Vorab: ich bin kein Kenner der aktuellen Con-Szene in Deutschland, wo sich Tausende Fans meist über ein Wochenende zusammen finden, um durch Hallen zu wandeln, Merchandise zu kaufen, Cosplayer zu bestaunen und „ihre“ Stars zu treffen. Cons waren zu meiner Zeit eine semi-professionelle Nummer, die aus Leidenschaft und nicht aus kommerziellem Interesse betrieben wurden, bis Dirk Bartholomä mit den FedCons ein wenig Organisation und Verlässlichkeit in die Sache brachte – dafür gebührt ihm Respekt. Er hat in den 90ern den unfruchtbaren Boden bereitet.

Ich bin auch überrascht, wie sehr der Markt für Cons in den letzten Jahren explodiert ist. Waren Conventions jenseits von Star Trek, Star Wars und Doctor Who traditionell kaum lebensfähig, sind die Mix-Cons – mit Stars und Sternchen aus den unterschiedlichsten Franchises – heute ein fettes Geschäft. Und wo ein fettes Geschäft ist, da sind Neid, Nachtretereien und generelles Gezänk in den Sozialen Medien nicht weit.

Ich habe keine Übersicht über die Anbieter, die Events, die Locations – TOR Online glücklicherweise schon. Wahnsinn, was der Markt mittlerweile trägt, vor allem angesichts der damit verbundenen Kosten. Freundlich könnte man sagen, dass deutsche Fans gerne in ihr Hobby investieren – weniger freundlich, dass der deutsche Fan sich gerne melken lässt.

Für alle, die da nicht so drin sind: Es ist nicht wie früher, dass man auf solchen Veranstaltungen die Stars auf der Bühne sieht, Fragen stellen kann und hinterher für Autogramme und Fotos umringt. Heute regieren knallharte Abfertigungsmechanismen wie beim Security Check am Flughafen: lange anstehen, viel Geld bezahlen, und dann ganz fix ein Bild mit einem (oft offen desinteressierten) „Star“ schießen. Preise über 100 Euro sind oft genug eher die Regel als die Ausnahme.

Ihr seht den stummen Hilfeschrei in Brent Spiners Augen, oder?

Überhaupt die „Stars“ – da wird der Begriff mittlerweile so gedehnt wie beim Dschungel-Camp. Für jedes tatsächlich bekannte Gesicht kommen fünf Nasen, die mal bei Star Wars im Hintergrund in der Nase gepopelt haben oder beim Herrn der Ringe in eine Lavagrube geplumpst sind. Programm- und Lückenfüller, die teilweise erstaunlich gut davon leben können, pseudo-prominent zu sein. Wobei ich bei denen zumindest gelten lasse, dass sie ja von irgendwas leben müssen.

Man hört ja auch immer wieder launige Anekdoten von Stars, die sich von Fans keinesfalls berühren lassen (gerne mal aus angeblich „religiösen Gründen“) und solchen, die sich mit Raumteilern vom zahlenden Pack abgrenzen. Sympathisch.

Egal, ist ja nicht mein Problem, ich fahre da nicht hin, ich bezahle das auch nicht. Ich habe auch keine Loyalitäten. Da ich Cons und Veranstalter nicht kenne, ist mir das alles schnurz. Ich bekomme nur peripher mit, was sich im Umfeld abspielt. Berichten kann ich nur über Auswüchse, die mich stören.

Aber die letzten zwei Wochen gab es ein Drama, zu dem ich mich nun doch mal äußern möchte. Es fing damit an, dass die Filmbörse Dortmund ankündigte, einen ganz besonders großen Fisch an der Angel zu haben – wenn nicht gar den Moby Dick selbst:

Arnold Conan Terminator City-Hai Hercules Mr. Freeze Dutch Schwarzenegger persönlich. Wer weiß, wie lange man sich mit der Action-Ikone der 80er und 90er noch fotografieren lassen kann, wie lange er noch Autogramme gibt. Last chance to see?

