GROSSBRITANNIEN 2012 / 87 MIN / ENGLISCHE OV

REGIE JOHANNES ROBERTS
DARSTELLER NOEL CLARKE / COLIN O’DONOGHUE / ANTONIA CAMPBELL-HUGHES / LAURA HADDOCK / JAMIE THOMAS KING

Story: Mitten in London kracht ein Flugzeug runter. Ein paar Menschen, die sich gerade in einem riesigen Storage-Center aufhalten, bekommen davon nur peripher etwas mit – aber umso mehr von den Folgen: sie sind eingesperrt in das Labyrinth aus mietbaren Abteilen und irgendwo kriecht ein Monster durch die Gänge, das augenscheinlich Hunger hat…

Kritik: Der englische Genre-Film boomt – auf dem diesjährigen FFF kamen fast 20 Produktionen aus dem Königreich. Das soll mir recht sein, auch wenn die Erfahrung lehrt, dass nicht alles Gold ist, was britisch glänzt. Kollege Magineer konnte sich bei „Storage 24“ nicht zu einer Empfehlung hinreissen lassen, aber das simple Monsterhatz-Konzept und der solide Cast stimmten mich um.

Ein Fehler.

Regisseur Johannes Roberts war beim Screening dabei, aber ich hatte nach 87 durchlittenen Minuten wirklich keinerlei Interesse mehr, ihm irgendwelche Fragen zu stellen. Wäre vielleicht auch unschön geworden. Zumal er vorher erklärt hatte, „Storage 24“ sei eine Hommage an die einfach strukturierten John Carpenter-Filme der 80er. Und der Mond ist vermutlich aus grünem Käse.

Ja, „Storage 24“ möchte gerne ein klassischer Monsterfilm aus der Videotheken-Ära sein. Begrenzter Cast, begrenzte Location, Opfer, Monster. Nur erinnert er dabei weniger an „Das Ding“ oder „Alien“, sondern an „Syngenor“, „The Terror Within“, „Creepozoids“ und „Survivor – das Grauen aus dem All“. Wie so viele Ripoffs äfft er die Mechanismen der Genre-Klassiker nur nach, statt sie zu verstehen und kreativ anzuwenden. Roberts möchte Carpenter sein, schafft es aber gerade mal auf das Niveau von Corman.

Nun kann viel rausreißen, wenn man keine eigenen Ideen, aber viel Energie besitzt. Wie stark kann ich die Spannungsschraube anziehen, wie sehr kann ich den Zuschauer emotional an die Figuren binden, mit welchen Überraschungen kann ich im letzten Akt aufwarten? Die Antworten: wenig, gar nicht, keine.

„Storage 24“ ist ein inszenatorischer Totalausfall, der nicht mal drei Leute in endlosen dunklen Gängen so präsentieren kann, ohne dass man ständig entnervt in die Faust räuspert. Statt uns ein Gefühl für die Location zu geben, für das „von A nach B“, für die Größenverhältnisse und die Abstände zwischen Protagonisten und Antagonist, klammert sich Regisseur Roberts an permanente hektische Nahaufnahmen, als wolle er Mitesser auf den Nasen seiner Darsteller zählen. Das Prinzip der Totale scheint ihm zuwider und wenn er doch mal mehr als einen Ausschnitt zeigt, schiebt er zwanghaft unscharfe Objekte in den Vordergrund, die es schwer machen, sich auf das tatsächliche Geschehen zu konzentrieren. Und wo keine Hindernisse oder über Gebühr aufgeblasene Details die Leinwand füllen, setzt Robert auf totale Dunkelheit als Spannungsersatz.

Da ist es dann auch egal, dass die Figuren uns nicht scheren und das Alien keinerlei interessante Eigenschaften oder Absichten besitzt.

Split Second“ hat schon vor 20 Jahren gezeigt, wie man englischen Monstermurks viel pfiffiger machen kann.

Fazit: Verkorkste Monsterhatz im Mietkeller, die mit permanenten Nahaufnahmen und Unschärfen nervt und so ziemlich das langweiligste Alien diesseits von „Naked Space“ präsentiert. Wer ein Genre nach 20 Jahren wieder aufleben lässt, sollte man wenigstens etwas zu sagen haben – oder die inszenatorischen Spielregeln beherrschen.



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Bin ich froh den ausgelassen zu haben. Einerseits mag ich die Q&A-Aktionen auf dem FFF und nehme sie nach Möglichkeit immer mit, aber der zeitgleich laufende „The Suicide Shop“ klang einfach interessanter und war dann auch eine derart morbid charmante Erfahrung, dass mir glatt das Herz überlief.

P.S. das war auch mal wieder so eine Festivalheft-Beschreibung die derart schwammig ausfiel, dass ich nicht die geringste Ahnung hatte, worum es in dem Streifen überhaupt geht.

DMJ

Ah, hatte nach Magineers Unschlüssigkeit gleich das Gefühl, dass man den besser auslassen sollte.

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[…] “Source Code” hat vieles von dem, was “The Anomaly” versucht, besser gemacht. Trotzdem ein Film, der gut zum Fantasy Filmfest passen würde, auf dem wir auch schon mit Noel Clarke Bekanntschaft gemacht haben. […]

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[…] ♣ Morituris ♣ Piranha 3DD ♣ Portrait of a Zombie ♦ Starship Troopers Invasion ♣ Storage 24 ♥ Thale ♥ The Awakening ♣ The Dinosaur Project ♣ The Flying Swords of Dragon Gate […]