Es gibt eine Frau in England, die heißt Katie Hopkins. Die zieht primär durch Reality-Shows und schreibt Kolumnen, in denen sie dummes Zeug redet. So echauffiert sie sich, dass Prominente ihren Kindern gerne Namen von Örtlichkeiten geben (Brooklyn, Denver) – obwohl ihre eigene Tochter India heißt. Außer ein paar dumpfbackigen „Sun“-Lesern, die ihre Auswüchse mit einem gegrummelten „right on!“ kommentieren, schämt sich das Königreich für diese anmaßende und zugleich unterbelichtete Frau. Das Ergebnis? Hopkins wöchentlicher Dünnpfiff produziert Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.

Bei der WELT schreibt eine hübsche junge Frau namens Ronja von Rönne Kolumnen voll. Die Jugendseite der Süddeutschen Zeitung beginnt einen Artikel über ihr altes Blog mit der (fehlerhaften) Zeile

Früher hat Ronja von Rönne gemodelt, dafür habe sie habe aber „zu viel Inneres“.“

Eine Kernthese des Inneren von Ronja von Rönne scheint zu sein, dass die meisten psychischen Krankheiten eingebildet und mit einem strengen „reiß‘ dich halt zusammen!“ heilbar sind. Glücklich sind die Depressiven, denn sie dürfen den ganzen Tag faulenzen. Und Feminismus findet sie auch ekelhaft. Kurzum: von Rönne ist alles, was an der Entitlement-Hipster-Generation zum Kotzen ist. Das Ergebnis? Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.

Muss ich mich ehrlich noch an „Post von Wagner“ abarbeiten? Der Mann, der gleichzeitig widerlich sentimental und brutal rücksichtslos sein kann, der Altherrengeilheit mit Altersweisheit verwechselt, der einen Mangel an Wissen für eine Meinung hält, ist seit zu vielen Jahren immer und immer wieder Tagesgespräch. Was Pöbelei ist, hält er für Provokation, kaum einer seiner Texte ist weniger als dumm, die meisten schaffen sogar den Sprung ins Ekelhafte. Das Ergebnis? Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.

Die Österreicher haben ihre eigene BILD, die Krone, und ihren eigenen Wagner: „Post von Jeannée“ (Michael Jeannée). Der schreibt nach dem Todesschuss auf einen jugendlichen Kleinkriminellen auch schon mal Sachen wie:

„Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben.“

Ist Österreich das kleine Deutschland, die Krone die kleine BILD und Jeannée der kleine Wagner, dann ist der Hetzschreiber seinem Vorbild doch mindestens in Sachen Wirrnis und Menschenverachtung gleichauf. Das Ergebnis? Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.

Gottseidank sind wir schlauer, lassen uns nicht von den Agitatoren blenden, durchschauen ihre billigen Tricks und ihre Vorurteile. Uns kann kein Wagner aufwiegeln, keine Katie Hopkins zum Stammtisch führen. Mag die Masse der dummen Trash-Konsumenten denen auch auf den Leim gehen – WIR bewahren Abstand und unseren kritischen Blick!

Und trotzdem kommen auch am Ende unserer Empörungsgkette immer Klicks, Quoten und Geld für die Medien und die Macher dabei raus. Unsere Empörung, unser Widerspruch und unser Protest generieren die Aufmerksamkeit, die ihren Ruf ausmacht, die ihren Marktwert steigert und am Ende ihr Honorar. Unser „Wie können die für so einen Dreck Geld bekommen?“ legt noch einen Euro drauf.

Der Mechanismus ist weder neu noch unbekannt: Provokation gehört zu Geschäft, Döpfner und Diekmann können sich prima staatsmännisch geben, weil ihre Kettenhunde wie Wagner Blödmänner besabbern und Bildungsbürgern in den Garten kacken. Wagner schließt die Reihen, errichtet die Mauer – und sieht die Anfeindungen von außen als den Beweis ihrer Notwendigkeit.

Es geht schon lange nicht mehr um Moral, nicht um richtig oder falsch. Medien leben nicht von der Erkenntnis, sondern von der Diskussion, und sei sie auch geheuchelt oder gefaked. Ein Ergebnis wäre fatal, weil danach nichts mehr kommt. Es muss gestritten werden, es muss immer einen Widerspruch geben, egal wie abstrus der sein mag. Nichts wäre schlimmer, als wenn alle Menschen mit Wagner einer Meinung wären. Weil Einigkeit keine Zeitungen verkauft, weil Zustimmung keine wohlige Erregung provoziert. Wenn WIR uns über Wagner nicht aufregen, hat ER versagt.

Das Schlimme ist: Wir sind Teil dieses Mechanismus. BILDblog ist nicht weniger Teil der Maschine BILD als Springer selbst. Denn auch BILDblog trägt letztlich dazu bei, BILD im Gespräch zu halten – bei denen, die das Blatt nicht lesen. BILDblog veredelt die Beschäftigung mit der BILD zu einem kritischen Diskurs, den sich die Zeitung ans Revers heften kann. Schlimmer als Stefan Niggemeier wäre für Kai Diekmann nur kein Stefan Niggemeier. Viel Feind, viel Ehr. Kein Wunder, dass er den Gegner sogar alimentieren würde.

In den USA gibt es eine Sendung, die ich mit kultischer Begeisterung verfolge: „The Soup“ mit Moderator Joel McHale. Einmal die Woche zeigt er die abstrusesten Ausschnitte aus Soap, Talkshows und Reality-Trash, entlarvt die aufmerksamkeitsgeilen C-Promis als… na ja, aufmerksamkeitsgeile C-Promis. Besonders der substanzfreie Sender „E!“ (für Entertainment) bekommt dabei sein Fett weg.

