Ich hatte vorgestern einen schönen Abend auf der Party von Giallo-Fan Reini in Frankfurt. Es war auch die ganze Posse des Berliner Filmfests da und Doc Acula obendrein. Als ich kam, war gerade die Diskussion „Was wäre, wenn die deutsche Filmindustrie in den 50ern einen Horror-Boom à la Hammer erlebt hätte?“-Diskussion im Gange. Später kam die Frage auf, wie ein deutscher „King Kong“ von Fritz Lang wohl ausgesehen hätte. Good times.

Aber auch im Gespräch mit weniger filmaffinen Gästen wurde mir mal wieder klar, dass die Nische der Nerds mittlerweile ein Superbowl-Stadion ist, das jeden rein lässt und keine Stigmata mehr auf den Unterarm stempelt. Und das finde ich schade.

Lasst mich ein wenig ausführen.

Vor einigen Jahren habe ich darüber geschrieben, dass man als Horrorfan in den 80ern ein echter Außenseiter war. Als Videospieler auch. Nerd war damals ein Schimpf- und kein Modewort. Man suchte sich Gleichgesinnte, mit denen man sich in siffigen Buden treffen und Raubkopien spielen oder ansehen konnte. Die meisten Filme waren scheiße, aber das war Teil des Deals – es reichte schon, im dümmsten Slasher auch nur einen bemerkenswerten Aspekt zu finden, um ihm Respekt zu zollen. Und sei es eine freizügige Duschszene.

Man war eine verschworene Gemeinschaft, las fotokopierte Fanzines mit zweistelligen Auflagen, träumte davon, mal selber zur Videokamera zu greifen, während die Eltern hofften, das sei alles nur eine Phase und würde sich rauswachsen.

Wir sind nicht rausgewachsen. Der Rest der Menschheit ist reingewachsen. Nerdtum ist Big Business. Jede Kino-Saison platzt mittlerweile vor Horror-, SF- und Fantasy-Epen, Superhelden regieren das Boxoffice, selbst kleinere Horrorfilme wie „Saw“, „Final Destination“ und „Paranormal Activity“ bekommen mehrere Sequels und starten auf mehreren tausend Leinwänden. Da braucht man auch nicht mehr heimlich reinzugehen – die Freundin kommt mit. Die möchte sich auch mal gruseln. Und trägt dabei die trendy Nerd-Plastikbrille und ein T-Shirt mit Leatherface drauf.

Horrorfan sein – das hat keinen Makel mehr, Splattereffekte keinen Schock. Der Mainstream hat die Angst geschluckt, kommerzialisiert und poliert ausgespuckt. Was früher ein Spaziergang durch eine dunkle Gasse in einer schlechten Gegend in einer verregneten Nacht war, ist nun eine Achterbahnfahrt mit großem Gekreische. Wo Superheldenfilme einst holperige pubertäre Fluchtphantasien waren, sind sie nun sorgfältig austarierte Mega-Spektakel für die ganze Familie.

Versteht mich nicht falsch – die Filme sind auf breiter Front besser geworden. B-Movies haben eine Qualität, die wir uns in den 80ern von A-Movies nicht erträumt hätten. Schnitt, Kamera, Effekte – all das hat sich massiv weiter entwickelt. Ein Fantasy Filmfest verlangt 2015 deutlich weniger Leidensfähigkeit und Sitzfleisch als 1995.

Der Preis ist die kommerzielle Berechenbarkeit, der Mangel an unerwarteter Wut und erzählerischer Kraft. Es geht nicht mehr um Tabubruch und Trüffelsucherei. Wenn ich einen etwas krummen Vergleich bemühen darf: Bei „C & A“ mag die gesamte Ware durchgehend solide Qualität zu einem günstigen Preis bieten, aber es ist der Vintage-Shop, in dem man unter ausgewetzten und potthässlichen Klamotten diesen coolen Herrenmantel aus den 40ern findet und das Original-T-Shirt von der Stones-Tour 1978.

Die Maschine hat die Monster gefressen und gezähmt.

Horror-Videos als Jugendverderber und Gewaltförderer? Heimlich, still und leise abgehakt. Glaubt nicht mal mehr die CSU. Wenn sogar die Bayern hochoffiziell Kannibalenbauern in die Kinos schicken. Es ist weithin akzeptiert, dass die teilweise hoch potente Wirkung von Schocks und Schrecken eben doch auf den Kinosaal beschränkt bleibt.

Und Videospiele? Spielt jeder. Wer nicht „World of Warcraft“ zockt, hat eben „Angry Birds“ auf dem Handy. Oder vergnügt sich bei Facebook mit der „Candy Crush Saga“. Es braucht nicht mal mehr Konsolen dafür. Als Werbung, als Wettbewerb, als Ablenkung – wir werden überall ange- und um- und ge- und verspielt. Wir alle sind Player.

nerd girl

Auch hier gilt: Ich widersetze mich nicht der Erkenntnis, dass vieles besser geworden ist, seit Spiele nicht mehr von Freaks im Jugendzimmer programmiert werden, sondern von festangestellten Teams. Die Präzision, das Spektakel, die Lernkurve – all das ist heute deutlich besser austariert als früher, man scheitert meistens an der eigenen Unfähigkeit, nicht mehr an miserabler Steuerung oder schlechter Kollisionsabfrage der Sprites. Spiele sind in viel größerem Maße ein Gemeinschaftserlebnis statt tumbes Hocken vor der Mattscheibe mit den Joystick in der Hand.

Ist der Weg zurück eine Option? Leider nein. Nostalgie ist genau so vom Mainstream vereinnahmt worden wie der Eskapismus. An jedem Kiosk findet man Retro-Magazine, über die Videospiel-Redakteure der Jugend muss man sich nicht in Foren austauschen – die schreiben Bücher über ihre glorreichen Jahre. Wir leben in einem Zeitalter, in dem 900 alte Spielautomaten nur einen Mausklick entfernt sind. Das Zombie-Magazin verkauft monatlich im hohen vierstelligen Bereich. Trägt der Typ neben dir im Kino ein ausgeblichenes T-Shirt seiner Jugend oder nur ein Retro-Shirt aus dem Online-Versand? Schwer zu sagen. Letztlich auch egal?

Wenn ich mit den Jungs zusammen sitze, so wie vorgestern Abend, dann zwiespaltet es schon manchmal in mir. Klar, wir sind Nerds, Altnerds sogar. Aber wieso? Was machen wir, was die ganzen Pseudo- und Softnerds nicht machen? Was qualifiziert uns noch, hebt uns ab? Nur die größere Menge an DVDs im Regal? Die meisten Filme, über die wir gesprochen haben, sind keine Geheimtipps, die bekommt man in jeder Drogerie auf dem Wühltisch. Oder man streamt sie von Netflix und Amazon. Wir haben kein Geheimwissen mehr, die IMDB hat uns das Expertentum versaut.

Ist Trash die Rettung, die Abwendung vom Mainstream und Hinwendung zum immer noch beschissenen und obskuren Regalfüller? Leider nein. Selbst der Trash ist kommerzialisiert und berechenbar. War Trash früher per Definition das glorreiche Scheitern der Ambition, die unterhaltsame Schere von Anspruch und Können, so ist er heute nur noch ein Geschäftsmodell. Firmen wie Asylum „passiert“ Trash nicht aus Versehen oder bedauerlicherweise, er ist Methode. Um wieder ein krummes Bild zu bedienen: Ich habe keinen Spaß daran, wenn mir jemand zuruft „Schau mal her – voll lustig!“, dann absichtlich auf die Bananenschale tritt und sich zu Boden wirft. Aber so funktioniert Asylum.

