich ganz schön, wenn es noch kleine Enklaven mit Kulturinstitutionen gibt, die sich gegen die Invasion der kapitalistischen Barbaren wehren. Aber ob das wirklich sinnvoll ist, mit der Schuldenlage? Der Kampf gegen das Streaming ist verloren.

Sigur Ros
Sigur Ros

Sehr treffend geschrieben – ich kenne den Laden zwar nicht, sehe es aber genauso. So schade es auch ist, dass mit der Videothek eine ganze Branche und ein Stück deutsche Medien- und Kulturgeschichte am Aussterben ist, sie sind im Zeitalter der Generation Netflix eben schlichtweg überholt und es wundert mich auch, dass überhaupt noch einige existieren. Grund dafür dürften wohl in erster Linie ältere Kunden sein, die eben noch mit diesen Läden aufgewachsen sind und ihnen aus nostalgischen Gründen die Treue halten, aber spätestens wenn diese Klientel ausstirbt oder dann doch mal das Internet entdeckt, dürfte es um die Branche eh endgültig geschehen sein.

Dr. Acula

Hab in meiner Berliner Zeit im und dank dem Videodrom manch schöne Stunde verbracht (auch wenn ich eher Kunde in der Verkaufsabteilung war, wo ich mich mit Hongkong-Stuff eingedeckt habe). Verleihtechnisch ging’s mir wie Pogopuschel – es war halt immer ne halbe Weltreise dorthin, also machte ich das eher, wenn sich ein langes Wochenende anbot, um ein halbes Dutzend Tapes rauszuschleifen…

Aber it is what it is – die Zeit ist vorbei. Im Jahr 2003 war’s ein großes Fest, wenn man ein abgeschraddeltes holländisches Vollbild-VHS-Tape von „The Werewolf and the Yeti“ im Videodrom-Bestand fand, heute sind auch solche Exoten nur einen Mausklick auf Blu-ray in HD-Qualität entfernt.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Tape-Bestand irgendwie erhalten bleibt. Wär schade drum…

dermax
dermax

Neige auch eher zur eiskalten Sicht: hey, das Geschäftsmodell ist überholt, wie es halt früher schon Kutschern oder Schriftsetzern erging.
Und bin froh, dass Du das mit dem betteln schon erwähnst, wenn man ausser „gebt uns halt so Geld“ nichts anzubieten hat, dann seh ich wirklich keine Existenzberechtigung mehr.
Ich versteh den Punkt völlig, diesen Filmschatz weiterhin verfügbar zu halten, aber brauchts dafür im Jahre 2018 tatsächlich noch eine sauteure Ladenfläche?

PabloD
PabloD

Vor allem zögert jeder gespendete Euro das Sterben auf Raten doch nur minimal hinaus. In 3, 6, 12 oder 24 Monaten sieht „der Markt“ doch nicht anders aus. Will man jedes Mal einen Spendenaufruf starten, dessen (vermutlich eh geringe) Erlöse dann sukzessive kleiner werden?
Es tut mir zwar leid für die Leute dahiner, aber ohne grundlegendes Geschäftsmodell scheint ein Ende mit Schrecken weitaus realistischer als ein (kurzer) Schrecken ohne Ende zu sein. Wenn nicht noch eine reiche Erbtante aus dem Hintergrund auftaucht, bleibt für die Macher nur zu hoffen, dass sie es irgendwie schaffen ihren anscheinend einzigartigen Fundus mit Hilfe Dritter für die Nachwelt zu sichern (Kooperation mit Bibliotheken, Programmkinos o.ä.), Zum Verdienen des Lebensunterhalts reicht es augenscheinlich nicht mehr aus.

heispeed
heispeed

Vielleicht nicht perfekt auf das Videodrome-Beispiel passend, aber die Frage der Arbeitsplätze vor Ort und der damit verbundenen Schicksale ist doch das eigentlich Entscheidende. Ich versuche mich gelegentlich dazu zu kriegen, anstelle von amazon im örtlichen Saturn einzukaufen, weil die Menschen aus meiner Region dort arbeiten und nicht irgendwo anders.
Natürlich regiert auch im (Nerd-)Videotheken-Geschäft der eiskalte Markt, aber sollte er das?