Wo „The Soup“ läuft? Auf „E!“. Der Sender liefert sie satirische Aufarbeitung des Geschäftsmodells gleich selbst. Und generiert – ihr ahnt es – Klicks, Quoten, Geld.

Wie das sein kann? Warum würde ein Medium allen Ernstes den eigenen Gegner produzieren, sich dabei unzensiert und hämisch vorführen lassen? Ganz einfach: Weil „The Soup“ Zuschauer wie mich erreicht, die den Sender sonst nie einschalten würden. In dem ich mich bei „The Soup“ über „E!“ schlapp lache, bringe ich dem Sender die Einschaltquote, die über Werbeeinnahmen die Rendite sichert. Die institutionalisierte Kritik gefährdet das System nicht, sondern festigt es. Gefährlich würde „The Soup“ nur werden, wenn die Sendung „E!“ nicht lächerlich machen würde, sondern Zuschauer tatsächlich überzeugen könnte, den Sender zu boykottieren. Aber daran haben die Macher kein Interesse, im Gegenteil: Die vielen doofen Clips reizen als „best of“ sogar noch, sich die veralberten Sendungen auch mal anzuschauen.

Wir sind nicht schlauer als der dumme Rest, weil wir die „heute show“ gucken und Titanic lesen. Weil wir Menschen wie Micaela Schäfer verachten und finden, dass Jan Böhmermann das gesamte ZDF-Programm moderieren sollte. Wir sind nicht besser. Wir sind nur eine andere Zielgruppe, die gemäß ihrer Größe und Kaufkraft bedient wird. Wir sind „29-49, gebildet, zynisch, gut verdienend“. Für die Mehrheit gibt’s BamS, für uns Neon. Die hören Helene Fischer, wir Arcade Fire. Den Agenturen und Sendern, den Verlagen und Produzenten ist das komplett wurst, solange wir die Produkte kaufen, solange wir über Produkte reden, solange wir im System bleiben. Unsere Präsenz am Kiosk beträgt sorgsam austarierte 3 Prozent, weil wir 3 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Warum es viel mehr Esoterik-Zeitschriften gibt als Publikationen für Atheisten und Skeptiker? Weil es viel mehr Esoteriker gibt als Atheisten und Skeptiker. Der Markt macht Macht.

Manchmal denke ich, dass wir uns nur vom Pöbel unterscheiden, weil wir erkennen, dass es ein System gibt. Nicht, weil wir das System verlassen oder unterlaufen. Und solange wir das nicht tun, kann es dem System egal sein. Im Gegenteil: Als laute Minderheit sind wir für Hass-Schürer und Vorurteils-Feststampfer wie Wagner und Hopkins wichtiger als die schweigende Minderheit. Ohne uns, ohne unsere Empörung und unseren letztlich impotenten Widerstand, wären sie gar nichts. Die sichersten Mittel, jemanden wie Wagner um seinen Job zu bringen, sind nicht ausführliche und hervorragend argumentierte Leserbriefe und Online-Repliken – es sind ausbleibende Reaktionen. Stille. Zu ignorieren heißt wirklich zu verachten. Jede Frau weiß das.

Um „Wargames“ zu zitieren: The only winning move is not to play.

Wie schon erwähnt: Das wissen wir eigentlich. Und handeln doch nicht danach. Täglich lese ich es in den Blogs, sehe ich die Links bei Facebook – habt ihr das schon gelesen? Könnt ihr euch das vorstellen? Wie kann man bloß? Hat der sie noch alle!? Man müsste! Man sollte! Boah, bin ich sauer!

Alles nur Ventil.

Und das ist leider die traurige (und mich einschließende) Wahrheit: Wir wollen uns erhöhen, gieren nach der billigen Empörung, die uns besser aussehen lässt als das Pack, das jeden Scheiß glaubt. Unser „Der ist doof!“ ist in Wirklichkeit ein jämmerliches „Ich bin schlau!“ – und die Likes sind unsere Bestätigung. Die Sucht nach der Versicherung, dass wir nicht zur tumben Masse gehören, braucht täglich ihren Schuss. Warum sonst lesen wir ein Blog über eine Zeitung, die wir nicht lesen und deren Irreführungen uns deshalb egal sein können? Warum sonst lesen wir Facebook-Gruppen wie „Sachen, die Impfgegner sagen“, wenn wir an deren Diskussionen nicht teilnehmen und unsere Kinder sowieso geimpft sind? Warum zeigen wir mit dem Finger auf Chemtrail-Gläubige, wenn doch deren Verschwörungstheorie keinerlei Auswirkung auf unser Leben hat?

Ist es so schwer, „nicht meine Baustelle“ zu sagen, das „so ein Kappes!“ nicht ad infinitum zu wiederholen, sondern es als Fazit zu sehen und sich künftig andernorts umzusehen? Wir glauben doch nicht ernsthaft, unsere hämischen Kommentare würden irgendetwas oder irgendwen ändern, oder? Das machen wir nur für uns, für die innere geile Sau, die sich nach jedem hämischen Satz mental die Sonnenbrille aufsetzt und „Yeeeeaahhhh…..!!!“ schreit.

Wer RTL nicht mag, sollte nicht darüber diskutieren, wie scheiße das Programm des Senders ist.

Wer BILD ablehnt, sollte keine Links zu Wagner-Kolumnen teilen.

Wen Impfgegner stören, der sollte sie im eigenen Saft kochen lassen.

Nicht gesellschaftlicher Diskurs ist nötig, sondern gesellschaftlicher Konsens über die Themen, über die Diskurs wahrlich nicht mehr nötig ist.