Aus diesem Grund halte ich auch „Sharknado“ nicht für Trash. Er will Trash sein, und das ist Verrat am Prinzip. Und wie „kult“ kann ein Film sein, über den BILD, FAZ und Focus ausführlich berichten?

Versteht mich nicht falsch: Ich will mir keine extremen Erfahrungen suchen, um das Label „Nerd“ wieder zu reklamieren. Ich will weder „Human Centipede 2“ sehen noch „Fantom Kiler“ oder „Morituris„, um mir den Mitgliedsausweis im Nerdclub zu verdienen. Es ging mir nie um Exzesse, um Tabubruch oder Fetisch. Ich wollte einfach ein Genre-Fan sein – und damit ein bisschen was besonderes.

Nerd – das war mal ein Abgrenzungsmerkmal. Das war deren Mauer gegen uns und unser Schild gegen sie. Für sie war der Begriff Beleidigung, für uns Orden. Man hat uns den Orden genommen, in Plastik millionenfach nachgepresst und an jeder Straßenecke verschenkt. Weil jeder ihn trägt, muss man heute sehr genau hinschauen, ob es Spielzeug ist – oder ein Original.

Ich möchte heute nicht mehr 15 und ein Nerd sein. Wie langweilig.



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Jake
Jake

„Klar, wir sind Nerds, Altnerds sogar. Aber wieso? Was machen wir, was die ganzen Pseudo- und Softnerds nicht machen? Was qualifiziert uns noch, hebt uns ab?“

Z.B. Diskussionen wie diese:

„Was wäre, wenn die deutsche Filmindustrie in den 50ern einen Horror-Boom à la Hammer erlebt hätte?“

„Später kam die Frage auf, wie ein deutscher “King Kong” von Fritz Lang wohl ausgesehen hätte.“

Und genau deshalb finde ich überhaupt nicht, dass IMDB bzw. das Internet an sich das Expertentum versaut hat. Das „Expertenwissen“ war auch damals in der Prä-Internet-Ära schon vorhanden, man kam nur nicht so leicht ran. Entscheidend ist doch letztlich nicht, wie leicht oder wie schwer ich an eine Information komme, sondern, ob ich mir für ein bestimmtes Thema interessiere und was ich aus den beschafften Informationen mache.

Und völlig unabhängig davon wird ein wahrer Nerd IMMER erkennen, ob er gerade einen „Bruder im Geiste“ oder nur einen Trittbrettfahrer, einen „Pseudonerd“, vor sich hat. Ok, evtl. braucht’s dafür heutzutage mehr als einen Blick auf’s T-Shirt-Motiv des Gegenübers. Aber im „normalen Leben“ muss ich ja oft genug auch erst mal hinter die Fassade blicken, um die wahre Persönlichkeit eines Menschen zu erkennen. 😉

Jake
Jake

@Wortvogel: Klar, das Nerdtum hat sich verändert und die Kommerzialisierung brachte Subspezies wie die von Dir zitierten Pseudo- oder Softnerds hervor. Nicht nur im Bezug auf Computerspiele und Filme. Heavy Metal z.B. war früher ja auch Nische. Und heute gibt’s Motörhead-Shirts beim C&A und es werden Metal-Kreuzfahrten veranstaltet. Life is changing, so ist das nun mal. Dafür kann man als Nerd der alten Schule heute in Nostalgie schwelgen und romantisch-verklärt an die „gute alte Zeit“ zurückdenken. Ist ja auch was Schönes!

Uli
Uli

Irgendwie musste ich beim Lesen an „Die Toten Hosen“ denken, deren Lieder inzwischen öffentlich von Volker Kauder mitgegröhlt werden. Da fragt man sich auch: „Ist das noch Punkrock?“

Vermutlich muss jede Szene irgendwann mal durch eine gnadenlose „Vermainstreamung“ gehen, bei der meistens alle Ecken und Kanten abgeschliffen werden, um sie einem breiten Publikum gefällig zu machen. Fragt mal jemanden aus der BSDM Szene was er von „50 Shades of Grey“ hält oder ernsthafte Rapper (gibt es sowas?) wie sie zu „Cro“ oder „Kay One“ stehen. Da kommen einem auch die Tränen.

Mencken
Mencken

Die Toten Hosen waren immer Schlager und nie Punkrock.

Kaio
Kaio

Die Gamer haben ja auch selbst erkannt dass ihr Hobby Mainstream wurde. Deshalb gibt es solch (hässliche) Gegenbewegungen wie Gamergate in denen mit Händen und Füßen nach allen „unwahren“ neuen Zielgruppen getreten wird.

Ich weiß nicht, ich glaub ich erfreue mich lieber an dem Grad der Qualität den meine Art der Unterhaltung erreicht hat als mich darüber aufzuregen dass jetzt andere auch mitspielen dürfen. Was gibts als dritte Alternative? Mir fällt nichts ein.

Halbblut
Halbblut

Großes Kompliment: sehr treffend beschrieben. Wie treffend, wurde mir gerade beim zweiten Lesen klar: innerlich habe ich „Nerd“ durch „Gruftie“ ersetzt und schon hatte ich eine gültige Beschreibung der aktuellen Lage im Lager der Schwarzjacken. 😀

aZrael
aZrael

Ich kann deine Wahrnehmung absolut verstehen – ‚witzigerweise‘ war das ja auch eine Beobachtung, welche ich damals in meiner Masterthesis verarbeitet hatte, allerdings speziell auf die Gamerszene bezogen: Man war eine Avantgarden-Bewegung mit eigenem Spezialistenwissen, das man sich oftmals mühsam erarbeiten musste. Diese definitorische Grundlage fehlt einfach inzwischen, weil sich die Basis so massiv verbreitet hat und man sich die Dinge und das Wissen eben nicht mehr aufwendig zusammen tragen muss.

DMJ

Ist tatsächlich eine interessante Entwicklung, die mir aber eigentlich ganz recht kommt. Abgrenzung war mir noch nie wirklich wichtig, auch wenn es mich natürlich ärgert, dass die Geschichte mir recht gibt, dass aber nichts daran ändert, dass ich zu Schulzeiten für meine Hobbys ausgelacht wurde.
Aber dafür bekomme ich halt jede Menge Material und kann ohne größere Schwierigkeiten über Sachen reden, für die man früher nur unter Mühen Gesprächspartner gefunden hätte.
Schätze mal, das geht alles wohl auch mit der Netzkultur einher, durch die Eigenheiten verschiedener Leute leichter zusammenfinden. So werden auch früher verschwiegene Fetische salonfähig und auch zu Zwangsneurosen stehen die Leute viel offener, statt sie wie früher peinlich zu verbergen.

Traurig nur, dass das ehemalige Schutzgebiet für Außenseiter nun, wo es Mainstream ist, teils die gleichen Außenseiter wieder marginalisiert. Kaio in #6 ist ja quasi das Äquivalent zum früheren Wertham-Leser, der weiß, dass Comics die Kinder kriminell machen.

Kaio
Kaio

@Wortvogel: War eher auf Gamergate bezogen als auf dich?

@DMJ: Ich bin nicht ganz sicher was du meinst. Ich zähle mich selbst ganz klar zu den Gamern und finde es ziemlich hässlich was in der Szene aktuell passiert. Ich sehe dass generell so wie du sagst, was früher ein Auffangbecken war für die Außenseiter wird jetzt zur gleichen Art Xenophoben Club den man früher so gehasst hat.

