Okay, Zeit für ein kleines Update in Sachen Umstellung auf Digitalbibliothek.

Wie erhofft, hat mein letzter Artikel einige spannende und sehr hilfreiche Reaktionen der Leserschaft (hier und auf Facebook) provoziert. So hat ein Kommentator angeboten, mir den Czar-Scanner zu schicken für Bücher, die ich nicht zerlegen will. Dann brauche ich mir das günstige, aber nicht billige Teil nicht selber zu kaufen.

Eine genauere Inventur meiner Bücherschränke hat außerdem gezeigt, dass ich den Großteil meines Archivs tatsächlich durch einen Scanner mit automatischem Einzug jagen kann, um den Vorgang zu automatisieren. Für diesen Zweck steht mir auch ein Profigerät zur Verfügung. Das spuckt die lesbaren PDF-Scans lässig auf meinen USB-Stick. Ideal besonders für meine Zeitschriften-Sammlungen.

Und damit kommen wir zu einem Problem, das keins ist und doch eins: Ich muss viele meiner Bücher und Zeitschriften in Einzelblätter zerschneiden, um sie scannen zu können. Bei diversen Konvoluten wie der Splatting Image bringe ich das nicht übers Herz, die kann ich eigentlich noch gut verkaufen. Anders Titanic oder Cinema, da überlege ich bestenfalls, wem ich hinterher mit den Loseblattsammlungen noch eine Freude machen kann. Die müssen ja nicht ins Altpapier.

Bei Büchern sieht es ähnlich aus – natürlich werde ich Prachtbände wie Tim Lucas‘ „Mario Bava: All the colors of the dark“ oder „The complete cartoons of the New Yorker“ nicht zerschneiden. Da zählt auch das Medium, nicht nur der Inhalt. Ich habe ja nicht vor, meinen Haushalt komplett bücherfrei zu gestalten.

Aber doch doch, bestimmt 1000 Zeitschriften und 200 Bücher sind Staubfänger, deren Inhalt mir auf der Festplatte nützlicher wäre als im Regal. Und die möchte ich gerne so effizient wie möglich einscannen. Per automatischem Feeder geht das gut, wenn sie sauber geschnitten sind – und dafür habe ich mir heute diesen Brecher bestellt:

Das Teil ist aus Stahl und kann mit einem Schnitt bis zu 400 fest geschraubte Seiten zerteilen. Ein Investment von 79 Euro, das sich lohnt – auch wenn ich damit de facto Werte vernichte. Aber jeder Paradigmenwechsel kommt mit Schmerzen.

Und so werde ich vermutlich erstmal vier bis sechs Regalmeter Zeitschriften zerteilen, sortieren und dann durch den Dokumentenscanner jagen. Danach kommen einfache Taschenbücher dran, die noch nicht digital zur Verfügung stehen und die danach entsorgt werden können. Viele deutsche Bände, denn die lassen sich eigentlich nie online bearbeitet finden.

Am Schluss werden die edlen Bücher, die ich analog behalten UND digital archivieren will, per Hand unter den Czar-Scanner geschoben. Das wird sicher eine Mühsal.

Ich hadere noch etwas mit der Frage, in welches Format ich scannen soll. Vermutlich wird es PDF mit OCR-Nachbearbeitung werden, damit die Seiten nicht nur ansehbar, sondern auch elektronisch lesbar sind. Dauert länger, macht mehr Aufwand, scheint mir aber sinnvoll.

Nicht unterschätzen sollte man natürlich den Aufwand, die PDF-Dateien hinterher zu sortieren. So werden bei einem Simplex-Scanner ja zuerst nur die Vorderseiten und danach die Rückseiten gescannt. Um diese gerade/ungerade wieder richtig zusammen zu setzen, muss man auf Software zurückgreifen. Ich habe für mich da PDFsam entdeckt – Freeware für genau diese (und andere) Zwecke. Vorbildlich.

Ich bin also bereit für das Abenteuer bibliophiler Digitalisierung. Am Ende wird nicht – wie geplant – mein Bücherschrank gespiegelt auf der Festplatte liegen. Es wird ein Bücherschrank 2.0 werden. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, welche Bücher dringend gescannt werden müssen, werden es weniger. Und jedes Mal, wenn ich im Netz nach bereits existenten digitalen Kopien suche, finde ich andere, spannende Bücher, die ich lieber zur Verfügung hätte. Und so ist der Prozess der Digitalisierung nicht nur der Sprung vom Realen ins Virtuelle, es ist auch der Wandel des Geschmacks, der Auswahl, des Anspruchs. Ich baue nicht die Bibliothek nach, die ich habe – ich baue die, die ich immer wollte. Webseiten wie Archive.org sei Dank.

Aktuell plane ich, die gesamten Aktionen bis zum Jahresende fertig zu haben.

Was dann noch im Schrank steht, sind nur die Delikatessen, die Handschmeichler, die Bücher, die Buch sein müssen, um zu wirken. Der Rest ist Daten.

Wer weiß – vielleicht bin ich sogar ganz radikal, schmeiße die Billy-Regale weg und hole das hübsche Markör-Regal wieder aus dem Keller hoch.



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Nikolai
Nikolai

„Sprung vom Realen ins Virtuelle“ Das Virtuelle ist doch auch real, nur eben nicht mehr physisch?

Martzell

Ich möchte noch auf etwas hinweisen das oft übersehen wird: Apple Vorschau ist eine mächtige PDF-Bearbeitungsmaschine, mit Automatisierungsmöglichkeit.

Geile Idee was Anfang des Jahrtausends iTunes für CDs war jetzt mit Büchern zu machen. Rip, mix, burn.

Karl
Karl

Und dann geht euch allen eines Tages der Strom aus. 🙂