18
Mrz 2011

ADAC oder LMAA? Wenn die gelben Engel teuflisch pissig werden…

Themen: Neues |

adacMit dem ADAC habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht – eine Ausnahme war, als ein Schichtwechsel vor ca. 10 Jahren mal dazu führte, dass ich bei 32 Grad auf dem heißen Asphalt der Autobahn zwei Stunden auf den Abschlepper warten musste. Den Abend habe ich dank Sonnenstich kotzend verbracht.

Letzte Woche war ich allerdings drauf und dran, meine Gold Card rituell zu verbrennen. Und das kam so…

Meinen Roller habe ich in den letzten Monaten kaum noch gefahren – die LvA muss ja auch mit, und die hat es nicht so mit dem Sozius. Also Auto. Im langen Winter hat mein Zweirad auch sehr ausgiebig im Schnee gestanden. Das erwartungsgemäße Ergebnis: Bremsen verrostet, Batterie leer, etc. Zur neuen Saison winkt eigentlich IMMER die Tour zur Aprilia-Werkstatt, die leider vor den Toren Münchens in Brunnthal verortet ist.
habana
Macht nix: Als ADAC-Mitglied kann ich den Roller vom Abschleppdienst holen und zur Werkstatt bringen lassen. Ich rufe also beim ADAC an. Es ist 15 Uhr an einem grauen, kalten Tag. Eine junge Dame erklärt mir, dass man erstmal den Pannendienst schicken werde. Vielleicht kriegt der den Roller ja fahrbereit. Ich widerspreche: Das Teil ist DURCH, der muss in die Werkstatt. Sie bleibt stur: Pannendienst ist billiger als Abschleppwagen. Ich widerspreche erneut: Da sie am Ende beides wird schicken müssen, ist das teurer. Es hilft nix.

Eine Stunde später kommt der Pannendienst. Er findet nicht einmal die Klappe für die Batterie, lässt es gleich bleiben: "Sie brauchen den Abschleppdienst". Ich verkneife mir ein "Sag' ich doch" und hoffe, dass es nun bald voran geht.

16.30 Uhr. Keine Spur vom Abschlepper. Ich rufe noch einmal beim ADAC an. Man erzählt mir was von Schichtwechsel, viel Arbeit – Ende vom Lied: Der Abschlepper kommt schon noch. Ich merke vorsichtig an, dass die Werkstatt sicher nicht ewig offen ist.

18.15 Uhr: Man glaubt es kaum – der Abschleppdienst ist da! Ich freue mich trotz der langen Wartezeit. Der Mann sieht sich mürrisch meinen Roller an: "Wie soll ich den denn auf dem Schlepper sichern?". Was fragt er mich? Ich bleibe höflich, gebe ihm die Adresse der Werkstatt in Brunnthal. Er schaut mich an, als wollte ich ihm einen orientalischen Teppich verkaufen: "Nah, Sie müssen da schon mitkommen!".

Ich soll mitkommen? Nach Brunnthal? Aber wieso? "Ja, weil, wenn die zu haben, kann ich den Roller da nicht einfach hinstellen. Ist verboten." Ich verkneife mir den Hinweis auf seine Verspätung, die das Problem erst akut gemacht hat, und weise ihn darauf hin, dass ich mit der Werkstatt telefoniert habe und man dort auf dem Firmengelände ausreichend Platz habe. "Nah, das kenne ich! Und dann stehe ich nachher da!"

Ich weiß WIRKLICH nicht, wovon der Mann redet, aber er wird mir langsam unsympathisch. Ich atme tief ein: "Die Zufahrt zum Aprilia-Hof in Brunnthal ist offen. Man WEISS, dass Sie kommen. Warum muss ich da mitfahren?". Er stellt sich stur, stemmt die Hände in die Hüften: "Das ist Vorschrift". Darauf habe ich gewartet. Ich rufe meine LvA an, sage ihr, dass es heute später wird. Dann wende ich mich an den ADAC-Schlepper: "Na gut, ich komme mit. Aber es ist doch auch für Sie totaler Unfug, weil Sie mich dann später wieder hier her fahren müssen."