Ich kriege bei Comics über Reddit übrigens leider ähnliche Tendenzen mit. Durch die super erfolgreichen Kinofilme wurden neue Zielgruppen erschlossen, aber wenn diese sich in die Comic-Shops verlaufen werden sie teilweise aufs übelste von Besitzern oder Kunden als unerwünscht beschimpft. Da liest man Stories dass es einem echt die Schuhe auszieht.

perseus
perseus

„Die Maschine hat die Monster gefressen und gezähmt.“

Wie die moderne westliche Gesellschaft ja alles absorbiert und als Lebensstile integriert und kommerzialisiert hat.

Früher konnte man noch mit Haare färben, Tatoos, Piercings sich vom Mainstream distanzieren, heute ist es fast unnormal wenn man nix davon hat. Che Guevara war von dem baldigen Ende der bürgerlichen Gesellschaft überzeugt, heute kann man sein Konferfei günstig auf einem T-Shirt aufgedruckt kaufen, dass wahrscheinlich von Kinderhänden in Süd-Ost-Asien zusammengenäht wurde.

Im Gegenzug bietes die Moderne uns hohe Produktivität, zivilgesellschaftliche Freiheiten und politische Partizipationsmöglichkeiten. Das kann man ganz nüchtern festhalten.

HomiSite

>>Ich möchte heute nicht mehr 15 und ein Nerd sein. Wie langweilig.<<

Könnte man denn heute noch wirklich Nerd sein, wenn eh fast alles aufgeweicht wurde und in den Mainstream geholt wurde?

Ansonsten nehme ich diese Entwicklung eher ambivalent auf. Um Abgrenzung ging es mir primär nicht so, ich wollte "einfach" spannenden/interessante/neuartige Sache sehen und erleben. Wenn ich jetzt da besser rankomme ohne schiefe Blicke, um so besser.

Und wenn ich mich dann zusätzlich mit Leuten darüber unterhalten kann, nochmals besser. Nerd-Gespräche mögen zwar laut Wortvogel nur noch Überreste sein, aber für mich weiterhin wichtig. Solange ich mit einem im früheren Sinne Nicht-Nerd angeregt auch über AAA-Filme diskutieren kann – und nicht nur ein schnödes "Hat mir gefallen" höre – bin ich fast zufrienden. Passiert ja auch nicht immer.

DMJ

@Kaio:
Die intoleranten Arschgeigen unter Gamern leugnet niemand, ebenso wenig wie die Asis unter Splatterfans und Schläger unter Sportfans. Nur eben wird das Bild hier gerade verzerrt, indem man so tut, als wenn GamerGate für diese stünde.
Es bildet sich halt eine neue Machtelite, welche keine Diskussionen zulassen will (und das ärgert einen als Medienwissenschaftler schon ziemlich, wenn Diskurs verboten wird, weil die unstimmigen Thesen einer einzelnen Säulenheiligen nicht hinterfragt werden dürfen) und diese sagt mit ihren vielen „Seduction of the Innocent“s (und neuerdings der „Law & Order“-Folge als „Reefer Madness“), was angeblich Sache sei. Wer widerspricht, ist der Feind.

Habe doch selbst erlebt, wie ich für Diversität aber gegen Unwissenschaftlichkeit argumentierte und anschließend (von Leuten, die meinen Artikel nicht einmal lasen) als verunglimpft wurde.
Wenn du wirklich glaubst, GG sei eine Bewegung, welche Minderheiten bekämpfe, verfolge mal die interessanten Hasskampagnen, die weibliche Gamer erleben, wenn sie es wagen, Sarkeesian zu hinterfragen. Liana Kerzners “Why Feminist Frequency almost made me quit writing about video games” war da recht erleuchtend, dass es hier um keine Zwei-Lager-Situation geht bzw. gehen sollte.

Schuhausziehende Arschlochgeschichten gib es leider überall, aber mit Lagerdenken fördert man sie, statt sie zu bekämpfen.

Steffen
Steffen

Volle Zustimmung; ich habe das bei mir aber weniger an Filmen, sondern mehr an Videospielen und Japandingen (Mangas und vor allem Jrock und Jpop) gemerkt. Gerade bei letzterem auch nicht durch einen fließenden Übergang (oder ich habs einfach nicht mitbekommen), sondern auf einmal waren überall Cosplayer und Visual Key Leute. Alternativer Jrock war auf einmal bei allen auf der Platte und das war.. ich weiß nicht, es war seltsam.
Dann wurde alles schneller, bunter, aufgeregter und mainstreamiger mit noch mehr Leuten und ich habe der Szene den Rücken gekehrt, weil mir vor allem die immer abgedrehteren Leute immer mehr auf den Senkel gingen. Mein Interesse an z.B. Jrock ist nachwievor da, nur mittlerweile ist mein Personenkreis dahingehend viel stärker eingeschränkt. Liegt aber wohl auch an mir, sobald etwas zu groß und bekannt oder gehyped wird, schaltet mein Kopf gerne mal auf genervt und Ignoranz. Schade eigentlich..
Wobei es manche Dinge wie Animes im (ausländischen) TV aufnehmen, sich die Tapes per Post rundschicken und alles aufwändig selbst digitalisieren mit viel manuellem Parameter rumfummeln, um mit geringstmöglicher Bitrate noch die maximale Bildqualität samt Outlineverstärkung rauszuholen ja heute gar nicht mehr so gibt. Internet sei Dank ist das alles viel einfacher geworden. Aber geil wars schon, hatte das Gefühl von echtem Bastelhandwerk, wenn man fertig war 🙂

Kaio
Kaio

DMJ: Ich glaube nicht dass wir uns in den Positionen wirklich so sehr unterscheiden, ich habe in der Kürze wohl nur zu sehr komprimiert. Ich habe auch keine Ahnung wie tief unser Hausherr in der Gamerszene wirklich drin steckt und da habe ich ein sehr komplexes Thema auf einen Kampfbegriff „Gamergate“ reduziert. Wird der Sache nicht gerecht, aber wollte die Kommentarsektion damit auch nicht kapern. Von daher sag ich einfach mal sorry falls es so rüberkam.

Mein Punkt sollte eigentlich nur sein dass viele Leute diese Entwicklung vom Nerdtum zum Mainstream bemerken, aber nicht alle so erwachsen sind es einfach als gegeben hinzunehmen sondern dass es auch Gegenbewegungen gibt, und dass uns da eventuell noch übles bevorsteht.

DMJ

Okay, das kann ich so tatsächlich unterschreiben!

Wie gesagt… bei dem Thema geht mit mir immer gern der, von der Welt enttäuschte Medienwissenschaftler durch, der sich in einer Grundsatzdiskussion glaubt, wo es nur um einen einzelnen Aspekt geht. 😉

Aber wie gesagt, es gibt innerhalb des neuen, mainstreamigen Gamertums tatsächlich (mehrere) Abgrenzungsbewegungen, nur hat sich da wohl noch nicht der Herrscher herauskristallisiert.

Mencken
Mencken

Mich hat der Ausgrenzungsaspekt nie interessiert und ebensowenig, ob andere Leute die Dinge auch mögen, die ich gut finde.
Insofern sehe ich in dieser Hinsicht auch keinerlei Nachteile, aber zustimmen muss ich hinsichtlich Asylum und den gewollten Trashfilmen und der kommerziellen Berechenbarkeit samt Mangel an Überraschungen.
Dies stört mich sogar so sehr, dass ich sogar abstreite, dass „B-Movies heute eine Qualität haben, die wir uns in den 80ern von A-Movies nicht erträumt hätten“. Auch die Fantasyfilmfeste Anfang der 90er fand ich deutlich interessanter und attraktiver, mögen aber beides Punkte sein, bei denen mein Alter der entscheidende Faktor ist.

