Japan/GB 2017. Regie: Takashi Miike. Darsteller: Takuya Kimura, Hana Sugisaki, Sôta Fukushi, Hayato Ichihara, Erika Toda, Kazuki Kitamura, Chiaki Kuriyama

Offizielle Synopsis: „Blade of the Immortal“ legt mit einem Leichenberg los! Verantwortlich dafür ist der tief gefallene Samurai Manji, der tödlich verwundet aus der Schlacht hervorgeht. Eine Hexe findet ihn und verleiht ihm ungefragt Unsterblichkeit. 50 Jahre später: Die kleine Rin schwört Rache an dem Mörder ihrer Eltern, dem androgynen Master Anotsu. Das Mädchen wendet sich an unseren legendären Eremiten Manji, der inzwischen den sinnigen Beinamen „Hundred Killer“ verpasst bekommen hat. Er wird Rin helfen – und den einhundert Toten noch einige weitere hinzufügen.

Kritik: Ahhh, Takashi Miike! So etwas braucht man nach einem Downer wie „Playground“, um sich überhaupt wieder für das Festival eintakten zu können. Like a Dragon, Terraformars, Ace Attorney – der japanische Vielfilmer bietet vielleicht nicht immer große Kunst, aber garantiert knallbunte Abwechslung mit säckeweise Entertainment.

Es fängt ja auch ganz prima an, mit einem in schwarzweiß gefilmten Massaker des Ex-Samurais Manji an einer Hundertschaft Wegelagerer. Blut braucht keine Farbe, um das Zelluloid in Rot zu ersäufen. Gliedmaßen fliegen, es wird tüchtig „arrrghhh!!!“ gemacht und am Ende steht Manji in einem Berg aus Leichen.

Leider macht „Blade of the Immortal“ auch genau so weiter. Gefühlt gibt es alle fünf Minuten ein weiteres Duell von Manji mit einem Schwertschwinger der bösen Ittaro-ryu, bei dem unser Held in schöner Regelmäßigkeit Hand oder Arm verliert und auch mal eine Klinge durch die Brust gestoßen bekommt. Ist aber zu vernachlässigen, weil er dank der Einnahme von Blutwürmern unsterblich ist und sich die Gliedmaßen wieder ansetzen lassen, solange er sie nicht verliert.

Nebenher kümmert sich Manji noch widerwillig um ein junges Mädchen, das seine Familie gerächt sehen möchte – wenn ich es recht überlege, ist „Blade of the Immortal“ eigentlich die japanische Schwertkampf-Version von „Logan“.

Für 140 Minuten hätte ich mir ehrlich gesagt etwas mehr Handlung gewünscht, ein paar mehr Schauplätze, ein oder zwei überraschende Wendungen. Nix da. Das Problem haben wir bei Miike nicht zum ersten Mal: Hat er keine potente Vorlage, gehen ihm nach einer manischen halben Stunde die Ideen aus und er verstolpert sich in der eitlen Inszenierung von fettfreier, aber deshalb auch nicht sättigender Action. Das war bei „Terraformars“ schon so und das ist bei „Blade of the Immortal“ nicht anders: nach ca. 30 Minuten hängt er fest. Der Film, den keine Reise und kein übergeordnetes Ziel voran bringen, tritt Wasser wie eine Ente, rettet sich mit Dutzenden und letztlich immer ähnlichen Duellen über zwei Stunden, bis es im Finale zu einem zweiten Massaker kommt, das aber stilistisch mit dem Prolog nicht mithalten kann. Die Laufzeit wird eher rumgebracht als ausgenutzt.

Wer Spaß an blutigem Schwertkampf hat, der wird hier gestopft wie eine Gänseleber. Aber Miike kann mehr, darum erwarte ich von ihm auch mehr.

Fazit: Ein schickes, sehr blutig und actionreich inszeniertes Schwertkampf-Epos, dem leider die Epik abgeht und das sich mangels Plot auf redundante Fights konzentriert, die zwar nur wenige Regisseure so schmissig umsetzen können wie Miike, die aber den Film als Ganzes nicht vor einer gewissen Eintönigkeit retten. Wohlwollende 6 von 10 Punkten gibt es dafür.