"Nein, wieso? ICH fahre Sie nicht wieder zurück. Darf ich ja gar nicht."

Ich glaube, ich muss in diesem Moment SEHR doof aus der Wäsche geguckt haben.

"Wie – Sie bringen mich nicht zurück?! Wie stellen Sie sich das denn vor?"

Man merkt, dass er innerlich jetzt endgültig zu macht: "Wie Sie von Brunnthal aus heimkommen, ist nicht mein Problem. Sie können ja ein Taxi nehmen."

Ich brauche einige Sekunden, um das zu verarbeiten. Ich soll also mit ihm nach Brunnthal fahren, wo er meinen Roller abstellt – und dann hoffen, dass ich in dem Kuhkaff an ein Taxi komme, welches mich für ein Heidengeld zurück nach München fährt?

Es ist fünf Grad unter Null, mittlerweile stockfinster. Ich greife mein Handy und rufe die ADAC-Hotline noch mal an. Die junge Dame ist nach meiner Erklärung sichtlich nicht willens, sich mit dem Fahrer anzulegen. Sie verspricht aber, den "Dispatcher" anzurufen, der ihm dann ausrichte, dass er den Roller auch so mitnehmen könne, wenn das mit der Werkstatt abgesprochen sei. Von "Vorschrift" keine Spur.

Ich richte es dem Abschlepper aus – er hat meinen Roller fast fertig aufgeladen. Es passt ihm nicht, dass ich seine "Vorschrift" durch Verweis auf die ADAC-Hotline für nichtig erkläre. Er wird aggressiv: "Wissen Sie, SIE sind der mit der Panne. WIR sollen IHNEN doch helfen. Da sollten Sie vielleicht mal…"

Ich unterbreche ihn: "Ich bin seit 17 Jahren Mitglied ADAC und zahle meine Beiträge – tun Sie jetzt nicht so, als müsste ich Ihnen für einen persönlichen Gefallen dankbar sein. Das hier ist ein Dienstleistungsgeschäft."

"Na und? Ich bin seit 30 Jahren Mitglied im ADAC – ich hab' den noch nie gebraucht!"

"Schön für Sie. Und das hat WAS mit WAS zu tun?"

Er dreht sich wieder rum, um den Roller noch mal fest zu zurren. Ich beschließe, es gut sein zu lassen. Ohne ein weiteres Wort setzt er sich in seinen Schlepper und fährt los – hoffentlich Richtung Brunnthal.

Ach so: Mit der Aprilia-Werkstatt war natürlich entgegen meiner Behauptungen nichts abgesprochen. Wäre ja auch albern gewesen. Klappt schon.

Es ist nach 19.00 Uhr. Mehr als vier Stunden hat es gedauert, um mitten in München meinen Roller von einem Abschleppdienst abholen zu lassen. Ich tröste mich mit dem Gedanken, wenigstens Stoff für einen Blogbeitrag dabei gewonnen zu haben.



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
23 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Dietmar
Dietmar
18. März, 2011 09:52

"Ach so: Mit der Aprilia-Werkstatt war natürlich entgegen meiner Behauptungen nichts abgesprochen. Wäre ja auch albern gewesen. Klappt schon."
Das ist so geil! HAHAHA!

faby
18. März, 2011 10:10

Die Frage: Hat’s denn geklappt?
Die Behauptung: Die Abschlepper sind doch selten direkt vom ADAC, sondern immer nur von Auftragsfirmen, soweit ich das System kenne.
Die Fortsetzung: Ich bin gespannt auf den Rest.

Brandenburgerin
Brandenburgerin
18. März, 2011 10:29

Wenn ich den Namen unserer Werkstatt angebe, dass weiß der ADAC-Mensch, dass er da den Wagen einfach auf dem Gelände abstellen kann. Die Abschlepper kommen doch aus der Region und sollten die Werkstätten kennen.

