Das hier sollte ein kurzer Beitrag werden – Schnittreste von privaten Videoaufnahmen, die 1999 bei den Dreharbeiten zur Miniserie FRANK HERBERT’S DUNE entstanden sind, an der ich als Entwickler für den deutschen Produktionspartner beteiligt war. Ich bin damals für zwei Tage in den Barrandov-Studios in Prag gewesen, habe die Schauspieler bespaßt, lange Gespräche mit dem Autor/Regisseur John Harrison geführt und immer wieder unauffällig meine Videokamera rausgeholt.

Als mir die ca. halbstündigen Aufnahmen neulich wieder in die Hände fielen, dachte ich: „Bevor ich sie wegschmeiße, kann ich ja ein paar Szenen zusammen stoppeln und meinen Lesern zeigen. Besser als nix.“

Es ist erwartungsgemäß eskaliert – zum einen, weil die Aufnahmen genau heute tatsächlich 20 Jahre alt werden und zum anderen, weil ich die Genesis von DUNE nie erzählt habe. Es bot sich an, etwas größeren Kontext zu bauen. Zumal ich feststellen durfte, dass haufenweise hochwertiges Behind the Scenes-Material auf YouTube zur freien Verfügung steht (was in letzter Konsequenz meine privaten Aufnahmen doppelt hässlich und sinnlos erscheinen lässt, aber da kann man nichts machen).

Natürlich folgen nun meine persönlichen Erinnerungen – subjektiv, manchmal auch durch die zeitliche Entfernung getrübt. My truth is not necessarily your truth.

Wir wollen ganz vorne beginnen. Ganz vorne dürfte in diesem Fall 1997 oder 1998 sein. Ich bin noch relativ frisch als Entwicklungsredakteur bei ProSieben und klopfe pro Woche mehrere Skripts auf die Möglichkeit einer Koproduktion ab. Die Idee dahinter: wenn ProSieben vorab mit einem gewissen Teil des Budgets einsteigt, kann uns hinterher niemand den dicken Fisch wegschnappen. Und wir bekommen ein gewisses Mitspracherecht.

Zumindest ist das der Plan. In der Realität sieht das dann oft genug so aus, dass wir Hannes Jaenicke in einer Nebenrolle als besten Freund des Helden einbringen dürfen und unsere Anmerkungen zu Skript, Effekten und Schnitt weitgehend ignoriert werden. Überhaupt landet selten ein Highlight auf meinem Schreibtisch. Kein Wunder: wer ein wirklich gutes Skript hat und womöglich schon interessierte Stars, der braucht sich keinen Produktionspartner aus dem Ausland ans Bein zu nageln. Zu uns kommen jene, die Budgetlücken füllen müssen. Es ist die Zeit des „stupid german money“.

Und doch gibt es immer mal wieder Perlen – durch die Arbeit in dieser Abteilung lerne ich Harry Alan Towers kennen und viele andere „mover & shaker“ der Branche: Eli Samaha, Marc Rocco, Larry Kasanoff, John Herzfeld, Wolfgang Petersen. Viele coole Meetings in LA, Besuche in den großen Studios, Lügner und Legenden überall.

Das Skript zu DUNE fische ich aus dem Stapel der Drehbücher, die eigentlich schon für die vorformulierte Absage beiseite gelegt wurden. Entgeistert frage ich meine Chefin, warum die geplante Neuverfilmung eines SF-Klassikers nicht mal „inhouse“ gelesen wird. Sie zuckt mit den Schultern und murmelt was von „SF machen wir ja eigentlich nicht“. Ich kontere, dass DUNE nicht SF ist, sondern der LAWRENCE VON ARABIEN der SF. Ein ganz großes Epos mit dem Potenzial, ein absoluter TV-Event zu werden.

Es soll sich bald herausstellen, dass die Phrase „Der LAWRENCE VON ARABIEN der SF“ ungeheuer potent ist und immer wieder Leute an Bord holt, die sich sonst an dem Genre nicht die Finger schmutzig machen würden.