Nebenbei: Gamergate steht natürlich für intolerante Arschlöcher, wer dennoch meint, sich mit der Bewegung identifizieren zu müssen, ist selbst schuld.

DMJ

@Mencken:
Gegen wen intolerant?

Mencken
Mencken

@DMJ: Vor allem Frauen und Personen, die ein Problem mit der Frauendarstellung in Spielen haben.

DMJ

@Mencken:
Damit beißt sich aber der Frauenanteil unter den GGlern. Man denke an #notyourshield und die von allen geliebte C. H. Sommers. Auch ReformatorInnen sind nicht automatisch verhasst, wie Vicsor zeigt:

http://victorsopinion.blogspot.co.uk/

Natürlich gibt es auch Frauenhasser unter Gamern (und einen Hashtag kann jeder mitbenutzen), aber die darf man nicht überschätzen. Nur die sind es, die von den unwissenschaftlichen Diskussionsverweigerern immer wieder als Alibi benutzt werden, um sich nicht auf Gespräche einlassen zu müssen.

Kritik, wie die von Liana Kerzner, die nicht einseitig ist und auf Beleidigung Andersdenkender verzichtet, hätte nie so ein Problem verursacht:

http://metaleater.com/video-games/feature/why-feminist-frequency-almost-made-me-quit-writing-about-video-games-part-1

Habe ja (ohne mich selbst irgendeinem Hashtag anzuschließen, da ich das generell meide) schon vor Beginn erlebt, wie man angefeindet werden kann, selbst wenn man freundliche, vorsichtige und mit Lob für richtige Punkte versehene Kritik an den Säulenheiligen übt.

trackback

[…] Wortvogel hat nun einen interessanten Artikel verfasst, auf den ich mich kurz direkt beziehen möchte. So schreibt er u.a.: […]

Marcus
Marcus

Tja, inhaltlich passt das schon, was Torsten da schreibt. Als Schilderung.

Seine Schlussfolgerungen daraus kann ich freilich nicht teilen, weil ich zu jung bin, um das, wovon er da redet, noch wirklich miterlebt zu haben.
Und ohne die Nostalgiebrille fällt es schwer, zu bedauern, dass man heute viel mehr und besseres Nerdfutter viel einfacher bekommen kann als damals.

„Ich möchte heute nicht mehr 15 und ein Nerd sein. Wie langweilig.“

Nein, da bin ich eher bei Homisite. Wem es um Abgrenzung geht, der wird heute mit dem Nerdtum nicht mehr glücklich, das ist wahr. Wem es darum geht, anderes, vielfältigeres, herausfordernderes, „besseres“ zu entdecken als es einem der Mainstream zu bieten hat (und machen wir uns nichts vor, den Mainstream gibt es noch immer. „Hangover“ und „Mission: Impossible“ hat ein vielfach größeres Publikum als „Knights of Badassdom“ und „Super“.), für den ist ein Nerd zu sein besser und befriedigender als es das je war.

Lars
Lars

Der ganze Artikel ist mir etwas zu eng gefasst, da er davon ausgeht, dass „Nerds“ automatisch Fans von Horrorfilmen, B-Movies, Comics, etc. sind. Diese Bestandteile sind sicherlich vom Mainstream aufgesaugt worden (genau wie auch TV Serien oder Filme generell jetzt im Mainstream angekommen sind).
Auf der anderen Seite gibt es aber noch die „technischen Nerds“, die sich im Bereich der Informatik, Mathematik, Technik und der Wissenschaft tummeln. Wenn auch dieser Bestandteil der Nerds zum Mainstream geworden ist, müsste dieses in meinen Augen automatisch bedeuten, dass auch immer mehr Personen in diese Bereiche drängen (bzw. von unten nachkommen) – dieses sehe ich aber momentan ganz und gar nicht. Der Fachkräftemangel ist keine Illusion sondern ein ganz reales und ziemlich gravierendes (und bei mir Überstunden produzierendes) Problem.

Bei den Kindern in meiner Verwandtschaft sehe ich zum Beispiel bei keinem einzigen irgendeinen Hauch von Interesse an wissenschaftlichen oder technischen Themen – die sind froh, wenn ihr Handy oder die Spielekonsole geht und das war es dann. Ein tieferes Interesse an der Funktionsweise dieser Geräte gibt es zum Beispiel überhaupt nicht.

Daher behaupte ich mal: Es gibt nach wie vor „richtige Nerds“ nur eben nicht in den hier skizzierten Bereichen, sondern in anderen. Ich wäre mit meinen Interessen heute immer noch ein Nerd und Außenseiter, genau wie ich einer vor 15 Jahren war, als ich auf’s Gymanisum ging.

Steffen
Steffen

Ohne jetzt ein Fass aufmachen zu wollen, aber ich arbeite auch als Systemadministrator und mache einiges an Überstunden. Aber einen Fachkräftemangel sehe ich bei weitem nicht. Eher seit Jahren überall die konstante Weigerung, vernünftig angepasste Löhne in dem Bereich zu zahlen (ein Mangel sollte diese doch eigentlich erhöhen, weil die Nachfrage das Angebot übersteigt, oder). Und nicht zu vergessen die ganzen altgedienten Informatiker, die ab 35,40 Jahren einfach keinen Job mehr bekommen, weil zu alt – und wahrscheinlich auch weil sie wissen, was sie wert sind.
Aber hey, holen wir Inder und drücken das Lohnniveau noch weiter runter…
Sorry für den Rant, aber auf das Thema reagiere ich gerne allergisch 🙂

lostNerd
lostNerd

@Steffen:
Grade im Bereich Anime habe ich da eher andere Erfahrungen gemacht. Abseits von den im TV gesendeten Serien wie „Naruto“, „DBZ“, „One Piece“ etc. ist zumindest hier in Berlin nur wenig im Mainstream angekommen. habe erst vor Kurzem jemanden mit einem „Shingeki no Kyojin“ T-Shirt getroffen, der ganz begeistert war weil ich es erkannt habe. Wenn ich mal jemanden cosplayen sehe dann zumeist auch nur Charakteres aus den genannten Serien. Evtl. bin ich aber auch einfach zu wenig unterwegs….

Philip S.
Philip S.

Darf ich hier einfach mal einen Vorschlag machen? Anstatt sich darüber auszulassen, dass ja nichts mehr so ist wie früher und den vermeintlich guten alten Zeiten nachzutrauern, sollten Sie Sich doch lieber freuen: die Nerds haben gewonnen! Sie haben über all jene, die behauptet haben Science Fiction / Fantasy / Superhelden / Comics / etc. wären nur was für Loser, gnadenlos triumphiert. Also akzeptieren Sie einfach, dass Sie gewonnen haben und freuen sich, anstatt verzweifelt nach etwas zu suchen, worüber Sie meckern können. Hobbies sollen schließlich Spaß machen, das wird gerne mal vergessen.

Steffen
Steffen

@lostnerd:
Hmm, könnte wirklich auch regional unterschiedlich sein. Ich komme ursprünglich aus Kassel, und da ist mit Beginn der Connichi bzw. ein Jahr vorher etwa (alles rein subjektiv natürlich) die Szene geradezu explodiert 🙂

Mencken
Mencken

@DMJ: nein, damit beißen sich weder der Frauenanteil, die ebenfalls vorhandene sachliche Kritik oder die ja durchaus fragwürdigen Handlungen von Leuten wie Quinn oder Sarkesian.

