USA 2018. Regie: Jon Knautz. Darsteller: Alexis Kendra, Stelio Savante, Rachel Alig, Elizabeth Sandy, Joanne McGrath, Mykayla Sohn

Offizielle Synopsis: Eine unschuldige kleine Maus läuft geradewegs in eine Mausefalle. Die schnappt zu – das Mäuseschicksal ist besiegelt! Kurz darauf greift eine Hand nach dem Tier und befördert es in einen Mixer. Ein Knopfdruck, ein Dröhnen, fertig. Anschließend landet der dunkelrote Mix aus Blut und Eingeweiden in einem Kühlschrank. Shelly wird ihn später noch brauchen. Doch wer jetzt glaubt, die mit ihrer riesigen Gesichtswunde so bemitleidenswert harmlos aussehende Haushaltshilfe möchte damit Tiere füttern, der irrt gewaltig.

Kritik: Das hier wird schwierig – „The Cleaning Lady“ ist ein Film, der mittendrin radikal die Richtung wechselt und damit auch meine Einstellung zu ihm. Es ist nicht angemessen, einem Film, der halb 4 und halb 8 ist, eine 6 als Note zu geben. Aber anders geht halt auch nicht. Ich versuche mal, euch das aufzudröseln.

Auch wenn die Bilder schick und die Schauspieler sehr gut sind, riechen die ersten 45 Minuten von „Cleaning Lady“ nach schnarchigem Psychothriller der Sorte „die Hässliche will langsam das Leben der Hübschen übernehmen und es kommt zu einem Zweikampf“. Ausgetretene Pfade sind das, und ich kann schwer vermitteln, wie sehr ich keine Lust hatte, mir das anzuschauen. Zumal der Film erheblich zuviel Zeit auf die Beziehung von Alice und Michael verschwendet – an dieser Stelle konnte ich ihm nur zugute halten, dass er wenigstens die Dynamik einer destruktiven Liebesbeziehung sehr exakt zeichnet.

Aber Shelly will gar nicht Alice‘ Leben übernehmen. Ihr Plan ist ungleich perfider und je mehr wir über sie lernen, desto abgestoßener sind wir. Wenn der ganze Beziehungsscheiß mit Michael endlich in den Hintergrund rückt und „Cleaning Lady“ zur Sache kommt, wird es sehr spannend. Und sehr brutal. Und sehr unangenehm.

Und so drehte sich mit dem Erzählfokus auch mein Interesse. Ab Minute 45 war ich voll dabei und gegen Ende auch richtig involviert. Nur um dann von einem nervig-vagen Ende ein wenig angesäuert aus dem Saal geschickt zu werden.

Nun könnte man mit „elegant produziert, aber etwas unentschlossen“ den Deckel drauf machen, aber „Cleaning Lady“ hat dann doch noch zwei Aspekte, die ich nicht unangesprochen lassen will.

Da ist zuerst einmal die exzellente Arbeit der Schauspielerinnen, die aus ihren recht klischeehaften Rollen das Maximum herausholen. Besonders Alexis Kendra, die den Film auch mitgeschrieben und produziert hat, holt erstaunliche Tiefe aus einer Figur, die sehr leicht als „blonde LA bimbo“ hätte enden können. JoAnne McGrath ist ein Monster in Menschengestalt und beweist, dass die Kreaturen des Bösen keine Krallen brauchen. Und Elizsabeth Sandy gelingt ein wirklich großartiger Gänsehautmoment, der beweist, dass der wahre Horror in „(wo)man’s inhumanity to (wo)man“ liegt. Daumen hoch für die Damen!

Aber ich muss auch gestehen, dass ich die ganze Laufzeit über Bauchschmerzen mit der Figur der Shelly hatte. Sie wird vom Skript klar als Opfer gezeichnet – warum ist sie die Täterin? Alles, was wir sehen, verstärkt unser Mitleid mit dieser geschundenen Kreatur, darum taugt sie nur sehr bedingt als brutale Antagonistin. Die Schere zwischen Motiv und Motivation geht zu weit auseinander. Ich fand es teilweise ekelig, ein als Kind massenhaft vergewaltigtes und von heißem Öl entstelltes Mädchen als seelenloses Mordmonster zu zeichnen. Jede Gegenwehr gegen sie ist keine gerechte Rache, sondern eine weitere Gewalt gegen eine vom Leben nur geprügelte Außenseiterin. Das gilt doppelt, weil Alice ja nun wirklich das perfekte LA-Leben repräsentiert, mit ihrem lässigen Job, der Luxuswohnung und dem perfekten Fitness-Body. Die Moral des Films, sie ist bestenfalls schwammig und schlimmstenfalls verachtenswert.

Ich wünschte, ich könnte das alles besser in ein konzentriertes Fazit packen, aber dafür ist „Cleaning Lady“ nicht homogen genug. Es sei noch erwähnt, dass der Film wohl auf einem 10minütigen Kurzfilm basiert, in dem Alexis Kendra selbst die Shelly spielt.

Fazit: Ein eleganter, gut gespielter Psychothriller mit Slasher-Elementen, der leider nie den richtigen Fokus findet und in der Zeichnung der Antagonistin ziemlich daneben haut. Alles in allem knarzige 6 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Eigentlich ein guter Film, leider an ein paar Stellen zu abwegig.“

 



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Sebastian

Ich muss ja sagen, das Vorschaubild des Youtube-Trailer ist… verstörend im negativen Sinne. Puh. Ich glaube, den werde ich mir definitiv nicht geben. Gerade, was du ansprichst mit der Zeichnung der Antagonistin, macht mir dabei massiv Bauchschmerzen.