Es war zu erwarten, dass Arnie bei den Preisen saftig zulangen würde. Wer protestiert, der Mann sei doch reich genug, um für so etwas den Fans kein Geld aus der Tasche ziehen zu müssen, der hat nicht verstanden: der Mann ist so reich, WEIL er clever genug ist, den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es gibt wohl kaum jemanden, der sich besser vermarkten kann als Schwarzenegger – ob als Schauspieler oder Politiker.

Als die Preisvorstellungen publik wurden, sah ich mich zu einem Kommentar genötigt:

Ihr lest das richtig: 300 Ocken für einen Kritzel auf dem Foto und 500 Ocken für einmal in die Kamera gucken. Sondersupersparpreis für beides: 750 Ocken.

Oder wie ich das nenne: 2 Wochen Ibiza inklusive Mietwagen.

Am Arsch die Räuber.

Zu meiner Freude sahen die Fans das genauso und überzogen die Veranstalter mit wüsten Kommentaren über deren Mütter, Gegenstände in dafür nicht vorgesehen Körperöffnungen und generelle Eigenkopulation.

Die Veranstalter nahmen es… na ja, „gelassen“ wäre der falsche Ausdruck:

Ich persönlich bin der Meinung, dass ausfallende Äußerungen da durchaus angebracht waren – aber primär war ich gespannt, wie sich das entwickeln würde. Ist Schwarzeneggers Marktwert tatsächlich so hoch, dass er diese Preise verlangen kann? Haut der Durchschnitts-Geek wirklich so viel Geld für ein Autogramm und ein Foto raus? Ein interessanter Feldversuch.

Aber es war ja auch noch nicht aller Tage Abendprogramm:

Rechnen wir das mal kurz durch: Wenn Arnie 500 Autogramme kritzelt und 300 Fotos schießt, dann kommt er am Ende des Tages auf 270.000 Euro. Das entspricht einem Tageshonorar aus seinen besten Terminator 2- und True Lies-Zeiten.

Nun tat sich aber ein Problem auf: Die Fans zeigten auch nach der „Anpassung“ der Preise nicht ausreichend Interesse und ein anderer Veranstalter in Berlin kündigte ebenfalls einen Event mit Arnold an (der wohl sowieso in Europa ist, um einen Film zu promoten). Es wurde eng, sehr eng:

Und als es zu eng wurde, verschob man einfach den Termin:

Ich hätte in diesem Moment schon Geld gewettet, dass das nix wird. Dazu kam, dass auf einmal die ganze Berechtigung, überhaupt mit Arnold Kasse machen zu wollen, in Frage gestellt wurde:

Und so kam es, wie es kommen musste:

Ich halte es für angebracht, sich diese Schönschreiberei der Vorgänge mal entspannt durchzulesen. Machen wir uns nichts vor: Es gibt einen faktischen Grund, warum Arnold nicht kommt – zu wenig Nachfrage bei den Preisen. Und es mag noch einen inoffiziellen Grund geben: womöglich hätten die Veranstalter mit Arnold nicht verhandeln dürfen. Aber das ist natürlich Spekulation.

Bewundernswert kackfrech finde ich allerdings die „gute“ Nachricht. Nachdem man den Auftritt wegen der von den Fans abgelehnten zu hohen Preise abbläst, hält man es für tuffig und super, dass man nächstes Jahr nicht noch mehr verlangen wird. Dass die Fans „mehr Zeit benötigen“, ist ja auch eine klare Ansage: kräftig sparen!

Abgesehen davon, dass ich es für naiv halte, nächstes Jahr das Publikum zu erwarten, das schon dieses Jahr deutlich den Stinkefinger gezeigt hat, kann ich ziemlich sicher unterstellen, dass es seitens Schwarzenegger keine verbindliche Zusage für 2020 gibt, weil der Mann sich mit Sicherheit nicht über ein Jahr vorher für einen Event festlegen lässt, dessen Finanzierung noch gar nicht gesichert ist. Im schlechtesten Fall sagt er ab, im besten Fall wiederholt sich das Debakel von 2019.