Squirrelius

Kenne das Videodrom eigentlich auch nur aus dem Netz und Magazinen, habe also keine Verbindung dazu, aber es ist irgendwie trotzdem traurig wenn eine weitere Videothek stirbt.
Bei mir in der Nähe gibt es noch 2 Stück, die sich, um sich zu halten, umstrukturiert haben. Die Eine macht Post- Paketdienstleistungen, die Andere hat das Sortiment verkleinert und nutzt den Platz als Kiosk/ Lotto- und Tabakstand/ Papeterie.
Aber hineingehen und ausleihen tu ich auch nicht, dafür sind die großen Elektronikmärkte bzw. das Netz so gut sortiert und günstig, das ich mir eher einen Streifen kaufe, denn zu leihen.
Vermissen würde ich sie aber nicht.
Die einzige Videothek die ich wirklich vermissen würde wäre das Tape-O-Mania in St. Ingbert. Eine Videothek, in der es früher in der Erwachsenenabteilung mehr Horror- und Splatterfilme als Pornos gab. Selbst heute ist der Bestand diesbezüglich, glaube ich mal, immer noch so. Aber auch hier gibt es schon Postschalter (die müssen schon einiges abwerfen) und so manchen Kioskkram. Und keine Ahnung was der eine Besitzer von seinen Filmgewinnen (er ist u.a. Produzent diverser Ittenbach- Filme) noch nebenher reinsteckt.

Teleprompter
Teleprompter

Videotheken generell: Ja, ist schon schade.
Ich habe auch noch zwei hier in der Ecke, viel weniger als früher. Und ich nutze auch noch beide; vielleicht weil ich ein „älterer Kunde“ bin, wie hier jemand schrieb. Aber ich finde das durchaus noch rational – im Vergleich zu den 4,99, die Amazon & Co für einen gängigen aktuellen Film im Streaming haben wollen, sind die beide deutlich günstiger – bei sichtbar besserer Bildqualität jedenfalls mal auf BD. Klar – mit halb- oder gar nicht legalen Angeboten ist das natürlich nicht vergleichbar, aber das war schon immer so (erst die gebrannten Dinger, dann die Tauschbörsen und Filesharer, zuletzt die .to-Streamer). Und mit Leuten, die so was intensiv nutzen, mag ich auch gar nicht diskutieren, das sind für mich Parasiten des Filmbusiness, die letztlich nur an dem Ast sägen, auf dem sie selbst und wir alle sitzen.

Was diese „Kunstvideotheken“ angeht – so was gibt / gab (?) es in Köln auch, die Traumathek. Klar, das war immer ein Erlebnis, in deren Riesenfundus zu störbern, aber auch für mich galt da: Zwei Fahrten dahin (40 Km) in kurz aufeinanderfolgenden Tagen, das war mir meist zuviel.

Mike
Mike

Bittere aber wahre Worte……….
Nitpicking am Rande: Das Videodrom ist vor ein paar Jahren von der Mittenwalder in die Friesenstr. umgezogen.

Jake
Jake

Der Erhalt von Geschäftsmodellen passiert nicht im luftleeren Raum außerhalb des Angebot/Nachfrage-Prinzips. Und wenn Videodrom schmerzhaft feststellt, dass es kaum noch nach Nachfrage nach ihrem Angebot gibt, dann müssen sie das Angebot anpassen – oder ad acta legen.

Das trifft’s auf den Punkt.

Ich bin auch etwas erstaunt, wie schlecht die sich vermarkten. Deren Internetseite ist z.B. alles andere als zeitgemäß – und unpersönlich obendrein. Kein einziges Foto von den Innenräumen, kein Foto vom Team, unter „wir über uns“ ein Text aus dem Jahr 2001. Und Social Media scheint bei denen bis dato auch keine Rolle gespielt zu haben. Der Facebook-Auftritt existiert jedenfalls erst seit einer Woche, wenn ich mich nicht verguckt habe. Wenn’s schon an den Basics scheitert…

heino
heino

Bei Videodrom habe ich tatsächlich nie etwas ausgeliehen oder bestellt, aber wir hatten hier in Köln vor Kurzem ja mit der Traumathek eine ziemlich ähnliche Geschichte, die zumindest vorläufig gut für den Laden endete. Ich war da früher Mitglied, aber da ich auf der anderen Rheinseite wohne und die tägliche Verleihgebühr damals schon DM 7,50 betrug, war mir das zu aufwändig und zu teuer. Seit ich Internet-Anbindung habe, war es einfacher, mir die gewünschten Sachen direkt zu kaufen. Ich glaube auch nicht, dass die Traumathek sich auf Dauer halten wird, dafür ist die Nische einfach zu klein

