England 2018. Regie: Jeremy Dyson, Andy Nyman. Darsteller: Martin Freeman, Paul Whitehouse, Andy Nyman, Alex Lawther, Ryan Oliva, Kobna Holdbrook-Smith

Offizielle Synopsis: Professor Philipp Goodman glaubt nicht an Geister. Als notorischer Rationalist hat sich die TV-Berühmtheit darauf spezialisiert, angeblich übernatürliche Phänomene als harmlose Tricks zu entlarven. Als ausgerechnet sein großes Fernsehshow-Vorbild, das eines Tages spurlos verschwand und für tot erklärt wurde, aus dem Nichts wieder auftaucht und ihn bittet, drei unerklärliche Vorfälle zu untersuchen, kann Goodman natürlich nicht widerstehen. Doch die grauenvollen Erlebnisse und Geschichten, die er aufspürt, erschüttern den dogmatischen Skeptiker schnell bis ins Mark. Was, wenn dieser Spuk echt ist und eine Schattenwelt mit all ihren schrecklichen Dämonen tatsächlich existiert?

Kritik: Echte Veteranen meines Blogs werden sich erinnern – „Ghost Stories“ hatten wir schon mal. Und zwar als Londoner Theaterstück, dem ich seinerzeit wenig gnädig war:

„Der tatsächliche Horror-Fan riecht die meisten „Pointen“ und „Schocks“ schon auf drei Meilen gegen den Wind, es mangelt an erzählerischer und psychologischer Tiefe, und der Grusel des Abends hat eher was von kreischender Achterbahn als tatsächlichem Terror. Wenn sich gegen Ende zeigt, dass die einzelnen Plots doch cleverer verschachtelt sind, als man zuerst dachte, ist es bereits zu spät. Man hat schon längst begonnen, sich zu langweilen.“

Nun hatte ich gehofft, dass die Macher für die filmische Adaption ihres (nicht sehr lange gelaufenen) Stückes noch mal deutlich an der Qualität der Geschichten feilen würden.

Leider nein.

Alles, was ich oben zur Bühnenfassung geschrieben habe, ließe sich auch als Fazit zum Film sagen. Offensichtlich haben die Macher die Prinzipien der Hammer/Amicus-Anthologien, denen sie huldigen wollen, nicht verstanden. Sie konzentrieren sich viel zu sehr auf die viel zu aufwändige und viel zu holperig erzählte Rahmengeschichte, die doch eigentlich nur Klammer und Pointe liefern soll. Die Geschichten selbst sind absolut banal und von null Wert für das Drumherum – und die große Auflösung des Gesamtplots greift zwar Details aus den Geschichten wieder auf, aber nicht clever und erhellend, sondern vorhersehbar und selbstverliebt.

Obendrein ist das alles noch sehr schwach inszeniert, erheblich zu dunkel und mit einem blassen Hauptdarsteller „gesegnet“ (hier hat sich der Regisseur und Autor selbst gecastet – ein Fehler). Wirklich genervt hat mich auch der gesamte Subtext: Skeptizismus und mangelnder Aberglaube werden sehr höhnisch als dumm und fantasielos abqualifiziert – weil der Film kackfrech die Existenz des Übernatürlichen behauptet und damit natürlich jede Forschung wider den Dummfug ad absurdum führt. Ein Taschenspielertrick.

Alles, was man „Ghost Stories“ zugute halten kann, ist die Tatsache, dass selbst schlechte Anthologie-Filme vergleichsweise kurzweilig sind – und dass Martin Freeman sichtlich Spaß daran hat, im Minutentakt den Charakter seiner Figur zu wechseln.

Fazit: Ein schwacher, schlecht konstruierter Episodenfilm nach einem schwachen, schlecht konstruierten Theaterstück. Der Versuch der Spannnungserzeugung fast ausschließlich durch „jump scares“ bleibt völlig impotent. 3 von 10 Punkten.

Das Grummeln der Kinosaurier

Philipp Seeger: „Lang und weilig. Das Beste ist noch das Ende mit einem brauchbaren Twist, der aber auch nichts erklärt. Aber vor allem ist der Film dann rum!“

Markus Nowak: „Nicht sonderlich gehaltvoller, aber solide unterhaltsamer Anthologiegrusel mit Mindfuck-Bonus. See it for Martin Freeman alone.“



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ThiesJakeFrank BöhmertmmHeino Recent comment authors
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Marcus
Marcus

Nö, der war ganz nett. Nicht weltbewegend, aber nett. 7/10.

Heino
Heino

Gestern fand ich ihn noch bis auf das Ende okay, aber nachdem ich drüber geschlafen habe, muss ich dir Recht geben. Das war eine schwache Nummer. 4/10

Frank Böhmert

Ein Taschenspielertrick, meinetwegen: Aber doch eigentlich ganz und gar nicht Anti-Skeptiker. Diesen Kniff fand ich gelungen, gerade weil’s mir da zunächst genauso ging wie dir.

Jake
Jake

Ich kann die genannten Kritikpunkte zwar nachvollziehen, allerdings wiegen diese für mich bei weitem nicht so schwer. Mich hat der Film unterm Strich sehr gut unterhalten und Martin Freeman war das Zuckerl oben drauf. 7/10

Thies
Thies

Die positiven und negativen Aspekte des Films wurden hier zur genüge benannt. Für mich war der Film unterm Strich durchaus kurzweiliger Budenzauber, dem wie gesagt der Unterbau fehlt um für wirklich nachhaltige Unterhaltung zu sorgen. Mich hatte z.B. gestört, dass die tragisch gefärbte Einführung der Familie der Hauptfigur nicht mehr aufgegriffen wurde. Es hätte als Twist doch auch der Geist der lebenslustigen Schwester sein können, die ihren Bruder verfolgt.

Fazit: Als kurzer Grusel-Snack durchaus kuckbar. 6/10