Eine Ausnahme, eine Exzesse, sicherlich. Aber auch exemplarisch für das, was sich momentan da abspielt. Die Preise schaukeln sich hoch, es wird immer mehr Geld für immer weniger Starpower verlangt, es geht schon lange nicht mehr um Refinanzierung oder soliden Profit – die Veranstalter loten aus, wo die Schmerzgrenzen sind, es geht nur noch um Gewinnmaximierung. Der deutsche Geek hat Geld in der Tasche, und das muss da raus geangelt werden.

Beim Neon Zombie stieß ich zu der Aktion auf folgende Aussage:

„Kontext ist wichtig: Die Preise orientieren sich am Marktwert des Stars, werden vom Management festgelegt und sind auf der Filmbörse Dortmund sogar deutlich günstiger als bei anderen aktuellen Events.“

Darauf schrieb ich:

„Hier wird einem Irrtum aufgesessen. Der Marktwert des Stars orientiert sich am Interesse der Besucher. Ist das Interesse der Besucher gering, ist der Marktwert gering, und dem müssen die Preise dann angepasst werden. Ob der Preis für die Autogramme und die Fotos angemessen oder gar „günstig“ ist, wird man sehen, wenn es genug Leute gibt, die ihn zu zahlen bereit sind. Das Risiko dabei: wenn der Marktwert überschätzt wird und die Leute den Preis nicht zahlen wollen, ist der Marktwert im konkreten Fall sogar null. Ich denke, dass in diesem Spannungsfeld die Zahlungsbereitschaft im deutschen Con-Kontext massiv überschätzt wird. „

Ich stellte eine weitere Modellrechnung auf:

„Wenn der Deal nicht zustande kommt, weil die deutschen Fans das nicht zu zahlen bereit sind, dann sinken die Einnahmen augenblicklich auf Null. Würde er hingegen die Kosten um die Hälfte senken, hätte er in dieser Rechnung 175.000 Euro Einnahmen – und eventuell deutlich mehr, weil sich mehr Fans die niedrigeren Preise leisten könnten. Nicht auszuschließen, dass er mit dem halben Preis dann sogar die selben Einnahmen erreicht hätte. Alles in allem pokert das Management hier unnötig hoch.“

Und so kam es ja auch.

Es ist das alte Spiel – der Kunde hat die Macht, aber nur, wenn er sie auch nutzt. Statt grummelnd zu zahlen, muss man auch mal auf breiter Front „nein“ sagen und die Geldbörse vor der Filmbörse verstecken. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, aber die „Stars“ würden Autogramme auch für die Hälfte, ein Drittel, sogar ein Viertel unterschreiben – wenn das ihr Marktwert wäre. Aber alle Geeks, die begeistert jeden Preis zahlen, treiben den Preis damit nach oben. Damit versauen die den Spaß zudem noch jenen Geeks, die das nicht mehr zahlen können. Die Fotos, die Autogramme werden mehr und mehr zum Luxusgut, zum Statussymbol, das sich nur noch Gutverdiener leisten können – und Kellerasseln wie Doc Acula.

Glaubt ihr nicht? Die würden nicht kommen, wenn man sie nicht so teuer bezahlt? Irrtum. Die hohen Preise sind eine recht neue Entwicklung. In den 90ern und bis in die 2000er kamen die Darsteller meistens für Festhonorare und tummelten sich dafür mit den Fans. Autogramme und Fotos waren oft kostenlos, sogar selbstverständlich. Als wir mit Claudia Christian bei der FantastiCon 1996 einen Star aus BABYLON 5 dabei hatten, wollte diese für ein Autogramm 15 DM – und brachte die notwendigen hochwertigen Photoprints gleich mit, weil die im Preis inbegriffen waren.

