BeneathUSA 2013. Regie: Ben Ketai. Darsteller: Kelly Noonan, Brent Briscoe, David Shackleford, Eric Etebari, Jason Masek, Jeff Fahey, Joey Kern

Offizielle Synopsis: Ausgerechnet an dem Tag, an dem Sam ihren Vater ins Bergwerk begleitet, weil sie endlich mal miterleben will, wie hart die Arbeit da unten wirklich ist, kracht der Stollen über ihnen ein. Der Berg knurrt böse, Felsbrocken poltern auf sie herab und als sich der Staub gelegt hat, geht der Horror erst wirklich richtig los.

Die Studentin für Umweltrecht weiß um die Gefahren, wenn giftige Gase aus dem Gestein austreten und die bislang klaren Köpfe der Kumpel korrumpieren. Mit der Spitzhacke ist dagegen nicht anzukommen, doch nach der wird trotzdem gegriffen, wenn die Angst in der stickigen Hölle aus Staub und Stein überhand nimmt. Die Lichtkegel der Stirnlampen zerschneiden die Dunkelheit wie Laserschwerter und treffen auf Chaos im Stakkato-Rhythmus: vorbeihuschende Schatten, heraushängende Gedärme, klaffende Felsspalten. Nie ist klar, woher Gefahr droht. Die Kamera folgt hektisch jedem angsterfüllten Blick und jedem Hilfeschrei bis in die dunkelsten und entferntesten Gänge des unterirdischen Labyrinths.

Kritik:

Liebe Macher von „Beneath“,

ich möchte euch nicht so von oben herab belehren, in dem ich einen vernichtenden Review zu eurem dünnen und doofen Film schreibe. Stattdessen versuche ich es mal mit konstruktiver Kritik, so einer Art 1&1 des Horrorfilms, das ihr offensichtlich nicht kennt. Angesichts der Tatsache, dass ihr euch echte Schauspieler leisten könnt und euer Equipment (besonders Kamera und Beleuchtung) augenscheinlich nicht kaputt sind, hapert es wohl nur am Inhalt – oder der Fähigkeit,, diesen umzusetzen. Aber dafür bin ja ich nun da.

Aaaalso… wenn man einen Film über Bergleute dreht, die nach einem Unglück verschüttet sind und dann gemeuchelt werden, gilt es eine straffe Timeline zu halten. So kompliziert ist der Plot ja nicht. Oberflächlich macht ihr auch genau das, was die Lehrbücher empfehlen: Intro in der Kneipe, um die Charaktere zu setzen (Veteran, Rookie, Love Interest, Vater & Tochter), danach Einführung der Hauptlocation und kräftiger WUMMS, um in Akt 2 zu gehen.

Nur leider ist nicht der Einsturz der Wendepunkt für Akt 1. Der ist nur Setup, nicht Kern des Konflikts. Der Kern des Konflikts ist das „There ist something else down here!“. Und das wird erstmals konkret nach EINER STUNDE angesprochen! Ihr ahnt schon, dass das ein wenig zu spät ist, oder?

Die Natur des „Bösen“ ist auch eher vage. Ich habe das Gefühl, ihr wolltet das so. Diese Balance aus „da ist was!“ und „bilde ich mir das nur ein?“. Eigentlich keine schlechte Idee – nur sollte halt IRGENDWANN mal klar werden, ob da was ist. Man spürt die ganze Laufzeit, dass ihr euch zu sehr bemüht, euch die Möglichkeit von simplen Halluzinationen durch Sauerstoffmangel offen zu halten. Die es dann wohl auch gewesen sind. Hä?

Wenn als „da“ nichts „ist“, dann habt ihr auch nix, was die Handlung voran bringt. Das mag euch jetzt enttäuschen, aber halluzinierende Bergarbeiter geben keinen wirklich spannenden Film ab. Es gibt zu den Protagonisten keine Antagonisten, darum auch keinen Konflikt. Aus genau dem Grund müsst ihr auch immer externe Problemchen erfinden (Sauerstoff, Einsturz, Verletzungen), die wenigstens ein bisschen Laufzeit schinden. All sizzle, no steak, ein filmischer Donut – fetter Rand, aber keine Mitte.

