Der Typ hier – das ist Charles Band:

CharlesBand2008

Die Internet Movie Database listet ihn als Produzent von mehr als 200 Filmen, darunter B-Klassiker wie „Trancers“, „Dolls“, „Re-Animator“, „The Caller“, und „Prison“.

Ich war schon in den 80ern ein Fan, als die „Cinema“ ausführlich über seinen „Metalstorm: The Destruction of Jared-Syn“ berichtete – ein 3D-Spektakel, in dem kein Metallsturm vorkam und Jared-Syn am Ende auch nicht vernichtet wurde.

sorority_babes_in_slimeball_bowlorama_poster_01Band war für mich neben Roger Corman immer DER quintessentielle B-Produzent, weil er nicht einfach lieblos „product“  in den Markt scheißen wollte, sondern ein klares Business-Modell verfolgte, das ihn mir sympathisch machte: Empire und später Full Moon Pictures produzierten Filmcomics, die teilweise im selben Universum spielten, Crossover erlaubten, und mit den „Videozone“-Magazinen am Ende der Kassette eine starke Bindung an die Fangemeinde suchten. „Dollman“, „Puppet Master“, „Dr. Mordrid“. Dazu Comics, Puppen, Soundtracks, Trading Cards – Band machte das, was Marvel Entertainment heute auch tut. Nur nicht ganz so teuer. Und nicht ganz so erfolgreich. Trotzdem arbeiteten ihm damals schon viele Comicexperten zu, inklusive der Legende Jack Kirby.

Schon zu Zeiten meines Fanzines „Dark Palace“ war ich ein Band-Geek, besprach Filme wie „Dolls“, „Arena“ und „Robotjox“. In den letzten Jahren habe angefangen, Artwork von Band gleich im Dutzend zu kaufen.

Natürlich sind Band-Filme selten wirklich gut. Sie sind meistens das Bruzzeln ohne das Steak. Toller Poster, tolle Ideen, knallige Figuren – am Ende aber (aus Budgetgründen) viel zu langatmig, und ohne wirkliche Höhepunkte. Als Fan verzeiht man vieles.

robot_jox_poster_01

Irgendwann in den frühen 90ern begann ich mich zu ärgern, dass es so wenig Literatur über Charles Band gibt. Klar, Kai Meyer hatte mal einen tollen Beitrag für die „Moviestar“ geschrieben, in dem sogar das deutsche Cover des nie fertig gestellten „Time Crash“ (aka „Pulse Pounders“) zu sehen war. Und die Fangoria hatte Band sogar einen Zweiteiler gegönnt. Aber das war mir nicht substanziell genug, zumal Band in Interviews gerne auf die immer gleichen Phrasen auswich („Ich wurde praktisch auf einem Filmset groß…“ ist der Klassiker-Einstieg). Bei aller Liebe, es gibt mindestens fünf Biographien von und über Roger Corman, eine über Sam Arkoff, eine über William Castle, eine über das Geschäftsgebahren von Cannon – da muss doch Platz im Regal sein für einen Band über den Macher von „Parasite 3D“ (mit Demi Moore!)!

Ich habe eine manchmal fatale Eigenschaft: Wenn ich etwas will, dass es nicht gibt – dann mache ich es halt selbst. So sind seinerzeit ja auch meine „Science Fiction TV Guides“ entstanden. Und das Buch über „Babylon 5“.

http://www.youtube.com/watch?v=OWmEReju2w0

Also beschallte ich meine damaligen Kumpel mit der hochtrabenden Ankündigung: „Eines Tages mache ich das ultimative Buch über Charles Band!“. Ich war 20. Und doof. Ihr kennt das schon.

ghoulies_2_poster_01Obwohl es weder Zeit noch Möglichkeit gab, das Projekt zu verfolgen, verlor ich es nie ganz aus den Augen. Jeder neue Band-Film erinnerte mich daran, jeder Zeitschriftenartikel dazu wurde gesammelt. Als ich im großartigen Archiv von Harald Dolezal stöbern durfte, scannte ich mir zuerst alle Band-Cover, Reviews und Artikel ein, die er ranschleppen konnte (darunter das phänomenale japanische Pressbook zu „Re-Animator“).

Dabei stellte sich heraus, dass Bands Karriere einer Hydra gleicht: Hakt man einen bisher unbekannten Film ab, tauchten drei neue Titel auf, die in keinem Referenzwerk verzeichnet sind. Band ist der Meister der Ankündigungen, der „pre production artwork“, des filmischen Versuchsballons.