Um es ganz klar zu sagen – die Fans werden abgezockt und glauben auch noch allen Ernstes, die Stars würden hier aus Begeisterung für ihre Zuschauer lächeln. They are smiling all the way to the bank.

Ich weiß nicht, ob der Markt das alles wieder auspegeln wird.  Ob die Konkurrenz die Preise drückt und das Angebot verbessert oder ob sich mittelfristig ein Quasi-Monopolist etablieren wird, der dann grundsätzlich am Rande der sorgsam eruierten Schmerzgrenze agieren wird. Vielleicht bricht der Boom ja auch wieder zusammen und die Cons werden wieder „echte“ Fan-Events und keine Turbo-Kommerz-Veranstaltungen. Aktuell gibt es Cons mit mehr als 50 (!) „Stargästen“.

Mir kann’s schnuppe sein – ich habe kein Interesse, jemandem Geld für sein Autogramm zu zahlen oder für zwei Sekunden vor der Digicamera-Linse. Ich habe das hier, das reicht für den Rest meines Lebens:

Aber ihr seht das anders, oder?



avatar
12 Comment threads
13 Thread replies
1 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
17 Comment authors
Darum_keine_ComicConMichaelThomasWortvogelOnkelFilmi Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Dr. Acula

Brent Spiner war auch hundemüde, gab er am Autogrammtisch zu, aber – und das zeichnet den Profi aus, er gab auch zu Protokoll „the fans deserve it“, dass er sich eben auch halb k.o. an den Tisch setzt, seinen Namen malt und für jeden Fan auch noch ein nettes Wort oder zwei übrig hat. Die Trek-Darsteller sind da, glaub ich, auch ganz einfach anders „sozialisiert“ als der „gewöhnliche“ Schauspieler, der jetzt nicht einem speziellen Fandom verpflichtet ist.

Die Preise… ja, die sind in der Tat in letzter Zeit in einigen Fällen einigermaßen unverschämt geworden – ich hatte schon bei Wentworth Miller und Jon Bernthal und aufgerufenen 130 EUR pro Name/Foto dankend abgewunken (das teuerste, was ich bislang aber durchaus mit Freude hingeblättert habe, waren jeweils 100 EUR für Nathan Fillion, der dann entgegen der Vorwarnung auch völlig unallürig bei der Sache war, trotz kaputter linker Hand). Gerade hat Dortmund für Frühjahr 2020 Kaley Cuoco angekündigt, und da finde ich den aufgerufenen Preis 90/80 Tacken auch okay – BBT war DIE Serie des letzten Jahrzehnts. Ich persönlich freu mich aber auch immer über die (leider rarer gewordenen) Nostalgia Acts wie Caroline Munro, Corinne Clery, DIrk Benedict oder Judge Reinhold, die ich in den letzten Jahren erwischt habe und die sich das auch mit fairen 25-30 Euro vergüten lassen (und, da da gewohnheitsmäßig auch nicht so viel los ist am Stand, auch Zeit für ’ne lockere Plauderei haben); Marina Sirtis war mit 25 EUR auch ein rechtes Schnäppchen 🙂

Albern finde ich in der Tat auch das Ankarren vom dritten Sturmtrupper links aus Episode VII (wenn’s nicht grad Daniel Craig ist, hehe), aber… Marktwirtschaft, solang ein Bedarf da ist… das SW-Fandom scheint da noch bescheuerter zu sein als die Trekkies 🙂

Man kann aber eben auch zu einer Nischen-Con wie der Timelash (Doctor-Who-Convention) gehen, wo die Preise auch noch absolut im Rahmen sind (oder, hey, zur Astronomicon, hihi!).