Ich lese das Skript gegen alle Widerstände doch, finde es gut, wenn auch verbesserungswürdig, schreibe einen Reader’s Report – und in der Tat beginnen wir Gespräche Richard Rubinstein und Mitchell Galin von New Amsterdam, den Produzenten der Miniserie. John Harrison ist zu diesem Zeitpunkt auch schon als Autor und Regisseur an Bord – die Jungs kennen sich schon sehr lange, da passt kein Blatt Papier zwischen. Als Budget wird 25 Millionen Dollar angepeilt, gedreht werden soll in Südafrika oder in Indien.

Natürlich darf man zu diesem Zeitpunkt die Frage stellen: braucht die Welt eine DUNE-Neuverfilmung? David Lynchs seinerzeit gescheiterte Kino-Adaption hat sich ja mittlerweile zum verehrten Klassiker gemausert. Aber trotzdem wird sie Frank Herberts  Romanen nicht gerecht und ich sehe die Chance, mit einer viel größeren Laufzeit und weiter entwickelten Spezialeffekten eine ganz neue, eigene Vision zu schaffen, Nicht besser als Lynch, aber auf eine bescheidene Art ebenbürtig.

Es folgen die guten Monate, die eine solche Produktion meistens erlebt: man lernt sich kennen, man ist freundlich zueinander, Vorschlägen wird zumindest mit Wohlwollen begegnet, erste Casting-Ideen schweben im Raum. Ich treffe Richard Rubinstein im Hilton in New York, maile John Harrison ein paar Notizen, etabliere mich aber auch als harter Knochen, wenn es um die Skripts geht, die ich teilweise zu banal und langatmig finde. „Creative honeymoon“ nennt man diese Phase in der Branche gerne.

Die Realität holt uns dann zeitnah ein: das Budget ist deutlich zu knapp bemessen, aufwändige Außendrehs in der Wüste damit zu riskant, Kameramann Vittorio Storaro besteht zudem darauf, mit Translights zu arbeiten, semi-transparenten Hintergründen, die durch unterschiedliche Beleuchtung verschiedene Stimmungen vermitteln können.

Ich melde Bedenken an: als großen Event möchte ich DUNE eigentlich nicht vor einer Kulisse mit gemalten Stofftapeten sehen. Man versichert mir, das werde am Ende ganz tuffig und super aussehen. Viel zu sagen habe ich sowieso nicht – zumal diese Arbeit zufällig von Vittorio Storaros Sohn Fabrizio verantwortet wird.

Richard Rubinstein versucht im Behind the Scenes-Material, die primär finanziellen Gründe für den Studio-Shoot nach Kräften schön zu reden:

Die Außendrehs, die er hier noch andeutet – sie werden uns auch diverse Male versprochen, um den Look der Miniserie etwas zu öffnen. Aber sie finden nie statt.

Nächster Stolperstein: ProSieben entschließt sich, die Abteilung Koproduktion schlicht aufzulösen. Glücklicherweise schafft es meine Chefin, das gesamte Konstrukt in eine eigene Firma auszulagern und die bei ProSieben begonnenen Projekte mitzunehmen. DUNE wandert zu Tandem – und ich auch, als Entwicklungschef. Die Miniserie wird unsere erste Event-Produktion (es sollen noch einige folgen).

1998 und 1999 nimmt das Projekt dann doch Fahrt auf. Der SyFy-Channel ist an Bord, als erster großer Fisch wird William Hurt gecastet. Der stellt sich leider als schwierig heraus: es ist kein Geheimnis, dass er sich primär als Kinostar sieht und Fernsehen für unter seiner Würde hält. Jeder Kontakt mit ihm ist schwierig, er will fast keinerlei Set-Fotografien absegnen und spielt generell die Primadonna. Bei der Premiere der Miniserie in Hamburg werde ich später noch merken, wie schnell Hurt zwischen öffentlich-freundlich und privat-arrogant hin und her schalten kann.