Wer unter dem GG Banner aufläuft, der fraternisiert mit Leuten, die ihren Gegnerinnen u.a. Vergewaltigungen wünschen, intime Details aus dem Privatleben dieser Personen und ihrer Verwandten im Internet veröffentlichen usw.
Ob man selbst durchaus redliche Intentionen und gute Argumente hat, ist dann auch egal.

heino
heino

Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Nachteil. Mir hat es nie Spaß gemacht, ausgegrenzt zu werden und einer vermeintlich coolen Subkultur anzugehören und wenn ich daran denke, wie schwer es früher war, an z.B. Filme oder Comics zu kommen, bin ich geradezu glücklich, dass das Nerdtum jetzt im Mainstream angekommen ist.

G

Mir war es immer völlig egal, ob mich jemand, aufgrund dessen was mir gefällt, als Nerd sieht oder nicht. Ich habe es deshalb nie als Auszeichnung oder Beleidigung gesehen, wenn mich jemand so bezeichnet hat. Ich freue mich außerdem darüber, dass ich dadurch, dass Comics, Horror, SciFi und Fantasy im Mainstream angekommen sind, nun mehr potenzielle Gesprächspartner zu diesen Themen habe. Es fällt mir daher immer ein wenig schwer, die Nostalgie zu verstehen, die manche mit diesem Begriff verbinden und ich frage mich, ob diese Menschen es einfach nur vermissen, zu einer elitären Gruppe zu gehören und jetzt ein wenig biestig sind, weil nun alle auf Augenhöhe mit ihnen mitspielen können.

heino
heino

Ich denke, ein grosser Teil deiner hiesigen Leser befindet sich in einem ähnlichen Alter wie du (ich bin nur 2 Jahre jünger) und ist deshalb in derselben Generation zu verorten. Mir geht aber die Sentimentailtät, die deinen Text in meinen Augen durchzieht, ab und ich habe es damals wie heute niemals als passende Charakterisierung empfunden, als „Nerd“ (wobei damals Begriffe wie „Spinner“ gebräuchlicher waren) bezeichnet zu werden. Wie auch schon andere hier erwähnt haben, gibt es diese Diskussion in vielen Bereichen – ich habe sie seit Mitte der 90er z.B. immer wieder in der Gothic-Szene und bei den Rockabillys erlebt – , weil fast alles, was mal Underground war, heute im Mainstream angekommen ist. Natürlich fehlt damit dann das Alleinstellungsmerkmal, aber mMn überwiegen da einfach die Vorteile.

Mencken
Mencken

Ich stimme Heino zu, denke auch, dass die meisten Leser hier in einem ähnlichen Alter zu verorten sind. Auch der persönliche Charakter des Textes ist schon offensichtlich, größtenteils wurden hier doch auch nur die eigenen persönlichen Einschätzungen als Reaktion ohne Bewertung des ursprüngluchen Textes gepostet.
Es scheint einfach so zu sein, dass den meisten Lesern einfach der damals vorhandene Sonderstatus ziemlich egal war und die Nostalgie dementsprechend gering ausfällt.

Goran
Goran

@Vogel

Das ist die derzeitige Diskussionsstruktur im Netz. Für viele schient es unmöglich eine Momentaufnahme der eigenen Gefühle von einer Kritik an ihrem Selbstwert zu trennen.

„Nerd ist nicht mehr Nerd (für mich)“ als gefühlter Text klingt für sie nach der gerichteten Anklage:“Nerds sind tot und Du bist auch nicht echt!“ Selbst wenn ausser dem Vogel gar niemands Lebensverortung angesprochen war.

G

@Wortvogel: Ich habe das nicht überlesen, aber du hast mich mit deinem sehr gut geschriebenen Text dazu angeregt, meine eigene Einschätzung zu teilen. 😉

Exverlobter
Exverlobter

Wie würdest du eigentlich einen Nicht-Nerd der 70/80er beschreiben? Wie unterschied er sich vom heutigen Mainstream?
Hat er Ottfried Preußler anstelle von Comics gelesen? Winnetou gesehen anstelle von Star Wars?
Ich frag mich nur, weil es von meinem Standpunkt (Kind der 90er) schon immer so wie jetzt war. Natürlich haben wir in der 6. Klasse bereits über Horrorfilme und Games diskutiert, auch diejenigen, die man in Übersee stets als „Jocks“ bezeichnet. Das einzige was die immer von mir und meinen etwas Nerdigeren Kumpels unterschieden hat war, dass die Jocks halt noch zusätzlich an Sport und FUßball interessiert waren.
Aber Games und Horror uncool? Hab ich nie so empfunden. Das war zumidest in meiner Jugend noch die Schnittmenge für alle Gruppen. Zumindest für die Männlichen.

DMJ

@Mencken:
Diese „ein Blutstropfen“-Regel teile ich nicht und halte sie auch für schädlich.
Es gibt arschlöchrige SPD-Politiker – muss also jeder, der sie auch arschlöchrig findet, aus der SPD austreten und der CDU das Feld überlassen? Ist wie mit dem Islam und dem Terrorismus.
Oder Nationalisten in der Resistance.

Vergewaltigungsdrohungen und derartiges sind zudem ein Kennzeichen von Internetarschlöchern aller Richtungen. Die GG-Frauen bekommen sie auch in Mengen von der, sich für tolerant haltenden Gegenbewegung (von direkten Doxxing-Aufrufen Wus oder Biddles Ruf nach Mobbing ganz zu schweigen) und deren Säulenheilige haben noch nicht einen Tweet darauf verschwendet, da mal gegen an zu gehen (anders, als die prominenteren GG-Gesichter).

Die Gaming-Presse ist korrupt und Redefreiheit wird von ihr gerade massiv bekämpft (selbst FemFreq-Spender LeoPirate bekam ja das Feuer der Sarkeesianer ab, weil er anmerkte, dass für sein Geld irgendwie wenig kommt). Dagegen wird nun angegangen und wie immer marschieren da auch Spacken mit.
Ich habe auf einer Demonstration gegen Studiengebühren auch einen alten Herren mit einem Schild „Wir wollen die D-Mark zurück!“ gesehen, was aber die Demonstranten nicht zu Reichsbürgern macht.
Lagerdenken gilt es unbedingt zu vermeiden.

Reini

Der erste Satz des Textes erfreut mich außerordentlich! 😀

Mencken
Mencken

@DMJ: Wenn die SPD von den arschlöchrigen Mitgliedern vereinnahmt wurde, dann sollte man in der Tat austreten (ein besserer Vergleich wäre hier ohnehin Pegida).
Gilt für GG ebenso, die von mir angesprochenen Strömungen sind da in der öffentlichen Wahrnehmung eindeutig dominant.
Wenn es einem wirklich um Korruption in der Gaming Presse geht, ist die Assoziation mit GG ohnehin nur negativ und schadet dem eigenen Anliegen.

Goran
Goran

@Mencken
Das Argument der Wahrnehmung zieht hier aber kaum.
Natürlich ist die Wahrnehmung verzehrt, aber das liegt unter anderem daran, dass ein großer Teil der Gamespresse auf GG mit Hassartikeln, so z.B. „Gamers are dead“, gesamt so ein gutes Dutzend in den ersten Wochen allein, reagierte und die öffentlichen Medien sofort jede Möglichkeit den nebulösen Gamer wieder als Frauenhasser und Kellermonster zu portraitieren nutzen.

Persönlich find ich diese Hashtaggruppenmacherei ja auch eher doof, aber hier haben, genau wie bei Pegida, die Medien alles dafür getan das Spotlight auf die Trolle und Hassposter EINER Seite zu lenken.

Als Gabriel zu Pegida ging, nur um dem Volk dort einfach mal auf’s Maul zu schauen, und nicht mehr, keine Zustimmung, nur eine offene Frage, da hat auch ein guter Teil der beleidigten Journallie lieber Wut gepredigt.