RobertP
RobertP
18. März, 2011 12:29

Ja, der ADAC…bin selber langjähriges Mitglied, wäre aber fast vor Wut ausgetreten. Thema waren die happigen Preiszuschläge für Winterreifen durch Autovermieter, über die ich mich in deutlichen Worten beschwert hatte. Als Antwort kam ein Musterbrief, demzufolge die Preisaufschläge absolut marktkonform wären (klar, weder in den USA noch in Österreich werden sie erhoben, aber…) – ich fragte mich ernsthaft, wieviel Geld der ADAC von der lobby der Autovermieter bekommen hatte. Da mir aber Hertz USA den Zuschlag erstattet hatte (zweigleisig gefahren), habe ich es dann dabei bewenden lassen.

Wortvogel
Wortvogel
18. März, 2011 12:49

@ Robert: Das Problem ist nicht nur, dass der ADAC gerne der Autolobby nach dem Mund redet (über die Zuschläge für Winterreifen habe ich mich auch massiv geärgert), sondern dass er dem Autofahrer nach dem Mund redet. Statt Aufklärung wird Propaganda nach dem veralteten Motto "Freie Fahrt für freie Bürger!" gemacht. Es würde mich freuen, wenn der ADAC seine Macht etwas verantwortungsvoller und zukunftsorientierter einsetzen würde…

Achim
Achim
18. März, 2011 13:45

Ach ja, die Goldkarte! Meine gilt seit ersten März.
Wow, schon 10 Jahre im ADAC.

watcher
watcher
18. März, 2011 14:23

Na hoffentlich ist nachher kein Kratzer im Lack. Und wenn doch dann haftet der Abschlepper bestimmt nicht. Alles nach Vorschrift.

Wortvogel
Wortvogel
18. März, 2011 14:32

@ watcher: Der Roller ist uralt und aus Plastik – da ist ein Kratzer mehr kein Problem.
Ich hole ihn erst heute von der Aprilia-Boutique ab, denn man hat ihn freundlicherweise gelagert, während ich in der Republik unterwegs war.

dermax
dermax
18. März, 2011 15:41

@Wortvogel: Seh ich ähnlich, ganz Europa gondelt kostenlos über unsere Autobahnen und tankt vor bzw nach der Grenze, aber "freie fahrt…"…
Ansonsten find ich den Verein eigentlich ganz brauchbar, hab ihn aber bisher nur hauptsächlich zum Abstauben von Kartenmaterial benutzt.

Benny
18. März, 2011 18:05

Hab ihn bis jetzt zum Glück auch nicht gebraucht 😉 aber leider ist es ja meistens so das viel mehr versprochen wird als der Kundenservice dann halten kann..siehe Kundenservice Base etc.

Wortvogel
Wortvogel
18. März, 2011 20:05

So, Roller ist wieder da, alles in Butter.

Achim
Achim
18. März, 2011 21:55

@dermax:
Ich tanke auch nicht in Deutschland, 1,27 Euro der Liter Super, auch schon zu viel, aber in Luxiburg gibts kein E10, das mein Escort, jünger als 20, jedoch vertragen soll.

Michael K
18. März, 2011 22:40

Interessanter Beitrag. Ganz allgemein ist das ein Blog, den ich interessant finde und deswegen abboniert habe. Meist lese ich als Ghost, ohne viel zu kommentieren.
Den Hinweis auf den Kratzer finde ich auch wichtig — gerade bei einem Geschäft, wo es etwas um Vertrauen geht, sonst ist da noch eine Macke mehr am Roller, auch wenn der Roller aus Plastik ist.
Ich hatte mal einen älteren WG Mitbewohner, der hat bei einem Umzugsunternehmen gearbeitet. Dort wurden die Schrauben in die Schränke gehämmert, wenn der Kunde keinen Kaffee gereicht hat …….. Ohne Worte.
Ich hatte auch mal eine Panne mit meinem Auto damals (Kat geplatzt), da hat mich der Abschleppunternehmer erst zur Werkstatt, dann nach Hause gefahren – und nicht alleine bei der Werkstatt gelassen. Von wegen Vorschrift.