Von deutscher Seite aus bringen wir Uwe Ochsenknecht als Stilgar unter, den Anführer des Stammes der Fremen. Das geht etwas nach hinten los, denn in deutschen SF-Foren bricht sofort ein alberner Shitstorm nach dem Motto „Mit UWE OCHSENKNECHT? Dann ohne mich!“ los. Wie immer entscheiden die Nerds schon vorab, dass das Projekt natürlich nix taugen KANN und nach einer Weile versuche ich gar nicht mehr, auf die Destruktivität dieser Einstellung zu verweisen (sie wird sich bei ICE PLANET und bei PERRY RHODAN wiederholen – auch darüber wird noch zu schreiben sein). Warum Deutschland keine gute SF für Fernsehen und Kino zustande bringt? Weil sein Fandom sie nicht verdient.

Wie befürchtet, nistet sich die Produktion von DUNE 1999 schließlich in den altehrwürdigen, aber auch etwas heruntergekommenen Barrandov Studios in Prag ein. Es zeigt sich, dass man bei der Auswahl der Crew ein gutes Händchen gehabt hat – Production Designer Kreka hat das Mammutprojekt voll im Griff:

Hier ein interessantes Interview mit ihm über den kreativen Prozess:

Auch Producer und Production Manager David R. Kappes stammt aus dem Dunstkreis von Rubinstein / Galin / Harrison und entpuppt sich als Vollprofi. Ich lerne von ihm, wie man in der brutalen Hektik einer solchen Produktion jeden Tag mehr als tausend Probleme gleichzeitig löst. Vor Ort die Fäden zu ziehen ist in meinen Augen der schwerste Job – schwerer als der des Regisseurs, schwerer als der des Hauptdarstellers.

Obwohl mir die Idee, die Weiten von Arrakis komplett in einem Studio zu realisieren, schwer auf dem Magen liegt, will ich nicht alles schlechtreden: die Kostüme sind toll, die Sets sind es auch. Ich halte Alec Newman für eine guten Paul Atreides, Ian McNeice ist klasse, P.H. Moriarty sowieso, mit Giancarlo Giannini haben wir eine echte Legende in einer Nebenrolle dabei und Julie Cox ist nicht nur süß, sondern auch sehr freundlich.

Primär mit William Hurt hadere ich, denn seine leicht lethargische Spielweise dämpft den Ton der Produktion deutlich. Er zeigt mir zu wenig Stärke – vor der Kamera. Hinter der Kamera hat er keine Probleme, sich durchzusetzen. John Harrison müht sich sichtlich, Hurt zu führen, aber Hurt lässt sich nicht führen. Abermals wird deutlich, dass er DUNE für unter seiner Würde hält. Und das merkt man.

Und dann ist da Matt Keeslar, der den Feyd Rautha spielt. Klar hat er den Body für die Rolle und er hängt sich besonders bei den Kampfszenen deutlich rein, aber ich halte ihn schlicht für falsch in der Rolle. Er strahlt weder Brutalität noch Zynismus aus, sein Gesicht ist zu „american pretty“.

Als MIDDLE MAN wird Keeslar in ein paar Jahren noch die Rolle seines Lebens finden.

Ich will nicht ausschließen, dass meine Schwierigkeiten mit dem Cast auch damit zusammen hängen, dass Jürgen Prochnow und Sting in diesen Rollen in David Lynchs DUNE wirklich herausragend waren. Hurt und Keeslar sind vielleicht in zu große Fußstapfen getreten. Davon kann man sich schwer lösen.

John Harrison müht sich jedenfalls nach Kräften, allen Ansprüchen gerecht zu werden:

Egal, die Produktion rollt, es gibt kein Zurück – dann eben mit William Hurt im Studio in Tschechien. Wenigstens bekommen wir vom Set regelmäßig das Feedback, dass alles weitgehend glatt läuft. Das bestätigt sich, als wir am 7. Dezember 1999 selber mal in Prag vorbei schauen: die Stimmung ist vergleichsweise gut, die Darsteller kommen halbwegs miteinander aus, der Drehplan wird wohl eingehalten.

Es ergreift einen schon eine gewisse Ehrfurcht, wenn man die alten, etwas schrabbeligen Hallen von Barrandov betritt: Hier wurden schließlich Teile von AMADEUS gedreht, von YENTL, von MISSION: IMPOSSIBLE, aber auch PAN TAU und DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL. 2019 filmt man dort DIE HEXENPRINZESSIN nach einer Vorlage von Kai Meyer. Coole Sache.

