Das ist jetzt eher wieder was für alt gewordene Horror-Geeks.

Wir haben alle Fangoria gelesen. Damals, in den 80ern. Wobei gelesen vielleicht der falsche Ausdruck ist – wir haben uns Bilder mit Monstern und Splattereffekten angesehen, die es größtenteils nie nach Deutschland geschafft haben. Fangoria war ein verbotener Blick ins blutige Schlaraffenland. Wer sich mehr für Inhalte interessierte, konnte ja ruhig Cinefantastique kaufen.

Man macht sich heute vielleicht nicht mehr klar, dass auch Fangoria als eher softes Magazin für die Nerd-Fraktion konzipiert worden war. Das wird deutlich, wenn man sich das Cover der ersten Ausgabe von 1979 anschaut:

Godzilla, Dr. Who, Battlestar Galactica – wenig Futter für den Gorehound, der damals allerdings noch eher selten zu finden war. Das Heft verkaufte sich schlechter als erwartet, machte deutlich Verlust. Der Versuch, neben der Star-Log ein Fantasy-Magazin zu etablieren, schien gescheitert.

Bis zur Ausgabe 7:

Es war die erste Ausgabe, die sich komplett dem Thema Horror widmete – und die erste, die Gewinn machte. Die Popularität von Stephen King mag geholfen haben. Ab diesem Zeitpunkt war „Fangoria“ ein Horror-Magazin, das sich künftig mehr und mehr den Hardcore- und Effektheulern an die Brust werfen sollte.

Hier findet sich eine sehr subjektive Galerie der „besten“ Fango-Cover.

Für mich kam der wichtigste Umbruch aber erst knapp zwei Jahre später mit Ausgabe 20:

In diesem Heft wurde mit einer neuen Kolumne der Tatsache Rechnung getragen, dass die Branche vom Boom des Videomarktes der 80er komplett umgekrempelt wurde. Es erschienen erstmals Besprechungen von Filmen, die der Leser sich auf Kassette ausleihen oder kaufen konnte. „Dr. Cyclops“ wurde geboren:

Die Einleitung zur ersten Ausgabe der Video-Kolumne ist auch heute noch lesenswert, weil sie so nostalgisch wie weitsichtig ist:

Let’s get started, indeed. Auf der einzigen Seite, die ihm zur Verfügung stand, besprach Doc Cyclops für die erste Ausgabe immerhin „Savage Weekend“, „Slaves of the Cannibal Gods“, „Alien Contamination“ und den Klassiker „Dead of Night„.

Good times.



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Rex Kramer

Ich habe immer eher zu der Cinefantastique-Fraktion gehört. Später dann Cinefex, bis sich die Hefte dann nur noch mit Digitalem beschäftigten. Langweilig.

Aber die Ausgaben 1- 100 stehen hier säuberlich aufgereiht. Ein Zeitdokument, jährliche Wertsteigerung inbegriffen 😉

Peroy
Peroy

Verdammte Syngenors…

Frankie
Frankie

Ach, ich finde die Liebe von WV zu den einfach coolen Dingen der Achtziger herrlich!

Aber mal eine Frage @WV:
Zwar schreiben Sie auch manches Mal über eher geekige Filme (Filmfest Artikel zB) aber ansonsten habe ich das Gefühl, dass eher Mainstream-Filme ihre momentanen Sehgewohnheiten erfreuen.

Aber durch die oft getätigte Erwähnung von Fangoria und den Stories über die seeligen Achtziger, in denen sie versuchten Uncut-Tapes zu bekommen, legt folgende Frage nahe:
Schauen sie auch ab und an noch Filme wie „Woodoo-Schreckensinsel der Zombies“ oder die „Hölle der lebenden Toten“? Auch denke ich an Sachen wie „Brennene Rache“ oder „Tourist Trap“.

Wandern diese Filme noch in ihren Player oder sind die ganzen „geekigen“ Artikel über Fangoria und „Uncut-Tapes“ eher der romantischen Erinnerung, denn der aktuellen Realität, geschuldet?