Genau wie bei GG.
Dass diese Gruppe aber offen ist, dass jeder den Hashtag verwenden kann, und dass auch ganz klar Leute den Hashtag misbraucht haben, um sonst was damit zu machen, dieser Betrachtung hat sich die Presse so gut wie komplett verweigert.

Dass eingie sich den Trollen nicht ergeben wollen, nicht nur Zurückweichen, sondern sich den Namen zurückerobern, dass mag man für Windmühlenkampf halten, es macht diese Leute aber nicht gleich zu Sympathisanten mit den Arschlöchern.

Ansonsten muss sich die komplette Anti-GG-Fraktion nämlich genauso gefallen lassen als Befürworter von Vergewaltigung und versuchtem Mord bezeichnet zu werden, denn in dem, was Unterstützer, und das Wort hat hier mehr Zusatz, als man fassen mag, beider Seiten getan haben, findet sich aber auch gar kein Unterschied. Keiner. Null.

Nein, dieses Sippenhaftdenken ist einfach nur falsch.

Goran
Goran

Zu oben, da Editzeit vorbei:

Natürlich setze ich Pegida und GG nicht gleich, aber auch Pegida hätte mehr Diskussion erfordert und hat in der öffentlichen Betrachtung Panikmache und Frontenbildung erhalten.

Das hat die doch erstmal mehr gestärkt, als ein einfaches:
„Lasst uns reden. Ich glaube, da bestehen ein paar Irrtümer.“

Mencken
Mencken

@Goran: Grundsätzlich ist das ja alles schön und richtig (wie DMJs Ansatz ja auch), aber bei GG eben nicht zutreffend.
Selbst wenn die Gamerpresse sofort mit Hassartikeln reagierte und die öffentlichen Medien nur auf die Gelegenheit gewartet haben, „den nebulösen Gamer wieder als Frauenhasser und Kellermonster zu portraitieren“ (warum eigentlich? Finde ich nicht so sonderlich plausibel), ändert das nichts daran, dass diese Artikel auf gut dokumentierten Tatsachen beruhen.
All die Morddrohungen, das Hacken und Veröffentlichen privater Daten, die Angriffe auf Familienangehörige usw. sind ja unbestritten und es kann doch niemanden ernsthaft verwundern, dass solche Sachen von der Presse aufgegriffen werden und im Vordergrund stehen.

Es geht hier auch nicht um eine kleine Minderheit (ebenfalls gut nachweisbar), noch handelt es sich um Leute, die erst nachträglich auf den Zug aufgesprungen sind. „Sich nicht den Trollen ergeben wollen“ ist generell eine gute sache, macht aber keinen Sinn, wenn die Trolle bereits Gründungsmitglieder der ganzen Bewegung sind.

Natürlich ist GG offen und es könne auch andere Leute den Hashtag verwenden, aber 1. das interessiert zunächst mal überhaupt nicht, wenn der Tag bereits von Extremisten übernomen wurde und 2. die Benutzer müssen sich dann schon fragen lassen, warum sie diese Assoziation wollen und damit klarkommen, dass sie nun mal aufgrund der Vorgeschichte unter Arschlochverdacht stehen werden.

Für Pegia gilt das auch, wer sich so grenzwertig positioniert, der erntet die entsprechenden Reaktionen vollkommen verdient (und auch da war von der angeblich vorhandenen gemäßigten Mehrzahl nichts zu hören, abgesehen von der Weigerung, mit der „Lügenpresse“ zu reden).

Goran
Goran

@Mencken

Nur zum Warum der Presse: Keine Ahnung, oder doch, weil’s leichte Panikquote ist, die Berichterstattung läuft so.
Gerade die amerikanischen Medien haben effektiv komplett auf die „Gamer sind misogyn!“-Schiene umgeschaltet.

Da gibt’s auch keine Frage, ob Dir das plausibel scheint. Das war keine vermutete Behauptung von mir.

„Arschlochverdacht“ ist aber keine Begründung für den Umgang mit Leuten, die öffentlich immer und immer wieder eine Redebereitschaft angebobten haben und die für die reine, in manchen Fällen sogar unbelegte und nur vermutete, Assoziation, abgestraft wurden.

Oder nur, weil Sie skeptisch gegen z.B. Anita Sarkeesian argumentiert haben. Die übrigens selbst nur mit Medien spricht, die ihrer Linie folgen und sich bisher keiner Diskussion mit Kritikern ihrer Arbeit gestellt hat.

Man darf ja mit Vorbehalt an jeden GGer rangehen, aber wie gesagt, mit genau Deinen Begründungen ist auch begründet worden, warum man gar keine Diskussion führen würde.
Unglaublich tolle Leistung.

Mencken
Mencken

@Goran: Man kann ja einfach den Googletest machen. Wenn man da GG, Sarkeesian oder Quinn eingibt, zeigen die Ergebnisse ganz eindeutig, wer sich mehrheitlich mit dme Thema beschäftigt und in welcher Form.

In einer idealen Welt sollte vielleicht dennoch Platz sein, um genaustens zu differenzieren und die rationalen Kritiker herauszufiltern, aber so läuft es nun mal nicht.
Dafür ist das vorgebliche Sachthema ohnehin nicht bedeutend genug und die „Trollreaktionen“ (wobei man kaum von Trollen reden kann, wenn diese die überwiegende Mehrheit bilden und Diskursbestimmend sind) sind zu extrem.
Wir alle selektieren anhand von Indizien und sich mit GG zu identifizieren ist nun mal genau so eindeutig, wie beispielsweise das tragen von Ed Hardy Shirts vor ein paar Jahren.

Kann man beklagen, ändert aber nichts daran, dass die Dinge so laufen.

Wenn es wirklich nur um das Sachthema „Korruption in der Gamerpresse“ ginge, kann man das auch thematisieren ohne sich an GG anzuhängen, zwingt einen ja niemand, die entsprechenden Hashtags zu verwenden.

DMJ

@Mencken:
„warum eigentlich? Finde ich nicht so sonderlich plausibel“

Die Warum-Frage ist hier nicht schwer: Die Games Journalisten (die ja in der Regel nicht so ausgebildet oder sonst so professionell sind, wie „Normaljournalisten“) wurden angegriffen, indem man ihnen Korruption vorwarf. Also schlugen viele von ihnen einfach mit der Dämonisierungskeule zu.
In etwa: „Du beschwerst dich, dass ich nie den Müll rausbringe? Das sagst du nur, weil ich schwarz bin und du mir automatisch unterstellst, faul zu sein!“
So funktionieren leider die nicht funktionierenden Internetdiskussionen und die Gamingpresse war da leider eben nicht professioneller, als die Leser.

„ändert das nichts daran, dass diese Artikel auf gut dokumentierten Tatsachen beruhen“
„Gamers are over“ ist eine Tatsache? Die Erklärung, wer sich jetzt noch als Gamer sehe, sei automatisch Frauenhasser, ist eine Tatsache? – DAS war nämlich die Kampagne, die das Fass zum Überlaufen brachte.
Die Drohungen bestreitet keiner, nur eben, sie auch denen zuzurechnen, die sie nicht geäußert haben.
Wie es eine Tatsache ist, dass der „Charlie Hebdo“-Anschlag von Islamisten begangen wurde (was natürlich auch hier von einigen Verschwörungstheoretikern geleugnet wurde), ist es dennoch unzulässig und intoleranz, daraus abzuleiten „Islam is over“, also alle Muslime seien Terroristen. Und DAS war genau das, was geschehen war.

Und wie gesagt. Hacken, Doxxen, Drohungen und all die anderen miesen Nummern wurden gegen beide Seiten verübt. Nur während prominente GGler sich immer dagegen äußersen, beklagt Anti-GG stets nur, was den eigenen Reihen getan wurde.