Das Internet ist auch keine große Hilfe: Es gibt Webseiten zu Godfrey Hos Ninja-Heulern und Cannons Trash-Actionern, aber erschreckend wenig zu Charles Band. Irgendwann um die Jahrtausendwende fand ich aber die recht krude Webseite eines Engländers namens Dave, der zwar wenig Infos besaß, diese aber erstaunlich kompetent einzuordnen wusste. Schnell kam per Mail ein reger Austausch von Ideen (und Kassetten) zustande. Dave wusste noch erheblich mehr als ich zum Thema, und konnte sehr präzise und pointiert schreiben. An einem lauen Sommerabend machte ich ihm den fatalen Vorschlag, doch gemeinsam am „ultimate Charles Band book“ zu arbeiten.

http://www.youtube.com/watch?v=jo8GlVM1RUc

Später kam dann noch Nathan Shumate von „Cold Fusion Video“ dazu, der in diesem Jahr einen sehr empfehlenswerten Sammelband seiner besten/schlechtesten Reviews veröffentlicht hat. Der Australier John Klyza steuerte ein eigenes Kapitel über Bands Zeit mit dem Label „Wizard Video“ bei.

Am Anfang versuchte ich noch, mit Daves Enthusiasmus für das Projekt mitzuhalten, aber es war die Zeit, in der ich an meiner Telenovela werkelte, und das Tempo, das der Musiker und „all around good guy“ vorlegte, war erschreckend: Im Wochentakt flatterten mir Reviews ins Haus und Interviews mit Band-Komplizen, die Dave mit detektivischem Eifer aufspürte. Wir machten bald eine eigene Yahoo-Group auf, um das ganze Material zu organisieren. München, Utah, London, Australien – das nennt man wohl eine „internationale Koproduktion“.

TTot_posterMehr als 50 Regisseure, Autoren, Schauspieler und Effekt-Experten haben wir für das Buch interviewt, darunter: Albert Pyun, Tim Thomerson, Jaqueline Lovell, John Buechler, J.R. Bookwalter, Richard Band, Courtney Joyner, Dave Parker, und Peter Manoogian.

Es zeigte sich sehr schnell, dass Dave einfach der geeignete Schreiber für das Projekt war, und ich meine Energie besser darauf konzentrieren konnte, seltene Artwork und Recherche-Materialien zu organisieren. Es gab Zeiten, da kaufte ich pro Woche ein Dutzend Kassetten – aus Hongkong, Australien, Brasilien. Viele Band-Produktionen waren anders kaum noch zu bekommen (mittlerweile hat sich das geändert – Band selbst vertreibt einen Großteil auf DVD). Dank einiger geschäftlicher Kontakte zu der Firma, die mit Bands Partnern Kushner/Locke zu tun hat, kam ich kostenlos an eine ganze Kiste obskurer Softcore- und Kidfilme.

Was die Arbeit von einem, vielleicht zwei Jahren werden sollte, geht nun ins neunte Jahr, und das Ende ist vielleicht in Sicht, aber noch lange nicht erreicht. Klar ist längst, dass es mit EINEM Buch nicht getan sein wird. Da wir ALLE Filme aus Bands Kinofabrik ausführlich vorstellen und besprechen wollen, wird es wenigstens ein Doppelband werden. Suck on that, Corman!

http://www.youtube.com/watch?v=9HL0KLo1Yvc

Einen besonderen Meilenstein passierten wir vor einigen Wochen, als es uns ENDLICH gelang, mit Charles Band selbst ein mehrteiliges und mehrstündiges Telefon-Interview zu führen (sein Bruder Richard öffnete uns dafür die Tür). Tatsächlich war Band angesichts von Davids Detailwissen ausnahmsweise bereit, den PR-Sprech außen vor zu lassen, und ganz tief in seinen Erinnerungen zu kramen, um seine Sicht der nun 40 Jahre dauernden Karriere als Produzent zu Protokoll zu geben.