Dietmar
Dietmar
18. März, 2011 22:44

Ich bin für freie Fahrt. Da gönne ich mir altmodische Denke.

reptile
reptile
18. März, 2011 22:52

Ich habe den ADAC wirklich schon oft genutzt. Alleine die Zeit als ich noch meinen Opel Corsa hatte, der alle 2 Monate irgendwie defekt war – da hatte ich die Beiträge locker raus.

Dietmar
Dietmar
18. März, 2011 23:17

Ich habe tatsächlich nur gute Erfahrungen mit dem ADAC. Besonders schön war, als ich nach einer Panne in die Werkstatt gebracht worden bin und der Meister nach kurzer Zeit kam und mit Bestimmtheit sagte, ich bräuchte ein neues Getriebe. Der ADAC-Mechaniker saß aber noch im Raum, füllte Papiere auf, sagte betont langsam und ohne aufzublicken: "Sind sie da ganz sicher?" – "Äh, vielleicht ist es nur der Seilzug." Der war es auch. Hatte der ADAC-Mechaniker schon vor Ort festgestellt gehabt. In die Werkstatt fahre ich auch nicht mehr.

reptile
reptile
19. März, 2011 14:01

@Dietmar-
Das erinnert mich an meine ersten Autoerfahrungen überhaupt. Das Autohaus, wo ich meinen Opel gekauft hatte, bot einen TÜV Service an. Als der erste Prüfungstermin näher rückte, entschloss ich den Service in Anspruch zu nehmen.
Ergebniss nach der Prüfung: Ich sollte für 500,- benötigte Ersatzteile/Reparaturen investieren, damit er durch kommen würde. Dies wäre dringend zu empfehlen. Auch das Argument, dass ich den Wagen ja erst vor 2 Jahren in diesem Haus gekauft hatte, zog nicht.
Habe natürlich nichts machen lassen. Ergebniss: TÜV ohne Beanstandungen erteilt. Es war gar NICHTS kaputt.

Howie Munson
Howie Munson
19. März, 2011 17:52

5 Jahre alter Focus sollte neuen Auspuff brauchen… kam damit zweimal durch den TüV…
so furchtbar teuer ist eine Nachprüfung sowieso nicht.

BusyFucker
BusyFucker
19. März, 2011 18:02

Ich sag ja immer: lieber ACDC als ADAC.

Baumi
Baumi
19. März, 2011 20:19

@ BusyFucker:
Ist manchmal gar nicht so weit auseinander:
http://www.youtube.com/watch?v=FH0ja5mb-Mc

cartridge_case
cartridge_case
20. März, 2011 03:36

Ich weiß genau wieso ich hier regelmäßig vorbeischaue. Genau für solche Lacher im vorletzten Absatz 😀
Grandios – weiter so

Benny
27. März, 2011 17:50

Hatte letztens nen Marderschaden..ADAC hat bei mir auch perfekt geholfen und es gab kein Grund zur Beschwerde. Hattest wohl einfach Pech..oder ich hatte auch mal Glück 😉

Andreas
Andreas
13. Juli, 2016 00:39

Ich bin letzte Woche etwas flott bei gelber Ampel über eine Kreuzung gefahren. Tempo 70 waren erlaubt (zweispurige Schnellstraße), auf dem Tacho waren ca. 110 km/h. Ja, ich weiss…
Kurz darauf ein "Gelber Engel" hinter mir, der mir auffährt und Lichthupe und diverse Handzeichen gibt. Klassischer Oberlehrer (an alle Oberlehrer da draußen: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein). Bin abgebogen und habe und habe ihm aus dem Fenster abgewunken.
Nun das Unfassbare – sehe noch beim Abfahren, dass der "Gelbe Engel" auf der Schnellstraße wendet (Signallicht wird dazu missbräuchlich angeschaltet) und umkehrt. Im Rückspiegel sehe ich, wie er mich verfolgt, durch den dichten Stadtverkehr aber nicht einholen kann.
Sicherlich gute 10 Minuten hat er das offensichtlich versucht, bis uns eine rote Ampel trennte.
Was für ein Psycho – und was für ein Sch…-Verein.