2 Cent: Aufschrei in der Echokammer
Themen: 2 Cent, Film, TV & Presse, Neues |Ich lese morgens vor dem Frühstück eine Reihe von Nachrichtenquellen quer, damit ich halbwegs weiß, worüber ich mich den Rest des Tages nicht aufregen möchte. Zumindest anhand der Schlagzeilen will ich holzschnittartig ((c) Axel Springer) wissen, woran die Welt leidet. Damit ich es weitgehend ignorieren kann.
Heute ist mir aber zu gehäuft ein Phänomen aufgestoßen, das ich für eines der großen Probleme unserer Zeit halte: die unsägliche Überbeschäftigung der Presse mit… sich selbst. Dieses dauernde sich gegenseitig kritisieren, sich gegenseitig einladen, sich gegenseitig unterstützen. Als wäre die Presse nicht eine Blase von Journalisten, die Nachrichten von Menschen in die Welt bringen soll, sondern Nachricht und Mensch selbst. Eine permanente Rückkopplung, die keine Anregung von außen mehr braucht und keine Wirkung nach außen erwartet.
Fangen wir mit dem Übermedien-Newsletter an, den ich wirklich gerne lese, weil er für einen Newsletter erstaunlich profunde Einsichten in die Branche erlaubt und dazu noch hervorragende Lesehinweise gibt. Heute widmet Lisa Kräher allerdings den größten Teil ihres Textes dem Text eines Kollegen aus der ZEIT, der sich endlich mal mit einem wirklich wichtigen Thema auseinandersetzt: Die Adidas-Trainingshose als Identifikationskleidung der vermeintlich Linksintellektuellen.
Warum ich Ihnen das erzähle? Weil die „Zeit“ diese Woche einen großen Text von Feuilleton-Redakteur Sven Behrisch über die Adidas-Hose veröffentlicht hat. Darin ging es zwar nicht konkret um meine Druckknopf-Variante, sondern genau genommen um ein Modell aus der Linie „Firebird“. Aber die Adibreak ist da sicher mitgemeint.
Sie haben das Modell, um das es im „Zeit“-Text geht, sicher schon gesehen. Denn, wie der Teaser des Textes verrät: „Die tragen jetzt alle.“ (Wobei ich mich frage, ob es überhaupt eine längere Zeit gab, in der man sie mal nicht getragen hat. Aber lassen wir das erstmal so stehen.)
Der Text ist eine wunderbar formulierte und in der gedruckten Zeitung auch wunderschön gestaltete Beschimpfung eines irgendwie linken Milieus, das sich gerne in Theatern herumtreibt und gekleidet in dem „proletarischen It-Piece“, wie es der Autor nennt, solidarisch zeigt mit den Unterprivilegierten und dem Kleinbürgertum. So wie sich andere Linke mit dem Pali-Tuch solidarisch zeigen würden mit den Menschen in Gaza, schreibt er.
Die "tragen jetzt alle", wird mir als jemandem erklärt, der noch niemanden in dieser Hose hat rumlaufen sehen. Allerdings lebe ich auch in Trudering und nicht in Charlottenburg.
Siehe, Lisa Kräher findet es irgendwie nicht okay, welche Begriffe der Kollege den Hosenträgern zuordnet, wie er den Hersteller verortet, und sie unterstellt, dass der sozio-kulturelle Kontext vermutlich ein ganz anderer sei.
Das ist das Thema, von dem Lisa Kräher meint, man müsse drüber reden. Was die Nation bewegt. Was die Leser aufrüttelt. Ich kann nur den Kopf schütteln.
Ebenso bezeichnend: Lisa Kräher beginnt den Text mit der Anekdote, dass sie eine Adidas-Trainingshose auf dem Flohmarkt gekauft hat und beendet ihn damit, dass die Hose nicht wirklich passt und vermutlich nun weiter verkauft wird. Eine subjektive Klammer, wie sie an Journalistenschulen als Identifikationsangebot für Leser gelehrt wird, in meinen Augen aber allenfalls für Blogs wie diesen hier geeignet ist. "Echter" Journalismus sollte distanzierter arbeiten.
Bei den Lese-, bzw. Hörtipps gleich der nächste Absatz, an dem ich hängenbleibe:
In der ersten Ausgabe ihres Podcasts unterhält sich die Journalistin Melanie Amann mit dem Podcaster Ben Berndt. Es ist ein interessantes, instruktives Gespräch zwischen zwei Menschen mit sehr unterschiedlichen Meinungen und sehr verschiedenen Perspektiven, vor allem auf Journalismus.