Während unserer zwei Tage 1999 plaudere ich mit Alex Newman, der sich ärgert, dass man meinen Vorschlag für Feyd Rautha nicht berücksichtigt hat: Zen Gesner, zu der Zeit als SINBAD im Serien-TV unterwegs. Newman kennt Gesner noch aus seiner Londoner Theaterzeit und ist überzeugt, dass mit ihm ganz andere Kampfchoreographien möglich gewesen wären. Julie Cox erzählt mir von ihrem nächsten Projekt – dessen Regisseur ich zufällig kenne. Saskia Reeves hat Besuch von ihrem Lover (?) – und ich könnte schwören, es ist der zu diesem Zeitpunkt noch fast unbekannte Idris Elba. Mit dem knurrigen P.H. Moriarty freunde ich mich sogar ein wenig an, er besorgt mir später Karten für diverse Londoner Aufführungen.

Besonderen Spaß machen mir die Gespräche mit Ernest Farino, der für die VFX zuständig ist und diverse Male mit Charles Band gearbeitet hat. Die Welt ist klein und es treffen sich zwei echte Nerds:

Hier bekommt ihr einen weiteren sympathisch direkten Einblick in die Produktion:

Als ich wieder in den Flieger nach München steige, habe ich ein vom Regisseur signiertes Design des Ornithopters im Handgepäck:

Zuhause geht die Arbeit weiter, bzw. erst richtig los. Ich schreibe seitenlange Notizen, verweise auf problematische Stellen im Skript, lasse mir kistenweise „dailies“ (ungeschnittenes Material direkt aus der Kamera) schicken. Weil wir nur begrenzten Einfluss haben, versuche ich es immer erst mit Überzeugung. Nur sehr selten muss ich auf Floskeln wie „als Partner können wir das so nicht stehen lassen“ zurückgreifen.

Nach Ende der Dreharbeiten im Dezember 1999 (wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt) geht es an die Post Production und auch hier bin ich wieder live dabei: in Los Angeles sitze ich mit John Harrison in einem kleinen Holzhaus am Schnittcomputer, ich schaue Ernie Farino bei der Nachbearbeitung der CGI über die Schulter.

Um ganz ehrlich zu sein: zufrieden bin ich nicht. Die Translights sehen genauso fake aus, wie ich es von Anfang an befürchtet hatte und die Ausrede „einzigartiger visueller Stil“ kann ich dafür nicht gelten lassen. Besonders im ersten Teil ist das Erzähltempo teilweise bleiern und diverse der Weltraumsequenzen haben den Charme von BABYLON 5 – was wahrlich kein Lob ist, denn BABYLON 5 ist als Low Budget-Serie sicher nicht der Maßstab, den wir bei unserem Event anlegen wollen.

Es gibt immer wieder Absprachen, wie lang die drei Teile werden sollen. Da gibt es deutliche Unterschiede: SyFy will maximal 95 Minuten pro Episode, um inklusive der Werbung nicht den zugewiesenen 2 Stunden-Slot zu durchbrechen. Da ist die Produktionsfirma New Amsterdam in der Pflicht. Außerdem gilt: keine Nacktszenen für das prüde US-Publikum. In Deutschland sieht es ganz anders aus: Nacktszenen gerne (in diesem Fall von Barbora Kodetová als Chani), und je länger die Laufzeit, desto mehr Spots kann man einfügen. Dieser Anblick bleibt dem Amerikanern also „erspart“:

John Harrison freut die Option, eine seiner Vision gerechte „Langfassung“ zu erstellen, auch wenn ich wieder mal Bedenken trage, dass die eh schon etwas gemächlichen Skripts nicht besser werden, wenn man ihnen zu viel Leine lässt.

Es wird noch viel geschliffen, diskutiert, justiert und angepasst, aber letztlich lerne ich erneut, dass die Amerikaner die Europäer bestenfalls als geduldete Juniorpartner sehen und vorher gerne viel versprechen, was sie hinterher nicht zu halten beabsichtigen.