Martzell

99 % aller Stummfilme sind verloren. Eine historische Aufarbeitung der Anfänge der Filmkunst ist nicht möglich. Alles was nicht legal online angeboten wird sollte nicht illegal sein online zu stellen. Das Videodrome sollte als Museum erhalten bleiben. Videodrome in Schorndorf war mein Tempel. Mit Werbespot innerhalb der Harald Schmidt Show. [Dei Mudder sei Gesicht (1997)](http://www.deimudderseigesicht.com/index.php?cat=FILME)

Sigur Ros
Sigur Ros

Als hätten wir es beschrien… Nur wenige Wochen nach diesem Artikel prangen an einer der letzten Videotheken in meiner Heimatstadt Kassel große Banner „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“. Wobei es mich eh wundert, dass gerade der Laden so lange überlebt hat, denn zumindest von außen (drin war ich nie) sah der schon ziemlich altmodisch, heruntergekommen und nicht gerade einladend aus. Solche Läden stellen keinen Verlust, sondern eine natürliche Marktbereinigung dar. Bei Legenden wie dem Videodrom mag das anders sein, aber wie hier schon gesagt wurde: Auch da wüsste ich nicht, warum ich Geld in ein sooderso sterbendes System investieren sollte.

sergej
sergej

Heimatstadt Kassel, da kommt mir doch dieser Artikel der HNA wieder in den Sinn:
https://www.hna.de/kassel/mitte-kassel-ort248256/kult-videothek-vor-aus-filmfans-sammelten-bisher-10-000-euro-8646729.html

Grüße in die alte Heimat

SahneHorst
SahneHorst

Finde ich schon ein wenig traurig, andererseits auch beeindruckend, dass der Laden überhaupt noch existiert. Aber auch als Berliner bin ich schon seit Jahren nicht mehr dort gewesen – einfach weil ne Stunde Hin- und Rückfahrt nicht so geil ist und in den Leihpreisen auch immer ein ordentlicher Liebhaberaufschlag enthalten war (der zwar verständlich, aber für Nerds mit wenig Geld schon äußerst unschön ist). Vor 10-6 Jahren war ich da trotzdem regelmäßiger Kunde – bis ich das Negativeland entdeckt hatte. Dieser Videodrom-Konkurrent ist auch seit ca. 2015 geschlossen, befand sich im vergleichbar stark gentrifiziertem Prenzlauer Berg, war für mich deutlich besser erreichbar und bot auch noch die humaneren Preise.
Stellt sich aber schon die Frage, ob das eine falsche Investition war, Buttgereit eine goldene Kundenkarte zu geben und ob es sich rechnet, einen Streaming-Service für exotischen Schund zu betreiben, oder ob selbst das, als Unternehmen geführt, kaum Zukunft hätte. Eine Art Unterkategorie der Deutschen Kinemathek für das geneigte Videorom/Negativeland-Publikum (mit Leuten wie Graf Haufen als Chef dieser Sammlung) wär aber ne tolle Sache.

Jake
Jake

Weil’s thematisch passt – Artikel vom 23.10. auf heise.de:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Branche-stirbt-weiter-Videotheken-schliessen-reihenweise-4198940.html

Der Branchenverband IVD sieht weiterhin vor allem die Piraterie als Wurzel des geschäftlichen Übels

Ein solches Statement in Zeiten, in denen Streamingdienste schon seit Jahren etabliert sind. Wie wirklichkeitsfremd kann man sein? Und auch die Aussage des Videothekenbesitzers am Ende des Artikels ist wieder bezeichnend und ähnelt der von Buttgereit: Streamindienste sind „inhaltlich schwachbrüstig“ und „schlecht für das kulturelle Angebot – mit schwer abschätzbaren Schäden im Bereich der Bildung“.

Realitätsverweigerung at it’s best.