Ein neuer Podcast, hurra! Ein Podcaster lädt ein, um über Journalismus zu reden – mit einem Podcaster! Hoffentlich reden die auch über Podcasts.
Ehrlich jetzt? Ist das endgültig nur noch eine inzestuöse Szene, in der man sich gegenseitig einlädt, sich gegenseitig der tollen Arbeit versichert, um am Ende prima darüber gesprochen hat, wie wichtig es ist, in Podcasts mit Podcastern über Podcasts geredet zu haben?
Manchmal kommt es mir vor, als sei der Podcast das Reality-TV der linksintellektuellen Medienblase. Er generiert seine Stars, seine Teilnehmer, seine Szene mittlerweile komplett ohne externen Zulauf. Man lädt sich gegenseitig ein, um darüber sprechen, worüber man letzte Woche gesprochen hat, als man in anderer Konstellation beieinander gesessen hat.
Wie DSCHUNGEL-CAMP und PROMI-DINNER. Früher waren da mal Leute dabei, die man tatsächlich kannte, auch wenn man kein Reality TV-Dauergucker war. Mittlerweile ist das Genre alt und gewachsen genug, dass es sich aus sich selber speist. Im DSCHUNGEL-CAMP treten Leute auf, die bei TOP-MODEL im Viertelfinale ausgeschieden sind und später bei LOVE ISLAND in eine dramatische Dreiecksgeschichte verwickelt waren.
Um ein Star im Reality TV zu sein, reicht es aus, ein Star im Reality TV zu sein. Es ist wie im Film DIE KLAPPERSCHLANGE: einmal drin, kommst du nie wieder raus.
So was halt:
Da passt es pervers perfekt, dass sich die Blase des Nabelschau-Journalismus natürlich auch ausgiebig mit der Blase der Nabelschau-Prominenz beschäftigt – die SZ hat einen fünfteiligen Podcast über Aufstieg und Fall von Nadja Abd el Farrag ("Naddel") produziert:
Bewegt dieses Schicksal wirklich die Nation? Vermutlich. Wenn man der Nation lange genug einredet, dass es ein bewegendes Schicksal war.
So verlasse ich den Newsletter von Übermedien diesmal relativ frustriert und begebe mich zum SPIEGEL, wo mir schon bei der ersten Übersicht dieser Kommentar ins Auge fällt:
Ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll. Vielleicht bei einer grundsätzlichen Überlegung: nicht nur die Politik, auch die MEDIEN sind in massiver Form mitschuldig am Erstarken rechtspopulistischer Kräfte in Deutschland. Und es ist hochgradig heuchlerisch von den Medien, nun einer einzelnen Partei die Aufgabe zu zu schieben, einen AfD-Kanzler zu verhindern (denn letztlich geht es genau darum). Zumal das empfohlene "Rezept" mal wieder so banal wie wirkungslos ist: bloß keine Annäherung an die Rechten! Keine Zentimeter Boden den Demokratiefeinden!
Sicher, das wird es richten. Hat in den letzten Jahren ja auch prima funktioniert.
Dass die Presse, die so furchtbar gerne über sich und mit sich selber spricht, praktisch an keiner Stelle ihre eigene Verantwortlichkeit thematisiert, ist auffällig. Als wäre sie nicht die vierte Gewalt, als hätten BILD, SPIEGEL und Konsorten in den letzten 80 Jahren das Land nicht immer wieder mal entscheidend mitgestaltet.
Ich sage jetzt mal was sehr Unangenehmes. Unangenehm, weil niemand gerne was Nettes über Merz, Söder und Kollegen sagen oder hören will. Aber letztlich gilt auch für die konservativen Windbeutel an der Macht, was für Habeck und Baerbock galt: man muss sie nicht mögen, um sie zumindest als Demokraten zu respektieren.
Wenn aber die Presse sich um der Klickzahlen willen einen diebischen Spaß daraus macht, jeden Versuch einer Reform, eines Neuanfangs, oder wenigstens einer Justierung der Politik zum Skandal oder zum Versagen zu erklären, dann darf man sich nicht wundern, wenn der wählende Mob sich seine Autoritäten außerhalb des diskreditierten demokratischen Spektrums sucht.
