Fünfmal auf englisch, fünfmal auf deutsch. Weil ich fair bin.

Wer über 40 ist, sich für Horrorfilme interessiert und in Westdeutschland aufwachsen durfte, kennt Fangoria, das legendäre Horrormagazin für den bilingualen Gorebauern. Als etwas anspruchsvollerer Fan, der sich lieber dem Triple Horror/SciFi/Fantasy zuschreibt und die reinen Schlachtplatten meidet, kaufte man bevorzugt Cinefantastique (später CFQ). Ich habe über Fangoria ja schon mal einen ausführlichen Artikel geschrieben, der die ideale Einleitung zu diesem Entertainment Weekly-Beitrag darstellt, in dem die Macher und Filmemacher selbst zu Worte kommen. Man könnte fast traurig werden, dass seit 2015 keine gedruckte Ausgabe erschienen ist.

Die interessantesten Artikel kommen aus den seltsamsten Ecken. Die Redaktion des Spielemagazins Maniac hat 2009 einen Leserbrief veröffentlicht, der einen erschreckend authentischen Einblick in den Kopf eine Gamers gibt, der hart an der Grenze zum Amoklauf gewandelt ist. Er ist kein durchgeknallter Spinner, kein isolierter Einzeltäter. Er ist einer von uns.

Wo wir gerade bei Spielen sind: Viele ältere Gamer trauern immer noch den „point & click“-Adventures hinterher, die in den 90ern aus der Mode gekommen sind. Sie werden als Legenden betrachtet. Dabei reicht die Geschichte des Adventure-Games viel weiter zurück. Ich selber kann mich gut daran erinnern, meine ersten Adventures auf dem Apple II und dem Vic 20 gespielt zu haben. Nur Text. Ein Parser, der vielleicht 10, 15 Kommandos verstand. Stundenlanges „east, east, north, open door, north, take key, take sword, west, north, examine monster, kill monster“… Dieser Artikel erinnert an einen echten Klassiker der GANZ frühen Gamer-Kultur, nämlich „Zork“.

Kostenpflichtig, aber den Preis auf jeden Fall wert: Der ZEIT-Artikel „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel. Ich würde nicht jedem Gedankengang folgen, halte manches auch für sehr plakativ, aber in der Grundrichtung hat Frau Hasel Recht – ich habe ja auch hier schon mehrfach thematisiert, dass sich die „gute Seite“, für die sich die „linke Seite“ hält, in einen engstirnigen, unterdrückenden, arroganten und ignoranten Pool aus Partikularinteressen verwandelt hat, zu dem ich nicht mehr gehören will.

Schauspieler sind eitel und plaudern primär dann aus dem Nähkästchen, wenn sie dabei gut oder wenigstens rebellisch aussehen. Peinliche Jugendsünden aus der „ich war jung und brauchte das Geld“-Schublade werden gerne unterschlagen. David Warner hat das nicht mehr nötig und im Interview mit dem AV Club nimmt er auch zu obskuren Trash-Produktionen Stellung, an denen er über die Jahre mitgewirkt hat.

Wir haben ja schon öfter darüber gesprochen, dass die Welt immer besser wird, wir sie aber als immer schlechter wahrnehmen. Die Unmittelbarkeit des eigenen Empfindens, das Bombardement mit Sensationsmeldungen, die Vervielfachung der Quellen – das ist einer gesunden Einschätzung des Status Quo nicht förderlich. Auf der Webseite des Magazins „Amnesty“ habe ich dieses lesenswerte Interview mit dem kanadischen Evolutionsbiologen Steven Pinker gefunden, der statistisch nachweist, dass wir in der friedlichsten Zeit seit dem Beginn der Kulturen leben. Beruhigend.

GET TO DA CHOPPAH!!! Ich habe im Rahmen dieser Reihe ja schon einmal auf die komplette Geschichte des Films „Street Fighter“ verwiesen. Ähnlich gelagert ist diese „complete history“ des legendären Action/Krieg/Horrorfilms „Predator“. Als Bonus findet ihr am Ende noch einen Link zur „complete history“ des genauso vergnüglichen „Phantom Commando“.

Georg Seeßlen. Mit dem großen Kulturanalysten verbindet mich eine Hassliebe, von der er nichts weiß. Einerseits schreibt er immer wieder unfassbar kluge Texte oder gleich ganze Bücher zur Trivialkultur, zum Horror und zum Schlager. Andererseits finde ich darin fast zwangsweise Sätze, Absätze, ganze Kapitel, die mich den Kopf kratzen lassen. Definitiv keine leichte Kost. Dieser Artikel in der ZEIT über moderne Strömungen des Horrorfilms wäre sicher so nicht im „Zombie“ abgedruckt worden.

Junge will aus einer christlichen Sekte raus, Gemeindemitglieder prügeln ihn daraufhin zu Tode. Gelebter Glauben, gelebte Nächstenliebe, von der New York Times in einem erschütternden Lesestück aufgearbeitet. Ich bin sicher, die Beteiligten wähnen sich heute noch im Recht und glauben, dereinst in den Himmel zu kommen. Da könnte ich mich fast ärgern, dass es keine Hölle gibt.

Ich bin ein kleiner Horst Moser. Ich liebe Zeitschriften und Magazine, sammle obskure Ausgaben und sehe im Printmarkt einen sehr klaren, wenn auch teilweise beunruhigenden Spiegel unserer Gesellschaft. Mit Mosers Erfolg, Expertise und unfassbar großartigen Sammlung an Zeitschriften (im Bild zu sehen) kann ich allerdings nicht mithalten. Ich würde den gerne mal besuchen, ehrlich. Bis dahin begnüge ich mich mit diesem hoch intelligenten Interview.



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comicfreakRudi Ratlosheino Recent comment authors
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heino
heino

Cool, da habe ich ja wieder Lesestoff für den Rest der Woche:-)

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Vielen Dank für den Lesestoff!

comicfreak
comicfreak

..wow, danke