Ich habe euch semi-reguläre Updates meiner Läufe versprochen, dann mache ich das auch. Alle sechs Einheiten scheint mir überschaubar, das entspricht knapp 2 Wochen.

Die gute Nachricht: 97,5 Kilo. Es geht vorwärts. Also abwärts.

In der letzten Übersicht hatte ich angekündigt, mal testweise das Wasserparadies in Baden-Baden hinauf und hinab zu rennen. 70 Meter Höhenunterschied auf knapp 300 Metern mit Treppen, Steigungen, Winkeln und Kurven. Wer 6 Kilometer geradeaus kann, kann auch so etwas.

Dachte ich.

Fakt ist: Ich bin noch nicht das erste Mal oben angekommen, da denke ich schon, mir platzen die Lungen und brechen die Schenkel. Brutal. Runter ist leichter. Als ich unten stehe, denke ich: noch mal. Vielleicht war der Fehler nur die falsche Schrittlänge – in Tippelschrittchen jede einzelne Treppe. Also versuche ich es erneut, diesmal mit zwei Stufen pro Schritt. In der Tat geht es erheblich einfacher, aber es ist immer noch eine Tortur. Als ich wieder unten bin, beende ich das Experiment – vorläufig, aber angesichts des totalen Widerwillens vielleicht dauerhaft. Ich bin kein Bergläufer.

Bedenkt man, wie scheiße und erbärmlich ich mich gefühlt habe, ist das Ergebnis sogar gerade noch vertretbar.

11.6.2017:

Ich brauche zwei Tage später wieder eine „normale“ Runde, um den Frust loszuwerden. Weil mein Ehrgeiz aber keine Ruhe gibt, probiere ich die „Zeit & Distanz“-Funktion aus. Ich vertraue darauf, dass ich sechs Kilometer in 42 Minuten laufen kann – aber aus Größenwahn gebe ich 40 Minuten vor. Glücklicherweise mahne ich mich still, es nicht zu übertreiben – dies ist eine Vorgabe, keine Erwartung.

In der Tat versage ich das erste Mal am gesetzten Ziel, wenn auch auf ausreichend hohem Niveau: gut 300 Meter fehlen mir, als die 40 Minuten rum sind. Ich bin sehr zufrieden, auch weil ich damit entspannt umgehe. Einer meiner besseren Läufe.

13.6.2017:

Ich merke, dass sich ein Trend ablesen lässt: 6 Kilometer bei 42-45 Minuten sind meine aktuelle „Standardleistung“. Schneller oder weiter ist schwierig. Die Steigerungen der letzten Wochen kann ich nun nicht mehr schaffen. Jetzt gilt es, die Leistung zu halten, die Kondition auszubauen und dann sanft voran zu schreiten. Um etwas mehr Kontrolle über meinen körperlichen Zustand zu bekommen, kaufe ich mir nun doch einen Bluetooth-Pulsmesser, der Runtastic meine aktuellen Werte weiterreichen kann.

Der nächste Lauf findet wieder auf der Tartanbahn im Stadion statt. Ich gebe mir 42 Minuten für die sechs Kilometer und bleibe knapp drunter. Vielleicht die falsche Musik. Auffällig ist auf jeden Fall, dass der fünfte Kilometer immer der Problemkilometer ist, bei dem Runtastic mir die kleine Schildkröte zeigt. Da habe ich einen Leistungseinbruch, den ich auf dem letzten Kilometer zwar raus hole, den es aber zu bekämpfen gilt.

15.6.2017:

Es freut mich, dass mein Trainingsplan nun mit einer Abwechslung aufwartet. Ich bin in Nürnberg und laufe dreimal rund um die Wöhrder Wiese. Das konntet ihr ja schon hier nachlesen. Gut gelaufen, ohne Druck, aber mit solider Zeit.

17.6.2017:

Der nächste Lauf wird Hardcore, das ahne ich. Es ist brütend heiß, auch noch am frühen Abend. Ich entscheide mich, kein Risiko einzugehen, und programmiere mir in Runtastic ein sehr leichtes Intervallprogramm. Das Problem: Ich habe mittlerweile auf Runtastic pro aufgestockt und nicht bemerkt, dass man deshalb den Zugriff auf die Standortdaten neu genehmigen muss. Ergebnis: nach einer Runde stelle ich fest, dass die App nichts aufgezeichnet hat. Frustriert breche ich ab. Scheiß auf Intervall. Normale Strecke, angesichts der Hitze und der Frustration 4 Kilometer in 28 Minuten.