Aber darum geht es nicht. Das wäre ja langweilig und würde nicht dazu führen, dass wir uns überlegen fühlen. Gewonnen zu haben ist unbefriedigender als das Gefühl, bald zu gewinnen. Um es mit Garfield und der Mäusejagd zu sagen: „Es ist nicht das Haben, es ist das Kriegen“. Und so lassen wir uns von denen, die angetreten sind, uns zu provozieren, provozieren. Wir lassen uns am Nasenring durch die öffentliche Diskussion ziehen, während wir glauben, die Richtung vorzugeben. Unser Widerstand ist nicht weniger eingeplant und eingepreist als „deren“ Zustimmung.

Wir tun, was „die“ wollen. Und „die“ sitzen feist da, lachen beim Blick auf das Konto und bleiben exakt, was sie sind. Dass wir allen Ernstes glauben, wir wären in irgendeiner Weise die Gewinner, weil wir auf deren moralische Defizite hinweisen, ist fast schon anrührend naiv.

Das wird jetzt weh tun: Wagner & Co. sind schlauer als wir.



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simop
simop

Ich hasse es, dass du so Recht hast…

Christian Siegel
Christian Siegel

Wie heißt es so schön: „Do not feed the troll“. Eine Devise, nach der ich so gut als möglich zu leben versuche – auch wenn’s manchmal bei den Bockmist den man da und dort zu lesen bekommt sehr schwer fällt. Insofern danke für das in Erinnerung rufen des nach wie vor besten Wegs, mit solchen offensichtlichen Provokationen umzugehen.

Jürgen
Jürgen

Kann ich so zu 99% unterschreiben, ist aber auch ein harter Weg erstmal diese Erkenntnis zu erreichen. Denn wer fühlte sich anderen nicht schon mal „moralisch“ überlegen ? Vielleicht kommt das mit dem Alter 😉

das fehlende Prozent betrifft die Impfgegner. Die verbreiten Blödsinn der alle anderen ernsthaft bedrohen kann, da braucht es den Zeigefinger schon.

Fake
Fake

@Christian Siegel
Aber wenn man den Unsinn der Trolle einfach unwiedersprochen stehen lässt, dann fühlen die sich auch im Recht. Das macht imo trollen so effektiv: irgendwie gewinnt man als Troll immer

DJ Doena

Was genau ist jetzt an Frau von Römmes Feminismus-Artikel falsch? Er beschreibt doch ziemlich gut den Zustand des aktuellen (nicht vergangenen) Feminismus.

Kaio
Kaio

Fake: Lass sie sich doch fühlen wie sie wollen. Wenn du dich über sie aufregst fühlen sie sich immer noch toll, und du fühlst dich schlecht. Es lohnt einfach nicht mit denen in irgendeiner Form zu interagieren. Es ist ein Minusgeschäft.

Dietmar

Das ist leider alles richtig. Ich dachte mal eine ganze Weile, man könne irgendjemanden, der Blödsinn verzapft, überzeugen. Fast unmöglich. Jedes Gegenargument liefert nur Munition für weiteren Blödsinn.

Auf der anderen Seite: es bewegt sich ja doch etwas, oder? Atheismus nimmt zu, Gleichberechtigung der Geschlechter und sexuellen Orientierung ebenfalls. Trotz aller Kriege ist das Heute friedlicher als je zuvor und so weiter. Das kann nur daran liegen, dass solche Diskussionen eben doch etwas bewirken. Mich haben sie beispielsweise zum Atheisten gemacht und über den Schwachsinn der Homöopathie aufgeklärt. Gegen Unvernunft zu argumentieren ist notwendig. In der Realität und auch Internetdiskussionen bin ich allerdings mit diesen Versuchen teilweise brutal gescheitert.

Nicht nur hinter der Meinungs-Verbreitung steckt eine „Geldmaschine“ sondern meist auch hinter der Vermarktung entsprechender Produkte, wie etwa bei der Homöopathie. Die ist derart raffiniert, dass laufend Leute darauf anspringen, die dann nicht mehr zu kriegen sind. Man sollte schweigen, sich umdrehen und weggehen. Diese Dinge sind nur dummerweise nicht selten gefährlich. Fremdenfeindlichkeit kann man nicht unwidersprochen lassen, weil sie gefährlich ist. Homöopathie nicht, eigentlich nichts von diesem dumpfen Kram, der erschreckender Weise sogar oft ideologisch zusammenhängt. Und jetzt?

Ich bin da mittlerweile ratlos.

Lothar
Lothar

Im Prinzip ein „do not feed the trolls“ in längerer Version 😉

Bei einem muss ich aber widersprechen. Einfach alles zu ignorieren ist meiner Ansicht nach nicht immer gegeben. Dein Beispiel der Impfgegner ist hier IMHO ein solcher Fall. Eltern, die sich weigern ihre Kinder impfen zu lassen, gefährden damit auch Dritte. Da hört meiner Ansicht nach das „lass sie doch reden“-Prinzip auf.

AlphaOrange
AlphaOrange

Das schwingt mir zu viel Aussichtslosigkeit und Unumgänglichkeit in deinen Ausführungen. Als ob wir in dieser Maschinerie, die es zweifellos gibt, gefangen wären und sowieso nicht entfliehen können.

Wagner ist schlauer als wir? Sorry, da kann ich nicht zustimmen.

Ich bin da vor langem daraus ausgestiegen – sowohl aus dem dreckigen Morast als auch aus der vermeintlichen Intelligenz, die versucht, ihn trockenzulegen. Ins Bildblog schaue ich nur noch seltenst (allerdings auch, weil es seit geraumer Zeit ja fast nur noch aus Linklisten besteht), was Wagner und co schreiben geht mir mittlerweile sonstwo vorbei.