Und wo wir gerade bei Spannung sind: Ja, Dunkelheit und Klaustrophobie können der Spannung förderlich sein. Hat man in „Das Boot“ genau so gesehen wie in „The Descent“. Aber daraus kann man keine Faustregel nach dem Motto „Je dunkler, desto spannender“ machen. Weil irgendwann aus „scheiße, ist das gruselig dunkel“ eben doch „scheiße, ich seh‘ nix mehr“ wird. Und das ist bei euch dann ziemlich oft der Fall.

Wenn der Plot durch Abwesenheit mangelt, kann man einiges durch die Entwicklung der Figuren wett machen. Das habt ihr am Anfang ja auch alles prima eingeführt. Eine mögliche romantische Beziehung, eine Überforderung (oder Reifeprüfung?) des Rookie, der Ausbruch lang schwelender Vater/Tochter-Konflikte. Wird alles gesetzt. Und dann vergessen. Weil ihr augenscheinlich meint, hysterisch schreiend in Mienenschächten rumzurennen würde ausreichen. Dem ist nicht so, sorry.

Wir fassen also zusammen: Vorher entscheiden, was das „big bad“ sein soll. Nach zehn Minuten Setup eintüten, spätestens bei Minute 20 den ersten Kill. Wollt ihr den Streifen an das US-Fernsehen verkaufen, den ersten Kill auf Minute 15 vorziehen. Danach ungefähr alle zehn Minuten ein weiteres Suspense-Setpiece. Den Cast konsequent ausdünnen, dazwischen alte Konflikte aufbrechen, die gelöst werden oder durch Tod Entschuldigung finden. Am Ende kein Schocktwist mit Schwarzblende, das macht man seit 1996 nicht mehr. Vielleicht habt ihr das Memo nicht bekommen.

runterOkay so? Nächstes Mal besser? Danke.

Fazit: Ein Film ohne Kern, der mit Brüllerei und Buh-Effekten seine Laufzeit nur mühsam rum bringt.

„This is what happened“. No.

Bonus-Review: „Beneath“

BENEATH-POSTERUSA 2013. Regie: Larry Fessenden. Darsteller: Daniel Zovatto, Bonnie Dennison, Chris Conroy, Jonny Orsini

Im Vorfeld des Festivals hatte ich mir diverse Filme besorgt, die schon anderswo auf dem Markt sind, darunter „Beneath“. Erst als ich den Review schreiben wollte, ging mir auf, dass ich den FALSCHEN „Beneath“ angeschaut hatte. Easy mistake to make – Regisseur Larry Fessenden ist ja auch schon mehrfach auf dem FFF vertreten gewesen und „mein“ „Beneath“ wäre hier ebenfalls nicht falsch.

Im „falschen“ „Beneath“ geht es um ein paar Teenager, die zum Ende der Highschool-Zeit noch mal ordentlich Party im Wald machen wollen….

… echt jetzt? Teenager fahren in den Wald, um Party zu machen? Mit der Plotte traut sich noch jemand aus dem Gebüsch? Ich bin fassungslos.

Und weil „Beneath“ schon im Ansatz einfallslos ist, kann man den Rest erwartungsgemäß auch knicken: Der Jock, der Nerd, der Andersfarbige (diesmal ein Indianer, kein Schwarzer), die Schlampe, das Mauerblümchen – also der übliche Baukasten-Cast – fährt mit dem Ruderboot auf einen See hinaus. Es kommt ein Monsterfisch, Ruder putt, die Zeit des händischen Paddelns ans Ufer verbringt man damit, nach und nach die besten Freunde als Fischfutter aus dem Boot zu werfen – was nicht schwer fällt, weil jeder von diesen ekligen Spacken den Tod mehr als verdient hat.