Nach einem Kilometer weiß ich schon, warum meine Trainerin mir in dieser Hitze von dem Pensum abgeraten hat. 35 Grad sind keine Temperatur, um an die Grenzen zu gehen. Nach zwei Kilometern muss ich das erste Mal in meiner „Laufkarriere“ in Schritttempo zurück fallen, um nicht abzubrechen. Nach 400 Metern geht’s wieder, ich laufe den Rest flott genug, um insgesamt kein katastrophales Ergebnis einzufahren. Aber das ist heute kein Orden auf meiner Brust. Es hat mir auch keinen Spaß gemacht. Ich schwöre mir, in Zukunft auf Sachen wie Außentemperatur mehr Rücksicht zu nehmen. Es ist ein Lernprozess.

20.6.2017:

Es drängt mich, mal wieder eine andere Strecke auszuprobieren. Ich treffe die Entscheidung, am Kurhaus und der Gönneranlage vorbei durch den botanischen Garten zu laufen. 3 Kilometer hin, 3 Kilometer zurück. Keine Zeitvorgabe, weil ich keine Ahnung habe, wie die Bodenbeschaffenheit ist oder ob es Steigungen gibt. Außerdem ist es auch um 21.00 Uhr noch fette 31 Grad heiß. Hitzschlag ist nicht mein Ziel.

Es ist eine malerische Strecke, die auf dem Hinweg minimale Steigung zeigt, was die zweite Hälfte des Laufs etwas erleichtert. Natürlich ist die Hitze ein Thema, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung lässt sich das verkraften. Wieder zeigt sich, dass mein Problemlos-Pensum unter normalen Umständen bei ungefähr 42-45 Minuten für sechs Kilometer liegt.

Es ärgert mich ein wenig, dass Runtastic notorisch auch dann noch aufzeichnet, wenn der Lauf beendet ist – an dieser Grafik kann man gut sehen, dass die 40 Meter, die ich nach dem Finish rumgestanden habe, als schlechte Laufzeit den Durchschnitt (minimal) versauen. Bisher habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, diesen Rattenschwanz aus der Berechnung zu löschen. Egal, ich bin zufrieden.

22.6.2017:

Das Gefühl, mein aktuelles Limit gefunden zu haben, ist beruhigend und frustrierend zugleich. Ich weiß nun, was geht. Und das ist erheblich mehr, als ich vor vier Wochen gedacht hatte. Zum Beginn meines Couch to 5k-Trainings hätte ich diese Leistung nicht mal für den Herbst anvisiert. Andererseits habe ich nun das Gefühl, wie an einem unsichtbaren Gummiband zu laufen, dass mich immer nach hinten zieht. Je stärker ich dagegen anlaufe, desto mehr strafft es sich. Ein anderer Vergleich wäre, dass man wie in Watte läuft, die sich verdichtet, wenn man versucht, mehr Tempo hinein zu legen. Es sind keine konkreten Hindernisse, keine Schmerzen oder kein Seitenstechen. Es ist nur die natürliche Grenze, die mein Körper mir momentan setzt.

In den nächsten Tagen wird es schwieriger werden. Ich bin zwei Tage im Hochschwarzwald unterwegs, auch nächste Woche warten Reportagen. Nürnberg war zwar ein guter Anfang, aber ich muss lernen, mich auch „on the road“ zu disziplinieren. Laufen kann man überall. Hoffe ich. Das wird in diesem Jahr noch zwei mal wichtig: beim Ibiza-Urlaub und beim Fantasy Filmfest 2017 in München.



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Nikolai
Nikolai

6km Joggen ist doch absolut ausreichend um sich fit zu halten. MUSS es denn unbedingt mehr oder schneller werden oder spricht da einfach dein Ehrgeiz?