Warum ich euch das alles ausgerechnet heute so ausführlich erzähle? Ganz einfach: Am Wochenende hatte ich den Ausdruck des ersten Buches von Dave aus London in der Post. Knapp 400 Seiten geballte Begeisterung für das B-Movie-Geschäft:

bandmanus

Und das ist erst der Anfang…



25 “ Big Band Theory: Des Wortvogels Lebenswerk erfährt seinen Ritterschlag ”

  1. 1

    Ich möcht irgendwann auch mal so berühmt/berüchtigt sein das es gleich 3 Autoren und 2 Bände braucht um mein Œuvre niederzuschreiben …
    Wie viele dieser obskuren Side-Projekte hast du noch in der Hinterhand? Erwartet uns nächstens ein Kochbuch? 😀

  2. 3
    Harryzilla

    Das sind ja mal herrliche Nachrichten. Halt uns bitte auf dem Laufenden.
    BTW habe ich in meinem Archiv locker ein Dutzend oder mehr Bücher (u.a. aus Italien und Frankreich) von und über Roger Corman. Es wundert mich wirklich, dass nicht einmal McFarland etwas über Band veröffentlicht hat.
    Selbst über Leute wie J.R. Bookwalter gibt es zumindest zwei Bücher.

  3. 8

    @Wortvogel: „“Metalstorm: The Destruction of Jared-Syn” – ein 3D-Spektakel, in dem kein Metallsturm vorkam und Jared-Syn am Ende auch nicht vernichtet wurde.“
    Wäre doch auch ein schönes Thema für deine „Random Charts“-Reihe. Leere Versprechen: Filme, deren Handlung mit dem eigenen Titel wirklich gar nix zu tun hat.

    Mein Vorschlag: Corman’s Poe-Verfilmung „Die Folterkammer des Hexenjägers“.

  4. 9

    „Wäre doch auch ein schönes Thema für deine “Random Charts”-Reihe. Leere Versprechen: Filme, deren Handlung mit dem eigenen Titel wirklich gar nix zu tun hat.“

    Ich ergänze:

    „Hexensabbat“
    „See der verstümmelten Leichen“
    „Der Irre vom Zombiehof“

  5. 10

    Sehr gut. Präzise ausgedrückt sollten die Regeln sein: kein Wort des Titels (Hilfswörter ausgenommen) darf irgendeine Entsprechung im Film haben.

    Also bei meinem Beispiel: es kommt kein Hexenjäger und keine Folterkammer darin vor..

  6. 11
    Wortvogel

    @ Marcus: Sowas kriegst du locker mit Giallos voll. Die heißen ja immer so „Blaue Stecknadeln im Auge der Samtkrawatte“, ohne dass es was bedeutet.

    Reini?

  7. 12
    Bernhard

    @wortvogel:
    – BANDsalat deluxe
    – Nicht zu bandigen
    – Dewi & Band
    – Bands Bände
    – About a band

    Wie findet man eigentlich einen Verlag für so etwas spezielles? Machst Du dann noch die deutsche Fassung von dem Werk?

  8. 13
    Wortvogel

    @ Bernhard: Ich bin gar nicht auf der Suche nach einem Verlag. Es gibt zwar Interesse, aber da ich das Buch EXAKT so gedruckt sehen will, wie es geschrieben wurde, denke ich an Selbstvertrieb. Eine deutsche Fassung wird es nicht geben, weil ich mich dann auch noch mit deutschen Titel und verschiedensten Schnittfassungen rumärgern müsste. Es ist ein internationales Buch für ein internationales Publikum.

  9. 18

    Coole Sache, da kannst du mich auch als Käufer notieren. Und die Corman-Bio „How I made a 100 movies in Hollywood and never lost a dime“ ist ein echter Kracher:-)

  10. 19

    [QUOTE]Ich habe eine manchmal fatale Eigenschaft: Wenn ich etwas will, dass es nicht gibt – dann mache ich es halt selbst.[/QUOTE] Find ich prima – sozusagen ein selfmademan. Kann mir allerdings vorstellen, dass in Verlagen und Redaktionen nicht alle mit sowas klarkommen. *g*

    btb : diese „das“ da oben kommt mit einem s aus.

  11. 20
    Tornhill

    Hey, es ist endlich so weit und das Großprojekt kommt in den Handel?
    Awesome! Hab ja schon länger hier die einzelnen Infoschnippsel verfolgt, aber seit ich erstmals auf Sat1 nachts einen Full Moon-Film billigster Kajüte sah, bin ich eh heiss auf das Thema.

  12. 22
    Comicfreak

    ..oh, Mist, wo mein uraltes Schulenglisch doch so grottig ist..

    Sternchentaste seufz sternchentaste

    Aus selbstverlagzeugs hab ich bisher nur ein paar Regalmeter Valerie J. Long, da passt der wortvogel noch dazu..



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