USA 2016. Regie: Jeff Baena. Darsteller: Alison Brie, Aubrey Plaza, Kate Micucci, Dave Franco, John C. Reilly, Molly Shannon, Fred Armisen u.a.

Offizielle Synopsis: Kann es gut gehen, junge Frauen hinter klösterliche Mauern zu sperren, fernab jeglicher weltlichen Freuden? Wie gerne hätten sie einmal etwas anständig Unanständiges zu beichten! Doch außer Beten, Waschen und Sticken passiert nicht viel. So mobbt man sich eben der Reihe nach oder flucht wie ein Kesselflicker, wenn die Ordensschwester gerade nicht hinhört. Seligmachend ist das nicht. Zumal die Mädels vom Hörensagen wissen, dass kein Vergnügen der Welt mithalten kann mit der Wollust, die eine Frau empfindet, wenn sie vom Manne beschlafen wird.

Zwischen diese Nonnen gerät der Jüngling Massetto. Während die einen Bet(t)schwestern ihr promiskuitives Wetteifern um den Schönen beginnen, verfolgen die andern noch weitaus sinistere Aktivitäten im dunklen Wald.

Kritik: Es ist das Festival der Veteranen, keinen Frage: Cattet/Forzani, Gens, Benson/Moorhead, Brian O’Malley, Guillermo del Toro – sie alle hatten schon Beiträge in den letzten Jahren hier laufen. Und auch Jeff Baena ist kein Unbekannter. Mit „Life after Beth“ hat er 2014 eine nette, aber letztlich etwas zu leicht-lockere Zombie-Comedy präsentiert. Ein Teil seines Casts ist auch in seinem neuen Werk dabei, wobei „neu“ ein relativer Begriff ist: „The Little Hours“ ist noch ein Überbleibsel von 2016.

Ich gestehe: Ich bin ein wenig ratlos. Teile des legendären Sittenepos „Decameron“ mit wenig Aufwand und ein paar Comedians der LA-Szene als Sexfarce über notgeile Nonnen – was soll das!? Was war da der Grundgedanke, wie kam jemand auf die Idee, das wäre eine gute Idee?! Wollten die Beteiligten einfach mal einen vierwöchigen Toskana-Urlaub von einer Produktionsfirma bezahlt bekommen? Sollte das so eine Art „Carry on Kloster“ werden? Hofft man auf das Eintrittsgeld von Männern, die wiederum (ergebnislos) auf Nacktszenen von und mit Alison Brie und Aubrey Plaza hoffen? Was ist hier das Genre, was ist das Zielpublikum?!

Natürlich ist „The Little Hours“ launig geschrieben, besitzt das gute Timing, das ein Dutzend etablierter LA-Komiker nun mal mitbringt. Und weil es einen „europäischen“ Ton haben soll, ziehen sich die (zweitrangigen) Darstellerinnen auch gerne mal „full frontal“ aus, um einen dezenten Schockeffekt zu setzen. Es herrscht sichtliche Freude daran, unartig zu sein und böse Sachen zu sagen und zu tun.

Aber das ist kein Film. Das ist ein Sommercamp-Projekt, das keinem der Beteiligten auch nur einen Bruchteil seines Talents abverlangt. Leute wie Fred Armisen (großartig als Bischof) können so etwas locker improvisieren. Das ist „auf einer Arschbacke runtergerotzt“-Kino, auch wenn manche Pointen durchaus sitzen.

Ich bin auch nicht ganz sicher, was das Frauenbild des Films angeht. Natürlich ist es eine Farce, aber die Darstellung von Franco als Deckhengst und die notgeile Natur der Nonnen sucht den Humor gerne in einer Form von Altherrenwitz, der eigentlich als ausgestorben gilt – oder zumindest gelten sollte. Ist das schon wieder Protest gegen die PC-Kultur, Backlash zum Schneeflöckchen-Feminismus? Lässt sich kaum beurteilen, schmeckt aber mitunter schal und verantwortungslos.

Fazit: Ein zu lang geratener Sketch, der die schmierigen Nonnenfilme aufs Korn nimmt, aber dabei keinerlei Ambitionen entwickelt. Statt mit Dave Franco wäre der von Jess Franco sicher besser gewesen. 7 von 10 Punkten ausschließlich für die Gags.

Das Grummeln der Kinosaurier

Markus Nowak: „American Pie im Mittelalter oder US-Comedians spielen Dekameron. Sehr unterhaltsam, fraglos, aber wer ist die Zielgruppe?“

Philipp Seeger: „Ich habe mich köstlich amüsiert. Faschingskostüme, cheesige Darstellung. Es passt einfach zusammen!“



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HeinoPeroyMarcusHeinoDr. Acula Recent comment authors
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Dr. Acula

Wäre der Film von 2017, ich würde ihn glatt als Satire auf #metoo & Co. sehen…

Heino
Heino

Ich fand den recht lustig und in dem ansonsten doch eher sehr trostlosen Programm war das für mich eine willkommene Abwechslung. Manchmal reicht das einfach

Marcus
Marcus

Der Humor ist so die Hipsterversion von Peter Steiners Theaterstadl, und das ganze ist wirklich ziemlich lieblos auf die Leinwand geschmissen – es sei denn, es ist Teil des künstlerischen Konzepts, dass die Nonnen im Mittelalter hier alle wie Prolltussies von 2017 reden.

Aber die Musik war nett, und ich muss zugeben – ich habe ein paar mal zu oft gelacht, um ihn scheiße finden zu können. 6/10.

Peroy
Peroy

Was ist an dem „Fantasy“…? :/

Heino
Heino

Dass die in der Toskana vor ca. 300 Jahren modernes Englisch sprechen…