Fragt Philipp: „Samurai-filme sind mein Ding. Hier fehlt mir ein wenig die klare Konfrontation mit den Werten dieser Gesellschaft und ihrer unausweichlichen Tragödie. Sie schwingt zwar zwischen den Zeilen mit, aber das ist zu wenig.“

Next up: Super dark times



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MarcusMattsheinoJakemm Recent comment authors
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Thies
Thies

Wenn Miike ein Problem hat, dann liegt es beim Schnitt. Ich hatte schon öfters bei ihm nach 80 Minuten das Gefühl bereits pappsatt zu sein, aber dann geht es meist noch über eine halbe Stunde weiter. Auch hier gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund warum der Film 140 Minuten dauern musste. Ich kann mir das nur erklären, dass er schon zu sehr mit dem nächsten Projekt beschäftigt war um sich noch mit dem Feinschliff zu beschäftigen. Die Exposition wird sogar kurz vorm finalen Massaker nochmal nacherzählt – ein Service für alle die zu spät kamen oder für diejenigen die schon wieder vergessen haben worum es eigentlich geht?

Ich will nicht nur meckern. – „Blade of the Immortal“ macht durchaus Laune. An seinen „Thirteen Assassins“ kann er allerdings nicht heranreichen. Und vor dem nächsten Samurai-Epos sollte Miike sich dann lieber nochmal „Sanjuro“ ansehen um sich daran zu erinnern, dass sowas auch in kurz und knackig geht.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

„Hat er keine potente Vorlage, gehen ihm nach einer manischen halben Stunde die Ideen aus“

Der Film hat doch eine Vorlage – eine Anime-Serie 😉

https://ssl.ofdb.de/film/154447,Blade-of-the-Immortal

Jake
Jake

Von Takashi Miike kenne ich nur „The Call“, „Terra Formas“ und jetzt auch dieses Exponat. Kann daher nicht viel oder besser gesagt gar nichts dazu sagen, wie gut „Blade of the Immortal“ im Vergleich zu anderen Miike-Werken abschneidet. Mich hat er trotz der etwas zu langen Laufzeit ganz gut unterhalten. Storytechnisch reißt der Film natürlich keine Bäume aus, aber als kurzweiliger Schnetzelfilm (wobei „kurzweilig“ hier nicht wörtlich zu nehmen ist) tut er seine Pflicht. 6/10

heino
heino

Der Streifen ist zumindest nicht so langatmig wie „Ace Attorney“ und so dämlich wie „Terra Formars“ kann er auch nicht werden, aber natürlich kann Miike das besser. Trotzdem war das gute Unterhaltung und ja, das ist die Schwertkampf-Version von „Shane“, „True Grit“ oder „Logan“

Matts
Matts

Als ich den im Programm gesehen hab, hab ich vor Freude einen Luftsprung gemacht. Eine Verfilmung von meinem Lieblings-Manga(@Rudi: Der Anime kam erst danach) – von Miike??? Und bevor meine Füße den Boden berührt haben, hab ich meine Erwartungen schon wieder runtergeschraubt. Denn der Hauptgrund, warum ich den Manga so sehr mag, ist, dass er wirklich extrem gut geschrieben ist. Der Autor hat dafür Literaturpreise bekommen. Mit der ganzen Rache-Thematik wird da durchaus differenziert umgegangen. Und wie will man dem in nur einem Film – selbst mit 142 min – Rechnung tragen? Das wäre eher was für eine TV-Miniserie, oder so.
Trotzdem würde mich echt interessieren, was Miike daraus gemacht hat. Die Kritik ließt sich jetzt leider so, als hätte er nicht wirklich gewusst WAS er daraus machen soll.
Schade.
Trotzdem werde ich mal zusehen, dass ich das Ding mal irgendwo in die Finger kriege.

Marcus
Marcus

Asien-Schwertkampf-Melodramatik vom Allerfeinsten. Überlang? Hell yeah. Aber das muss so sein. I love it, your mileage may vary. 9/10.

P.S.: Bei uns lief der VOR „Playground“. 🙂