ce1Machen wir uns nichts vor: Ich habe viele gute Gründe, diesen Prachtband wohlwollend zu besprechen, die nichts mit der tatsächlichen Qualität zu tun haben. Autor Tobias Hohmann ist fleißiger Leser und Kommentator dieses Blogs, ich habe auch schon seine früheren Arbeiten gemocht, er hat mir den 49 Euro teuren Band zum Zwecke des Reviews geschenkt und ganz generell bin ich der Meinung, dass die deutsche Filmbuch-Landschaft nach Kräften gefördert gehört. Wie neutral kann ich da noch sein? Das lastet schwer auf meiner Integrität.

Aber ehrlich gesagt: Ich empfehle euch „Das große Clint Eastwood Buch (Band 1)“ vor allem deshalb, weil ich sicherstellen möchte, dass mir Tobias zeitnah Band 2 schickt. Und damit nehme ich mein Fazit mal eben vorweg: Viel geiler werden Filmbücher nicht. Man muss nicht mal Clint Eastwood mögen oder Clint Eastwood-Filme. Wer generell Spaß hat an üppigen, verschwenderisch bebilderten Filmbüchern, wie es sie bis ins neue Jahrtausend nur aus dem angloamerikanischen Raum gab, der holt sich hier ein Schätzchen ins Haus, in dem noch die Enkel begeistert blättern werden – auch deshalb, weil das Buch dank hochwertiger Ausstattung Atomkriege und Armageddon überleben dürfte.

ce2Dass es viel zu gucken gibt, ist bei den MPW-Büchern erfreulicher Standard: seltene Privataufnahmen, obskure ausländische Plakate, knallige Aushangfotos – auch dieser Band platzt vor Bildmaterial förmlich aus der Bindung. Es gibt sogar Ausklappseiten, was angesichts des Preises höchst erfreulich und wahrlich nicht selbstverständlich ist.

Aber was wäre die Form ohne den Inhalt? Miserabel von Fans hingeklatschte Pseudo-Fachbücher gibt es wahrlich genug, an die verschwende ich keinen Regalmeter und keinen Review mehr. IMDB-Datensätze zu Fließtext umarbeiten und aus der Wikipedia abschreiben kann schließlich jeder. Das Internet macht es damit einfach, „Bücher“ auf den Markt zu bringen, die weniger geschrieben als zusammen gestellt sind.

Ich war zuerst auch ein wenig unsicher, ob die Zweiteilung Sinn macht und ob man Eastwoods Karriere nicht in einem anständigen Band abfeiern könnte. Könnte man. Aber nicht so. Nicht mit dieser Vielfalt, dieser Bandbreite, dieser Ausführlichkeit in Wort & Bild. Hohmann lässt wirklich keine Fragen offen, bedient Produktionsgeschichten, Inhalte und Crew-Biographien genau so wie obskure Ableger, verworfene Projekte und Querverweise. Das ist immer spannend zu lesen, nie von oben herab oder zu akademisch, aber auch an keiner Stelle aus der Hüfte geschrieben. Hier hat ein Experte mit hoher Sachkenntnis ein so tiefes wie breites Werk abgeliefert, um das uns sogar die Amerikaner beneiden dürften.

Man kann monieren, dass es sich nicht um eine Biographie von Clint Eastwood handelt, sondern „nur“ um eine umfangreiche Würdigung seiner Filmographie. Aber erstens habe ich das bei meinem Charles Band-Buch auch nicht anders gehandhabt – und zweitens schert mich nicht, ob Clint Eastwood als Kleinkind ein rosarotes Fahrrad hatte oder ob er als Postbote gejobbt hat. Dieser Mann IST sein Werk.