Egal – es ist gedreht, es muss auf Sendung. Weder der SyFy-Channel noch ProSieben lassen sich lumpen, es wird kräftig getrommelt. In New York hängen haushohe Plakate für die Miniserie:

In den USA läuft DUNE im Dezember 2000, auf ProSieben dann im April 2001. In Hamburg präsentiert Tandem die erste Episode bei einem großen Gala-Screening. Ich werde Gina Wild vorgestellt. Man nimmt, was man kriegen kann.

Das Lexikon des Internationalen Films urteilt zum Sendestart:

„Dialoglastige, theatralisch inszenierte Fernseh-Miniserie, die an ihrer unterbudgetierten Ausstattung und schlechten Spezialeffekten krankt.“

Dem kann ich nicht mal widersprechen. Aber: Die Quoten sind hervorragend. Der SyFy-Channel räumt mit den drei Teilen derart ab, dass die Zuschauerzahlen in den nächsten zwei Jahrzehnten nicht mehr übertroffen werden. Bei ProSieben ist es nicht ganz so fett, aber weit über dem Durchschnitt und jenseits von allem, was man heute gewohnt ist.

Trotz aller Probleme der Produktion, trotz des unbefriedigenden Ergebnisses, trotz der sehr mauen Kritiken – DUNE ist ein unbestreitbarer Mega-Erfolg. Alle Beteiligten klopfen sich massiv auf die Schulter. Kommerz hat Kunstanspruch besiegt, es gibt keinen Verlierer außer der Idee, David Lynchs DUNE eine ebenbürtige, aber völlig anders geartete Adaption der Romane von Frank Herbert zur Seite zu stellen.

Einschub: Man muss aber auch fair sein – um die Jahrtausendwende war der Versuch, ein solches Mega-Projekt zu stemmen, deutlich anspruchsvoller. Es gab in der Branche weniger Geld, man musste sich teilweise ein Dutzend internationaler Partner suchen, um das Budget zusammen zu kratzen. Und jeder Partner wollte mitreden – von den Einschränkungen durch regionale Jugendfreigaben ganz zu schweigen. So etwas wie DUNE würde heute Amazon oder Netflix machen, komplett selber finanzieren – und dann wäre auch mehr Raum für die „künstlerische Vision“. Unsere Miniserie war einfach eine Generation zu früh dran.

Dennoch ist es kein Wunder, dass SyFy nach dem Erfolg der ersten Miniserie sofort eine Verfilmung der weiteren DUNE-Romane wünscht. Aber ProSieben winkt ab – zwar freut man sich über die Quoten, aber sie waren auch teuer erkauft und in Unterföhring hatte man sich qualitativ mehr erhofft. Mag sein, dass auch die sich langsam anbahnenden Schwierigkeiten im Hause Kirch ihren Teil zur Ablehnung beitragen.

Es gehört zu den Selbstverständlichkeiten der Branche, dass Rubinstein und Galin nicht mit der Wimper zucken – statt ProSieben holt man RTL ins Boot und weil die Kölner kein so großes Mitspracherecht verlangen, wird Uwe Ochsenknecht als deutscher Part rausgekegelt. Seine Rolle übernimmt Steven Berkoff. Saskia Reeves wird durch Alice Krige ersetzt (ein Fehler, wie ich finde). Hierzu gibt es widersprüchliche Informationen – von der Produktion heißt es, man hätte Krige schon für die erste Trilogie haben wollen, andere Quellen wissen, Saskia Reeves sei schlicht wegen Schwangerschaft verhindert. Vielleicht stimmt beides irgendwie, vielleicht stimmt nix davon.

Die Starpower liefert statt William Hurt nun Susan Sarandon. Im Zentrum steht allerdings der praktisch unbekannte James McAvoy – hat man von dem eigentlich jemals wieder was gehört?!