Glaube ich damit, besser oder schlauer zu sein als der Rest? Nö. Es hat mich einfach irgendwann angeödet, sich nur noch in einem immerwährenden Kreislauf „von Hatern für Hater“ zu wälzen. Kritik gibts von mir weiterhin – wenn Macher oder Konsument ernsthaft an einem Diskurs interessiert sind. Bei etwa der Bild ist beides nicht der Fall. Die Macher freuen sich wie du schön ausführst über die Klicks und die Publicity, die Konsumenten erreicht man gar nicht, stattdessen schiebt man sich bloß gegenseitig Bestätigung zu, schlauer zu sein als der Rest.

Insofern: Ja, natürlich können wir Wagner ignorieren. Das spart uns selbst wertvolle Lebenszeit, kostet ihn ein paar Klicks und etwas Selbstbestätigung. Und wenn ihr was bewegen wollt: Verlinkt guten Journalismus statt üble Dreckschleudern.

PS: Ja, in der Meta-Maschine, Medienkritik zu kritisieren – da steck ich selbst noch drin. Aber da diskutiert man auch mit Menschen, die offen für andere Meinungen sind.

Alex
Alex

Äh, nein, tut mir leid: 100 % nein. Was wäre denn, wenn es zum Beispiel das Bildblog nicht gäbe? Es muss diese Menschen geben, die uns darüber informieren, dass wir seit Wallraff (1977!) von der BILD auf die gleiche Weise belogen werden wie eh und je. Teilweise sogar noch unverschämter als damals. In einem Interview wurde mal gesagt, es habe einen Trend gegeben, die BILD als „Quatschblatt“ zu lesen, quasi „dumm aber harmlos“. Zu sehen, dass sie nicht harmlos ist, dazu braucht es Seiten / Aufklärer wie das Bildblog.

Schweigen ist auch keine Lösung.

Mencken
Mencken

Abgesehen von Wagner sind mir die genannten Leute (und Sendungen) alle unbekannt.

Ansonsten (mit Ausnahme des ja schon bemängelten Impfgegnerbeispiels) alles sicherlich richtig, aber letztendlich doch nichts, was man im Regelfall nicht spätestens nach dem Abitur schon verinnerlicht hat.

Howie Munson
Howie Munson

Warum es viel mehr Esoterik-Zeitschriften gibt als Publikationen für Atheisten und Skeptiker? Weil es viel mehr Esoteriker gibt als Atheisten und Skeptiker. Der Markt macht Macht.

Der Markt bildet auch nicht die ab, die gar nicht mitspielen. Somit wissen wir nur, dass es mehr zahlende Esos gibt als zahlende Skeptiker.

2 Millionen verkauften Exemplare zeigen, dass zahlende Bildleser auch eine Minderheit in der Gesamtbevölkerung sind. Ignorieren funktioniert aber leider nicht, da zu oft eine Bildente von allen anderen Medien wiedergekäut wird…

John Lenin
John Lenin

Wie Foucault sagt: Kritik ist die Kunst, nicht dermaßen regiert zu werden. Dass man trotz Kritik regiert wird: Ja, ist bestimmt so. Aber deshalb auf Kritik verzichten?
Und, sorry für die Klugscheißerei: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Niemand kann sich dem System entziehen, auch die Opposition nicht. Aber wenn Bürger sich nur noch als Konsumenten betrachten und als Zielgruppe, statt als politische Entität – ja, dann sind sie es halt auch nur noch.

graba
graba

Das tolle ist doch, man kann bei Facebook, auf seinem Blog oder Twitter die Leute zu Inhalten schicken die man gut findet. Wenn man beschließt statt zu haten, die eigene Gegenöffentlichkeit positiv zu nutzen, da tut sich wirklich was. Und je mehr die Leute in social media abhängen desto einfach ist da.

Mir wurde auch schon von einem älteren Mann aus der Nachbarschaft gesagt, das er gern die Sachen liest, die ich ihm so in die Timeline werfen. Ist natürlich aufwändiger als abzukotzen.

Goran
Goran

Nur bei den Impfgegnern möchte ich Dir nicht zustimmen.

So verbohrt die selber sind, solange man mit der aktiven Diskussion nur einen Wackelkandidaten zur Vernunft bringt, oder davon abhält denen zu glauben, lohnt sich die Diskussion.

Nebenbei: Du verachtest Micaela Schäfer? Aufwand…

John Lenin
John Lenin

Klar, man kann auf einelne Teile des Großen Ganzen verzichten, keine Frage. Ich wollte, glaube ich, nur drauf raus, dass das, was Du beschreibst, im Grunde der Begriff der Kulturindustrie ist: dass alles, was an kulturellen Dingen erzeugt wird, schon von vorneherein dadurch belastet ist, dass sie alle in Geld umgerechnet werden können und müssen, und dass dadurch jeder kulturelle Inhalt in warenförmige Nützlichkeit überführt wird – sei er Kultur oder Gegenkultur. Das betrifft nicht nur Bild, Facebook und Trashfernsehen, sondern auch Titanic, Bildblog & Co. – alle müssen ihre Brötchen beim Bäcker kaufen, Server und Druckpressen bezahlen usw.
Und natürlich ist Niggemeier insofern der Hofnarr Diekmanns wie das Kabarett das staatliche Hofnarrentum darstellt – weil sie alle ja trotzdem die Dinge am Laufen halten (wenn man mal das Wort System nicht benutzen möchte).