Klar, „Das große Clint Eastwood Buch (Band 1)“ bietet keine neue Sichtweise auf Eastwood, hat keine Meta-Erkenntnisse zu bieten und keine abschließende Wertung des in Ehren ergrauten Actionstars. Es ist vielmehr eine Zusammenfassung, eine kompetente Verdichtung „all things Eastwood“ zum Zwecke von Information und Entertainment. Und es schmerzt mich fast zu sagen – wirklich sinnvoll wäre es, mit Band 2 zu warten, bis Clint in seinen Stiefeln begraben wurde. Weil die Bücher dann auch WIRKLICH vollständig sein könnten statt nur „vollständig bis auf seine letzten drei Filme“. Aber das soll heute nicht Thema sein.

ce4Kommen wir zum Fazit: Das hohe Niveau der Bände über Norris und Hallervorden wird demnach gehalten, der Lesespaß der Topfilme-Bücher ebenfalls erreicht. Und ich sage das ohne Übertreibung, aber mit ein wenig Neid im Herzen: Tobias Hohmann hat sich schnell und gründlich als einer der Top-Autoren für Filmbücher etabliert. Vielleicht nicht der brillanteste Schreiber, vielleicht nicht der schärfste Analytiker, aber sicher der fleißigste Kurator seiner Zunft. Es ist faszinierend, dass jemand im Zeitalter des angeblichen sterbenden Print-Marktes die deutsche Filmbuch-Kultur noch mal aus Dornröschenschlaf weckt und Appetit auf richtig dicke Schmöker weckt.

Klasse Klolektüre. Klare Kaufempfehlung.

Und was Band 2 angeht:

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6 “ Das große Clint Eastwood Buch (Band 1) ”

  1. 3

    Tobias Hohmann ist kein guter Autor. Auch kann er nicht gut analysieren oder Verbindungen herstellen, aber das Gesamtpaket macht es. Mann erfährt bei Hohmann nichts neues, auch nimmt er den Leser nicht mit auf eine Reise, gibt neue Denkanstöße oder recherchiert neues, aber dafür ist es ein Faktenmammutwerk, welches er zusammenstellt. Da gebe ich Dewi absolut recht. Das Gesamtpaket macht es.

    Ich muss allerdings einwerfen, dass es unter den Topfilm-Bücher auch viel Mist gibt, der sich leider Gottes genauso liest, wie Dewi es moniert. Der „Zurück in die Zukunft“-Band war ganz fürchterlich.

  2. 4

    Das ist aber mal ein Buch! Das große Clint-Eastwood-Buch. Betonung auf groß. Wow! Lässt auch inhaltlich keine Wünsche offen, finde ich. Ich sehe auch keine Defizite in der Analyse. Denn: was soll groß analysiert werden? Die Filmkritiken sind nachvollziehbar, die Chronologie umfassen und vollständig. Das ist alles großartig. Super gemacht, Tobias, da steckt viel Arbeit drin!

    Die einzige Kritik, die ich hätte, wäre, dass das Buch einen besseren Korrektor und stilistisches Lektorat verdient hätte. Beispielsweise ist mir zwei mal aufgefallen, dass mit jemandem oder etwas zurecht kommen „zu Recht kommen“ geschrieben wird und also kein einmaliges Versehen ist. Ähnliches gibt es mehr aber das ist fast schon lächerlich angesichts dieses Buchs.

    Ich habe mir einen freien Tag gegönnt. Das Buch hat mich prächtig unterhalten und ich freue mich auf den zweiten Band.

  3. 5
    Doc Knobel

    Mit etwas Verspätung: Danke, Torsten! Einerseits für die „Publicity“, andererseits für die warmen Worte. Ich weiß vor allem ersteres zu schätzen. Und nur um das einmal zu betonen: Torsten bekommt von mir kein Exemplar, damit er das hier vorstellt (Worüber ich mich natürlich freue, aber das ist ja wieder eine andere Geschichte), sondern weil mir seine Meinung wichtig ist. Es gibt halt nicht sonderlich viele Leute, die gleichzeitig Film-Nerd, Journalist, Fan der Materie, fair und ehrlich sind. Daher höre ich mir gerne an, wenn jemand mit diesem Portfolio bestimmte Dinge anspricht.