Was nun den speziellen Arnie-Fall angeht. Das ist jenseits von allem, was gut und heilig ist. Meine absolute persönliche Schmerzgrenze für einen Star dieses Kalibers wäre 150 EUR pro Autogramm/Foto. Auch das ist schon ordentlich Holz und bezahlt sicherlich einen Flug über den Atlantik und zwei Nächte im 5-Sterne-Hotel…

Dietmar

Ach, komm schon, keine Ausreden! Der leidet! Und wer würde das nicht? *bösegrins*

Christian Siegel

Das ist auch noch ein guter Punkt: Jeder Star ist anders. Bei manchen hast du das Gefühl, die sehen das als notwendige Pflicht an, und andere wiederum sind ganz offenkundig mit Freude bei der Sache. Was letzteres betrifft, möchte ich von der diesjährigen FedCon u.a. Bruce Boxleitner hervorheben, der die Interaktion mit den Fans wirklich zu genießen schien, aber auch Anthony Daniels. Der war dann zwar schon nicht mehr ganz frisch, weil’s halt auch wahnsinnig anstrengend ist, stundenlang herumzustehen udn Autogramme zu geben (und der Jüngste ist er halt auch nicht mehr), aber wie er sich von der langen Schlange nicht beeindrucken ließ und durchgehalten hat, um sicherzustellen, dass auch möglichst jeder der ein Autogramm will eins bekommt, war schon vorbildlich.

Zugleich muss man halt auch insofern vorsichtig sein: Sind halt auch nur Menschen, und haben vielleicht manchmal einfach einen schlechten Tag; oder sind vom Jetlag noch geschlaucht. Eine wirklich unangenehme Erfahrung habe ich aber eigentlich eh noch nie gemacht.

Christian Siegel

Anders sehen nicht direkt, ich fand nur einige der beleidigenderen Kommentare in Richtung Veranstalter oder auch jene, die bereit waren, diesen Preis zu zahlen, daneben. Letztendlich muss das jeder mit sich selbst ausmachen.

Die Rechnung halber Preis doppelte Autogramme hatte ich zwar ursprünglich auch in den Raum gestellt; ist nur leider insofern falsch, als der Star deshalb ja nicht die doppelte Zeit vor Ort ist.

Ich seh’s letztendlich entspannt: Der Veranstalter sah die Möglichkeit, Arnold Schwarzenegger ins Land zu holen, und hat durchkalkuliert, wie hoch die Preise angesichts der von Arnie verlangten Gage – beim Maximum der in der Zeit möglichen Autogramme und Fotos – sein müssten, damit für sie auch noch was übrig bleibt. Wie sich herausstellte, war das zu hoch. Dennoch seh ich da nichts verwerfliches dran.

Im Übrigen bin ich riesiger Arnie-Fan, mir wär der Preis aber auch zu hoch gewesen. Zugleich gebe ich zu, bei € 200,- hätt ich wohl schon eher darüber nachgedacht (da wären das Problem dann eher die Anreise- und Aufenthaltskosten gewesen, die in meinem Fall, aus Wien, locker aufs doppelte gekommen wären). Letztendlich sind wir alle Fans, und wie der Name schon sagt mehr oder weniger fanatisch. Es gibt so viele Leute, die so viel Geld für alle möglichen Sachen ausgeben, die es mir persönlich nie Wert wären. Egal ob es sich dabei nun um supertolle (aber zugleich halt auch teure) Autos, neumodischen Luxus wie Apple Watches, oder auch nur Zigaretten handelt, die ebenfalls aufs Leben hochgerechnet einiges an Geld verschlingen können. Oder nimm Haustiere, die kosten auch was, von der Erhaltung über die Tierarztkosten bis hin zu, potentiell, der Anschaffung (bei Zuchttieren). Und wieder andere versaufen das, was ich an einem FedCon-Wochenende für Autogramme ausgebe, halt an mehreren durchzechten Wochenenden. Oder geben’s für Prostituierte aus. Jeder wie er mag. 😉

Wobei ich auch gleich sagen muss: Bei den Cons die ich bislang besucht habe, bewegte sich der Preis für Autogramme im Normallfall so zwischen 30 bis 50 Euro (William Shatner war da mit € 100,- schon die Ausnahme, aber das war für mich halt „once in a lifetime“). Und das finde ich für solch ein Erinnerungsstück letztendlich ok.