Petra

Vollkommen richtig diser Rant… auch wenn er abstruserweise auch nur Klicks aufgrund der BILD und BILD-Schelte generiert ;o))

@Alex…Du bist leider dieser Legende aufgesessen, dass das BILDBlog agiert wie damals Wallraff. Dem ist leider nicht so.
Niggemeiers studierter Medienjournalismus als „Spielart“ des Journalismus ist letztendlich nichts anderes als nur den Finger in die Wunden der anderen zu legen ohne sie zu heilen.
Derzeit wieder lieferbar sind Wallraffs „13 unerwünschte Reportagen“ aus den 60er Jahren. Die zeigen den Unterschied.
Und das ist genau die eine Sache, die mir bei den sogenannten Watchblogs fehlt. Sie klären auf, erzeugen heiße Luft wie ein Tornado, der sich nach 48 Stunden ausgewirbelt hat. Ich kenne aber wenige Beispiele, bei denen den Betroffenen eine Plattform gegeben wurde. Oder hat jemals jemand ein Interview von Niggemeier gelesen, das er mit jemandem geführt hätte, der von der BLÖD fertiggemacht wurde?

G

„Wen Impfgegner stören, der sollte sie im eigenen Saft kochen lassen.“

Abgesehen von diesem Satz stimme ich dir zu. Bei Impfgegnern ist es aber so, dass sie durch ihr Verhalten auch Leute gefährden, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. Das wiegt in meinen Augen zu schwer, um sie einfach zu ignorieren.

Shah
Shah

Könnte man die seit Jahren sinkende Auflage von BILD nicht zumindest zum Teil einer Öffentlichkeit zuschreiben, die in diesem Punkt „wacher“ geworden ist?

Also, neben Printsterben, Web 2.0 und so.

Earonn
Earonn

Mir fällt nur manchmal schwer zu unterscheiden, ob es sich schon um Provokation oder nur ausgemachte Dummheit handelt.
^^

Und auf letztere sollte man schon antworten. Allein schon wegen des Gruppenzwangs – wenn überall nur noch Idiotie A steht, fühlen sich die Bereitsidioten bestätigt und die Jungen meinen, sie müssten auch so reden und am Ende gar denken, weil es ja „alle so machen“.

Joa, aber het Katiechen, die soll man ignorieren, so wie jeden erkannten Troll.

BCF
BCF

„Das wird jetzt weh tun: Wagner & Co. sind schlauer als wir.“

Von mir aus, dann sind sie halt schlauer als wir. Wirklich weh tun würde mir, wenn ich so wäre wie die oben Genannten. Da bin ich dann gerne der Dümmere.

G

Der angesprochene Jeannee hat vor einiger Zeit unabsichtlich ein echtes Paradebeispiel dafür geliefert, wie dieses System funktioniert. Alles begann, als er mit einem Freund in einer Castingshow des österreichischen Fernsehens auftrat und einen extrem überheblichen Auftritt hinlegte, den Sido genüsslich zerlegt hat:

https://www.youtube.com/watch?v=6kHU8VWaKjY

(Der Clip ist echt sehenswert, weil er in meinen Augen viel über die österreichischen Befindlichkeiten in Sachen Medien aussagt.) Mit diesen 8 Minuten haben es sowohl Sido als auch Jeanee geschafft, tagelang Thema Nr. 1 zu sein. Sido-Fans scharten sich um ihr Idol, Sido-Hasser um Jeannee (das gleiche galt für Jeannee-Fans und Hasser). Die Krone hat das wunderbar ausgenutzt und fuhr gleich eine Doppelstrategie: Während Jeanne sich „versöhnlich“ gab (und gleichzeitig behauptete, Sido wäre von seinen Feinden im ORF gebrieft worden, ihn zu vernichten), gab es in derselben Ausgabe einen ausführlichen Artikel über so ziemlich alle Skandale & strafrechtlich relevante Vergehen mit denen Sido in Verbindung stand.
Man kann von Jeannee halten, was man will: Er schafft es, selbst aus solchen Situationen maximalen Profit zu schlagen.

Dietmar

@G: Danke! Sido ist an mir vorbeigegangen. Ich weiß ja nicht, wie er sonst so ist, aber hier präsentiert er sich als respektloser Arroganzling. Und diese blonde Dame? „Leider nein!“ Ich mag weder solche Formate noch solche Typen.

Andy Simon

Irgendwie erinnert mich die Frage des vergeblichen Sich-Entziehens an das Hörspielgespräch von Mark Brandis mit dem Diktator Smith (siehe Link) …

Tom
Tom

Ich fühle mich etwas schlecht, dass ich deinen Artikel bei Facebook teilen werde…
Aber dann kann ich mich besser fühlen, als die, die sich besser fühlen, weil sie was zum Aufregen teilen.

Dave
Dave

Bei vielen Punkten stimme ich zu und egal wie dumm ein Artikel ist, ich verlinke ihn nirgends. Wenn dann eher einen aufklärenden Artiekl darüber was alles schief läuft. Ja, der generiert auch Aufmerksamkeit für Bild & Co., aber eben weniger.
Ich lese Bildblog inzwischen unteranderem um bei Diskussionen, die über krude Bild-Thesen im Kaffeezimmer laufen, Fakten vorbringen zu können. Denn selbst wenn viele die Bild nicht lesen, die Schlagzeilen werden doch auch von anderen Medien übernommen und irgendwann wird darüber im Kreis der Kollegen gesprochen. Früher konnte ich zu vielen nichts sagen, weil seriöse Medien nicht über allen Blödsinn berichten oder ich eben nicht die Informationen hatte um speziell die Idee der Bild zu widerlegen. Ich hatte zwar das dumpfe Gefühl, dass da was nicht stimmt, aber konnte eben den Finger nicht in die Wunde legen. Jetzt kann ich das in den meisten Fällen, weil ich eben gelesen habe, wo was nicht stimmt und kann so hier im Kollegenkreis Aufklärung leisten. Egal ob es um politische Statistiken geht oder nur um die immer wiederkehrende Geschichte des spanischen Hochhauses, bei dem die Aufzüge vergessen wurden…
(und ich glaube ich bin noch nich als Besserwisser verschrien und die Leute hören mir im allgemeinen noch zu ;))

