Abteilung „All the motherfuckin‘ aliens in da house say yo-hoo!“

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GB 2011. Regie: Joe Cornish. Darsteller: John Boyega, Maggie McCarthy, Alex Esmail, Leeon Jones, Simon Howard, Franz Drameh, Nick Frost.

Story: Irgendwo in Süd-London, wo die Straßen zwischen den Sozialwohnungs-Blocks schon lange nicht mehr sicher sind und selbst Krankenschwestern wie Margaret von streunenden Jugendbanden ausgeraubt werden, krachen während eines Feuerwerks ein paar außerordentlich außerirdische Gäste ins Ghetto. Blinde, tiefschwarze wolfartige Bestien mit leuchtenden Reißzähnen fressen sich durch die asoziale Population. Es bleibt ausgerechnet Moses und seiner Bande von halbstarken Nachwuchsdealern überlassen, den Block zu verteidigen – fällt alles unter Nachbarschaftshilfe…

Kritik: Aliens greifen an! Aber keine riesigen Raumschiffe hängen über New York, keine Parasiten aus dem All nisten sich in den Körpern tumber Kleinstädter ein, keine Wissenschaftler arbeiten an einer Wunderwaffe gegen die Eindringlinge. Die pelzigen Scheißer legen sich stattdessen mit dem Prollpack an, das abends den Londoner Süden unsicher macht. Jetzt heißt es alien rage vs. street cred – the hunt is on!

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„Asis & Aliens“ – klingt allemal unterhaltsamer als „Cowboys & Aliens“.

Die Idee ist so simpel, so zwingend, so prall mit Potential, dass man sich nicht nur wundern muss, dass noch niemand vorher drauf gekommen ist – man darf sich auch ärgern, dass wir uns mal wieder von den Briten vorführen lassen. Was an „Attack the Block“ hätte nicht auch in einer Frankfurter oder Berliner Hood und in den hässlichen Plattenbauten mit dem hohen Migrationshintergrund spielen können? Warum können das alle – außer wir?

Nun reicht schon die Zeile „Alien vs. Prollpack“ für unterhaltsame 90 Minuten. Gags, Splatter und ein paar wirklich schräge Charaktere bietet „Attack the Block“ genug. Aber man kann es Regisseur Cornish gar nicht hoch genug anrechnen, dass er (wie Wyatt bei „Rise of the Apes“) über das Plansoll hinaus geht und weit mehr bietet als britischen Fun-Trash im Stil von „Doghouse„.

Das hier ist „Reality-Horror“. Die sozialen Zustände sind gut beobachtet, das Milieu absolut authentisch (soweit ich das als Mittelklasse-Weißbrot mit null Erfahrungen in der Londoner „Szene“ beurteilen kann), die Figuren an keiner Stelle zur Karikatur degradiert. Der „Block“ ist eine Welt, die in sich schon scheiße ist und kaum das Überleben sichert. Doch die externe Gefahr durch die Aliens weckt nicht nur den Kampfgeist in den Bewohnern, sondern auch das Potential, den Ehrgeiz, das Gefühl von Gemeinschaft über die Kleinkriminalität hinaus. Hier findet eine Community wieder zusammen, ohne dass dabei falsches Pathos rausgeleiert wird (wie das in einem US-Film zweifellos der Fall gewesen wäre).

Umso besser, dass die sozialkritische Meta-Ebene von „Attack the Block“ lässig neben der ständigen Hysterie und dem krawalligen Bewegungsdrang des Plots her läuft, ohne ihn dabei aufzuhalten. Mit einer winzigen Ausnahme, die schwer nach „post production meddling“ riecht: Nach einer Attacke bekommt Moses von seinen Kumpanen Verantwortungslosigkeit vorgeworfen, es fallen Sprachhülsen wie „Actions have consequences, you know?“. Das passt so gar nicht und wirkt wie der Nachklapp eines Finanziers, der beim Rohschnitt gemeint hat: „Mir ist die Message noch nicht klar genug – kann man da noch was machen?“

AttackTheBlock3_press2011Abgesehen von ein paar „arrivierten“ Schauspielern wie Nick Frost und Maggie McCarthy wirkt „Attack the Block“ wie von der Straße gecastet, die Dialoge haben die schnoddrige Beiläufigkeit einer Jugend, die sich nur noch in Floskeln und Formeln unterhält (und die eine deutsche Synchro komplett hoffnungslos macht). Der Low Budget Look passt perfekt zum Setting, die Effekte sind hausgemacht und durchaus einfallsreich – augenlose Werwolfaliens sind zumindest MIR neu.

Ich habe eigentlich nur eine Sorge: Dass Cornish den neuen Kultfilm für die dumpfen Prolls aller Länder geschaffen hat, die sich mangels anderer Talente für schwer „gangsta“ halten und nun plötzlich der Meinung sind, Blockwart spielen zu müssen, ob gegen Aliens oder andere Eindringlinge…

Davon abgesehen ist „Attack the Block“ der perfekte Partyfilm, ideales Futter für das Fantasy Film Fest, absolut gruppentauglich, sehr unterhaltsam und gerade noch indie genug, um nicht zu nerven.

Fazit: Ich denke, wir können den Kinosommer jetzt offiziell dich machen und das Schild „Betriebsferien“ raus hängen. Mit „Rise of the Apes“ hatten wir einen (fast) perfekten Blockbuster und nun mit „Attack the Block“ den Spasskracher der Saison. Mehr kann man nicht wollen, mehr muss auch nicht sein.