Ich sehe den Fehler bei den Alt- wie bei den Jungjournalisten. Die Altjournalisten leben noch zu sehr in der Fiktion, dass man einen demokratisch gewählten Kanzler absägen kann, weil er dann auch nur wieder durch einen demokratisch gewählten Kanzler ersetzt wird. Die Jungjournalisten halten alle Politiker pauschal für Versager und sehen gar keine Relevanz in einer Politik, die nicht direkt und erkennbar nur auf sie zugeschnitten ist.
Das ist fatal. Der nächste abgesägte Kanzler wird eben womöglich nicht von einem "lupenreinen Demokraten" ((c) Gerhard Schröder) ersetzt. Dann ist das Gejammer groß und man wird verzweifelt überall nach den Schuldigen suchen – nur nicht bei sich selbst. Und hinterher will es natürlich auch niemand gewesen sein.
Ja, das klingt nicht schön, nicht ideal-demokratisch, nicht spannend, aber: Die gesamte Mainstream-Presse muss wieder weg von den Kinkerlitzchen, und dabei gleichzeitig konstruktiver werden. Der Politik muss Raum zur Gestaltung und Zeit zur Umsetzung eingeräumt werden. Nach einem Jahr durchgehend in den "Versager, Versager"-Chor einzustimmen, hilft genau den Kräften, die man angeblich verhindern will.
Es geht längst nicht mehr nur darum, ob wir eine rotgrüne oder schwarzgelbe Regierung an die Macht bringen und halten können – es geht darum, ob wir überhaupt noch eine Regierung bekommen, die unser Land (v)ertragen kann. Dafür müssen wir die Demokratie als mehrheitsfähig stärken und nicht als Selbstbedienungsladen für Zielgruppen zerlegen.
Aber das wird nicht passieren. Wie man am Artikel von Leo Klimm schön sehen kann, sieht die Presse die Politik, aber niemals sich selbst in der Verantwortung.
Falls das was hilft, um den Bubble-Charakter gewisser, na, nennen wir es "Diskurse", zu illustrieren: ich hatte keine Ahnung, was ’ne "Adibreak" ist, weil ich es mit Karl L. halte: wer in Trainingshose vor die Tür geht, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.
Aber eine Google-Bildersuche ergibt: ja, ich kenne diese Hose aus der freien Wildbahn hier im tiefsten NRW. Ich kann den Herren Trendjournalisten aber versichern, die Leute, die hier in Wirklichkeit damit rumlaufen, sind gewiss keine "Linksintellektuellen, die ihre Solidarität mit der Unterschicht zeigen wollen". 😅
Amen. Ich würde nur ergänzen, dass der politische Journalismus sich immer mehr den Methoden des Sportjournalisums bedient. Politik muss aber halt langfristig agieren können. Auch wenn einem Manches nicht passt, so ist halt Demokratie. Die man aber so langsam erodiert.
Bei der Trainingshosen-Nummer stimme ich Dir voll zu. Beim Podcast allerdings denke ich mir: Übermedien ist eine Plattform für Medienkritik. Dass da ein Podcast beworben wird, in dem über Journalismus gesprochen wird, ist eigentlich nur folgerichtig. (Dass ich mich frage, wer diese ganzen Formate eigentlich hört, ist eine andere Sache.)
Mir ging es weniger darum, dass in dem Podcast Journalismus besprochen wird, sondern dass ein Podcaster einen anderen Podcaster einlädt. Ich würde es begrüßen, wenn der Podcaster z.B. einen Chefredakteur des SPIEGEL einlädt zum Thema "Erodiert Ihr Blatt zunehmend die Demokratie?".
Ich hab mich jetzt gerade mal näher mit dem betreffenden Podcast beschäftigt, weil mir die Namen nichts sagten.
So weit weg von dem, was Du gerne hättest, ist das gar nicht. Zumindest ist es wohl kein Schulterklopfen in der Wohlfühlblase. Melanie Amann ist ehemalige stellvertretende Spiegel-Chefredakteurin, und Ben Berndt scheint Joe Rogans Geschäftsmodell zu kopieren: Eine Talkshow, in der auch den kontroversesten oder abseitigsten Meinungen eine Bühne gegeben wird, ohne dass die Gäste Angst vor Faktenchecks oder kritischen Nachfragen haben müssen.
Konkret ging es wohl um ein (angeblich recht unkritisches) Interview, das Ben Berndt mit Höcke geführt hatte.