Impfgegener
Impfgegener

Schön gesagt, aber solange wir nicht alle erleuchtet sind und unsere immerwährende Langeweile vertreiben müssen, muss es wohl immer wieder gesagt werden.
Aber ich lese den Bildblog (blöder Name. Hoffe, sie finden mal einen besseren) trotzdem weiter, weil er mir Argumente liefert, um Bildlesern etwas erwidern zu können.

gedankenknick

Es war genau so schon bei der TV-Erstausstrahlung von „Kalkofes Mattscheibe“ 1994 – unverschlüsselt auf Premiere… Es ging an eine „andere Zielgruppe“ (als die Zielgruppe der veralberten Sendungen), die sich durch das Programm in ihrer Ansicht bestätigt fühlte. Und ich war/bin Teil dieser Zielgruppe – auch wenn diese Erkenntnis damals schon hart war, lag sie genauso griffbereit vor einem wie heute.

Trotzdem – oder vielleicht auch genaus deswegen – danke für den Text.

G

@Dietmar: Ich finde Sido hier wesentlich sympathischer als den seinen Freund praesentierenden Jeannee oder die ihm in den A… kriechenden österreichischen Jurymitglieder.

Jan

Der große Fehler, den „wir“ machen ist, dass wir glauben, dass Menschen wie Wagner das Wort „Moral“ in ihren Spielregeln mit stehen haben.
Wir sind so wunderbar moralisch, dass wir glauben, der Rest der Welt müsste es auch sein.

Dein Text ist bis aufs Impfen schon richtig, darüber mache ich mir selbst seit Jahren Gedanken. Dass Empörung eingepreist ist, ist sicherlich richtig.
Nur wie ich letztendlich mit dummen, aber kalkulierenden Menschen – ignorieren oder empören – umgehe, da bin ich mir immer noch uneins.

Dietmar

Ich kenne nichts von Jeannée. Für mich waren das zwei ältere Herren, die dachten, ihre Albernheiten seien irgendwie vorzeigbar. Es geht schon damit los, dass Sido über den Schlüsselbund ablästert und Jeannèe als Hausmeister karikiert. Er konnte bei seinen Unterbrechungen auch nicht wissen, ob das eine Partnernummer war. Das war herablassend und arrogant.

Aber vielleicht habe ich schon vor zu vielen Jurys und Kommissionen gestanden, die sich ähnlich verhalten haben, und sehe da etwas anders drauf.

Jedenfalls finde ich, wenn jemand da etwas machen will, muss man ihn erst einmal machen lassen. Wenn man es denn ernst meint und nicht nur einfach eine Freakshow hat, wo man prächtig über Deppen ablästern kann.

Leonidas Causa
Leonidas Causa

Willkommen in der langen Reihe von Bloggern, die den beschriebenen Mechanismus erkannt haben und dennoch nicht davon ablassen, Bild & Co zu kommentieren und so zu deren Marktmacht beizutragen.

Ein Aspekt hätte ehrlicherweise jedoch nicht unerwähnt bleiben sollen: So wie die Wagners dieser Welt euch kritische Blogger brauchen, so braucht ihr die Wagners. So wie ihr Wagner Klicks, Quote, Geld bringt, bringt er euch Klicks, Quoten, Geld. Ihr seid nicht nur ein ausgenutzter Teil des „Systems“, ihr profitiert vom System – und ihr wisst das. Dennoch macht ihr weiter und echauffiert euch aus moralisch erhobener Position über Wagner.

Ihr macht euer Geld, indem ihr – wie dieser Beitrag beweist wissentlich – das System schröpft, indem ihr dem System die für das System lebensnotwendige Kritik zukommen lasst. Das ist eigentlich noch schäbiger als das was Wagner & Co machen.
Deshalb widerspreche ich dem letzten Satz: Ihr seid schlauer als Wagner – zu schlau, um das zuzugeben.

Jorge
Jorge

Jo, so ist es. Und bei Leuten wie PEGIDA und Co. findet in den Medien genau dasselbe statt. PEGIDA holt Wilders und alle berichten darüber. Warum? Was ist so interessant daran, dass ein niederländischer Populist bei einer Kundgebung für eine Handvoll Leute seinen Mist von sich gibt? Medien machen daraus eine Top-Meldung und schon sind PEGIDA Wilders wieder in aller Munde. Wie wäre es mit ignorieren?

Leonidas Causa
Leonidas Causa

@Wortvogel Nagut, dann halt kein Geld. Aber Klicks und Aufmerksamkeit. Ich verstehe einfach nicht, wie man etwas als schlecht erkennen und dennoch weiter betreiben kann.
Warum wird denn Wagner nicht ignoriert, wenn eigentlich jeder erkennt, dass das richtig wäre???

Leonidas Causa
Leonidas Causa

@Wortvogel: Entschuldigung, aber Sie schreiben doch oben selbst, dass das teilweise aus dem Bedürfnis geschieht, sich als überlegen zu fühlen. Sie kritisieren sich selbst und ich darf Ihnen nicht recht geben?
Ich bin ja auch selbst auch Teil des Ganzen, indem ich BildBlog und Artikel wie den Ihren lese.
Ich kann nur wirklich nicht verstehen, wie man in dem selben Artikel, indem man zugibt, dass durch öffentliche Empörung über Menschen vom Schlage Wagners denen in die Karten gespielt wird, da Aufmerksamkeit generiert wird, genau das getan wird. Und sogar seine Kolumne verlinkt.