„“Sich nicht den Trollen ergeben wollen” ist generell eine gute sache, macht aber keinen Sinn, wenn die Trolle bereits Gründungsmitglieder der ganzen Bewegung sind.“
Also machen Videospielfeminismus, die 68er und die BRD auch alle keinen Sinn, weil alle von Anfang an üble Elemente enthielten?

„das interessiert zunächst mal überhaupt nicht, wenn der Tag bereits von Extremisten übernomen wurde“
Wurde er ja nicht. Die, in eigener Sache kämpfenden Medien weigern sich lediglich, alle anderen zur Kenntnis zu nehmen. Dass der Desinteressierte, der sich nicht damit beschäftigen, sondern schnell ein simples Gut-Böse-Bild mitnehmen will auf diese hört, liegt in der Natur der Sache. Deshalb sollte man dem Lautesten aber nicht automatisch recht geben, denn damit könnte sich auch die Propagandapresse einer Diktatur rechtfertigen.

„Wenn man da GG, Sarkeesian oder Quinn eingibt, zeigen die Ergebnisse ganz eindeutig, wer sich mehrheitlich mit dme Thema beschäftigt und in welcher Form.“
Stimmt: Zuerst sind es die größeren Presseportale, die sagen, GG sei sexistisch und mehr nicht. Gerne vor Tatsachenfehlern wimmelnd und wichtige Bausteine weglassend.

„In einer idealen Welt sollte vielleicht dennoch Platz sein, um genaustens zu differenzieren und die rationalen Kritiker herauszufiltern, aber so läuft es nun mal nicht.“
Also übernimmt man mal eben die Meinung der Schreier und pflichtet ihnen bei, indem man stolz die von mir verlinkte Vicsor zum intoleranten Arschloch erklärt und sich gut fühlt, auf der richtigen Seite zu stehen.
Ich erwarte von niemanden, Idealist zu sein, aber die „might = right“-Argumentation, dass es falsch ist, für etwas zu kämpfen, nur weil die Chancen dafür schlecht stehen, ist schon unsympathisch.

„wobei man kaum von Trollen reden kann, wenn diese die überwiegende Mehrheit bilden und Diskursbestimmend sind“
Die Wiederholung, dass die meisten Muslime Terroristen sind, ist auch kein zusätzlicher Beleg für deren Richtigkeit.

„Wenn es wirklich nur um das Sachthema “Korruption in der Gamerpresse” ginge, kann man das auch thematisieren ohne sich an GG anzuhängen, zwingt einen ja niemand, die entsprechenden Hashtags zu verwenden.“
Das nächste Kennzeichen würde genau so diffamiert, ebenso wie das übernächste und überübernächste.
Bisher haben diverse Seiten angefangen, Verbindungen offen zu legen und Beziehungen zuzugeben und Andersdenkende (auch Feministinnen, denn die werden von Anti-GG ja am stärksten angegriffen) bekommen Gehör, was ihnen vorher versagt war. Das ist eine gute Sache. Das sehe ich als Fortschritt.
Wenn man etwas fallen lässt, sobald Arschgeigen die Hand darauf gelegt haben, dann bleibt einem bald gar nichts mehr und die Arschgeigen bekommen alles.

Mencken
Mencken

@Wortvogel: Ja, fairer Einwand, aber es war ja eine Antwort auf den Vorwurf, die Presse würde dämonisieren und bewusst verzerren, womit ja bereits die Berichterstattung über einen Kamm geschert wurde.

Mir ging es darum, dass es angesichts der bisherigen Vorfälle wenig erstaunlich ist, dass sich die Presse eher auf die negativen Aspekte konzentriert und diese negativen Aspekte selbst auch unzweifelhaft vorhanden sind und waren.

DMJ

„Wenig erstaunlich“ ist eine andere Baustelle. Da würde ich auch nicht widersprechen. Aber es ist auch „wenig erstaunlich“, dass die BILD am liebsten die Verbrecher von Migranten auf die Titelseite stellt, ohne dass man daraus Schlüss über Migranten ziehen kann.

Das Tragikomische ist: Ich hatte erst vor einiger Zeit die fast gleiche Diskussion in die andere Richtung (ohne Bezug zu GG). Da erklärte jemand, man könne heute nicht mehr guten Gewissens FeministInn sein, weil der Begriff von Sexisten und Rechtsstaatfeinden übernommen wäre (dass Alice Schwarzer noch immer als dessen deutsches Aushängeschild gilt, ist ja leider wahr). Aber auch da widersprach ich, dass man angesichts all des Guten im Feminismus den Begriff nicht den Bösen überlassen dürfe, sondern dafür kämpfen solle, ihn zurück zu erobern und für Gleichberechtigung zu nutzen.

heino
heino

@WV:zu 37 – ich habe die Diskussion auf FB nicht verfolgt und kann mich daher nicht dazu äußern. Meine Replik bezog sich nur auf den obigen Text und ich habe mich als Jugendlicher nie als Nerd gesehen (ich kannte nichtmal den Begriff), sah mich auch nie anderen, die meine „abseitigeren“ Interessen nicht teilten, als überlegen an und die ständigen Anfeindungen, denen ich mich damals deswegen ausgesetzt sah, lassen da bei mir keine sonderlich nostalgischen Gefühle aufkommen. Ganz im Gegenteil bin ich froh darüber, dass das Nerdtum heute so viel Akzeptanz findet und ich nun wesentlich entspannter mit anderen „Nerds“ entsprechende Gespräche führen kann. Ich sehe da auch keinen Mangel, man kommt doch heute viel leichter mit den entsprechenden Leuten in Kontakt als damals.

comicfreak
comicfreak

..hier auf dem Land spielen immer noch 90% der Jungs Fußball, 4% ist allergisch, und 6% kennen Minecraft. Da gehören Junior und BF dazu..

Marcus
Marcus

@Torsten:

„Und dass ich weder behaupte, dass früher alles besser war, noch dass die Nerdkultur heute nichts taugt.“

Nee, du hast nur behauptet, dass du kein Nerd sein wolltest, wenn du heute 15 wärst. Weil das langweilig sei. 😉

heino
heino

Ich habe mir den Text nochmal durchgelesen und der für mich springende Punkt ist dieser Satz hier:

„Wir haben kein Geheimwissen mehr, die IMDB hat uns das Expertentum versaut.“

Genau da sehe ich den Unterschied zwischen Alt-Nerds und der neuen Garde des Everyman Nerd. Letzterer interessiert sich nicht wirklich für die Hintergründe, ihm reicht i.d.R. oberflächliches Wissen plus ein paar Trivia, um sich als Experte zu fühlen. Vergleicht man das dagegen mit leuten wie Filmi, Marcus oder Doc Acula, merkt man den Unterschied doch sehr schnell, denn die können z.B. oftmals ganze Szenen aus den obskrusten Streifen auswändig runterleiern.

heino
heino

„Als Jung-Nerd kann man sich heute auf vielen exzellent recherchierten Webseiten einlesen, bis man auch aus zweiter Hand solides Fachwissen besitzt. Und das ist ja auch was.“

Zweifellos. Ich habe mich da vielleicht auch etwas unglücklich ausgedrückt. Natürlich gibt es unter der jungen Nerd-Genration auch viele, deren Interesse tiefer geht und die sich richtig informieren. Aber der Großteil (die z.B. jenseits des Kinos kein Interesse an Superhelden haben) hätte sich weder damals noch heute bemüht, mittels Sekundärliteratur wirklich mehr zu erfahren, denen reichen ein paar Kleinigkeiten, die nicht jeder weiß, um damit zu punkten. Ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck, den ich so bei diversen RL/Internet-Diskussionen gewonnen habe.