    Das gilt natürlich auch für jede andere, sachliche Kritik @Elon. Es ist natürlich schade, dass es bei Ihnen nicht so gut ankommt, wie bei anderen. Aber das muss man halt akzeptieren und seine Schlüsse daraus ziehen, was ich bei jeder vernünftigen Kritik tue – also auch bei Ihrer.
    Ich sehe das mit der Recherche zwar anders, aber das würde jetzt an dieser Stelle hier zu weit führen, weil es da zu sehr ins Detail geht. Nur so viel: Für das Wallace-Buch erhielt ich z.B. Zugang zum Artur-Brauner-Archiv in Frankfurt, welches bis dahin nicht für das Thema freigegeben wurde. Für Norris erhielt ich von James Bruner und Joseph Zito exklusives Material usw. Wie gesagt: Das führt jetzt hier zu weit, aber zumindest auf diesen Punkt wollte ich kurz eingehen.
    Und zu den Topfilm-Büchern: Da werden in meinen Augen Äpfel mit Birnen verglichen. Die sind nicht als umfassende Abhandlung wie die Themenbücher gedacht, sondern vielmehr als ein nostalgischer Blick zurück, die einen „Ach, guck mal da“ Effekt auslösen sollen. Dafür ist die Reihe konzipiert worden. Je nach Film stehen mir/uns gerade einmal vier Buchseiten zur Verfügung, also etwa 2,5 Seiten Word. Da ist es gar nicht möglich, ins Details zu gehen. Natürlich werden da eher die klassischen Fakten abgedeckt, weil wir teilweise auch ganz bewusst Filme reinnehmen, die etwas in Vergessenheit geraten sind.
    Und abschließend zum Buch über Zurück in die Zukunft: Man lernt aus bestimmten Dingen. Obwohl ich das Buch bei weitem nicht so schlecht einstufe wie Sie, lernte ich durch dieses Projekt, dass ich kein Buch mehr machen werde, dessen Konzept nicht von mir stammt. Lassen wir das einfach mal so stehen.

    Schön, dass es Dir gefallen hat, Dietmar. Freut mich sehr, obwohl das allgemeine Feedback generell sehr gut ist.
    Das leidige Thema Lektorat: Um es ganz offen auszusprechen: MPW will das nicht finanzieren. Ich verstehe die Gründe, teile Sie aber nicht. Unter den Umständen halte ich die Fehlerquote/stilistische Schwächen für hinnehmbar. Doch obwohl jeder Text natürlich mehrfach Korrektur gelesen wird, wirst du nachvollziehen können, dass du als Autor, der über zwei Jahre mit diesen Texten gearbeitet hast, leider etwas betriebsblind bist. 😉 Aber auch das versuchen wir auf anderem Wege noch zu verbessern. Ganz davon ab finde ich es teilweise erschütternd, welche Defizite manche Bücher aufweisen, die durch ein Lektorat gegangen sind. Aber das nur am Rande.
    Aber so oder so: Danke für das Feedback, Elon und Dietmar. 🙂

  4. 6

    @Doc Knobel:

    Schön, dass es Dir gefallen hat

    Hat, tut es noch und gehört zu den Büchern, die nicht nach 10 Jahren oder so einer Aufräumaktion zum Opfer fallen.

    Das leidige Thema Lektorat…

    Sowas habe ich mir schon gedacht. In seinen eigenen Sachen übersieht man immer irgend etwas (geht mir ja schon bei Kommentaren hier so 😉 ) und nicht jeder Lektor ist ein guter, auch klar.

    Mir fehlt jetzt noch der letzte Rest hinter dem Orang-Utan-Film, den ich nie gesehen habe (witzigerweise in etwas mit den Begründungen, die Eastwood im Vorfeld gesagt worden sind) und dessen Riesenerfolg mir auch unbekannt war. Das muss ich aber irgendwie in den Tagesablauf reinquetschen.



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