Stephen Furst ist letzte Woche gestorben. Wieder ein Schauspieler von „Babylon 5“, der zu früh abberufen wurde. Ich habe ihn mal live auf der Bühne erlebt. Ein netter, bescheidener Mensch. Er ist nun bei Andreas Katsulas, bei Richard Biggs, bei Jerry Doyle, bei Jeff Conway, bei Michael O’Hare. Keine schlechte Besetzung, um auf „der anderen Seite“ neue Abenteuer durchzuspielen.

Bei der Erwähnung von Furst wurde natürlich mantramäßig wiederholt, was für eine tolle, bahnbrechende, anspruchsvolle und komplexe Serie „Babylon 5“ war. Wer wüßte das besser als ich? Schließlich habe ich ein Buch drüber geschrieben.

Allerdings wurde mir bei der Erinnerung an die Space-Saga auch schmerzlich bewußt, wie scheiße es manchmal sein kann, der Vorreiter zu sein. Weil alles Unsicherheit ist, alles erkämpft werden muss, weil jede Neuerung bei der Buchhaltung Widerstand hervor ruft. „Babylon 5“ war großartig – aber wie großartig hätte die Serie nur zehn oder gar zwanzig Jahre später sein können?!

Ich rede dabei auch, aber nicht primär von den Spezialeffekten. Ja, die CGI wirkt heute teilweise erschütternd rudimentär, konnte angesichts des Budgets und der Produktionsrealitäten nie mehr sein als eine grobe Darstellung des Universums. Hier wurden keine Welten erschaffen, sondern bestenfalls repräsentiert. Die Epik, die Größe von „Babylon 5“ – sie entstand in den Köpfen der Zuschauer und das war auch okay.

It was what it is. It is what it was.

Aber man stelle sich mal vor, JMS hätte die Serie 15 Jahre später gepitcht, als erfolgreicher Autor von Kino-Blockbustern und hoch angesehener Comic-Schreiber. Er hätte nicht die Unterstützung einer Reihe von Lokalsendern unter der Schirmherrschaft eines schwächlichen Produktionsnetzwerks gefunden, sondern wäre bei HBO unter gekommen, bei Showtime oder Netflix? Keine 22 Folgen pro Staffel, sondern 10 oder 12? Sämtliche Aufnahmen auf fremden Planeten nicht von der Festplatte, sondern mit tatsächlichen Dreharbeiten vor Ort? Marokko als Centauri Prime, Island als die Heimatwelt der Narn? Schlachten, von denen wir nicht nur erzählt bekommen, sondern die wir tatsächlich sehen? Die politischen Ränkespiele der Erde als eigener Subplot, mit aufwändig digital erweiterten Aufnahmen unseres Heimatplaneten? Die lesbische Beziehung von Susan Ivanova und Talia Winter nicht angedeutet, sondern ausgelebt?

Eine Station, die nicht so

sondern so hätte aussehen können?

„Babylon 5“ mit dem Aufwand von „Game of Thrones“ oder „The Expanse“, aber ohne deren Zynismus, Nihilismus und Brutalität? In HD und 16:9, als ganze Staffel abrufbar einmal im Jahr bei den Streaming-Diensten? Von Anfang bis Ende durchgeplant, ohne jedes Jahr die Axt der Auftraggeber fürchten zu müssen? Eine dramatische, herzzerreißende Saga, die im Kern doch an das Gute und die Zukunft unserer Spezies im Universum glaubt?

Eine Umsetzung, so groß wie die originale Vision von „Babylon 5“?

Mir platzt gerade der Kopf.



18
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
18 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
12 Comment authors
Hendrik MHeinoLotharRudi Ratlosmm Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Dietmar

Wenn Du das so sagst: Das wäre sehr cool!

(Babylon 5 zu sehen habe ich nicht geschafft und werde dazu wohl auch nicht mehr kommen: Immer weniger Freizeit.)

DJ Doena

Ist zwar Querwerbung, da ich aber nicht mit SJ assoziiert bin, hoffe ich mal es geht ok:

Auf Serienjunkies.de macht einer der Redakteure gerade einen wöchentlichen Rerun-Marathon, natürlich mit Artikel und Diskussionsstrang untendrunter:

http://www.serienjunkies.de/babylon-5/news/

Teleprompter
Teleprompter

Dass es auch heute nicht genügt, eine originelle Vision zu haben, zu einem PayTV- bzw. Streaminganbieter zu gehen, mächtig Geld auszugeben (das auf dem Bildschirm durchaus sichtbar ist) und auf die Zensur und die Rednecks zu pfeifen, erfährt JMS just in diesem Augenblick mit „Sense8“ (sehenswert, btw !) und Netflix. So viel hat sich dann doch nicht geändert.