MfG

Mencken
Mencken

Keine Ahnung, ob es dem Hausherren auch so geht, aber ich sehe solche Filme zusehends seltener, was aber einfach daran liegt, daß die Freizeit knapper geworden ist und mittlerweile hauptsächlich mit der Gattin bestritten wird, die dieser Art von Film eher wenig abgewinnen kann.
Horror (und Exploitation, Action etc.) ist schon ein Genre für männliche Singles in jüngerem Alter, aber bei Gelegenheit schaue ich natürlich trotzdem immer noch mal einen Film.

Achim
Achim

Habe ich etwas verpasst, oder sind die Bandkassetten verschwunden, bevor die winzigen Sender drin waren, die das FBI alarmierten, wenn Kopien gemacht wurden?

Marko

Solche Filme sind natürlich verknüpft mit der Jugend, wo man sich mit Gleichaltrigen zu „verbotenen“ Videoabenden zusammengesetzt hat. Wenn sich heute die Gelegenheit ergibt, schaue ich nochmal gern rein in sowas, ansonsten habe ich mich inzwischen recht sattgesehen am Trash der 80er.

Hanno

1982 gab es in meiner Stadt auf der Schwäbischen Alb ein Sommerkinofestival, jeden Tag ein anderer Film, dreißig Tage lang. Da lief dann zwischen BILITIS, FRANKENSTEIN JUNIOR und DER GEZÄHMTE WIDERSPENSTIGE auch ZOMBIE, DEEP THROAT, CALIGULA, LOLITA AM SCHEIDEWEG und NACKT UND ZERFLEISCHT. Und zu jener Zeit waren die alle ungeschnitten. Wir Kinofans sind da natürlich reingerannt, weil es so exclusiv war, und weil man diese Schocker ‚gesehen haben musste‘. Aber ich saß auch schon damals im Saal und dachte „Was für eine Grütze.“ Dann konnte man plötzlich VHS per Mailorder bestellen, wenn man die Vertriebe kannte. Also jagte ich der längsten Uncut-Version von DAWN OF THE DEAD oder INFERNO hinterher oder der Eigenvertrieb-VHS (Jelinski & Buttgereit GbR) von NEKROMANTIK und war rappelstolz, wenn ich diese Kassetten, meist aus NL oder Skandinavien, für 58,- DM im Regal stehen hatte. Die Qualität, auch der Filme, ließ auch hier oft zu wünschen übrig, aber ich konnte Videoabende veranstalten für die anderen Horrorfans und bekam die Auszeichnung ‚Splatterking‘ von den Kollegen.
FANGORIA war genauso ein Ausblick in verbotene Welten, und in Deutschland konnte man bei DOOM oder SPLATTING IMAGE in den Schnittberichten/Schnittparaden nachlesen, wieviel Minuten bei den deutschen VHS fehlten und bekam die inkriminierten Bilder gleich mitgeliefert. Und CINEMA hat in den frühen 80ern auch nicht mit Gore-Bildern gespart, außerdem gab’s dort Nacktbilder von Katja Bienert, Sybille Rauch und Ornella Muti. Musste man also auch haben.
Durch die digitale Revolution hat sich das alles verändert. Im weltweiten Netz finden sich Informationen über jeden noch so überflüssigen Splatterfilm oder Torture-Porn, und jeden halbwegs kommerziellen Film kann man auf DVD erwerben, wenn man ein wenig sucht. Dadurch hat sich mein Jäger-und-Sammler-Verhalten beruhigt. Da ich ja sowieso alles haben könnte, konzentriere ich mich lieber auf das, was meinen Qualitätsansprüchen genügt. FANGORIA gibt’s online, DOOM gibt’s gar nicht mehr, SPLATTING IMAGE ist ein philosophisches Cineasten-Fanzine geworden, und den ganzen Rest findet man in unzähligen Blogs. Darüberhinaus ist der Splatter schon lange im Mainstream angekommen.
Die alten Kassetten kriegt man nicht mal mehr auf dem Flohmarkt los und so werden sie beim Sperrmüll rausgestellt, wo sie auch keiner mitnimmt. Doch in den alten Magazinen blättere ich immer noch gerne, weil sie viel lebendigere Erinnerungen wachrufen als ein Fernsehabend. Die ganzen alten Filme kann man sich jetzt in guter Qualität im Original auf DVD anschauen. Aber dieses aufregende Kribbeln, wenn man FANGORIA aufschlug und über Gore-Kracher las, die man vielleicht nie zu sehen bekam, das wird’s nie mehr geben.
„… alt gewordene Horror-Geeks“, in der Tat!