S-Man
S-Man

„Letztendlich muss das jeder mit sich selbst ausmachen.“

Das ist genau die Zwickmühle, die ich in letzter Zeit öfter diskutiert haben (ohne Ergebnis). Ja, natürlich kann und soll jeder selbst entscheiden, wie viel Geld er zu zahlen bereit ist. Und manchem ist es so viel Wert oder ihm tut es weniger weh, so etwas zu zahlen – aber das macht halt am Ende den Markt kaputt. Es müssen die drunter leiden, die solche Summen nicht aufrufen KÖNNEN.

In meinem Fall ging es dabei eher um Schwarzmarktpreise bei Konzerten. Ich finde das hier durchaus vergleichbar: Es werden halt Tickets zu Mondpreisen angeboten. WEIL es Käufer gibt, die sich das leisten wollen oder können. Dabei werden die Marktpreise aber so noch oben gezogen, dass der Otto-Normal-Verbraucher sich das nicht leisten kann. In dem Fall war das noch gravierender, weil die Band durchaus humane Ticketpreise aufruft, eben aus sozialen Gründen.

Aber aus Sicht des Einzelnen mit dem Geld kann ich das sogar nachvollziehen: Er will und kann sich das Foto/Autogramm/Konzert leisten und erfüllt sich damit vielleicht sogar einen langen Traum. Aber aus Sicht der Gesellschaft gesehen sollte das gemeinschaftlich geächtet und nicht mitgemacht werden. Auch wenn das heißt, dass der Einzelne dann traurig ist.

Am Ende bleibt also die Frage: „Muss das wirklich jeder selbst mit sich ausmachen?“ Oder anders: „Kann man mit sich ausmachen, dass eine Unterstützung nicht sozialverträglich ist?“

Christian Siegel

Die gesellschaftliche Verantwortung ist ein legitimer Einwand – ich würde aber behaupten, das ließe sich auch auf zahlreiche andere Themen anwenden, die wohl in Wahrheit auch geopolitisch gesehen wichtiger sind ;-).

OnkelFilmi
OnkelFilmi

Ich seh’s letztendlich entspannt: Der Veranstalter sah die Möglichkeit, Arnold Schwarzenegger ins Land zu holen

Großartig ins Land holen hätte er ihn nichtmals müssen. Arnie ist da eh zum einen wegen seiner „An Evening with…“-Veranstaltungen in Großbritannien und Deutschland, obendrein auch noch auf Promotour zu T6, UND weilt davor sowieso „in der Gegend“, weil Oktoberfest ist…

Das war mehr ein „Versuchen wir mal, uns da ranzuhängen, und der Konkurrenz, die eine Woche später stattfindet, ein muskelbepacktes Bein zu stellen…“

Wolf Dieter Vogt
Wolf Dieter Vogt

Nö. Ich würde nie für ein Autogramm oder ein Foto bezahlen.

Eine Bekannte zahlt teilweise (in meinen Augen) Unsummen für ein „meet and greet“ mit ihren Lieblings- „Stars“. Ich wüßte nicht, was ich mit solchen Leuten bereden könnte, sie schwebt auf Wolke 7 wenn sie nur mit denen in einem Raum sein darf.

S-Man
S-Man

„Aber ihr seht das anders, oder?“ – Nope. Genau das. Beide Seiten: Kompletter Realitätsverlust.

Auf den ComicCons, auf denen ich mich so rumtreibe, steht man auch gern mal länger an. Aber dann eben für einen Zeichner, der einem ein individuelles Bildchen in sein Buch kritzelt. Und das meistens komplett kostenfrei. (Internationale Künstler lassen sich das schon mal kosten, aber es sind keine derartigen Unsummen). Dann hat man: 5 Minuten Plausch, kann in Ruhe ein Foto machen und ein Signiertes Büchlein. Perfekt. Ja, wenn der Künstler bekannter ist, kommt nicht jeder dran, manchmal muss man Würfelglück haben, um sich anstellen zu dürfen: Alles legitim.