Meine Meinung? CHILDREN OF DUNE ist dem Vorgänger in jeder Beziehung überlegen. Die Regie ist deutlich straffer, der Look konsistenter, die Palette breiter. Regisseur Greg Yaitanes ist nicht ohne Grund einer der gefragtesten Regisseur von Edel-TV-Serien wie HOUSE, LOST und HEROES. Allerdings sieht die CGI teilweise immer noch beschämend simpel aus und ich würde sogar Geld drauf wetten, dass in einigen Szenen Raumschiff-Modelle aus BABYLON 5 eingekauft und für die neue Produktion angepasst wurden. Trotzdem ist CHILDREN OF DUNE näher an dem dran, was ich mir für die erste Miniserie erwartet hatte. Böse Zungen könnten nun sagen: ohne den doofen Dewi an Bord ist es gleich viel besser geworden…

Doch es rächt sich, dass DUNE die Leute zwar in Scharen angezogen, letztlich aber enttäuscht hat – CHILDREN OF DUNE kann den Erfolg in keiner Weise wiederholen und läuft hierzulande auf RTL sehr mau. Damit sterben auch alle Pläne, weitere Adaptionen der Herbert-Bücher zu produzieren, einen leisen Tod.

Wann immer ich in der Folge auf SF-Fans treffe und das Gespräch auf DUNE kommt, bin ich offen: das finale Produkt hat mich enttäuscht. Aber ich hatte davon mehr als die Zuschauer, weil ich den Entstehungsprozess aus erster Hand miterleben durfte – und der war viel spannender als die drei Teile der Miniserie. Ich habe hier im Schrank immer noch die Ausgabe des Romans, den die Beteiligten vor Ort für mich signiert haben:

Falls ihr es schlecht lesen könnt:

„Torsten – thanks for you intelligent advice and your constant support.“

Intelligent advice! Constant support! HA!

Außerdem habe ich immer noch eine Milchflasche mit Sand von Arrakis, den ich in den Barrandov-Studios in meine Jackentasche geschaufelt habe – kombiniert mit dem „Schnee“ des ICE PLANET, dessen Story es auch noch zu erzählen gilt:

Das ist also MEINE Geschichte von DUNE. Wer die „official story“ wissen will (ebenfalls mit üppig Video-Material), sollte versuchen, das Buch von James van Hise zu bekommen, das ich eigentlich selber schreiben wollte, aber nicht durfte:

Ich selbst habe dann „nur“ den Story-Bildband zur Miniserie fabriziert:

Falls wen interessiert, wie so ein Buch zustande kommt: Man sitzt mit den Rohschnittfassungen aller drei Teile der Miniserie in einem Kellerstudio bei Kirch in Ismaning und lässt den Cutter von jeder relevanten und nicht durch zu starke Bewegungen verwischte Szene einen Screenshot machen. Dann schreibt man zu jedem Screenshot eine Handlungsbeschreibung. Hat mich insgesamt zwei Nachmittage gekostet und meinen neuen Motorroller finanziert.

Und ja klar, natürlich habe ich das Manuskript für den „Story-Bildband“ noch als DOC-Datei auf meiner Festplatte – das begann am 28.1.2001 ungefähr so:

Damit kommen wir nun endlich zum ursprünglichen Aufhänger dieses Beitrags, der sich durch den Beitrag eigentlich schon wieder erledigt hat – hier sind knapp zehn Minuten körniges und wackeliges Videomaterial von meinem Besuch am DUNE-Set in Prag, bereinigt um einige Gesprächspassagen und Personen, von denen ich nicht weiß, ob sie in dieser Form gesehen werden wollen.

Nicht schön, nicht gut – seht es als krudes Zeitdokument, das auf diese Weise erhalten wird. It is what it is – mit einem Leckerli für alle, die bis zum Schluss durchhalten:

MEINE Geschichte von DUNE mag damit vorbei sein – die Geschichte von DUNE ist es natürlich nicht. Für 2020 steht eine neue Version in den Startlöchern. Denis Villeneuve hat mit BLADE RUNNER 2049 vielleicht nicht die Fortsetzung des Klassikers geschaffen, die wir alle wollten, aber er hat sich auf jeden Fall für DUNE empfohlen. Sein Ansatz ist so einmalig wie zwingend: einem Kinofilm wird eine angeschlossene TV-Serie folgen. Und Frank Herbert kann vielleicht endlich aufhören, im Grab zu rotieren…



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Exverlobter
Exverlobter

Also James Mcavoy übernahm die Rolle von Patrick Stewart als Professor x in den x Men Filmen. Vielleicht ist er kein Tom Cruise aber „gehört“ hat man von dem auf jeden Fall 😉

Chris Schulze

Ironie ist nicht so deins?