Im Moment ergibt es für mich leider gar keinen Sinn mit Joggen anzufangen, da mein HB( Hämoglobinwert) zu niedrig ist.
Nach zwei Stockwerken mit der Treppe schlägt mein Herz fast aus der Brust raus…..Joggen wäre da totaler Unsinn.
Dabei müsste ich für den https://toughmudder.de/ trainieren…..wie wäre es, Interesse mitzulaufen?

bullion

Ach, es freut mich unglaublich nicht mehr der einzige Filmblogger zu sein, der auch über seine Läufe schreibt. Bitte weiter so! 🙂

Da du dich häufig über Runtastic ärgerst (Aufzeichnung wird nicht gestoppt usw.) und du ja auch ein Gadget-Fan bist, was hältst du von einer Laufuhr? Gibt es teils schon sehr günstig, das GPS ist viel genauer und es ist einfach sehr bequem (du kannst die Daten danach auch in Runtastic schieben, kein Problem). Ich nutze eine TomTom und bin damit sehr zufrieden; gab es neulich beim Mediamarkt für um die 30 Euro. Nach oben ist die Grenze natürlich offen.

Mach weiter so, auch wenn das Laufen im Sommer manchmal die Hölle ist. Respekt fürs Durchziehen.

Heino
Heino

@Bullion:du hast eine TomTom für € 30? Das ist aber nicht die TomTom Runner ohne Brustgurt, oder? Die benutze ich und habe vor 21 Jahren dafür über € 200 hingelegt.

Generell würde ich auch eine Laufuhr empfehlen, das ist bequemer, genauer und man muss sich nicht mit den Eigenheiten von Runtastic rumärgern. Ob mit oder ohne Brustgurt, ist Geschmackssache, ich bevorzuge sie ohne.

„Natürlich „reichen“ 6 Kilometer. Aber die Freude erhält man sich ja durch die Steigerung“

Das habe ich am Anfang auch gedacht, bin da aber inzwischen deutlich entspannter geworden. Mir macht es Freude, regelmäßig meine Strecke zu laufen (deiner nicht unähnlich, knapp 7 km in 40 – 45 min) mit gelegentlichen Ausreißern nach oben, wenn die Tagesform und das Wetter mitspielen.

Überhaupt, das Wetter ist ein wichtiges Thema. Besonders die Ozonwerte bei Hitze sind nicht ungefährlich und ich bin immer ziemlich entsetzt, wie viele Leute bei den gestrigen Temperaturen im Affenzahn Mittags durch den Park hetzen. Unser Freund Onkel Filmi hat sich gestern morgen (!) gegen 9 Uhr beim Laufen einen fetten Sonnenbrand geholt. An solchen Tagen laufe ich, wenn überhaupt, erst abends.

Heino
Heino

@Torsten:bedingt durch die Arbeitszeiten geht es bei mir, außer im Urlaub und am Wochenende, auch gar nicht tagsüber. Früher, als ich noch Schichtarbeit gemacht habe, bin ich auch oft morgens gelaufen und generell finde ich Frühsport super, weil ich dann mit einem ganz anderen Energielevel in den Tag starte.

bullion

@Heino: Ich habe vor ca. zwei Jahren auch noch ca. 130 Euro für die TomTom Multisport mit Brustgurt (erste Generation) gezahlt. Bin deshalb neulich auch fast vom Hocker gefallen als ich vom Angebot der TomTom Runner (allerdings ohne Brustgurt) gelesen habe; wäre für den Preis die perfekte Einsteigeruhr (natürlich muss man noch die ca. 20 Euro für den Brustgurt drauf rechnen).

comicfreak
comicfreak

@Wortvogel

..hey, du kannst mit dem Göttergatten laufen, wenn wir uns mal besuchen 😀
Der kennt auch Wege mit weniger als 16% Gefälle

Stefan
Stefan

Neue Laufuhren brauchen gar keinen Brustgurt mehr, die Tendenz geht zur Handgelenkmessung. Kosten dann natürlich nicht nur 30 Euro, aber den Wert eines Paares Laufschuhe kann man schon investieren, die Uhr hält dann ja auch und bietet mehr Features.
Ich kann Dich verstehen was die Steigerung betrifft. Das ist ja auch das, was den Läufer vom Jogger unterscheidet. 😉 Mir geht es ähnlich.
Weiterhin viel Spaß.

Trillerpfeife
Trillerpfeife

Mich interessiert ja, warum du überhaupt deinen Puls misst?

Für einen Gelegenheitsjogger vermag ich darin keinerlei Nutzen zu erkennen.

Du joggst – kein bisschen abwertend gemeint – da im 7er-Schnitt durch die Gegend. Was willst du da mit fortgeschrittener Trainingssteuerung?

