USA 2012 / 82 MIN / ENGLISCHE OV

REGIE GEORGE GALLO
DARSTELLER SELMA BLAIR / AMY SMART / JASON LEE / GIOVANNI RIBISI / KEVIN POLLAK / BEAU BRIDGES / JASON ANTOON

Offizielle Synopsis: Mehr als nur ein Hauch von Melancholie und Film Noir zieht durch das mörderische Apartment-Hochhaus, in dem sich die Exzentriker die Klinke in die Hand geben: Hier wohnt die agoraphobische Millionenerbin Abigail. Ihr gegenüber sind Lilian und Charles frisch eingezogen. Ob ihre Vormieterin Hilary eines natürlichen Todes starb, ermittelt Detective Giardello. Dazu verhört er den kriecherischen Concierge Klanderman ebenso wie den jovialen Hausarzt der alten Dame (Beau Bridges). So hoch wie sich das Luxusdomizil über den Straßen von New York erhebt, so tief sind die Abgründe, die hinter seiner Fassade klaffen.

Kritik: Es ist verwunderlich bis verdächtig, wenn ein Mainstream-Thriller mit einem solchen Cast völlig unter dem Radar herein kommt und auch beim FFF nicht als Highlight präsentiert wird. Da gehen die Alarmglocken an, da riecht man schon den DVD-Release.

„Columbus Circle“ ist ein Upperclass-Verwirrspiel, in dem ein edles Apartmenthouse in New Yorks bester Wohnlage zum Schauplatz des sinistren Plans eines Gaunerpärchens wird, eine zurück gezogen lebende Millionenerbin über den Tisch zu ziehen.

Sind das Spoiler? Ach was. Der Film gibt sich leider keine Mühe, die wahren Absichten der Beteiligten zu verheimlichen. Wir wissen von Anfang an, dass Charles und Lilian Dreck am Stecken haben. Es ist auch ziemlich offensichtlich, dass sie einen Komplizen haben müssen – der sich aus der Besetzung und der begrenzten Figurenzahl quasi von selbst ergibt. Keiner der Twists ist auch nur mäßig überraschend, keine der Figuren gibt uns Rätsel auf. Der „Mordfall“, den der selten auftauchende Polizist eher im Hintergrund untersucht, ist so sehr Staffage, dass er zum Ende hin konsequent ignoriert wird (vielleicht hatte Giovanni Ribisi auch einfach keine Lust mehr und ist heim gefahren).

Klar, dass mit so wenig Drive und so wenig echten Überraschungen irgendwann im zweiten Akt Langeweile einzieht. Es kommt der Teil, der kommen muss: das vermeintliche Opfer dreht den Spieß um. Sowas nennt man in der Autoren-Fachsprache „Popeye Punkt“. Aber auch den vergeigt „Columbus Circle“, weil Abigail sich plötzlich nicht nur völlig untypisch verhält, sondern auch mal eben ihre Agoraphobie „vergisst“. Alles, was wir bis dahin über den Charakter gelernt haben, fliegt aus dem Fenster, um noch irgendwie das Ende zu retten. Es funktioniert nur leider nicht.

Schade eigentlich. Der Cast ist wahrlich nichts, wofür man sich schämen muss und die Locations werden von der beweglichen Kamera glatt und elegant abgefilmt. Wäre das Skript nur halb so clever, wie die Beteiligten glauben, hätte „Columbus Circle“ ein netter kleiner Nagelbeißer in Hitchcock-Manier werden können. Stattdessen verbreitet er gepflegte Langeweile in guter Gesellschaft und ausgesuchter Atmosphäre.

Fazit: Was ein cleveres Betrüger-Karussell sein will, entpuppt sich schnell als Blindgänger, der seine Karten zu früh aufdeckt und dann am Ende zu unglaubwürdigen Mitteln greifen muss, um seinen Plot intakt über die Ziellinie zu bringen. Schade um eine schicke Produktion und einen A-Cast (der sich aber auch keine nennenswerte Mühe gibt).



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