Nicht aber derartiger Stuss.

heino
heino

Ich bin da völlig bei dir, selbst wenn ich auf Autogramme aus wäre, würde ich solche Summen im Leben nicht zahlen. Und auch, was den Con-Markt angeht, hast du recht. Man konnte das gut an der im August zum ersten Mal stattfindenden Cologne Comic Con Experience sehen, die auch völlig überteuert war und dafür vom Publikum abgestraft wurde. Die Macher haben es sich auch mit einem Teil des Publikums von vornherein verdorben, weil sie es für sinnvoll hielten, die Role Play Convention (bis dahin eine ganz sichere Nummer) zu integrieren und dadurch über die Maßen zu verteuern. Das wird wie immer laufen:der Markt kannibalisiert sich, am Ende bleiben vielleicht 2 große Player übrig und alles schrumpft auf ein relativ gesundes Maß zurück.

Doppel Tee
Doppel Tee

Nein, ich sehe das genauso. Besäße ich ein Hasselhoff-Foto mit persönlicher Widmung, mein Bedarf an Autogrammen jeglicher Art wäre auch bis in alle Ewigkeit gedeckt 😉

Stimme dem Artikel fast vollumfänglich zu, nur ob die geäußerten Beleidigungen gegenüber den Veranstaltern gerechtfertigt waren, vermag ich nicht zu beurteilen (weil ich keine Lust hatte, mich durch diese durchzukämpfen).

Random Thoughts:

– Bei den angepassten Preisen wurden die Kosten für ein Autogramm um 1 € erhöht. Das erscheint mir so unglaublich albern.
Der Preis wirkt aus psychologischer Sicht direkt unattraktiver (99er Preisendungen sind ein billiger, aber wirksamer Trick), und die geringe Preissteigerung dürfte wohl kaum zu nennenswerten Mehreinnahmen führen. Oder wollte man durch die „Glättung“ aller Preise seriöser wirken?

– Korrigiert mich, wenn ich irre, aber früher waren solche Conventions doch zu einem großen Teil (zumindest aus Sicht der Prominenten beteiligten) eine Art PR-Veranstaltung, die das Verhältnis zur Fanbase stärken sollte. Sicher sind die Stars auch damals wohl nicht unbedingt mit weniger Geld nach Hause gegangen, als sie vor dem Event zur Verfügung hatten, aber solche Abzock-Veranstaltungen, wie sie heutzutage häufiger vorzukommen scheinen, zeugen von einer sehr kalten Art der Kalkulation.
Ein Star, der sich (von mir aus auch für einen vernünftigen Geldbetrag) mit mir fotografieren ließe, oder mir sein Autogramm zusammen mit ein paar netten Worten und einem Lächeln auf den Weg gibt, hätte in mir einen loyaleren Fan, als der Businessmensch, der selbst für seine krakelige Unterschrift oder, die Ehre, sich mit ihm zusammen auf ein Foto bannen zu lassen, Preise verlangt, die einer Urlaubsreise entsprechen. Aber an „Romantikern“ wie mir ist vielleicht dann unter dem Strich doch nicht so viel Geld zu verdienen.

– Ist die ganze Geschichte (zumindest in Schwarzenegger Fall) vielleicht auch eine Egosache? So lächerlich überteuert das alles auch erscheinen mag, wenn Chuck Norris für ein Autogramm 130 Euro verlangt, machen die 300 Tacken für den Terminator, zumindest in diesem Kontext, Sinn. Die Rechnung, dass AS bei geringeren Preisen eventuell höhere Einnahmen generiert hätte, mag korrekt sein, möglicherweise würde er sich dann aber unter Wert verkauft fühlen und verzichtet lieber ganz.