Die ist was für Menschen, die zumindest beim Volkslauf ums Eck um die Altersklassen-Sieg laufen, und selbst von denen kommen die meisten ohne aus.

Jake
Jake

@Torsten: „Bei der Pulsuhr habe ich noch nicht das gefunden, was ich brauche: permanente Messung, kein Brustgurt, Verbindung zu Runtastic.“

Die Pulsuhren von Mio Alpha haben keinen Brustgurt und sollen wohl mit Runtastic kompatibel sein. Ob die Uhren etwas taugen, kann ich allerdings nicht sagen, da ich mich damals letztlich doch für die Brustgurt-Lösung entschieden habe.

Stefan
Stefan

Werbeblock: Ich habe seit ein paar Jahren eine Polar M-400 und bin sehr zufrieden. Es gibt sie nun auch als 430 mit Handgelenkmessung oder M-200 als abgespeckte Version, ebenfalls mit Handgelenkmessung.
Auf der Seite https://www.dcrainmaker.com/ kannst Du ein paar Tage verbringen. 😉

Heino
Heino

Ich benutze eine TomTom Runner (1. Genration, gibt es mittlerweile auch mit mehreren Sportarten und integriertem MP3-Player), die hat aber – wie meines Wissens alle Laufuhren – keine direkte Verbindung zu Runtastic. In der Regel kann man die Daten von der zur Uhr gehörenden Software nachträglich zu Runtastic übertragen. Allerdings hat Runtastic eine eigene Uhr im Angebot (mit Brustgurt, wenn ich mich nicht irre), die aber in den Tests nicht allzu gut wegkam

Stefan
Stefan

Die 400 hat einen Brustgurt, deshalb hab ich ja die 430 erwähnt, die keinen mehr hat. Wie das mit der Runtastic-Übertragung ist, weiß ich nicht, ich nehme die Polar-Lösung und übertrage dann noch auf Excel. Runtastic war zwischenzeitlich mal im Besitz von Axel Springer, seitdem kommt das nicht mehr in Betracht.

Stefan
Stefan

Eine generelle Datensparsamkeit gerade, was Gesundheitsdaten betrifft, und die Erkenntnis, dass mir eine Drittanbieterapp nichts bringt. Bisher bin ich mit meiner Kombi ganz gut klargekommen. Schon die Polar-Lösung ist in der Hinsicht ein Kompromiss.
Und nutzt man so einen Anbieter und plötzlich wird der Service eingestellt oder gehackt, hat man seine Daten ganz schnell verloren.

heino
heino

@Torsten:mal blöd gefragt, warum ist Runtastic für dich unverzichtbar? Alle Laufuhren haben ihre eigene Software, die meist auch besser als Runtastic ist. Und bei Uhren ohne Brustgurt gibt es inzwischen eine sehr breite Auswahl.

Heino
Heino

Okay, nachvollziehbar. Mich hat Runtastic damals genervt, weil das GPS extrem unzuverlässig war, aber vielleicht haben die das ja inzwischen verbessert.

dermax
dermax

Also ich würd trotzdem gerne wissen, warum Du den Puls misst und sorry, falls das in irgendeinem der Beiträge steht. Ich persönlich habs auch einige Zeit gemacht, aber dann den Mehrwert gegenüber dem Zuviel an Info (wie lang, wie weit, wie hoch und wenn ich mal über dem empfohlenen Limit liege, merke ichs auch so) und dem lästigen Brustgurt nicht mehr gesehen.
OK, ich mess dafür ab und zu mit dem Samsung Handy und sitz regelmässig aufm Ergo mit Kontakten, also hab ich schon immer wieder einen Hinweis, ob da alles im normalen Bereich liegt, aber beim Laufen hab ichs gelassen.

Heino
Heino

Ich mache das auch oft, um mein Lauftempo zu kontrollieren, denn ich laufe meist instinktiv zu schnell. Da ist die Pulsmessung beim Laufen ein gutes Hilfsmittel, um gegen zu steuern

trackback

[…] einen Haufen Steigungen und Gefälle. Insgesamt geht es fast 70 Meter aufwärts, das entspricht dem Wasserparadies in Baden-Baden. Mein Puls läuft auch angesichts der Hitze deutlich hochtouriger (Durchschnitt 140) […]