XXX

Seit Chris Alexander das Ruder von Fangoria übernommen hat, ist das Magazin auch wieder lesbar geworden. Die letzten Jahre der Timpone-Ära hatten nur noch Qualitäten als Einschlafhilfe.

DMJ

Ich muss gestehen, FANGORIA nie gelesen zu haben (sieht man vom Durchblättern bei einem Bekannten ab).
Wusste lange von seiner Existenz, fand es gut, dass es sie gab, aber mir kam sie nie in die Finger.

Wortvogel
Wortvogel

@ Frankie: Es geht mir wie den meisten anderen hier – man wächst aus den Leidenschaften der Jugend ein wenig heraus. Das macht sie rückblickend nicht weniger schön. Wie meine ausufernden Berichte vom Fantasy Film Fest beweisen, gebe ich mir auch heute noch gerne die volle Ladung – allerdings ist der Horror auch arg im Mainstream angekommen. Es ist wahrlich kein Nischengenre mehr.

Wortvogel
Wortvogel

@ DMJ: Ich habe Fango auch immer nur bei Freunden gelesen. Mein Geld ging für die Cinefantastique drauf, wenn ich sie mir leisten konnte. Später habe ich dann ein paar Jahre lang erst die Sci-Fi Universe (bis sie scheiße wurde) und dann die SFX abonniert (bis sie schei0e wurde).

Erinnert sich noch jemand an Roland Emmerichs Versuch, mit EON ein monatliches Online-Magazin zu schaffen? War Mark Altman dran beteiligt, wenn ich mich recht erinnere.

Sorry für die wenige Beteiligung heute – ich sitze gerade in Hamburg am Flughafen (Reportage).

firejoe
firejoe

ich hab mal ein paar Jahre die Schwesterzeitung „Starlog“ gesammelt, irgendwann in den 90er Jahren. Liegen irgendwo kistenweise…muss ich mal wieder ein bisserl durchblättern.

Frankie
Frankie

@WV:

Hamburg? Falls sie die Zeit finden besuchen Sie unbedingt das seinerzeit von mir empfohlene Hutatelier.

Und ein Laden, der Ihnen sicher gefallen wird ist auch „Andere Welten“. In der Nähe des Dammtor Bahnhofs. Dürfte Ihnen gefallen, da ein echtes Unikat! Dort gibt es ALLES was das Sci-Fi Herz begehrt und noch vieles mehr.

noyse
noyse

hatte mir mal fangoria gekauft als es auf deutsch rauskam…die hatten immer schöne berichte zu full moon 😉 nach einstellung bin ich dann zur neuen movistar gewechselt, deren qualität ja dann rasend den bach runterging. viel später tat ich mir dann virus an, die ich für die zum anfang sehr humorigen filmbesprechungen mochte, auch hier bin ich der meinung heute kann man die nimmer kaufen.

jetzt bin ich bei deadline, die zwar kaum einen film zerreissen, wo aber ab und zu ein paar kostbarkeiten besprochen werden.

trackback

[…] kaufte man bevorzugt Cinefantastique (später CFQ). Ich habe über Fangoria ja schon mal einen ausführlichen Artikel geschrieben, der die ideale Einleitung zu diesem Entertainment Weekly-Beitrag darstellt, in dem die […]