20
Jun 2021

Fantasy Filmfest Nights XL 2021 (13): SEOBOK

Themen: FF Nights XL 2021, Film, TV & Presse, Neues |

Südkorea 2020. Regie: Lee Yong-Joo. Darsteller: Gong Yoo, Park Bo-Gum, Jo Woo-Jin, Jang Young-Nam, Kim Jae-Gun, Park Byung-Eun

Offizielle Synopsis: Ein terroristischer Anschlag auf einen Wissenschaftler macht der südkoreanischen Regierung klar, dass ihr lang gehegtes, ultrageheimes Forschungsprojekt aufgeflogen ist. In rasender Eile soll das Labor in einen Bunker umverlegt werden und man bittet den ehemaligen Topagenten Min Ki-Hun, der vor Jahren das Handtuch schmiss, um Hilfe. Sein Auftrag: die Zukunft einer neuen Menschheit zu sichern und Seobok zu beschützen, den ersten, rundum genmodifizierten Klon. Gegen jede Krankheit gefeit und damit unsterblich, könnten die Stammzellen der künstlichen Lebensform „Speciman“ das Universalmittel für den vergänglichen Homo Sapiens liefern. Nebenbei verfügt Seobok auch über telekinetische Fähigkeiten. Kein Wunder, dass die ganze Welt hinter ihm her ist

Kritik: Vorab: Ich hatte gedacht, "Seobok" sei die koreanisch-phonetische Aussprache des Wortes „Cyborg“. Zu früh gefreut.

Es ist der letzte Tag des „kleinen“ Festivals und wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird er eines der enttäuschendsten Programme zumachen, die mir in meinem 31 Jahren beim FFF untergekommen sind, Ich habe nichts gegen langsame, sentimentale, gerne mal erschütternde oder deprimierende Filme. Aber wenn diese Attribute zur dominierenden Charakteristik werden und man sich mehr durch das Festival quält, als es freudig zu besuchen, dann sollte man sich mal grundsätzliche Gedanken über das Warum und Wie lange noch machen. Und das tue ich.

SEOBOK hat eigentlich alles, was ein Crowdpleaser braucht – und ein Crowdpleaser ist auch genau das, was wir gerade brauchen. Mit relativ hohem Aufwand sehr modern inszeniert, mit ein paar knackigen Actionszenen versehen und unterfüttert von einem eigentlich unkaputtbaren Story-Klassiker: Die Menschmaschine, die auf der Flucht vor den Autoritäten ihre eigene Humanität entdeckt und an der brutalen und zynisch gewordenen Menschheit abgleicht.

Und trotzdem funktioniert es nicht. Weil zwischen den Actionszenen elend lange Strecken liegen, in denen sentimental über das für und wider der Unsterblichkeit geredet wird, über „man’s inhumanity to man“, über schlafen, träumen, lieben. Das wäre okay, wenn es nicht so banal wäre, so tausend Mal gesehen, meistens in TV-Produktionen wie QUESTOR TAPES, COPS & ROBIN, TOTAL RECALL 2070, MANN & MACHINE, etc. Seobok ist trotz seiner erstaunlichen Fähigkeiten als filmische Figur ein langweiliges Klischee – it’s Data all over, ob es sich nun um einen Roboter, einen Cyborg, ein Alien, oder wie hier um einen Klon handelt.

Am Ende entwickelt sich nichts, ein bisschen Budenzauber verdeckt nur mühsam, dass die Dramaturgie sattsam bekannten Wendungen mehr abspult als aufbaut.

Ich erwarte mehr – vom südkoreanischen Kino und dem Fantasy Filmfest.

Fazit: Technisch kompetentes, edel inszeniertes, aber zu vorhersehbares und aus bekannten Versatzstücken zusammen gestoppeltes futuristisches Buddy Movie auf Netflix-Niveau. 6 von 10 Punkten.

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Martzell
21. Juni, 2021 23:52

Moment, ist Netflix-Niveau gut oder schlecht?