15
Mrz 2012

We can rebuild him – we have the technology!

Themen: Neues |

Ich bin wahrlich kein begnadeter "Arbeiter der Faust". Mit Hammer und Nagel richte ich soviel Schaden an wie eine durchschnittliche Handgranate. Es ist schon eine Leistung, wenn ich verlustfrei mein neues Nummernschild ans Moped geschraubt bekomme.

Neulich fand die LvA auf Ebay allerdings die perfekte Ergänzung zu meinem Schreibtisch und meinem Lesesessel – leicht reparaturbedürftig:

Ein Beistelltisch auf Rädern aus den 50er Jahren – genau sowas hatte ich gesucht! Obendrauf Snacks und Getränke, Post auf die Ablage, Adapter und Kabel in die Schublade, Zeitschriften in den Ständer, auf die Rückseite ein paar Bücher. Ideal.

Leider aber nicht ganz in Ordnung – das Deckglas war gebrochen:

Egal, bei 25 Euro war es allemal den Versuch wert, selber zu "restaurieren". Ich schlug zu und – ließ das Teil erstmal von meinem Bruder in Bergisch Gladbach abholen, damit die Schwester der LvA es drei Wochen später mit nach München bringen konnte (ein Fleißkärtchen für die Geschwister, ein Punkt Abzug für "nur an Selbstabholer").

Tatsächlich ist das Tischchen ein echtes Schmuckstück, auch wenn man ihm die veränderten Prioritäten der Nachkriegszeit anmerkt: Die Platte unter dem Glas ist aus Sperrholz, die Umrandung aus Plastik angeklebt und nur mit drei windigen Nägeln fixiert:

Ich musste mit einem großen Messer das von unten bemalte Glas von der Pappe trennen, die wiederum an das Sperrholz geklebt war. Danach entfernte ich die Reste der Pappe und schmirgelte die Oberfläche ein bisschen glatt.

Die kaputte Glasplatte brachte ich zu einem Glaser mit der Bitte, mir eine in Dicke und Form exakte Kopie zu machen, allerdings in Klarglas. Der Tisch sollte nämlich ein neues Muster bekommen.

Die zwei Tage Wartezeit verbracht ich damit, die etwas quietschenden und leicht verrosteten Räder zu schmieren und die kleine Schublade etwas leichtgängiger zu machen. Ersteres erledigte Schmierfett, Zweiteres ein wenig trockene Seife. Beizeiten werde ich die Räder vielleicht auch noch mal abschrauben, um sie etwas konsequenter zu entrosten. Für den Moment reicht es.

Beim Baumarkt kaufte ich eine Pappe, die ich auf die Form der Tischplatte zuschnitt. Darauf ein wenig Sprühkleber und dann Ausdrucke des ersten "Superman"-Comics im Maßstab 1:2:

Um die goldfarbene Plastikeinfassung zu fixieren, presste ich Glas und Sperrholz mit Klemmen aneinander, bevor ich zu Nagel und Hammer griff. Es stellte sich heraus, dass auch noch ein wenig Kleber vonnöten war.

Mit dem Ergebnis bin ich soweit ganz zufrieden:

Insgesamt bin ich super glücklich mit dem praktischen Tischchen, das nun neben meinem Lesesessel steht. Ich denke darüber nach, jedes Jahr einmal das Design zu wechseln: z.B. könnte ich mir eine Deckplatte mit Leder ebenso gut vorstellen wie eine mit Kuhfell. Oder Kunstrasen. Oder Kork.

Die passende Lampe ist auch schon gekauft.

Wo wir gerade bei dem Thema Einrichtung sind. Seit Jahren haderte ich damit, keinen präsentablen Platz für die Unmengen an Artwork zu haben, die Kartons und Kisten füllen. Ein Posterständer (genauer: eine Posterkrippe) musste her! Leider sind die halbwegs großen und stabilen Modelle locker mal 500 Euro teuer. Bei einer Insolvenz-Auktion in Düsseldorf hatte ich aber Glück und bekam genau das gewünschte Modell für 100 Euro. Wieder Selbstabholer, wieder musste mein Bruder ran. Es dauerte diesmal drei Monate, um das Gestänge nach München zu verschiffen, denn es passte in keinen Standard-Mittelklassewagen.

Bei mir im Arbeitszimmer stellte sich heraus, dass der Posterständer zwar prima für meine Artworks war, aber extrem weit in den Raum reichte und damit unangemessen viel Platz beanspruchte. Ich rief den Kumpel mit der Flex an und ließ kurzerhand den vorderen Schenkel radikal kürzen, ohne dabei an Funktionalität zu verlieren:

Endlich kann ich, wann immer ich will, debil-stolz grinsend in den wunderschönen Unikaten blättern und denken: meins, alles meins!



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Stephan
Stephan
15. März, 2012 16:40

Geek as geek can…

Marko
15. März, 2012 18:33

"Ein Beistelltisch auf Rädern aus den 50er Jahren"? Da fehlt mir echt komplett das Verständnis für, finde das Ding hässlich wie … wie … ich weiß auch nicht. Hässlich eben. 😉

Achim
Achim
15. März, 2012 23:14

Ich teile mein unermessliches Wissen mit dir!

Das von dir als "Sperrholz" bezeichnete Ding ist in Wahrheit eine Spanplatte, aus Holzspänen und Leim gepresst.

Sperrholz besteht aus mehr oder weniger dünnen Schichten von Holz, bei dem die Schichten mit der Maserung jeweils im mehr oder minder rechten Winkel zueinander aufeinander geleimt wird. Lies mal besser bei Wikipedia, wird wohl besser dort beschrieben.

Das jedenfalls ist eine Spanplatte.
NT:
Vermutlich keine Hartfaserplatte.

Peroy
15. März, 2012 23:18

"Ich denke darüber nach, jedes Jahr einmal das Design zu wechseln"

Ein pathologischer zwanghafter Drang nach Veränderungen?

Achim
Achim
16. März, 2012 20:11

Spanplatte, nicht Sperrholz.

trackback
12. Februar, 2020 19:20

[…] Diesen Beisteller hatte ich vor ein paar Jahren selber begeistert restauriert: […]