USA 2017. Regie: Lynne Ramsay. Darsteller: Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov, Alessandro Nivola, Alex Manette, John Doman, Judith Roberts

Offizielle Synopsis:  Um nicht völlig den Verstand zu verlieren, zieht sich der psychisch verkrüppelte Kriegsveteran Joe immer wieder Plastiktüten über den Kopf, bis er fast erstickt. Zudem lässt er sich von wohlhabenden Kunden anheuern, um deren verschleppte Kinder aus den Fängen von Sexhändlern zu befreien. Wenn er den Kidnappern dabei auch noch anständig wehtun soll, kostet das extra…

Kritik: Angekündigt wurde „A beautiful day“ (ein selten bescheuerter deutscher Titel) mit den Worten, das sei irgendwie so, als hätte Jim Jarmusch den vierten Teil der „Taken“-Reihe inszeniert. Klingt wie Phrasenwichse, ist aber kurioserweise gar nicht mal so falsch.

Lasst euch nicht davon täuschen, dass der Film in Cannes gelaufen ist und dort auch Preise gewonnen hat. Letztlich dekliniert er tatsächlich nur die sattsam bekannten Klischees des „einsamer Wolf“-Actionthrillers durch, diesmal allerdings mit Phoenix als Wrack samt Mopsgesicht und in einer Erzählgeschwindigkeit, die mit „gemächlich“ noch freundlich umschrieben ist. Machen wir uns nichts vor: Mit Scott Adkins in der Hauptrolle hätte man DAS in 15 Minuten durchgehabt.

Damit will ich nicht sagen, dass „A beautiful day“ (ein selten bescheuerter deutscher Titel) schlecht ist. Das Lakonische hat Phoenix drauf, die schmierige Welt, in der auch Kinder nicht tabu sind, verfehlt ihre Wirkung nicht. Es wird viel geschwiegen und die Gewaltausbrüche sind knapp und plausibel hart. Aber nichts daran ist neu und der Versuch, einen solchen Plot als existenzielles Drama zu erzählen, hat nur wenig Nährwert. Ich hatte eigentlich erwartet, dass hier das klassische Männerkino gebrochen wird, dass hier neue Facetten gefunden werden. Leider nein. „Driver“ von Walter Hill hat so etwas schon ebenso düster und elegisch präsentiert wie die beiden Verfilmungen von „Man on Fire“.

So mag „A beautiful day“ (ein selten bescheuerter deutscher Titel) Zuschauer begeistern, die sich ihr Programm primär nach der Zahl der Festival-Lorbeeren auf dem Poster zusammenstellen. Wer seine Jugendjahre damit verbracht hat, alles auszuleihen, wo Stallone, Schwarzenegger oder Van Damme draufstand, der kennt das alles zur Genüge und durchschaut den Trick.

Fazit: Ein harter Kerl rettet ein kleines Mädchen vor miesen gelackten Schweinen, weil er sich davon Erlösung erhofft – auch in der Anspruchs-Festival-Version ist dieser klassische Actionplot nur anders, aber nicht frischer oder wertiger. 7 von 10 Punkten.

Das Grummeln der Kinosaurier

Markus Nowak: „Joaquim Phoenix stark als Liam „Taken“ Neeson für Baskenmützenträger, aber nicht halb so „verstörend“ und „extrem“ wie behauptet. Kuckbar, aber nicht wichtig.“

Philipp Seeger: „Spannend erzählt, auch wenn die Story nicht neu ist. Für Shadowrun-Spieler wie mich natürlich inspirierend.“



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Marcus
Marcus

Ja, aber was denkst du eigentlich über den deutschen Titel? 😀

Marcus
Marcus

Einer dieser Filme, die ihr immer „Festival Porn“ nennt. Phoenix übt sich in dem alten Trick, uns „schweigend und mit bedröppelter Miene Löcher in die Luft starren“ als „intensives Schauspiel“ zu verkaufen. Nicht offensiv kacke, das alles, aber auch mit zu wenig Erkenntnis- oder Unterhaltungswert. 6/10.

Wieso fehlt eigentlich deine Punktewertung?

Heino
Heino

Joah, passt alles. Ich kann ja generell wenig mit Phoenix anfangen, aber seine „Ich bin nur körperlich anwesend“-Mimik passt hier mal gut. Von der Regisseurin des grandiosen „We Need to talk about Kevin“ hatte ich aber mehr erwartet