Von diesem Trailer gibt es übrigens auch eine jugendfreie Version auf YouTube, die „fuck“ durch „shag“ und „pussy“ durch „wussy“ ersetzt:



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Marcus
Marcus

„“Asis & Aliens” – klingt allemal unterhaltsamer als “Cowboys & Aliens”.“

Dem würde ich a priori widersprechen wollen. Aber da „AtB“ in Köln quasi den Rausschmeißer des Festivals macht, werde ich wohl trotzdem reingucken.

„Ich denke, wir können den Kinosommer jetzt offiziell dich machen und das Schild “Betriebsferien” raus hängen. Mit “Rise of the Apes” hatten wir einen (fast) perfekten Blockbuster und nun mit “Attack the Block” den Spasskracher der Saison. Mehr kann man nicht wollen, mehr muss auch nicht sein.“

Ääääh….. Cap?

Peroy
Peroy

„“Ich denke, wir können den Kinosommer jetzt offiziell dich machen und das Schild “Betriebsferien” raus hängen. Mit “Rise of the Apes” hatten wir einen (fast) perfekten Blockbuster und nun mit “Attack the Block” den Spasskracher der Saison. Mehr kann man nicht wollen, mehr muss auch nicht sein.”“

Die scheiss Affen können mich mal… 😕

Karsten
Karsten

Ich mach den Kinosommer erst zu, wenn ich Captain America gesehen hab ^^

Ach und wegen der augenlosen Werwolfaliens:

http://images2.fanpop.com/image/photos/9200000/Wildmutt-ben-10-alien-force-9255260-300-369.jpg

Alles geklaut!! 😉

comicfreak
comicfreak

..steht ab jetzt auf der Liste..

ColonelHeinz
ColonelHeinz

Wuhu, der Trailer hat mich echt umgehauen. Deine tolle Kritik hatte mich nicht auf SO viel Spaß vorbereitet 😀

Den werde ich mir definitiv anschauen. Danke für den Hinweis, hätte ich ansonsten sicherlich nichts von mitbekommen!

heino
heino

Der stand bei mir von Anfang an neben „Super“ als einziger Film für`s FFF fest. Schön, dass das eine gute Entscheidung zu sein scheint.

Und ich stimme Marcus zu. Vor Captain America und Cowvoys & Aliens ist der Kino-Sommer nicht vorbei.

Marcus
Marcus

@heino: „Der stand bei mir von Anfang an neben “Super” als einziger Film für`s FFF fest.“

Dann sehen wir uns….

Sebastian

Die US-Version wäre dann wohl „Das Wunder in der 8. Straße“ :^)

heino
heino

@Marcus:sehr gut:-)

OnkelFilmi

Nicht, wenn ich euch beiden vorher die Augen aussteche!!! 😛 😉

Peroy
Peroy

OnkelSpläddafilmi…

Marcus
Marcus

@Filmi: that’s it – keine französischen Extrem-Gorefilme mehr für dich, mein Junge.

OnkelFilmi

Gibt’s dieses Jahr eh nicht 🙁

Gregor

Du fasst den Charme des Streifens perfekt zusammen, ich kann das Ding auch nur empfehlen.

Und „Cowboys & Aliens“ ist tatsächlich völlig misslungen.

Hawks
Hawks

@Gregor: Schon gesehen?

Gregor

Jupp, ich häng grad am Locarno Film Festival rum. Was soll ich sagen: Der Streifen nimmt sich dafür, dass es um Cowboys und Aliens geht, viel zu ernst und ist so doof wie langweilig. Schade.

Peroy
Peroy

Da hab‘ ich aber was anderes gehört…

trackback

[…] eigentlich IRGENDWER bemerkt, dass “Attack the Block” genau genommen die erste offizielle Kritik zum Fantasy Film Fest ist? Trackback-URL kein […]

Gregor

@ Peroy: Guck lieber „Super 8“.

Peroy
Peroy

„@ Peroy: Guck lieber “Super 8″.“

„Super 8“ soll sich ficken gehen. Ich brauch‘ kein Big Budget-Remake von „Star Crystal“…

Stefan
Stefan

Mensch, Torschti, wieso postest du den jugendfreien Trailer?! Wirst du alt? 🙂

Marcus
Marcus

Schon wieder: what he said. 9/10

heino
heino

Jau, der war richtig gut, da gibt es absolut nix zu meckern. Und wenn man den deutschen Trailer als Maßstab nimmt, scheint die Synchro völlig okay zu sein. Dass das nicht 1:1 geht, ist ja eh klar, aber sie scheint bei weitem nicht so mißlungen wie die von Four Lions

milan8888

Auf Probs und Mayhem hätte ich verzichten können.

Peroy
Peroy

Von dem hatte ich mir einiges erhofft, aber leider ist der eine ziemliche Enttäuschung. Für eine Horror-Komödie nicht lustig genug, für einen ernsten Horrorfilm zu comichaft, und in dem Film gibt es nicht eine Figur, die auch nur ansatzweise sympathisch wäre. Sollen die Aliens die kleinen Kröten doch allesamt auffressen, is‘ mir doch egal. London ist besser dran ohne die…

Pferdedung und inhaltlich eh ganz kalter Kaffee. Und immer diese mit Gewalt reingedrückte soziale Kante… Holzhammer.

Die deutsche Synchro war dieses Mal übrigens absolut grausig… GRAUSIG. Die hat nicht geholfen…

Frankie
Frankie

Bin da Peroys Meinung. Möchtegern Hipster Film, der gegenwärtig vielerorts abgefeiert wird, aber in einem Jahr vergessen sein wird.

trackback

[…] of May ♥ A horrible way to die ♥ A lonely place to die ♥ Attack the Block ♥ Cat Run ♥ Chillerama ♣ Cowboys & Aliens ♦ Deadheads ♦ Don’t be afraid of the […]