England 2017. Regie: Jason Flemyng. Darsteller: Charlie Cox, Freema Agyeman, Mackenzie Crook, Dexter Fletcher, Eve Myles, Ruth Jones, Vincent Regan, Annette Crosbie, Nick Moran

Offizielle Synopsis: Ein einsam gelegenes Farmhaus irgendwo im Nirgendwo. Es brennt noch Licht. Hier versammeln sich heute Nacht die Mitglieder einer Geheimgesellschaft zu ihrem allfünfzigjährlichen Meeting. Ihre Zahl ist auf acht festgelegt. Doch einer von ihnen hat sich nicht an die strengen Regeln gehalten und muss nach seiner Ermordung ersetzt werden. Nichts Besonderes für ihre Nachtordnung also. Doch so geheim wie sie gedacht hat, ist die Gesellschaft nicht: Draußen bezieht das Militär bereits schwerbewaffnet Stellung. Und drinnen muss sich der neue Anwärter klar darüber werden, ob Blutdurst, spitze Zähne, fehlendes Spiegelbild und Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht ein adäquater Preis sind für die Unsterblichkeit.

Kritik: Die Sache mit der doppelten Bewertung durch mich und den Yeti ist natürlich immer auch ein zweischneidiges Schwert: Es ist fast zwangsläufig so, dass Nowak und ich halbwegs einer Meinung sind. Wären unsere Geschmäcker radikal verschieden, wäre er nicht der Typ, mit dem ich am liebsten Festival-Sitze plattfurzen würde. Andererseits: Das gibt den Lesern natürlich nicht zwei kontrastierende Meinungen. Wozu den Yeti shrieken lassen, wenn er mir meistens nur unterwürfig zustimmt? Da wäre es besser, öfter „pro und contra“ zu haben. Wie in diesem Fall.

Ich habe mich auf „Eat local“ gefreut, weil der freche Titel schon „Eating Raoul“ und „To serve man“ referenziert, weil mit Jason Flemyng ein großartiger britischer Charakterdarsteller auf dem Regiestuhl sitzt und weil der Cast die Freunde englischer TV- und Filmkunst in Entzücken versetzt: Da sind Darsteller aus „Doctor Who“ und „Torchwood“ und „Die Nebel von Avalon“ und „Strike Back“ dabei, Flemyng selber spielte ja schon Dr. Jekyll in „League of Extraordinary Gentlemen“.

Berater für die Kampfszenen dieses Films war Jason Statham. JASON STATHAM!

Doch es ist nun mal leider so, dass viele Schauspieler nicht deshalb auf den Regiestuhl wechseln, weil sie es „endlich mal besser“ machen wollen, sondern weil sie schlichte Abwechslung suchen. Auch Lundgren dreht keine besseren Lundgren-Filme, wie wir festgestellt haben. Bei Flemyng kann ich nicht das Gefühl haben, dass „Eat local“ ein Herzensprojekt war.

Machen wir es kurz. Es ist ein eigentlich durchaus ernster Plot für einen harten Vampirfilm. Die Vorsitzenden verschiedener Vampir-Reviere treffen sich auf einer kleinen Farm, um ihre Territorien und Quoten neu abzustecken. Als Außenseiter dabei: Sebastian, ein windiger Taugenichts, der aus irgendwelchen Gründen für die oberen Zirkel auserkoren ist. Aber die Menschen sind den „cold bodies“ auf den Fersen, drei Einheiten Special Forces haben die Farm umstellt. Eine seltene Umkehrung der üblichen Horrorfilm-Szenarien, in denen es die Menschen sind, die aus einer Belagerung ausbrechen müssen.

Allerdings sind Flemyngs Möglichkeiten, dieses potenten Plot zu erzählen, sehr beschränkt: Die Nachtaufnahmen sind zu düster und oft zu sehr von externer Beleuchtung abhängig (ein Problem, das in digitalen Zeiten der Vergangenheit angehören sollte), mangels Budget finden fast alle größeren Effekte und Actionszenen offscreen statt und mehr als die Farm und ein bisschen Wald standen auch nicht zur Verfügung. An solchen Defiziten sind schon erfahrenere Regisseure gescheitert – wenn auch nicht alle.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass es eher dem Mangel als der ursprünglichen Absicht zu verdanken ist, dass „Eat local“ (ein Titel, der wie das Plakat und die Tagline übrigens letztlich bedeutungslos und irreführend ist) zur Komödie umgestrickt wurde. Alle Charaktere scheinen ihre Eigenschaften und Sprüche mitunter zu improvisieren – mit wechselndem Erfolg. Immer wieder werden Nebenschauplätze aufgemacht, die letztlich folgenlos bleiben, werden kleine Ideen in die Handlung geworfen, ohne wirklich zu greifen. Eine stringente Handlung entwickelt sich nie, ein klarer Protagonist wird auch nicht festgelegt. Wie auch? Die Soldaten werden ja nicht minder arschlöchrig gezeigt als die Vampire. Letztlich hätten wir kein Problem damit, wenn die sich alle gegenseitig platt machten.

Ja klar, natürlich funktionieren manche der Sprüche und der visuellen Gags – das ist angesichts der Menge schon statistisch zu erwarten gewesen. Aber es ist zu wenig, es ist zu dünn, es ist zu durchschaubar. Pubertär wäre ein wenigstens ambivalentes Attribut, das mir zu „Eat local“ einfallen würde.

Fazit: Eine erschreckend billige und auch billig inszenierte Vampirklamotte, deren großartiger Cast erheblich mehr verdient hätte. Glaubt dem Yeti kein Wort! 3, maximal 4 von 10!

Shriek of the Nowak-Yeti:

Vampirbelagerung mal anders – ein Haufen exzellent besetzter britischer Vampire wird vom Militär in einem Farmhaus belagert. Großartiges Ensemble, eine Tonne guter Gags, flottes Tempo. Kein Film für die Ewigkeit, aber ein charmanter und sehr britischer Horrorspaß. 8/10



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mmMarcusheinoDr. Acula Recent comment authors
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Dr. Acula

Du erkennst halt keinen Spaß, wenn er dich in den Hals beißt 🙂

heino
heino

Wir wollten den mögen und haben deshalb noch 6 Punkte gegeben, die der Film eigentlich nicht verdient hat.

Marcus
Marcus

Wie Heino schon sagt: 6/10. Und auch die nur für den famosen Cast. Schade, dass der Film um sie herum so gar nicht aus dem Quark kommt. „Britisch“ im Sinne von „hüftsteif“…

Marcus
Marcus

Und in „Dog Soldiers“ spielte Flemyng nicht mit, den verwechselst du mit Kevin McKidd (oder je nach Laune auch mit Sean Pertwee oder Liam Cunningham)….