Frankreich 2017. Regie: Mathieu Turi. Darsteller: Brittany Ashworth, Grégory Fitoussi, Javier Botet, Jay Benedict, David Gasman, Carl Garrison, Richard Meiman, Mohamed Aroussi

Offizielle Synopsis: Die taffe Juliette brettert in einem rostigen Jeep durch eine karge Wüstenlandschaft, auf der lebensgefährlichen Suche nach Benzin und Nahrung. Ihre Route ist gesäumt von ausgebrannten Fahrzeugen und massakrierten Leibern. Postapokalypse? Kriegsszenario? Immer wieder sucht sie Schutz vor Wesen, die lange Zeit nur zu hören sind. Creature Feature? Zombie-Invasion? Backflash. Besagte Juliette beginnt als labile New Yorkerin eine Romanze mit dem mondänen Galeristen Jack.

Kritik: Nochmal Xavier Gens – diesmal als Produzent eines Films, der zwar nicht gut ist, aber wenigstens anders nicht gut als viele andere Filme auf diesem Festival.

Zur Erläuterung: Die meisten schlechten Filme auf dem Festival sind schlecht, weil sie schlecht inszeniert sind und oftmals schlicht langweilig. Beides kann man „Hostile“ nicht vorwerfen. Er ist ziemlich rasant, was auch dem permanenten Wechsel zwischen den Zeitebenen vor und nach der Apokalypse geschuldet ist. Er bietet ein kristallklares HD-Bild mit schönen, kräftig photographierten Szenarien, die einen guten Kontrast zwischen der New Yorker Schickeria-Welt und der Mad Max-Dystopie bilden. Die Kreaturen, die Action, die Darsteller – passt alles.

Ich bin sogar durchaus mit der Grundidee warm geworden: Ein postapokalyptischer Survival-Thriller, der ausgiebige Rückblenden verwendet, um zu zeigen, wie unsere taffe Heldin so taff werden konnte. Denn um in dieser Welt zu überleben, muss man schon in der vorherigen eine Menge Scheiße aus dem Weg geräumt haben.

Aber es funktioniert einfach nicht. Und das hat mehrere Gründe. Zuerst einmal sind die Figuren derart kacke geschrieben, dass man dem Drehbuchautor ins Gesicht spucken möchte. Juliet (der Name ist schwer symbolisch) ist in einem Maße unsympathisch, dass man der Frau zeitnah eine Überdosis an den Hals wünscht. Nichts an ihr rechtfertigt Jacks Interesse, sie ist sowohl in der Prä- als auch der Post-Apokalypse völlig unfähig, über ihr taffes Getue hinaus wirklich smart zu handeln.

Jack geht es nicht besser: Er ist ein Modeltyp, unfassbar gut aussehend, unfassbar reich, und natürlich total intelligent und sensibel. Ein Mann, wie man ihn nur in den unsäglichen „bad boy billionaire“-Romanen vom Schlage „50 Shades of Gray“ findet. Einer, von dem Frauen gerettet werden wollen, weil sie ja selber nix auf die Reihe kriegen.

Und damit sind wir beim Hauptärgernis: Das Geschlechterbild von „Hostile“. Meine Fresse. Die Frau ist ein sich prostituierender Junkie, total hohl und link. Der Mann ist ein perfekter Adonis, der sie mit Gewalt zum Entzug bringt, was sie mit Liebe und ewiger Treue dankt. Diese Liebe, sie kann nur am tot geborenen Kind zerbrechen, hach…

Man möchte kotzen.

Mitunter hatte ich das Gefühl, dass die Macher eigentlich das GEGENTEIL sagen wollen, dass nämlich das konstruierte Beziehungsbild der Prä-Apokalypse total scheiße war und sich erst in der Post-Apokalypse beweist, was wahre Liebe ist. Nur leider verwendet „Hostile“ für diese Idee gerade mal zwanzig Sekunden – und den wahrhaft dümmsten Plottwist diesseits von „Knowing“. Wir haben im Kino lauthals gelacht.

Fazit: Ein durchaus kurzweiliger, effizient inszenierter Hybrid aus Love Story und Post-Apokalypse, der primär an Figuren scheitert, die sich geradezu aggressiv darum bemühen, von uns die Pest an den Hals gewünscht zu bekommen. Technisch also durchaus 7 von 10, kann ich letztlich nicht mehr als 4 von 10 Punkten geben.

Dieser Voiceover ist übrigens NICHT im Film:

Das Grummeln der Kinosaurier:

Markus Nowak: „Nicht gut, aber wenigstens nicht langweilig. Den Schlusstwist aber… der tut weh.“

Philipp Seeger: „Die grundsätzliche Idee, Endzeitszenen mit Rückblenden zu kombinieren, ist ja gut. Auch dass die Protagonistin haufenweise Fehler macht, ist eine erfrischende Abwechslung. Aber das lächerliche Ende reißt den ansonsten mäßigen Film einfach noch mal gewaltig runter.“



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Heino
Heino

Ja, bei dem Schlusstwist war auch beim hiesigen Publikum große Heiterkeit angesagt. Volle Zustimmung, das Weltbild der Macher in Sachen Geschlechter ist zum kotzen und der Film Mist.

Marcus
Marcus

DANKE!

3/10, zwei davon für die unfreiwillige Komik..

Christian+Siegel

„vom Schlage ’50 Shades of Gray'“

Sehr schön formuliert :-D.

Jake
Jake

Als Eröffnungs-Film (München) fand ich den ganz ok. Ja, die Lovestory war unsagbar klischeehaft, aber irgendwie hat sie es trotzdem geschafft, mich einzulullen, ohne mir dabei auf die Nerven zu gehen. Der Twist am Ende war allerdings wirklich way too much und sorgte auch bei uns für ungläubiges Gelächter. Trotzdem noch wohlwollende 5/10.

Thies
Thies

Ähnlich wie bei „The Last Days“ stellte ich mir bei den Rückblenden immer wieder die Frage: „Würde mich das Geschehen interessieren, wenn es nicht in diesem Endzeit-Rahmen erzählt wird?“. Für mich lautete die Antwort: NEIN!!!

Hier wird ähnlich wie bei den Katastrophen-Filmen der 70er ein Seifenoper-Plot verwendet um den Zuschauer ans Geschehen zu binden. Die Erzählstruktur orientiert sich dabei an dem Budget: möglichst wenig Zerstörung, soviel Melodrama wie zum Zeitschinden nötig.

Das Ergebnis war wie beschrieben aufwendig genug um einen professionellen Eindruck zu hinterlassen, aber am Ende blieb nicht mehr als eine dünne Brühe aus abgenagten Genre-Knochen über.