Hoss CartwrightDer Tag war zu heiß, das Gewitter zu kurz, um noch einen langen Beitrag zu schreiben. Aber durch die Email eines Freundes in Michigan wurde ich heute darauf gebracht, mal wieder einen launigen Schwank aus meinem Leben zu erzählen.

Zuerst einmal empfehle ich allen geneigten Lesern, sich hier die Kataloge des Hollywood-Auktionshauses „Profiles in History“ herunterzuladen. Und wenn ihr in drei Tagen fertig gelesen und ausgeträumt habt, könnt ihr diesen Beitrag weiterlesen…

Die Kataloge sind echte Prachtstücke, die in gedruckter Form selber Sammlerwert haben, und jedem Filmfan die Tränen in die Augen treiben. Wer würde nicht gerne das „Superman“- Kostüm von Christopher Reeve besitzen, oder die Stop Motion-Puppe aus „King Kong“, oder die Tafeln mit den zehn Geboten aus… na ja, „Die zehn Gebote“?

Allein, es mangelt am Geld, denn viele der Sammlerstücke gehen für sechsstellige Beträge weg.

Ich selber habe vor drei Jahren mal drei Original-Artworks von Filmpostern vergleichsweise preiswert ersteigert, seither bekomme ich die Kataloge zugeschickt. Und weil ich ein soziales Wesen bin, zeige ich diese Kataloge gerne Freunden und Bekannten, die mit Begeisterung darin schmökern.

Unter eben jenen Freunden und Bekannten war auch der mittlerweile pensionierte Redakteur eines großen Magazin. Als er las, was für ein Geld sich mit Requisiten machen lässt, sagte er plötzlich: „Da habe ich auch was!“. Er holte eine gigantische gugelhupfförmige Schachtel aus Hartplastik vom Schrank, die mit Schnappschlössern versehen war. Auf den Rand war nur das Wort „Hoss“ gedruckt.

Ich scherzte: „Der Hut von Hoss Cartwright, oder?“. Mein Ex-Kollege lachte nicht, sondern nickte nur: „Genau der.“

Und tatsächlich: In Seide sorgsam aufbewahrt, sah ich vor mir in der offenen Schachtel einen monströsen Cowboy-Hut, den ich aus den Fernseherinnerungen meiner Jugend nur allzu gut kannte. Der Hut von „Hoss Cartwright“, alias Dan Blocker.

Die Herkunft erklärte mein Kollege ungefähr so: Bei einem Setbesuch Anfang der 70er Jahre hatte Paramount ein paar alte Requisiten ausgemustert, und der deutsche Korrespondent durfte sich ein Erinnerungsstück mitnehmen. Seit dieser Zeit hatte die Hutschachtel in der Redaktion auf dem Schrank gelegen.

Der Hut war in so guter Verfassung wie die Plastikschachtel, und an der Echtheit gab es keinen Zweifel: Innen war noch „Paramount“ und „D. Blocker“ eingestanzt.

„Den musst du bei Profiles in History einstellen – damit kannst du prima Geld machen!“ riet ich spontan. Mein alternder Kollege zweifelte daran ein wenig, aber etwas Zusatz-Einkommen war ihm durchaus Recht.

„Profiles in History“ machte wenig Zicken, nahm den Hut in Augenschein, und ließ sich noch einmal schriftlich die Authentizität des Stückes bestätigen. Dann wurde der Hut in den nächsten Auktionskatalog für Juli 2006 aufgenommen, wo er neben Hüten von Ronald Reagan, James Stewart und Chuck Connors landete:

hoss-2.jpg

Anvisiertes Auktionsergebnis von „Profiles in History“: 2000-3000 Dollar. Mein Kollege war sehr skeptisch, ob dieses Relikt der frühen Fernsehjahre wirklich soviel einbringen würde.

Ergebnis in den frühen Morgenstunden des 29. Juli: 8200 Dollar.

Ich freute mich – und bekam als Dank ein gutes Essen beim Griechen auf der Leopoldstraße ausgegeben.



avatar
7 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
5 Comment authors
Film-Memorabilia: Was ihr haben müsst – aber nicht bezahlen könnt @ Wortvogel – 100 % Torsten DewiTorsten DewineuroPeroyMarkus Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste
Benachrichtige mich zu:
Peroy
Peroy

„Hitlers Tagebücher? – Genau die…“

Bin ich ein schlechter Mensch…?

Julian

Hurra, ich hab auch Zeug! Aber leider keine genialen Requisiten, die es nur einmal gab. Aber immerhin ein Indiana Jones-Poster, auf dem Harrison Ford noch einen Schnauzbart trägt, wohl weil sie noch nicht sicher waren, ob sie nicht doch Tom Selleck hätten nehmen sollen, was ja mal angedacht war. Vielleicht ist das ja ein paar Euro wert… Hat aber im Lauf der Dekaden ein wenig gelitten. Mal sehen.

Markus
Markus

Ich bin selbst Sammler von Requisiten. Oft sitze ich vor diesen
Objekten und frage mich ob das gesund ist mehr Geld für eine Fantasiewelt auszugeben als für die Realität.
Wiederum wenn ich vor der Wahl stehe… entweder eine original Requisite aus „Kosmokiller-Sie fressen alles“ oder Telefon und Internet für den nächsten Monat…wüßte ich schon wer den Kürzeren zieht!

Ten more miles of Mars to go…..

Peroy
Peroy

„Wiederum wenn ich vor der Wahl stehe… entweder eine original Requisite aus “Kosmokiller-Sie fressen alles”…“

NEID !

neuro
neuro

„Ergebnis in den frühen Morgenstunden des 29. Juli:“

Ähm sicher war der 19. Juni gemeint??

Torsten Dewi

Nein, die Auktion war am 28. Juli 2006, wieso?

trackback

[…] Anekdote schon einmal über das Hollywood-Auktionshaus “Profiles in History” geschrieben. Dort werden die wirklich ganz großen Relikte und Reliquien der Filmgeschichte unter den Hammer […]