Leonidas Causa
Leonidas Causa

@ Wortvogel: Ich finde den obenstehenden Artikel ja gut (auch wenn er m.E. keine tatsächlich neuen Erkenntnisse beinhaltet). Aber Sie als einzelner mit einer relativ hohen Reichweite könnten doch einen kleinen Beitrag leisten und nicht mehr zur Verbreitung von Gedankenmüll beitragen. Ich kenne die Versuchung. Aber es muss doch möglich sein, sich dieses eine Prinzip anzueignen: Man verlinkt keine Bildartikel!

Leonidas Causa
Leonidas Causa

@ Wortvogel: Ich sehe, wir kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. Nur noch folgendes: Lesen sie sich vielleicht das Ende Ihres Artikels etwa ab „Alles nur Ventil“ durch. Dann verstehen Sie vielleicht meine Verwunderung darüber, diesem Artikel keine Konsequenzen in der eigenen Verhaltensweise folgen lassen zu wollen (was ich jetzt aus Ihren Kommentaren schließe).

Linus
Linus

Die Frage ignorieren oder lautstark protestieren stelle ich mir jedes Mal, wenn Pegida oder wie auch immer sie heißen mit 20 Mann in Frankfurt an der Hauptwache stehen. Und habe keine (mich) befriedigende Antwort.

Was die Bild angeht, irgendjemand weiter oben schrub, dass er Bildblog liest, weil er damit in den üblichen Klatsch-Gesprächen gewappnet sein will. Und da stimmt das absolut, man glaubt gar nicht, was Menschen, die die Bild nie irgendwie bewußt lesen würden, von den üblichen People und sonstigen (vor allem im Sport) Gerüchten präsent ist und als bare Münze wahrgenommen wird. Da geht es weniger um das große Ganze als vielmehr um die alltäglichen Kleinigkeiten.

Und auch im Großen: wenn ich mir dann eine sogar halbwegs gesittete Diskussion über Griechenland anschaue, in der völlig unwidersprochen die Behauptungen und die Hetze der Bild-Zeitung übernommen wird, dann stelle ich mir schon wieder die Frage, ob man das einfach so ignorieren kann und soll. Oder ob man den guten alten Wallraff oder die Light-Variante bildblog einigen Leuten nicht täglich um die Ohren hauen muss. Natürlich liegen die Ursachen woanders, aber viele Leute, auch und vor allem die, die den Medien mißtrauen (allerdings nicht aus der dumpfdeutschen Ecke, wo Lügenpresse vor allem heißt, dass sich meine Meinung in Blättern und Sendungen, die ich gar nicht erst konsumiere, nicht wiederfindet), setzen sich mit Mechanismen und Strukturen und nicht auseinander.

Und am Beispiel Tugce wird wieder deutlich, dass es bei Bild nicht um „ach, das dumme Zeugs“ geht, sondern dass deren Berichterstattung ganz konkrete Konsequenzen hat.

hilti
hilti

Ich bin die Tage auf The Toxoplasma Of Rage gestoßen. Geht darum wie Aktivisten mit der Auswahl der Beispiele für ihre Sache „Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks“ provozieren obwohls eigentlich contraproduktiv ist. Langer lesenswerter Text.

Julia
Julia

Ist es gut, wenn mir absolut keiner der erwähnten Namen etwas sagt?

Earonn
Earonn

@Julia
Kommt drauf an. Betreiben Sie hier humblebragging? 😉

Holperbald
Holperbald

Jein. Einerseits ist Widerspruch richtig – aber sachlich. Ein Beispiel: Während „Rechte“ Ihre Weltbild in „Juden, Neger,…“ einteilen, reiben sich „Linke“ mit Schlagworten, die auf -…Ismus enden, daran auf. Ich habe selbst in meinem Umfeld Leute, die an die Thesen der „Reichsbürger“ glauben, und ich habe mich generalstabsmässig mit dem Thema befasst. Es gibt Blogs und Ausarbeitungen im Netz, die sich sachlich damit befassen, und die helfen, SACHLICH dagegen zu argumentieren. Der „Pöbel“ war vor 500 Jahren genauso leicht aufzuhetzen wie vor 70 Jahren wie heute. Nur die Stoßrichtung ändert sich. Weisheit ist, die Mitte zu finden. Sachlicher Widerspruch, aber an der richtigen Stelle, wenn man merkt, es wird sinnlos (auch: „Was gäbe es zu gewinnen? „) eine entspannte Haltung von „Du hast recht und ich meine Ruhe“.

Will sagen: Gerade im Internet und in Blogs ist der Widerspruch wichtig, da andere mitlesen und sich eine Meinung bilden können. Was Sie als „Spiel“ oder als „System“ bezeichnen, ist nunmal funktionierende Demokratie. Ich will auch vor anderen Leuten im privaten Kreis mit meiner Meinung überzeugen können, ohne Worthüllsen wie „Aufmarsch“ (statt Demonstration)‘, oder -Ismen oder „Rechts“ und „Links“. Wenn sich jemand dennoch als renitent erweist – immer gesetzt den Fall, er überzeugt mich nicht mit sachlichen Argumenten- reibe ich mich sicher nicht daran auf, sondern ignoriere ihn im Sinne von „Der klügere gibt nach“.