Das ist als Konstellation schon mal besser als die reine Selbstbestätigung von Leuten aus demselben Millieu, ich fürchte aber, dass es in eine andere Falle tappt: Die Ansätze der beiden sind so gegensätzlich, dass es leicht sein dürfte, sich komplett am jeweiligen Gegenüber abzuarbeiten, ohne dabei die eigene Position hinterfragen zu müssen. Aus meiner Perspektive etwa ist Berndts Herangehensweise so offensichtlich problematisch, dass sie den Blick auf Blick auf mögliche Fehler oder Versäumnisse der klassischen Medien komplett verstellt. Und ich nehme an, dass es den Fans von Berndt umgekehrt ähnlich gehen dürfte.
Ich weiß, wer die beiden, sind und warum diese beiden jetzt dieses Gespräch führen. Trotzdem halte ich es für eine letztlich fruchtlose Übung.
Den ersten Absatz kann ich schon mal komplett unterschreiben, mache ich übrigens genau so. Man liest in letzter Zeit häufiger Kritik am Journalismus. Ein Grundproblem scheint zu sein, das Fakten mit Meinungen verwechselt werden, und sehr viele (die meisten?) versuchen ihre Platform zu miss-/gebrauchen um ihre eigene Meinung und Haltung kund zu tun, nicht aber um objektiv über ein Thema zu berichten. Da wird Berichterstattung zur Glosse. Journalisten sollten doch Dinge kritisch hinterfragen, und sich nicht selbst als vermeintlich korrekt erhobener Zeigefinger über andere erheben.
Könnte bitte mal jemand eine Alternative für den Euphemismus "Reality-TV" vorschlagen? Der wird einfach von allen Seiten hingenommen und benutzt, als ließe sich eh nix dagegen tun, als hieße das nun einmal so. Ich mag ihn jedenfalls nicht ohne dreifach latexbeschichtete Scare Quotes berühren.
P.S.: Ich bin fast sicher, das Lagerfeld-Zitat begann mit: "Wer Adidas-Trainingshosen trägt oder darüber schreibt, […]"
Noch ein Datenpunkt, da ich gerade auf Deutschlandtournee bin: In Hannover sehr starke Häufung von Adidas-Hosen. Oft markenrein (also auch Adi-Sneaker, Socken, Shirt), manchmal mit Nike-Schuhen (rechtfertigt sofortige standrechtliche Erschießung). Auffallend dabei: viele Farben, gestern zB jemand in einem babyblauen Adidas-Trainingsanzug. Modisch fragwürdig, aber immerhin schön bunt!
Bei den Podcasts bin ich immer noch erstaunt, dass sich scheinbar genug Leute finden, die sich da vier Stunden Herumgelaber anhören. Das konnte ich schon bei Joe Rogan nicht, und auch jetzt nicht bei Ben Berndt, der ja soetwas wie der deutsche Joe Rogan werden möchte (oder schon ist?). Was das jetzt mit der hier thematisierten Selbstbesoffenheit der Branche zu tun hat? Ich halte die Popularität solcher Formate für ein deutliches Zeichen dafür, dass die Leute eben keine Lust mehr haben auf die sich selbst so wichtig nehmende, Haltung zeigende Einordnung durch einen Großstadtjournalisten, die tagein tagaus in ihrer eigenen Blase reflektieren.
Ben Berndt hat demletzt vier Stunden lang den Höcke interviewt* – und danach haben alle großen Medien rumgekrehlt, dass er quasi Stechschrittstiefelhalter wäre. In keinem einzigen Bericht habe ich irgendeine Einordnung gelesen "Hier in Minute 63 hat der Höcke wieder ungestört rumgehitlert" – es war ausschließlich Wortmasturbation, dass der Berndt kein Journalist wäre und ob er denn sowas dann überhaupt dürte usw usf.
An Baumis Kommentar anschließend: Reflektion innerhalb der Medienbranche fand ich cool, wenn es vom Niggemeier kam. Der war für mich am stärksten, bevor Übermedien kam. Die hatte ich am Anfang noch aboniert, aber mittlerweile ist das doch auch nicht mehr von einer Spiegeredaktion unterscheibar. Was ich sehr schade finde.
(*hab ich mir auch nicht in Gänze angehört. Schlimmer als vier Stunden podcast sind für mich vier Stunden Höcke-podcast.)