– Sind Autogramme von Stars und Fotos mit ihnen zu so einem Prestigeobjekt geworden, dass einige derjenigen, die diese horrenden Preise zahlen, kein großes Interesse an einer allzu starken Preissenkung hätten, weil dann ihre Statussymbole an Wert verlieren würden?

PabloD
PabloD

Man könnte sich auch die Frage stellen, welchen Statuswert solche Fotos WIRKLICH noch haben, wenn sich (fast) jeder mit ein paar Scheinen das identische Bild holen kann und ich selbst auch nur eine beliebige Nummer in der Warteschlange war. Hat ja im Grunde nichts mehr mit „Ich habe mal xxxxx getroffen und habe sogar ein Autogramm bekommen.“ zu tun.

Ähnliches kennt man ja mittlerweile zur Genüge aus dem Tourismus:
comment image

Karsten

Am meisten schüttel ich gerade den Kopf über die Leute, die tatsächlich diese Preise zahlen wollten. Verrückt …

Quasimodo
Quasimodo

Wird da eigentlich auch was versteuert oder wie läuft das?

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

War vor ein paar Jahren auch redlich erschüttert, als ich das erste Mal auf einer FedCon war und die SciFi-Nasen Geld für ihr Gekritzel wollten oO* Ist ja nicht so, dass die Damen und Herren schlecht verdienen würden. Habe daher tatsächlich bisher nur Fotos und Autogramme von Musikern bzw. Bands, da es auf Festivals und Konzerten (noch?) Gang und gäbe ist, mit den Fans unentgeldlich zu interagieren – schließlich hat man ja bereits für die CD/das Konzert gezahlt und kauft im Zweifelsfall sogar noch Merchandise, woran die Band ja gut verdient.

Thomas
Thomas

Ich persönlich kann mir niemanden vorstellen, für dessen Foto oder Unterschrift ich bereit wäre Geld auszugeben. Ein Stück weit beneide ich auch die Leute, die so für jemanden brennen, das kann bestimmt auch ganz erfüllend sein.

Ich bin vor wenigen Tagen auf die Website cameo.com gestoßen. Hier kann man sich Video-Botschaften von mehr oder weniger bekannten Personen kaufen. Zwischen 50 und 1500$. Lance Armstrong, Charlie Sheen, fast alle Nebendarsteller von „The Office“, diverse Wrestler, Musiker, Sportler und „Influencer“ bieten da ihre Dienste feil. Wirklich faszinierend und die meisten haben auch ein kurzes Video in dem sie sich präsentieren. Und da sieht man, dass sich Sean Astin seit seiner Hobbit-Zeit kaum verändert hat und Tara Reid wie eine Parodie-Barby ihrer selbst aussieht. Das Handyvideo löst so langsam das Autogramm ab… Arnold hab ich nicht gesehen 😉

Michael
Michael

Eines sollte man bei Sache nicht außer Acht lassen: wenn die „Stars“ kostenlos Autogramme gäben würden die Teile (trotzdem) bei ebay verscherbelt und der „Star“ ginge leer aus. Zumindest hat Buzz Aldrin damit mal begründet, warum er keine kostenlosen Autogramme mehr gibt, er möchte halt von dem Kuchen was abhaben. Nichtsdestotrotz sind solche Mondpreise aber reine Geldschneiderei, von dem Geschäftsgebaren der Filmbörse mal abgesehen.

Darum_keine_ComicCon
Darum_keine_ComicCon

Es ist auch ein eher offenes Geheimnis, dass diesrr Veranstalter dutzende Gäste für seine Events ankündigt und dann kurz vorher die, für die das Interesse zu gering war, absagt wegen irgendwelcher Gründe von deren Seite. Photos und Autogramm-Tickets werden natürlich zurück erstattet, auf den Tagestickets, die man sich zusätzlich holen musste, bleibt man natürlich sitzen. Nicht dumm, aber ethisch schon… dunkelgrau.