Julia
Julia

@Earonn: Kommt drauf an, was _das_ heißt 😉
Ich bin viel im Netz unterwegs. Sehr viel. Mein Job und sonstige Interessen erfordern, daß ich Lösungsansätze für (im weitesten Sinne) technische Probleme zusammentrage und anwende.
Entweder ist dieses Umfeld so extrem weit von den Spielwiesen der genannten ..äh… Persönlichkeiten entfernt, daß es da keine Überschneidungen gibt. Oder – was auch durchaus sein kann – daß ein …hm… lösungsorientierter „Tunnelblick“ einen gar nicht auf Links aufspringen läßt, die zwar vordergründig irgendwie Informationen anbieten, wo sich aber nicht zwingend um Schlüssigkeit bemüht wird.
Würd mich mal interessieren, ob es anderen auch so geht, daß man sich eben nicht bewußt vom Lesen abhalten muß (nach dem Motto: ach die schon wieder und augenverdreh) sondern weil allein die von den Suchmaschinen angebotenen 2-zeiligen Auszüge trotz themennähe völlig genügen, diese Links ..öh…links liegenzulassen. Es bleibt keine Erinnerung daran zurück. Nichtmal eine schlechte.

Earonn
Earonn

@Julia
Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff Selbstbeweihräucherung durch scheinbar bescheidene oder sogar selbstkritische Aussagen. „Ich kann einfach keine Ordnung halten, alle Nobelpreisurkunden fliegen bei mir wild im Wohnzimmer rum.“
Hier im Speziellen: „Hach, mit so banalem Kram beschäftigt ihr euch? Ich habe ja so viel mit dem Studieren von Philosophie und Astrophysik zu tun, dass ich nicht mal weiß, wer dieser Brad Pitt sein sollte.“
Ungefähr das Gegenstück zu den Leuten, die stolz darauf sind, keine Ahnung von Mathe zu haben. *augenverdreh*
Cracked.com hatte neulich einen netten Artikel darüber (das ist der Moment, wo Du „Was ist Cracked.com?“ fragst).

🙂

Ich sollte wohl besser hinzufügen, dass ich dir das nicht ernsthaft unterstelle.

Julia
Julia

@Earonn: Erstes, letzteres oder keins von beiden? 😉
Nein, ich stelle keine Fragen im Sinne von „Wer is’n das?“. Genau dafür ist google ja da.
Ich denke, das ist auch der Punkt der ganzen Sache. Der Umgang mit Informationen. Irgendwie scheint die Sammlung und auch die Verbreitung von Informationen flächendeckend zum reinen Selbstzweck zu verkommen. Hauptsache viel Infos in (oder auch nur vor) die Birne gedonnert. Zusammenhang, Folgerichtigkeit völlig schnurz. Randvoll mit „Infos“ und trotzdem inhaltsleer.
Ich hab mich wirklich ernsthaft gefragt, was los ist, als mir klar wurde, daß so ziemlich die einzige verbliebene Daueraufnahme in meiner Box in der Tat die „Sendung mit der Maus“ ist. (Nein, ich hab keine Kinder :p ) Dagehen sieht das heutige Infotainment außerordentlich mies aus, scheint aber massig Quote zu bringen, denn sonst würd’s auf den entsprechenden Sendern ja nicht 24/7 in Dauerschleife laufen. Traurig aber wahr.

Earonn
Earonn

Was die Flut und den Umgang mit Informationen angeht, kann ich dir nur zustimmen. Die Masse is schon schlimm genug, aber der Mangel an Einordnung ist das wirklich Schädliche.

Hehe, die Sendung mit der Maus ist klasse. Und ein gutes Beispiel für ein Medium, das sein Publikum ernst nimmt.

„Technische Probleme“ kann ja alles mögliche bedeuten, aber ich gehe der Einfachheit halber mal davon aus, dass dein Englisch halbwegs beisammen ist. Darf ich dein Auge dann mal auf „QI“, am besten auf „QI XL“ richten? Eine englische Quizsendung, bei der es neben dem Humor um skurrile Fakten geht. Unser bevorzugtes Entspannungsprogramm, weil witzig und intelligent.

Julia
Julia

@Earonn
Oh, Steven Fry. Vielversprechend. Muß ich mir mal antun 🙂
Wo ich bei youtube hängengeblieben bin, ist der Channel „Grand Illusions
„. Ein alter Herr, der seine gesammelten Spielzeuge vorstellt LOL. Erstaunlicherweise sehr interessant.

Meister Eder
Meister Eder

Die Aufklärungsarbeit vom BILDblog ist nach wie vor wichtig und sollte nicht unterschätzt werden! Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie extrem verhamlosend bei vielen Menschen die Sichtweise auf die BILD ist. Besonders Jugendliche bilden sich ein, dass die BILD halt nur bizarre und doofe Schlagzeilen liefert, aber sonst „harmlos“ ist. Dann gibt es auch die Gruppe, die schon immer irgend etwas von „die BILD lügt“ gehört haben, aber die Tragweit nicht begreifen und meinen: „dann liest eben jemand eine Falschmeldung, na und?“.

Wenn man den Ahnungslosen dann solche Artikel vom BILDblog zeigt, erkennen die schnell, dass da eine Agenda dahinersteckt und z.B. jeder, der die BILD längere Zeit gelesen hat, zwangsläufig zu dem Schluß kommen muss, dass die Gefahr immer von links droht und die Rechtsradikalen nur harmlose Buben sind:
http://www.bildblog.de/48790/auf-links-gedreht/
http://www.bildblog.de/14944/einar-hat-aufm-rechten-auge-ein-milchmaedchen/
http://www.bildblog.de/7418/auf-dem-rechten-auge-und-so/
http://www.bildblog.de/2278/bild-macht-aus-neonazis-autonome/

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[…] den Leuten, die das aktuelle Superheldenfilme für kindisch und banal halten? Ich hatte schon mal drüber geschrieben, dass es immer wieder vorkommt, dass sich die Monopolisten den Luxus der sorgsam kontrollierten […]