Einen nicht beträchtlichen Teil von Übermedien schreibt ja Niggemeier. Und in Sachen Ben Berndt kann ich dir nicht zustimmen: das Problem sind nicht die Aussagen von Höcke, die sind altbekannt. Das Problem ist in der Tat der konzeptionelle Gedanke, man könne den einfach mal um der Meinungsfreiheit willen vor einem breiten Publikum reden lassen. Eine Gesellschaft muss sich die Frage stellen, wie viel Intoleranz sie um der Toleranz willen in die Mitte der Gesellschaft brüllen lässt. Gilt übrigens auch für Hitler, Ye, und Xavier Naidoo.
Zustimmung in Sachen Podcast-Overkill: Ich finde schon Kalkofe & Welke zu lang und zu flach.
Wenn ich dich richtig verstehe, werden wir uns da leider nicht annähern. Ich bin ein starker Verfechter dafür, jeden so viel brüllen zu lassen, wie er möchte. Eine Gesellschaft, in der ein Höcke nicht mehr vier Stunden auf youtube herumlabern darf, ist es Mmn nicht wert, vor den Höckes dieser Welt gerettet zu werden. Gerade auch im Hinblick darauf, dass ab herbst die AfD in einigen Bundesländern an die Macht kommt, und die dann wahrscheinlich sehr gern die Instrumente übernehmen, die die anderen Parteien vorbereitet haben.
Aber zum Thema zurück, ich möchte ungern die Diskussion mit Politik sprengen: die Sachen von Niggemeir hab ich auch meist noch gern gelesen, aber die wurden gefühlt immer seltener. Und jetzt ist er ja selber auch ganz raus und "nur noch" Autor bei Übermedien. So oder so, ich fand ihn zu seiner Blog-Zeit am lesenswertesten (auch wenn ich verstehe, warum er Übermedien gegründet hat – meine Klicks sichern ja nicht das Einkommen – sonst wäre der Wortvogel Penthouse-Besitzer in Bay… wait a second!)
"Ich bin ein starker Verfechter dafür, jeden so viel brüllen zu lassen, wie er möchte." – ich auch. Absolut. Meinungsfreiheit muss auch gelten, wenn sie hässlich ist. Aber die Gesellschaft entscheidet, welche Plattform sie der Hässlichkeit geben will. Und ich finde, die Höcke/Berndt-Nummer hat erheblich zu viel Echo erzeugt.
Dann habe ich dich missverstanden.
… denn hier sind wir uns ja auch wieder einig. Daran schließt auch folgender Gedanke an: ich kannte bis vor Kurzem Ben Berndt gar nicht. Ich kannte auch Marc. L. aka Clownswelt nicht, bevor Böhmermann und die Zeit ihn prominent gedoxxt haben. Beide habe ich nur durch die mediale Meta-Berichterstattung kennengelernt (Clownswelt: "Wen darf man im ÖRR doxxen?". Berndt: "Darf man mit als Faschos eingeordneten Leuten reden?"). Beide Kanäle haben durch die Berichterstattung massiv an Zuschauern gewonnen – Clownswelt hat damals innerhalb von zwei Tagen seine Abonnenten verdoppelt.
Finde ich zumindest interessant, darüber nachzudenken, ob man als ÖRR da nicht auch in diese Richtung eine Verantwortung trägt: dass kritische Berichterstattung über einen popeligen Youtube-Kanal zwar gut fürs eigene Ego ist, aber eben solchen Kanälen mehr Gewicht gibt, als sie eigentlich haben.
"Finde ich zumindest interessant, darüber nachzudenken, ob man als ÖRR da nicht auch in diese Richtung eine Verantwortung trägt: dass kritische Berichterstattung über einen popeligen Youtube-Kanal zwar gut fürs eigene Ego ist, aber eben solchen Kanälen mehr Gewicht gibt, als sie eigentlich haben." – my point exactly.
In dem Zusammenhang sei dir ein Podcast (!) empfohlen, den ich gestern u. a. zu der künstlichen Aufregung, die Journalisten gern schüren, gehört habe.
Es ist "Die Medienwoche" von Christian Meyer (Ausgabe MW340), in dem die Herausgeberin des Medium Magazins Annette Milz sich genau daüber beklagt (es ist das zweite Thema).
https://open.spotify.com/episode/5UsnUE8v7cpNk1lwQAeWh1?si=PH7SzdYBS-W-cA57Nb8AIw