Dietmar

Hihihi! 🙂

Thor
Thor

Sehr sehr geil.

Vielen Dank für diesen langen Einblick, ich freue mich jetzt schon auf ICE PLANET 😀

Zornedinger
Zornedinger

Schöner Rückblick. Auf deine Verdienste in Sachen deutsche SF (es war ja eben nicht nur Geld, sondern kreativer Input) kannst du stolz sein. Die Windmühle in Gang zu setzen mag wohl den intelligenten Lemuren anno 3000 vorbehalten bleiben, aber du hast das Rad gedreht. Wahrnehmbar. „Children of Dune“ schätze ich sehr, McAvoy hat geliefert, die Musik war zweiter Hauptdarsteller, alles glänzte optimiert (sogar die Studiowüste überzeugte). Aber ohne die erste Miniserie wäre es nie dazu gekommen, auch sie hat schöne Seiten – aber definitiv nur abseits des tranigen Hurt. Die Hurt-Hamburg-Anekdote wäre eine schöne Sache für die Dewi-Con, für die ich immer noch plädiere. A guy can dream.

Dietmar

Das ist ein so schöner Kommentar, dass ich nichts mehr zu sagen weiß. Wieder eine tolle Geschichte.

Dietmar

Nur überflogen; gerade keine Zeit zum Lesen weil Unterrichtsbesuch bevorsteht. Die Widmung ist jedenfalls der Hammer!

Flossensauger
Flossensauger

Danke für diesen Artikel. Ochsenknecht war aber echt scheisse. Warum nicht Ottfried Fischer als Vladimir Harkonnen? Und ich fühle mich zum widerholten Male bestätigt, das eine weitere Perry Rhodan Verfilmung nicht nötig ist. Das sage ich als geneigter, aber nicht dem Fandom zugehöriger Terraner.

jimmy1138
jimmy1138

Mein Gedächtnis mag mich zwar täuschen, aber hat es nicht geheißen die neue Dune-Verfilmung kommt als Zweiteiler? War auch mein Problem mit der Lynch-Verfilmung, daß es dann v.a. zum Ende hin zu schnell ging mit der Handlung – was vermutlich eher an den Produzenten lag, die den Film auf etwas über 2 Stunden runterbringen wollten.
Die Serie soll ja ein Prequel über die Bene Gesserit sein, was ja immer ein gewisses Problem in sich birgt, weil man im Prinzip schon weiß, wie alles ausgeht.

Exverlobter
Exverlobter

Würde mich mal interessieren ob Hurt seine Einstellung gegenüber TV angesichts der Dominanz von Amazon, Netflix etc. Mittlerweile geändert hat.

Thies
Thies

Google ist dein Freund! Und Imdb ebenfalls. Er hat in den letzten 10 Jahren in wenigstens 8 Serien/TV-Mehrteilern mitgespielt. Ob er es immer noch als unter seiner Würde ansieht wird er wahrscheinlich nur privat äussern, aber entsprechende Angebote nimmt er offenbar gerne mit.

P.S. – Ich finde es wirklich schade, dass er als Darsteller in vielen Filmen mit zutiefst humaner Botschaft, als Lohnempfänger offenbar die Diva gegeben hat. Das schmälert nicht seine Leistungen in sehr guten Filmen, aber es wirft einen Schatten.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann

Geld stinkt nicht, wohl auch der Grund, wieso er überhaupt für Dune unterschrieben hatte. Anscheinend hat sich aber ausgezahlt, in dem mauen Hulk Film mitgespielt zu haben, angeblich gabs 18 Millionen für die letzten Avengers + Black Widow. Falls der nochmal im TV auftaucht, dann wohl nur, weil er wohl zu tief im Schnee geschnuppert hat (zumindest laut einer seiner Expartnerinnen).

