Havenhurst

havenhurst posterUSA 2016. REGIE: Andrew C. Erin. DARSTELLER: Julie Benz, Danielle Harris, Currie Graham, Fionnula Flanagan, Belle Shouse, Josh Stamberg

Offizielle Synopsis:

Mitten in New York steht eines der größten und ältesten Apartmentgebäude der Stadt, das Havenhurst. Das Haus hat eine bewegte Geschichte, viele düstere Legenden ranken sich um den wuchtigen Wohnkomplex. Die junge Jackie, gerade frisch aus der Rehaklinik entlassen, zieht in genau das Apartment, das bis zuletzt noch von ihrer nun spurlos verschwundenen Freundin Danielle bewohnt wurde. Bereits beim Einzug spürt sie, dass etwas mit dem Haus und vor allem seiner harschen Managerin Eleanor nicht stimmt. Und schon bald häufen sich die mysteriösen Vorfälle, die darauf schließen lassen, dass die vermisste Danielle Havenhurst in Wirklichkeit niemals verlassen hat. Als Jackie tiefer in die Geschichte des Gebäudes eintaucht und dabei dunkle Mächte weckt, gerät auch ihr Leben in ernsthafte Gefahr.

Kritik: Die Idee, ein Wohnhaus zum Zentrum des Bösen zu machen, die ungewohnte Umgebung als Feindesland zu enttarnen, ist nicht neu. Auch nicht, diese „old dark house“-Klischees in einen modernen, urbanen Kontext zu setzen, um den Kontrast zu erhöhen. „Rosemary’s Baby“ gehört ebenso in diese Kategorie wie „Columbus Circle“ vor ein paar Jahren oder „Corridor„. Es gab auch vor nicht allzu langer Zeit mit „666 Park Avenue“ den Versuch, aus der Idee eine ganze Serie zu stricken. Das liegt auch daran, dass die Erzählmuster (die so genannten tropes) relativ gut etabliert und damit auch leicht zu kopieren sind. Jeder kennt das ungute Gefühl, sich im Haus nicht auszukennen, unbekannte Nachbarn zu treffen, unerklärliche Geräusche zu hören. Die Angst, in der eigenen Wohnung fremd und nicht sicher zu sein – es ist eine Urangst, an die sich der Zuschauer leicht andocken kann. Ich bin durchaus ein Fan dieser Sorte Film.

Umso bedauerlicher, dass „Havenhurst“ aus dem üppig dargebotenen Potenzial so erschreckend wenig Potenz zu schöpfen weiß.

Der Film verstolpert sich schon bei den ersten Versuchen, seine Mythologie zu etablieren: Wie plausibel ist es, dass eine alte Gönnerin ein mondänes Wohnhaus im Schatten des Chrysler-Buildings exklusiv für Ex-Süchtige bereit stellt und niemand die Vorgänge in dem Haus auch nur flüchtig im Auge behält? Wie können Dutzende von Menschen verschwinden, alle am selben Ort, ohne dass die Polizei mit einer Hundertschaft anrückt?

havenhurst

Mit zunehmender Laufzeit wird es nicht besser, sondern schlimmer. Statt die Zusammenhänge zu erklären, setzt „Havenhurst“ immer mehr Absurditäten obendrauf, scheißt auf jede innere Logik oder Glaubwürdigkeit seiner Figuren. Ständig passieren Dinge, die von großer Bedeutung sein sollten, aber völlig folgenlos bleiben. Es ist nicht mal klar, wer am Ende der Bösewicht war/ist.

Besonders hart trifft es die Protagonistin Jackie, gerade weil ihr eine relativ plausible Backstory und ein solider Charakter-Bogen in den Schoß gelegt werden. Als Ex-Alkoholikerin ist sie von vorne herein schwach, für ihre Umwelt unglaubwürdig und allein. Die Schuld am Tod ihrer Tochter zerfrisst sie, in der kleinen Sarah findet sie eine Chance, ihre Seele zu retten, einen neuen Anfang zu finden, ihre inneren Dämonen zu besiegen. Das ist nicht neu, das kaut auch Elemente von „Aliens“ durch, aber es ist durchaus stimmig.

Nur leider beschließen die Autoren, Jackie diverse Male zu verraten. Die meisten Hinweise auf die Geschehnisse im Havenhurst fallen ihr in den Schoß und ihre geniale Idee zur Provokation der bösen Mächte? Wieder saufen. Und was ein emotionaler Einbruch der Figur sein sollte, ein Versagen ihres Versuchs, nüchtern zu bleiben, endet folgenlos mit einem angedeuteten Kater am nächsten Morgen.

Hinzu kommt, dass „Havenhurst“ technische Probleme hat, mit teilweise schlampigen Soundeffekten arbeitet und die Apartments zu sehr nach Studio-Set aussehen. Die Inszenierung ist suppig und das Ende eine Frechheit.

Aber aus genau diesen Gründen habe ich mich auch gefreut, den Film am Eröffnungstag zu sehen – er ist das perfekte Gegenstück zu „Swiss Army Man“, zeigt die verstaubten, lustlosen und billig zusammen gerührten Klischees des phantastische Genres. So dient er zumindest als Kontrastprogramm.

rotFazit: Ein leider völlig in veralteten Erzählmustern gefangener Thriller, der gute Darsteller und soliden Aufwand mit einer löchrigen und hirnrissigen Story und schwacher Regie hängen lässt. Das Potential eines patenten Gruselfilms alter Schule wird an einen halbgaren Groschenroman verschenkt.

Philipp meint: Hat eine nette Settingidee, die er aber total grottig umsetzt. Eine innere Logik des Films ist nie erkennbar.



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[…] Haus, in dem sie sich angeblich befinden. Die Locations sind – ähnlich wie letztes Jahr bei „Havenhurst“ – zu offensichtlich Bühne, Kulisse, Requisiten. Das Szenario ist nur sehr begrenzt […]

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[…] Army Man ♣ Havenhurst ♣ The Lesson ♣ Shelley ♣ Under the Shadow ♥ Yoga Hosers ♣ Cell ♥ Mojin – The […]