P.S. Ich finde, die Tricks von B5 können sich (relativ) durchaus noch sehen lassen, gerade die in die Cockpits der Starfurys einkopierten Darsteller machen immer noch was her.

heino
heino

Chris Carter hängt bei Sens8 mit drin? Ich dachte, das wäre eine Kopfgeburt der Wachowskis und JMS?

B5 wäre tatsächlich ein guter Kandidat für eine Neufassung a la BSG. Da ist einfach technisch und inhaltlich viel Verbesserungspotential vorhanden und besonders die kastrierten letzen beiden Staffeln könnten endlich mal ordentlich auserzählt werden.

Martin Zimny
Martin Zimny

Ganz ähnliche Gedanken hab‘ ich bei „Space 2063“.

20 Jahre zu früh produziert.

AlphaOrange
AlphaOrange

15 Jahre später gepitcht hätte dann aber womöglich auch gar kein Babylon 5 geheißen, weil niemand mehr Space Operas senden wollte. Glaube kaum, dass da HBO oder Showtime unbedingt zugeschlagen hätten – oder wo sind deren große Scifi-Serien aus der Zeit? Oder überhaupt? Selbst Netflix hast bis heute nichts in der Richtung sendefertig, wenn ich nichts übersehe, weil die auch erstmal die sicheren Wege gegangen sind.

Heino
Heino

@Torsten:ich hatte nicht mitbekommen, dass Carter mal wieder eine neue Serie produziert hat:-)

AlphaOrange
AlphaOrange

@Torsten:
Ich gebe dir insofern Recht, dass das ist ein Non-Argument gegen „B5 mit der heutigen Standard wäre echt krass!“ ist. Aber du gegen „… man stelle sich mal vor, JMS hätte die Serie 15 Jahre später gepitcht, als erfolgreicher Autor von Kino-Blockbustern und hoch angesehener Comic-Schreiber“ durchaus.
Der Markt war damals ein anderer und viel offener für SciFi-Produktionen. TNG, DS9, Seaquest, X-Files, Sliders, VOY, Stargate und unzählige kurzlebige, aber dennoch bekannte bis gehypte Serien wie Earth-2 liefen parallel zu B5. Das war kein Zufall. 15 Jahre später (so um 2007 also) hingegen sieht es echt sehr, sehr dünn aus mit echter SciFi. Ging eigentlich nur, wenn es bereits einen Namen hatte (ENT, SG:Atlantis, SG:Universe) oder aus dem Roddenberry-Nachlass kam (mit streitbaren Ergebnissen). Ich halte es für plausibel, dass die Studiobosse gesagt hätten „Sorry, JMS, SciFi geht gerade gar nicht“ – selbst wenn jener es ohne B5 schon zu Ruhm und Ehre geschafft haben sollte.
Hätte, hätte – ist bei dir aber genauso. Statt an HBO, das sich bis heute nicht ans Genre traut – hätte JMS 15, 20 Jahre später auch an Syfy in ihrer höchsten Ramschzeit geraten können.

@Heino: „The After“ war nen Amazon-Pilot. Richtig mieses Teil, trotzdem zur Serie beordert und ein Jahr später wieder abbestellt ohne dass in der Zwischenzeit irgendwas gedreht wurde.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Einer der großen Streaming-Anbieter hat das Ding aber nicht im Programm, oder? Hab damals (auf Pro7?) nur immer ein paar Trailer gesehen, aber nie reingeschaut.

Heino
Heino

@Rudi Ratlos:Google ist dein Freund und Maxdome der Anbieter deiner Wahl:-)

https://store.maxdome.de/babylon-5-b218695.html

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Danke Heino, dann wird das leider vorerst nix – drei Abos müssen dann doch nicht sein.

Lothar
Lothar

Für 60 Euro gibt’s die Komplett-Collection auf DVD, die neben den kompletten Staffeln auch sämtliche Filme enthält, die zwar nicht der Reisser aber nicht ganz schlecht sind.

Heino
Heino

@Rudi:geht mir auch so, Netflix reicht völlig, ich komme eh schon nicht mehr hinterher

Hendrik M

Hach, Du hast Recht… Das hätte heutzutage wirklich fantastisch werden können.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass etwas vom Format eines Babylon 5 vielleicht doch noch irgendwann bei Netflix oder Amazon kommt. Zumindest sofern Star Trek Discovery und Lost in Space für Netflix erfolgreich werden sollten (ich weiß, Star Trek Discovery ist keine waschechte Netflix Eigenproduktion, aber immerhin exklusiv weltweit außerhalb der USA).
Auch ein B5 Remake mit heutigen Mitteln à la BSG wäre sicher klasse.