Maxiplus
Maxiplus

Cooler Flashback an längst vergangene, aufregende Zeiten, ich erinnere mich noch gut. Mach doch endlich mal den grossen „Ice Planet“-Report, da warte ich schon seit Jahren mit Spannung drauf. Ich habe dort damals als Concept Artist im Production Design Department gearbeitet.

Harry
Harry

Toller Bericht auf den ich schon sehr lange gewartet habe! 🙂
Ich fand die Mini-Serie für die damalige Zeit ganz gut bis auf den Sand der ab und zu nicht zum Hintergrund passte. Klar dachte man immer wieder zB. bei den CGI Effekten “schade das es Da an Geld gefehlt hat“ Uwe Ochsenknecht fand ich überraschend gut aber William Hurt war eine Schlaftablette und in meinen Augen völlig fehlbesetzt. Wenn man daran denkt was heute möglich wäre im TV/Streaming Bereich. Bin jetzt einmal gespannt auf die Neuverfilmung von Denis Villeneuve der das erste Buch in zwei Filme packen will und die Serie “The Sisterhood“ über die Bene Gesserit für den WarnerMedia Streaming (HBO+ ??) Service.
Freu mich auch schon auf die Story über den “Ice Planet“.

Marsel
Marsel

Dass auf den neuen Film eine Serie folgen soll lese ich hier zum ersten mal. Ich dachte eigentlich, im besten Fall würde dann auch noch die zweite Hälfte des Buchs verfilmt.

Übrigens liebe ich den Lynch-Film (seine Fassung), nur schon wegen der Legionen von großartigen Schauspielern, und alles was nachher kam war einfach nur billig und der Bücher unwürdig, meiner Meinung nach.
Allerdings wird Frank Herbert nicht aus dem Rotieren raus kommen, wegen der literarischen Verbrechen seines eigenen Sohnes.

Matts
Matts

Das ist doch mal wieder ein schönes Stück Trivia – vielen Dank dafür!
Auch wenn die Mini-Serie nicht der allergrößte Wurf gewesen ist, hab ich doch ein gewisses Herz dafür. Wenn ich heutzutage noch Fernsehen gucken würde, und sie würde laufen, würde ich auf jeden Fall dranbleiben. Ich mag die Designs und die Tatsache, dass man sich, im Gegensatz zum Lynch-Film, die nötige Zeit nimmt, um den Plot abzuarbeiten. Das Highlight ist für mich nach wie vor die Performance von Ian McNeice als Baron Harkonnen.
Was die kommende Verfilmung angeht: Nach allem, was ich bisher von Denis Villeneuve gesehen habe, und dann noch dieser Cast – ich bin schwer gehypt!

comicfreak
comicfreak

..irgendwie bist du wie die Figuren in „Es war einmal: der Mensch“; immer genau zur richtigen Zeit am Anfang von etwas großem.

Dietmar

😀

tokra
tokra

Ich war ja damals dankenswerterweise mit dir auf der Premiere in Hamburg. Da lief übrigens der DRITTE Teil und davor ein 15-Minuten-Zusammenschnitt der ersten beiden Teile, was das Publikum (inkl. deutsche B- und C-Promis), die die Vorlage vermutlich größtenteils so gar nicht kennen, eher verwirrt haben dürfte.

Hendrik

Wirklich wieder mal ein erstklassiges Lesestück – vielen Dank für den tollen, ausführlichen Insider-Blick hinter die Kulissen!
Ich warte immer noch gespannt auf deine ICE PLANET-Story, die mich brennend interessiert – seit ich in der TV-HIGHLIGHTS anno irgendwann (wann war es eigentlich, 1999/2000 rum?) …, davon las, dass man hierzulande eine von Hendrik Hey produzierte SciFi-Serie à la STARGATE SG1 machen wolle, war ich dafür Feuer und Flamme und dementsprechend als Teenager damals enttäuscht, dass nichts Handfestes daraus geworden ist.
Aber vielleicht macht ja irgendwann jemand den ICE PLANET auf Netflix, AppleTV+ oder Amazon, zusammen mit der langersehnten Verfilmung der ASTRO-SAGA? 😉

Torsten Dewi

Danke für den Tipp, ich muss mir mal den Artikel aus der TV Highlights zur Recherche besorgen.