Earonn
Earonn

Betreffs GG

Als Nichtgamer bin ich weniger am Auslöser der Diskussion interessiert und einfach nur schockiert über das Ausmaß der Gewalt. So wie es mich bei Fußballkrawallen auch nicht interessiert, ob eine rote Karte berechtigt war, wenn anschließende „Fandiskussionen“ ganze Innenstädte zu Schlachtfeldern machen.

Dass die Opfer derart unter Stress gesetzt immer 100%ig richtig (wer darf da eigentlich urteilen?) reagieren, erwarte ich auch gar nicht. Sowenig, wie ich bei einem körperlichen Angriff erwarten würde, dass das Opfer mit derselben Erfahrung – und Selbstbeherrschung! – eines GSG9-Mitglieds reagiert.

Ich selbst werde niemanden nur wegen dieses Hobbys ablehnen, aber allgemein, fürchte ich, werden Gamer sich zumindest für eine Weile in der Situation von Fußballfans einrichten müssen – mit Hooligans bzw. Möchtegernvergewaltigern als die Idioten, von denen man sich absetzen muss.

DMJ

Das Entsetzen ist in jedem Fall berechtigt und das teilen auch viele der Kontrahenten (auf beiden Seiten). Dass es sich so immer weiter hochschaukelt, nützt wirklich niemanden was.

Die „Law & Order SVU“-Folge, die von GG inspiriert eine bizarre Räuberpistole bar Fachwissens inszenierte, könnte da vielleicht ein Wendepunkt werden. Denn die hat so ziemlich allen Leuten wieder ins Gedächtnis gerufen, wie alles nach außen ankommt. Da fragt keiner nach Bewegungen, Maillisten und Verbindungen, da sieht man nur Videospielfans, die sich wie Irre benehmen.

Insofern ist jetzt gerade mal eine zarte Hoffnung auf Annäherung, teils auch über Leute, die mitdiskutieren, sich aber keiner Seite zuzählen (wie eben die erwähnte Liana Kerzner).

Howie Munson
Howie Munson

Wieso bekomt ihr eigentlich alle was vom Gamersgate mit? Ich habe eine Bericht auf heise gelesen und das war es dann auch schon…

Aber mir ist auch wurscht, ob mich jemand für sexistisch hält, nur weil ich mal Biing! gespielt habe.

DMJ

Kommt wohl darauf an, wieviel man auf englischsprachigen Seiten dazu unterwegs ist.

Bzw. bei mir war es halt so, dass ich mich schon lange vorher mit Sarkeesian beschäftigte (bei „Damsel“#1 noch auf ihrer Seite, dann skeptisch werdend und schließlich abfallend) und am eigenen Leib erleben konnte, wie man für sachliche Kritik an ihr angegriffen werden konnte. Als sich dann später um vergleichbare Effekte ein ganzer Onlinekrieg ausbreitete, habe ich den natürlich gleich interessiert verfolgt. 😉

Earonn
Earonn

@Howie
Ich habe als erstes bei Cracked.com darüber gelesen, daher ist Zoe Quinn auch viel eher ein Begriff für mich.

Bei ihr sehe ich auch wenig „mittleren Grund“. Selbst wenn die Vorwürfe gegen sie (die darin bestanden, sie hätte einem Journalisten Sex gegen gute Reviews für die von ihr entwickelten Spiele geboten) korrekt sein sollten. Soweit ich weiß wurde der Journalist übrigens selbst nicht bedroht, also kam da noch die gute alte Doppelmoral hinzu.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass da schon lange ein Gemisch aus Sexismus und Frustration vor sich hingeköchelt hat. Und dann reichten eben schon vergleichsweise harmlose Vergehen wie „Unsachlichkeit gegenüber Kritikern“ und „angebliche Bestechung“, um den ganzen Batzen explodieren zu lassen.
Wobei alle reichlich mit Dreck bekleckert wurden und jeder nun zusehen muss, wie man den am schnellsten wieder aufwischt. Die Strategien scheinen die üblichen – ein paar Leute stellen sich dem Dreck, ein paar leugnen, dass es ihn gibt, ein paar geben den Opfern die Schuld (nicht Du, DMJ, das war eine kritische Anmerkung, ich spreche von den wirklich unsachlichen) und ein paar wollen einfach nur schnell wieder zur Tagesordnung übergehen und vergessen, dass da was war.

Mir tut es nur leid, dass die Gamer jahrelang gegen dieses „Killerspiele“-Image ankämpfen mussten, und gerade als sich allgemein die Erkenntnis breitmachte, dass das auch nur ganz normale (ahem) Menschen sind, ein paar Idioten es schafften, ein vielleicht sogar noch schlimmeres Bild zu zeichnen.

Disclaimer: im Büro sitzen etwa 80 Leute vom Playstation Support (sorry, für „echtere Gamer“ hat’s nicht gelangt) in meinem Rücken, und ich hab keine Angst… ^^

Mencken
Mencken

@DMJ:

Entscheidend ist doch letztendlich, wann man einen Begriff noch für verteidigungswert erachtet (gegenüber Vereinnahmung durch Extremisten undLeute, die ihn für eigene Zwecke mißbrauchen).
Beim Feminismus ist das offensichtlich der Fall, beim Nationalsozialismus hingegen z.B. offensichtlich nicht.
Entscheidend scheint mir hier zu sein, ob ein Begriff ursprünglich positiv besetzt war, bzw. positiver Wandel unmittelbar mit ihm assoziiert werden kann. Bei GG sehe ich das nicht, immerhin begann die ganze geschichte schon damit, dass jemand öffentliches „slut shaming“ mittels der veröffentlichung privater Daten betrieben hat.
Die Frage ist ja nicht, ob GG auch valide Aspekte umfasst, sondern ob diese Aspekte unbedingt unter diesem Label verhandelt werden müssen, wenn klar ist, dass dies nur zu Irritationen und einer tendenziell negativen Wahrnehmung führen wird. Ich wüßte nicht, warum dies der Fall sein sollte, GG hat als Begriff keinerlei Historie, die ihn in irgendeiner Form schützenswert macht und dementsprechend bleibe ich dabei, dass jeder, der den Begriff verwendet, auch mit den entsprechenden Folgen leben muss (und das Interesse und die höhere Leserzahl nimmt man schließlich ja auch gerne mit).

TimeTourist
TimeTourist

Ich empfinde die Entwicklung als Befreiung. Nicht nur im Gaming- und Moviebereich – auch im Falle von Musik. Mein Musikgeschmack war ebenso außergewöhnlich wie mein Filmgeschmack. An Platten von bestimmten Bands heranzukommen war schwierig und frustrierend. Genau wie beim Filmen -und teuer war es zudem! Heute einen Film oder Platte aus Japan kaufen? Wozu – einfach downloaden! Und meist für schmales Geld. Früher habe ich Filme besorgt für die ich mich nicht interessiert habe nur um etwas zum tauschen in der Hand zu haben. Dass ich mir heute alles im Netz besorgen kann und alle Infos dazu erhalte finde ich großartig. Zudem werde ich nicht mehr als schrulliger Sammler von Sonderheiten wie Comics, Filmen und Platten belächelt. Heute zocken selbst meine Eltern Video Spiele (Wenn auch nicht in dem Ausmaß wie ihr Abkömmling). Ich vermisse lediglich gebraucht zu werden. Früher wurde ich im Bereich von Musik und Filmen nach dem gerade Empfehlenswerten ausgefragt. Heute herrscht hier Ruhe. Aber die Vorteile überwiegen.