Hier stimmt wirklich gar nichts, es herrscht Hysterie, die Inszenierung ist billig, der Plot voller Löcher und Twists oder überraschende Charakterentwicklungen sucht man vergebens. Eigentlich wartet man nur drauf, dass der Monsterfisch sie endlich kriegt.

Der Monsterfisch ist übrigens das Einzige, was „Beneath“ sympathisch macht: Statt billiger CGI à la Asylum und UFO wird hier corman-esk mit einem mechanischem Fisch gearbeitet, dessen Plastikaugen sogar blinzeln können (was echte Fische allerdings NICHT tun!). Das ist nicht überzeugend, aber fast schon drollig.

runterFazit: D-Ware, die nur nachahmt, ohne eine einzige eigene Idee zu haben – und nicht mal das befriedigend hinbekommt. Ein Film, dem die Verachtung für die Zielgruppe aus allen Poren tropft.



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heino
heino

Oh Mann, das sieht ja bisher nach einem eher dürftigen Jahr aus. Gut, dass ich mein Geld lieber für Urlaub ausgebe……..

Kaio
Kaio

„Die Lichtkegel der Stirnlampen zerschneiden die Dunkelheit wie Laserschwerter…“

„Die Kamera folgt hektisch jedem angsterfüllten Blick und jedem Hilfeschrei…“

Da hab ich den Film schon abgehakt.

Mencken
Mencken

Sieht in der Tat nach einem schwachen Jahr aus. Beneath kommt mir aber etwas zu schlecht weg. Fessenden ist ja eh immer ein schwieriger Fall, hat aber meistens ziemlich gute Ideen und die Grundidee – man beginnt mit einer gewollt typischen Story und entsprechenden Figuren, um dann zu schauen, was hinter (bzw. beneath) der Fassade steckt, wenn es ernst wird, fand ich so schlecht nicht (und nur deshalb gibt es ja die „über Bord werfen“ Idee, die ich sogar ganz lustig fand, weil eigentlich gar nicht nötig).
Insgesamt sicherlich trotzdem ein klarer Fall von „Daumen runter“, aber nicht ganz so dämlich, wie die Zusammenfassung impliziert.

DMJ

Ich gebe die Schuld dieser Arte-Horrordoku, welche “The Descent” so fanatisch hypte und als kanonisch anerkannt besten Horrorfilm der 2000er bezeichnete.

Ja… es ist höchst unwahrscheinlich, dass die tatsächlich schuld ist, aber ab und zu gönne ich mir Unfairness. 😛

Peroy
Peroy

Fuck that movie, too…

trackback

[…] echte Überraschung war und das Sequel somit Priorität haben sollte. Zusammen mit dem zweiten, falschen “Beneath” bin ich damit auf 50. Weil ich “Cannibal” echt nicht mehr schaffe – der ist […]

trackback

[…] Sins ♣ All Cheerleaders die ♦ Among the Living ♣ Beneath ♣ Beneath (Fessenden) ♥ Blue Ruin ♣ Cannibal ♦ Cat Run 2 ♦ Coherence ♥ Cold in July […]

Marcus
Marcus

Den falschen BENEATH hab ich nicht gesehen.

Den echten: naja, es ist schon eine recht konveniente Halluzination aus Sauerstoffmangel, die so The Hidden-mäßig zwischen einzelnen Figuren hin- und herspringt. Mal ist X der irre Killer, dann wieder Y. Das wäre sinniger gewesen, wenn der Film tatsächlich auf „Geister toter Bergleute“ hinausgewollt hätte.

Schieben wir es auf Ermüdung am Tag 12, und darauf, dass ich einige Stunden vorher den noch viel beschisseneren IN DARKNESS WE FALL sah, aber bei mir kam BENEATH noch als einigermaßen guckbares Festivalfutter an. Auf die must see-Liste sollte ihn aber keiner setzen. 7/10.

Peroy
Peroy